Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 14 (7.4.1905)
- Date
- 1905-04-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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-rette 222 Dr. Diocb's MllocbenscbrM. Nr. 14 mal hofft er, daß sich auch andere begeisterte Juden gefunden haben, aber es sind nur seine Enkel da, die nicht den heiligen Ort schützen wollen, wie er glaubt, sondern das Leben ihres Großvaters. Die Enttäuschung darüber tötet ihn. Das Drama schließt mit den Worten des Revolutionärs: „Vorwärts, Brüder! Wir siegen?" Das Ideal der Enkel steht gegen das Ideal der Ahnen, und es erweist sich als das stärkere . . . Der häufig gehörte Vorwurf, daß so viel schlechte Romane geschrieben werden, erscheint einem fast veraltet, wenn man den soeben in neuer Auflage herausgekommenen Roman „Vereuice" von Heinrich Wollrat Schumacher betrachtet. Es ist eine treffliche Arbeit in welcher sich Wissenschaft und Kunst zu einem höchst anziehenden Werke verbinden. Einzelne Szenen desselben sind mit markerschütternder Kraft geschrieben. Die Zerstörung der heiligen Stadt, der Brand des Tempels, die Preisgebung der gefangenen Judäer in der Arena an die wilden Bestien, die Anteilnahme des Volkes an dem ihm willkommenen, blutigen Schauspiele sind prachtvoll, wenngleich schrecklich, und erinnern in der Plastik ihrer Furchtbarkeit an die Zerstörung Jerusalems von Kaulbach in der Pinakothek. Doch kommen auch stellen von rührender Zartheit in „Berenice" vor, in denen der Leser ausruht, so das Gespräch der beiden blutsverwandten Judäerinnen, der stolzen Salome und der lieblichen Thamar, der Tochter Johannes von Gischala, - welche keine sklavische Nachahmung der „Schwestern" von Georg Ebers sind, allein durch einen Familienzug an dieselben erinnern; die Flucht Debora-Berenices mit Reguel nach Beth-Jden, und die Liebe Gabbas, des Zwerges, zu seiner Jugendgefährtin, der Germanin Wunnehild, und die poetischen alten Sagen, welche in dem Roman geschickt verwebt sind und unter welchen die von der Liebe Hadad- Rimmons und der Göttin Derketo, aus welcher sich die Addnissage'i entwickelt haben soll, als eine der schönsten bezeichnet werden mutz.o Die Illustrationen hierzu, von dem bekannten Maler W. Ganse,-sind mustergiltig und verleihen dem Buche einen besonderen Reiz. .Per Preis ist 2 Mark (Verlag von W. Vobach & Co., Berlin und Leipzig). Neue Bücher. Ost und West. Illustrierte Monatschrift für modernes Judentum. Verlag Ost und W e st. G. m. b. H., Berlin, NW. 23, Altonaerstaße 36. V. Jahrg. Nr. 3. März 1905. Inhalt: B. Wolfs: Die Lebensanschauung des Idealismus. Professor Dr. O. Warburg: Einiges über die zionistische Ostafrika-Expedition (mit 6 Illustrationen). Otto A b e l e s: Geburtstag. Hugo Zuckermann: Schir Haschirim. Dr. Max Steif: Die Purimfeier in historischer Beleuchtung (mit 3 Illustrationen). Rcmbrandt: Haman in Ungnade (nach einem Gemäße). Hermann Sternbach: Heimkehr. Marie Cohen: (mit 8 Illustrationen). Thekla Skorra: „Judenjunge". Dr. Bernhard M ü n z: Eine neue Spinoza-Biographie (II). Dr. W. Liebmann: Moritz A. Simon. Ein Gedenkblatt (mit 5 Illustrationen). S ch a l o m Asch: An den Ufern der Weichsel. Ed. Weiß: Tolstoi und der Talmud. Ein jüdischer Künstlerabend in Berlin. Jules Verne. Arthur Kahn. Entschwindende Gestalten- Erzählungen aus dem rheinischen Gemeinde- und Familienleben. Verlag von I. Kauffmann, Fankfu-rt a. M. Briefkasten. A. Lederer, Egcr. Vielleicht kann Ihnen dienlich sein „Jüdisch Deutscher Dolmetscher" von E. Bischoff. Leipzig 1901. Ul. Auflage CH. Grieben's Verlag. B K. Die geographischen Kenntnisse der neugermanischen Schriftsteller in Wien ersehen Sie aus der Tatsache, daß das „Wiener deutsche Tagblatt" vom 26. März d. I. über die Anwesenheit des deutschen Kaisers in Lissabon unter der Ueberschrift meldet: „Zum Besuche Kaiser Wilhelm in Spanien". Dr. Sch. Die Bemerkung findet sich bei Klausner und lautet wörtlich: „Der nationale Gedanke ist verhältnismäßig jung. Diese Tatsache kann dadurch nicht geändert werden, daß so manche engere oder weitere Gemeinschaft — dem Neugeadelten oder manchem amerikanischen Multimillionär vergleichbar — sich nachträglich einen Stammbaum anfertigen laßt, der mit inbrünstigem Glauben verehrt wird, obwohl er nicht gewachsen, sondern ein Artefakt ist. Auch hier hat der Wille mitgewirkt, der Wille hat den Glauben geschaffen, und der Glaube wirkt Wunder. Neun Zehnteile derer, die auf ihr Germanentum stolz sind, könnten, jeder einzelne, die nötige Intelligenz und Beobachtungsgabe vorausgesetzt, in einer Denkschrift offenbaren: „Wie ich Germane wurde." Millionen hat Houston Stewart Chamberlain zu Germanen „ernannt". Manchem von den eifrigsten Wahlgermanen könnte es begegnen, daß in Walhall der Cherusker Hermann vergeblich versuchte, „im Enkel die einstmals geliebten, stumm redenden Züge des Ahnherrn zu sehn", und in befremdet anredete: „Lieber Mann, sag, was tust du hier? Willst du bei den Germanen einkehren, so mußt du dick wenden!" Veritas. Der Urheber hat das ausschließliche Uebersetzungsrecht nur dann, wenn er es sich ausdrücklich vorbehält, und er muß diesen Vorbehalt auf dem Titelblatte, in der Vorrede oder an der Spitze aller Exemplare des Werkes ersichtlich machen. Ihre Schlußfolgerungen erscheinen uns. also vollkommen richtig. Salmgasse, 3. Bezirk. Die Stiftung der Baronin Hirsch zur Unterstützung von Kleingewerbetreibenden hat ihren Sitz 9. Bezirk, Wasagasse 8. Die Gesuche um Gewährung eines Darlehens sind per Post einzusenden. Die Erledigung läßt ziemlich lange auf sich warten, da einerseits Erhebungen gepflogen werden, andererseits der Einlauf ein so großer ist, daß im Gewährungsfalle die Mittel nicht immer ausreichen. „Honestus 16". 1. Das Gerücht ist vollständig unbegründet. 2. Unter'1.674.957 Einwohnern Wiens sind 102.974, welche als Umgangssprache böhmisch, mährisch oder slovakisch angegeben haben. Die Gesamtanzahl der Juden betrug 146.926 (Ergebnisse der Volkszählung im Jahre 1900). „Anonymus". Besten Gruß und Dank. Sederschüsseln. Anläßlich der herannahenden Pessach-Feiertage werden gewöhnlich'Nachschaffungen in Tafelgeräten 2C. besorgt; demzufolge machen wir unsere geehrten Leser ans die rtirma Brüder Goldmann, I., Adlergasse 3 aufmerksam, woselbst eine reiche Auswahl von allerlei Tafelgeräten, Eßbestecken. Girandoles, Aufsätzen, Jardinieren und Sederschüsseln in solider Qualität und zu reellen Fabrikspreisen vorrätig ist. Giselaverein. Diesem. unter dem Protektorate der Durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Gisela stehenden gegenseitigen Versicherungsinstitute mag es zur Befriedigung gereichen, auch in dem verflossenen Bilanzjahre die größte Produktion unter den Wechselseitigkeits-Anstalten Oesterreich- Ungarns erzielt zu haben. 1904 wurden lö.OuO Verträge über 21 Millionen Kronen Versicherungskapital neu abgeschlossen. Am 1. Mai werden es 95 Jahre, daß der Verein, der die Lebens¬ und Aussteuerversicherung, seit Kurzem auch die Volksversicherung betreibt, seine Tätigkeit begonnen hat. Keine andere einheimische Lebensversicherungs-Gesellschaft vermochte bisher binnen des gleichen Zeitraumes so ansehnliche Resultate zu erzielen, wie der Giselaverein, bei dem jetzt 125.086 Polizzen mit 156 2 Millionen Kronen Versicherungskapital in Kraft bestehen. Aus dem mit zahlreichen graphischen und tabellarischen Aufstellungen versehenen Rechenschaftsberichte läßt fick die steigende Prosperität des Giselavereines, die Sparsamkeit und Umsicht seiner Verwaltung und deren Bestreben erkennen, dem Vorsorgebedürfnisse der Bevölkerung in vollendeter Weise zu entsprechen. Hier die wichtigsten Ziffern: An Prämien wurden 6*b5 Millionen Kronen, an Zinsen 2'56 Millionen Kronen vereinnahmt der Schlußstand der Prämien-Reserven und Prämienüberträge beziffert sich auf 53-42 Millionen Kronen, der Gewinn per 524.000 Kronen ermöglicht auch heuer die Verteilung einer 7 vorigen Dividenden an alle, dem Verein seit 3 Jahren angehörigen Mitglieder. Zahlreiche Sicherheits- und Wohlfahrtsfonde bewirken nicht nur, daß die Prosperität der Anstalt für alle Zukunft gesichert ist, sondern daß auch Töchtern zahlungsunfähig gewordener Mitglieder im Verehelichungsfalle Stipendien zufließen; der Fond zur Ausstattung solcher armer Mädchen wird nach Zuweisung der Dotierung ans der letzten Bilanz über 521.000 Kronen betragen. Die im Vorjahre erfolgte Gründung eines besonderen Fondes ermöglicht die Alters- und Jnvalidenversorgung der Acquisiteure und Inkassanten des Giselavereines, der durch diese sozial-humanitäre Einrichtung auf's Neue beweist, daß er seiner eigenen hiflsbedürftigen braven Mitarbeiter nicht vergißt. Wiener Versicherungsgesellschaft in Wien. Die XXIV. ordentliche General-Versammlung der Aktionäre der * Wiener Versicherungs-Gesellschaft findet am 10. April 1905 um 4 Uhr nachmittags im Hause der Gesellschaft, IX., Kolingasse 6, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Rechenschaftsbericht des Vorstandes, Vorlage der Bilanz und der Betriebsrechnnng pro 1904, sowie Berichterstattung des Verwaltungsrates. 2. Bericht des Revisionsansschusses. 3. Beschlußfassung über die Bilanz und Betriebsrechnung, sowie über die Verwendung des Reingewinnes. 4. Abänderung des § 1 der Gesellschaftsstatuten. 5. Wahl des Nevisionsausschusses für die Dauer von drei Jahren. _ Wiener Lebens- und Nenten-Dersicherungsanstalt in Wien. Die p. 1. Herren Aktionäre werden hiermit zur XXIII. ordentlichen General-Versammlung eingeladen, welche am 10. April 1905 um halb 5 Uhr nachmittags IX., Kolingasse 6 abgehalten wird. _