Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 14 (7.4.1905)
- Date
- 1905-04-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Sk. 14 Dr. Mocb's Mocbenscvritt. Sette 217 jüdischen Kunstgegenständen, die einzig in ihrer Art ist. Nennenswert ist auch seine Sammlung jüdischer Münzen. Diese Objekte, die einen nach vielen Tausenden zählenden Wert haben, fallen einst der Berliner Bibliothek zu. Berlin. Die „Tägl. Rundschau" schreibt: „Eine alte Ehrenschuld ist vom Kultusministerium beglichen worden: der Charlottenburger Stadtrat und Syndikus der Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft, Dr. Ignaz Jastrow, ist endlich zum außerordentlichen Professor ernannt worden. Zwanzig Jahre lang hatte Jastrow an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Univerfität als Privatdozent gewirkt. Er hatte als Wirtschaftshistoriker begonnen und sich dann der Nationalökonomie zugewandt; auf beiden Seiten leistete er gleich Vortreffliches; an seiner Gelehrsamkei war ebensowenig Zweifel möglich, wie an seiner Lehrbefähigung. Trotzdem hat er, wie gesagt, zwanzig lange Jahre im Schatten stehen müssen; erst als Achtundvierziger erreichte ihn jetzt die Würde des Extraordinariums. Ueber diese Zurücksetzung ist schon vor ein paar Jahren im Reichstage Beschwerde geführt worden. Als bei der Gründung des „Reichsarbeitsblattes" ein älteres, von Jastrow auf eigene Gefahr ins Leben gerufenes Institut matt gesetzt werden sollte, beklagte man mit Recht, daß damit die Interessen eines ohnehin oft genug benachteiligten Mannes aufS neue geschädigt würden. Damals sprach Posadowsky das vielbeachtete Wort: Das Reichsamt ist leider nicht die Stelle, um wissenschaftliche Dienste zu belohnen. Ueberall verstand mau die Anspielung, nur im Kultusministerium nicht, wo man sich noch anderthalb Jahre besann, bis man spät, sehr spät Jastrow's wissenschaftliche Verdienste belohnte. — An Professor Jastrow wird eine Professur für Verwaltungswissenschaft übertragen werden." — Die Zurücksetzung Jastrow's hatte wohl in der Hauptsache ihren Grund in seiner Eigenschaft als Jude. Amsterdam. Es ist eine erfreuliche Erscheinung, daß das Interesse für die Bestrebungen der Alliance Israslite universelle fast überall zunimmt. Nicht allein in Deutschland erkennt man wiederum ihre überaus erfolgreiche Tätigkeit an, auch anderwärts, besonders in den Niederlanden gewinnt die Alliance, hier unter dem Namen „Allgemeen Israelitisch Verbond" bekannt, neuen Boden. Auf der letzten Generalversammlung aller holländischen Komitees im vergangenen Sommer wurde beschlossen, an die Rabbiner das Gesuch zu richten, für die Alliance in Wort und Schrift wirken zu wollen. Die holländischen Rabbiner gaben dieser Anregung Folge, und so haben denn in letzter Zeit bereits große Versammlungen in Rotterdam und Leenwarden mit bedeutendem Erfolge stattgefunden. Das Komitee in Amsterdam hatte den Rabbiner von Köln Dr. Frank gebeten, in der am 6. März stattfindenden Versammlung die Rede zu halten. Dr. Frank, ein geborener Holländer, der seit 30 Jahren als Mitglied des Zentralkomitees sehr rege und segensreich wirkte, folgte dem an ihn ergangenen Rufe. Die Versammlung fand in dem großen Saale des „G e b o u w vor den Hand Werker st and" in Gegenwartvon etwa 500 Zuhörern und Zuhörerinnen statt. Berichterstatter sowohl jüdischer wie nichtjüdischer Blätter waren anwesend und brachten in kürzerer oder größerer Ausführung Berichte über den Verlauf der Versammlung. Alle hoben hervor,daß die hervorragendsten Elemente der Amsterdamer Judenschast anwesend waren. Der Vorsteher des Kirchenrates der Amsterdamer Gemeinde, Herr Advokat M. E. Ascher, umgeben von allen Mitgliedern des Komitees, das aus Aschkenasim und Sephardim besteht, eröffnete die Versammlung mit entsprechenden einleitenden Worten. Hierauf hielt Dr. Frank einen anderthalbstündigen Vortrag, in welchem er auf das große Werk der Alliance, an dein die Judenheit der ganzen Erde Anteil hat, in großen Zügen hinwies. Die unterdrückten und verfolgten Glaubensgenossen aller Länder pstegen von ihr moralischen Beistand und materielle Hilfe zu erwarten. Ganz besonders wurden die Leistungen der Alliance auf dem Gebiete der Erziehung und des Unterrichtes hervorgehoben; mit Hinblick auf das bevorstehende Purimfest, dessen Geschichte sich auf perfischem Boden abspielte, wurde auf die vielen Schulen für Knaben und Mädchen hingewiesen, welche von der Alliance in den letzten Jahren in Perfien ins Leben gerufen wurden. Die Königin^ Esther war die erste, die das große Zaurbewort für die Erhaltung der Juden in Zeiten der Not und Verfolgung ausgesprochen hat; sie rief ihrem Onkel Mordechai zu: „Geh' hin und sammle alle Juden!"; die erste Ermahnung zur Gründung einer Alliance Israöiite Universelle. Zahlreiche Beitrittserklärungen, welche zum Teil noch am Abend selbst erfolgten, legen Zeugnis ab von der verständnisvollen Zustimmung, die der Redner in der Versammlung und in weiteren Kreisen gesunden. Vermischtes. Wien. Samstag den 15. d. M. um halb 4 Uhr nachmittags hält Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Mayersohn in der Vereins-Synagoge „Beth Israel", II., Leopoldsgasse 29, eine Drascha. Wien. Am 26. März d. I. wurde auf dem hierortigen Zentralfriedhofe Herr Dr. Ludwig B o t st i b e r zu Grabe getragen, der durch nahezu vierzig Jahre in Waag-Neust a d t l als praktischer Arzt wahrhaft segensreich wirkte. Ausgestattet mit den schönsten Gaben des Geistes und Herzens, verband er mit tiefem umfassendem. Wissen und reichem Können ein seltenes Maß von Hingebung, Aufopferung, Selbstlosigkeit. Der Verblichene zeichnete sich durch Adel und Vornehmheit der Gesinnung, Lauterkeit des Charakters, Begeisterung für alles Gute und Schöne, idealste Menschenfreundlichkeit aus, welche sich in der lebhaften Fürsorge für arme Kranke glänzend betätigte. Mit glühendem Eifer widmete er sich durch Jahrzehnte den Angelegenheiten der dortigen jüdischen Schule, die mit Recht zu den Musteranstalten Ungarns gezählt wird und da war es vornehmlich die Hebung der materiellen Lage und der sozialen Stellung der Lehrer, für die er seine volle Kraft einsetzte. Durch dieses sein Wirken und Schaffen hat der treffliche Mann die Hochachtung und Verehrung aller Bevölkerungsklassen ohne Unterschied der Konfession errungen, welche in der allgemeinen innigen Teilnahme für die tiefgebeugte Familie, wie auch in der Entsendung von Delegierten seitens des Kultusvorstandes und der Schulbehörde zum Leichenbegängnisse würdigen Ausdruck gefunden. Herr Ludwig Botstiber hat sich ein dauerndes Andenken im Herzen aller, die ihn kannten, gesichert und wird dasselbe, als das Andenken an eine edle, harmonische, von reinster Humanität beseelte Persönlichkeit, ein ehrenvolles, gesegnetes sein! Dr. 8p. Wien. Der Hauptgottesdienst am letzten Samstag in der Synagoge der Seitenstettengasse wurde durch eine überaus schöne Barmizwahfeier ausgezeichnet, die vermöge der betreffenden Familie in weiten Kreisen lebhaftes Interesse erregte: Herr Direktor Adolf W e i s s e vom Deutschen Volkstheater führte seinen Sohn Hans in den Pflichtenkreis eines Israeliten ein. Nachdem der sich allseitiger Beliebtheit erfreuende Vater zur Thora gerufen worden war, rezitierte der Konfirmand mit vielem Verständnis die Hafthora; die schlichte, einfache Weise, mit welcher Hans seiner Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit Aller gerecht wurde, gereicht ebensowohl der auf jüdischer Grundlage das Haus führenden Familie, als auch dem jüngsten Mitgliede unserer Glaubensgenossenschaft, aber nicht in letzter Reihe dem Unterweiser des Knaben, Herrn Professor Dr. Heinrich Pollak, zur Ehre. Die Familie Direktor Weisse. war aus diesem Anlaffe Gegenstand zahlreicher Kundgebungen der Sympathie und Verehrung. Wien. (Trauung.) Am 16. April findet im Tempel des VI. Bezirkes in der Schmalzhofgasse die Trauung des Herrn Maximilian Stein, Teilhabers der Großindustriellen-Firma S. Stein in Wien, mit Fräulein Betti Sternberg statt. Der Bräutigam ist ein Sohn des noch in weitesten Kreisen in gutem Andenken stehenden Großindustriellen weiland Herrn Salomon Stein.