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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-04-14 · 15 (14.4.1905) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
15 (14.4.1905)
Date
1905-04-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1TW» ■-AgtrMtWgHI I«» ■ II l„ i l? r i'% f,.; v- , .K r .;r,;;f' «* r - , K r ■■ ü ' 1?■- Ü: y r •! . Seite 334 Dr. Llocv's Mocvenscvrm. Nr. 15 Nach Einsichtnahme in die Akten gab der Bürgermeister folgende Aufklärungen: 'Pater Miskiewicz habe tatsächlich obiges Faktum erzählt, wodurch Kommissär Janicki und Pvlizeiinspektor Wojtasiewicz sich veranlaßt sahen, vom Pater Noga, der obiges Faktum.dem Pater Miskiewicz hinterbrachte, nähere Aufklärungen zu verlangen. Dieser sagte aus, daß er dieses Faktum von dem Schüler der VI. Realschulklasse Czaplinski erfuhr, der es gesehen habe, wie auf der Peles,gaffe ein als Geistlicher verkleideter Jude mit dem Kruzifix in der Hand, nebst einem zweiten Juden, als Meßner verkleidet und einer Jüdin am Bocke vorbeifuhren. Czaplinski aus die Polizei bestellt, sagte aus, daß er dies am Freitag, und bei einem Widerspruch ertappt, daß er dies Mittwoch gesehen habe. Er berief sich hiebei auf das Zeugnis des Steueramtsbeamten Lozowy, der die in obgeschilderter Weise verkleideten Juden gesehen haben will. Der einvernommene Lozowy sagte aus, daß er in der Tat Mittwoch einen Geistlichen mit dem Kruzifix in der Hand, einem Meßner und eine Frau am Bocke in einem Wagen längsder Pelcszgasse vorbeifahren gesehen, aber es war wirklich ein katholischer Geistlicher, der mit dem heiligen Sterbesakramenten zu einem Kranken fuhr. Auf dem Pfarramte konstatierte man auf Grund der Aussage des Pater MiZ, daß er damals zu einem Kranken, einem gewissen Piskorz fuhr, die Frau hingegen, die am Bocke saß, war eine Familienangehörige, die ihn zum Kranken berief. Der Bürgermeister erklärte nach Verlesung des Berichtes, daß er die Sache an die Bezirkshauptmannschaft zur weiteren Amtshandlung geleitet habe. Auf Antrag des Dr. Borab wurde beschlossen, die Angelegenheit dem Gerichte zwecks Verfolgung der Verbreiter dieser gefährlichen Gerüchte abzutreten. Berlin. Unter Vorsitz seines Präsidenten, des Herrn James Simon, fand am Sonntag, 2. April, eine Sitzung des geschästsführenden Ausschusses des Hilfsvereines der deutschen Juden in seinen neuen Bureauräumen, Lützowstraße 8, statt. Herr Dr. Paul Nathan, der Geschäftsführer des Vereines, gab wie üblich vor Eintritt in die Tagesordnung eine Uebersicht über den Geschäftsgang im I. Quartal 1905. Es ist zu erwähnen, daß erfolgreiche Propaganda-Versammlungen in Bremen, Lübeck, Magdeburg, Mainz stattgefunden haben. Bewilligungen haben platzgegriffeu für die' Aufrechterhaltung des Kindergartens in Jaffa, sowie zweier Kindergärten in Jerusalem, eines Kindergartens in Safed, für die Or-Thora-Schule in Konstantinopel, sowie Unterstützung der russischen Städte: Boguslaw, Bychow, Alexandria, Mohilew, Gory-Gorky, Kischenew, Leovo- Galatz re. rc. Aus dem Berichte geht ferner hervor, daß die Tätigkeit der Vereinsleitung zur Zeit nach wie vor in erster Reihe den Juden Rußlands gilt. Die Lage unserer dortigen Glaubensgenossen wird infolge des Krieges und der zerrütteten Verhältnisse im Innern immer kritischer und doch könne unter Umständen noch Schlimmeres befürchtet werden. Ganz besonders traurig ist die Notlage unter den zurückgebliebenen Familien der im Felde stehenden und gefallenen jüdischen Soldaten. Zur Linderung dieser Not hat der Ausschuß weitere 50.000 Mk. bereit gestellt. Die Gesamtsumme, die der Hilfsverein in der Zeit vom 1. Jänner bis zum 1. April 1905 zu Gunsten der russischen Juden verausgabt hat, beträgt rund 150.000 Mk. Aus den weiteren Verhandlungen ist hervorzuheben, daß die Frage der Begründung neuer Vorschußkassen in Galizien gemeinsam mit der Großloge U. O. B. B. für Deutschland erörtert, und schließlich einer besonderen Kommission zur endgiltigen Beschlußfassung überwiesen worden ist. Ein Mitglied des geschästsführenden Ausschusses hatte die Freundlichkeit, die Verhältniffe in Galizien an Ort und Stelle zu studieren, und es wurde hervorgehoben, daß bei aller Anerkennung der Bedeutung von Hausindustrien für die arme jüdische Bevölkerung Galiziens, deren Einführung und weiteren Ausgestaltung der „Wiener Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" in zweckmäßiger Weise bei dem enorm hohen Zinssatz in Galizien sich angelegen sein läßt, man doch zugleich auch für eine bessere Kreditmöglichkeit zu Gunsten der Glaubensgenossen in Galizien sorgen müsse. Aus der großen Reihe von ferneren Bewilligungen, die der Ausschuß ausgesprochen hat, seien hier erwähnt: 1000 Mk. für die Mädchenschule in Kischenew, 3000 Mk. zur Anstellung eines Handelslehrers an der Schule „Kultura" in Bukarest, 2000 Frcs. zur Ausgestaltung des deutschen Unterrichtes an der Gemeindeschule in Sofia, 250 Mk. für Mazzoth für die Gemeinde Leovo-Galatz in Bessarabien u. s. w. Ueber eine Reihe weiterer Gesuche ist die Beschlußfassung mit der Motivierung vorläufig ausgesetzt worden, daß die Vereinsmittel im gegenwärtigen Augenblick sehr stark von Rußland in Anspruch genommen werden und daß man für eventuelle Katastrophen einigermaßen gerüstet sein müsse. Nachrichten aus authentischen Quellen bestätigen übereinstimmend, daß die russische Regierung die unzufriedenen Volksmassen dadurch beschwichtigen will, daß sie sie auf die Juden, aber auch auf Deutsche und Polen hetzt. Das bevorstehende jüdische Osterfest eignet sich bekanntermaßen sehr gut zur Veranstaltung solcher Judenkrawalle, mit deren Organisierung bereits in Rußland begonnen sein soll. Schon jetzt ist es daher geboten, die öffentliche Meinung der zivilisierten Welt auf diese beabsichtigten Gräueltaten hinzuweisen und die Entrüstung aller Kulturmenschen gegen diese barbarischen Absichten wachzurufen. Berlin. (Ein „lästiger Auslände r".) Ueber ein klassisches Dokument russischer Kultur wird dem „Berl. Tgbl." aus Warschau gemeldet: Im Polizeibefehl befindet sich folgende Bekanntmachung: „Der Herr Oberpolizeimeister teilt mit, daß das Ministerium des Innern dem ausländischen Juden Professor an der Universität in Berlin Leopold Casper erlaubt hat. für kurze Termine nach dem Reich zwecks Konsultation bei Schwerkranken zu kommen. Infolgedessen beauftrage ich die Bezirkskommissäre, bei Ankunft dieses Juden in Warschau mir hiervon durch Vermittlung der dritten Abteilung unter Beifügung des Nationalpasses des Casper Mitteilung zu machen." — Professor Casper, eine Kapazität auf dem Gebiete der Hautkrankheiten, kann wirklich von Glück sagen, daß ihn der Herr Oberpolizeimeister nicht gleick nach Sibirien transportieren ließ! Paris. (Ein Brief des Baron Rothschild an das Konsistorium von Paris.) Zur Hochzeit Rothschild- Halpern hatte das Pariser Konsistorium dem Baron Alphons v. Rothschild seine Glückwünsche übermittelt. Darauf traf ein Antwortschreiben ein, dessen Uebersetzung hier'folgt: „Ich habe die Ehre und das Vergnügen gehabt, die so herzlichen und rührenden Glückwünsche, die Sie freundlicherweise sowohl in Ihrem eigenen als auch im Namen der Gemeinde an mich gerichtet haben, zu empfangen. Madame Rothschild und ich, sowie jeder einzelne von uns, waren tief gerührt über die Gefühle, die Sie uns übermittelten, und wir versichern Sie unserer Dankbarkeit ob ihrer Teilnahme. Es ist ein altüberkommenes Band, das uns an die große jüdische Familie fesselt, der wir ganz und gar ergeben sind. Es reicht aus der Vergangenheit, von unseren Vätern ist es uns überkommen, kurz es ist die Tradition unserer Familie, die auch mein Sohn — davon bin ich überzeugt — Hochhalten wird. Es ist ein süßes Gefühl für uns, zu sehen, in welcher Weise Sie sowohl als die jüdische Gemeindevertretung von Paris an fröhlichen und traurigen Vorfällen, die uns betreffen, Anteil nehmen. Das verschönt noch den einen und nimmt den anderen einen Teil ihrer Traurigkeit und vermehrt nur noch die Dankbarkeit gegen Sie alle." Offizielle Judenhetze in Rußland. Berlin. Schon mehrfach verlautet von einer Aktion gegen die russische Reformbewegung durch ein Versuchen, die Volksleidenschaften gegen Juden und andere Nationalitäten abzulenken und Massakres unter den sogenannten Feinden des Zaren zu veranstalten. Diese gefährlichen Manöver scheinen behördlichen Schutz zu genießen. Dem „Tageblatt" wird berichtet, daß in Südrußland in Hunderttausenden von Exemplaren Aufrufe zirkulieren, die gegen Juden, Armenier, Polen rc. aufreizen, namentlich aber gegen die Juden. Auf Bitten um Schutz wurde behördlicherseits nirgends ein festes Versprechen gegeben. Die Besorgnis besteht, daß der weiße Schrecken wie in Kischenew, Homel und Baku etabliert werden soll. Ueber den blutigen Zusammenstoß in Warschau wird telegraphiert: Beim Begräbnisse eines jüdischen

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