Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-04-07 · 14 (7.4.1905) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
14 (7.4.1905)
Date
1905-04-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021602-3021617--14400-3039107
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 212 Dr. Dlocb s MLocdenscbrM. Nr. 14 Polizist, der die Sachen gefunden hat, ist, „wie man glaubt", von den Juden bestochen, die christliche Bevölkerung ist in großer und berechtigter Aufregung. Die Campagne wäre also eröffnet und die Generalstäbler des „D. V." können ruhig darüber fein, — sie wird ihre gewünschten Folgen haben. Es werden, mag die Sache gehen wie immer, wieder zehn, zwanzig oder hundert oder tausend, je mehr, desto erwünschter den Herren, arme, unschuldige Menschen gequält, geplündert, vielleicht erschlagen, jedenfalls unglücklich gemacht werden. Getrost, das hohe Ziel wird erreicht werden. Nichts ist so widersinnig, daß es einer fanatisierten Menge nicht cingeredet werden könnte. Seit Jahrhunderten spukt die Märe von dem Ritualmord in den durch die Leidenschaft verwirrten Gehirnen der Judenhasser. In all den Jahrhunderten ist nicht ein einziger Fall erwiesen, ist jede einzelne dieser verrückten Anklagen glänzend und selbst der niedrigsten Intelligenz einleuchtend ividerlegt worden, aber Geschäft ist Geschäft und man muß auch für den Einzelverschleiß etwas tun, und so wird denn die alte Legende immer wieder ausgetischt. Gewöhnlich sind es kulturfernc Dörfer und Bevölkerungsschichten, innerhalb welch r die Schauermär wieder auftaucht und geglaubt wird. Warum, da es doch religiös gesinnte Juden überall gibt? Weil in den Kulturzentren die ungeheure Dummheit der unsinnigen Beschuldigung doch allzulcicht von einem zu großen Teile der Bevölkerung erkannt würde und weil endlich, da es einen Geistespöbel doch überall gibt, in Kulturzentren ein Gerichtsverfahren waltet, das derartige Räuberromane richtig zu werten weiß. Für solche Mordgefchichten gibt es nur ein Lebenselement und nur eine einzige Voraussetzung der Existenzmöglichkeit, und das ist die Atmosphäre allgemeiner Kulturlosigkeit. Girr Wort über de« Mtttelfch«Urhrer-Tag. Ich habe nicht die Absicht gehabt, über die Konferenz der Religionslehrer einen Bericht in dieser Zeitung zu veröffentlichen, nicht etwa als ob die Konferenz nicht verdient hätte ein Wort der Erwähnung, ich ging von dem Standpunkte aus, es sind ja genug Herren Kollegen aus Wien dagewesen und der geehrte Redakteur und Eigentümer dieses geschätzten Blattes war ebenfalls anwesend, nun haben s i e geschwiegen — muß ja ein triftiger Grund vorhanden sein — eben dieses Verfahren s o einzuhalten. In der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", Berlin, hat aber diesen Gegenstand der „Jvri" angeschnitten und es wäre unpassend, wenn in unseren — ich möchte beinahe sagen — lokalen und uns näher gelegenen Blättern keine Notiz stünde. Herr „Jvri" wird den Lesern dieses Blattes nicht unbekannt sein. Hat es ja für richtig gefunden Se. Ehrwürden Herr Bezirksrabbiner Dr. A. Biach, k. k. Proseffor, den „Jvri", um mich eines technischen Ausdruckes zu bedienen, zu „vermoppeln". Ich kenne zufälliger Weise Herrn Dr. Biach und kenne den Herrn „Jvri". Es sei mir gestattet, nur eine Bemerkung zu dieser „Abfuhr" zu machen. Herr Dr. Biach — den ich persönlich — wie gesagt kenne und schätze — kennt' den „Jvri" nicht. Diese Voraussetzung muß ich annehmen. „Jvri" versorgt die „Allgemeine Zeitung des Judentums" seit einer Reihe von Jahren mit Artikeln, betitelt „Brief aus Oesterreich". „Jvri" besitzt die Gabe, glatt, fließend, interessant seine Briefe abzufaffen — die jedenfalls mit Vergnügen gelesen werden. „Jvri" ist ein überaus gebildeter Mensch — und um dessen segensreiche Wirksamkeit ihn mancher Rabbiner beneiden könnte — ich bedauere es. einzugestehen — ich bin schon fünf Jahre Rabbiner, bin jetzt Rabbiner sogar in der vier tgrößten Gemeinde Oesterreichs — ich kann auf so viel positive Werke nicht Hinweisen — wie es tatsächlich „Jvri" vor Jahren bereits hat tun können. Es ist nicht meine Aufgabe, „Jvri" zu verteidigen, zumal die Wenigsten es wissen werden, woher er stamme und welch sein Name, ich wollte nur die Leser dieses Blattes aufmerksam machen, daß Herr Dr. Biach den „Jvri" sehr unterschätzt, — würde Herr Dr.' Biach wissen — wer „Jvri" ist — hätte er aus Gerechtigkeitssinn den Mann anders behandelt. Mit den letzten Ausführungen des Herrn „Jvri" in der „A. Z. d. I." kann aber auch ich mich trotzdem nicht einverstanden erklären. Der „Jvri", von einem Gefühl der Bitterkeit befangen, macht den Rabbinern versteckt Vorwürfe — die wir doch nicht verdienen. Herr Jvri schreibt: „Wir können aber nicht umhin, hier ausdrücklich zu bemerken, daß es nicht unsere geistlichen und weltlichen „Größen" waren, die bei Begründung unseres Religionslehrerverbandes zu Gevatter gestanden, sondern daß es einige schlichte Jugendbildner gewesen, die diesen Verein ins Leben gerufen haben und dem sie jetzt viele Titel und Stellungen verdanken. Das sollten diejenigen am allerwenigsten vergessen, die sich zu beleidigenden Ausfällen hinreißen lassen, wenn man es einmal wagt, nicht ganz von ihrer Gottähnlichkeit überzeugt zu sein." Oder „Gar mancher, der jetzt den Titel „Professor" führt, weiß nicht oder scheint cs zu vergessen, daß seine Vorgänger im Amte den nicht sehr schönen Titel „Nebenlehrer" führten." Ich habe hier wörtlich die Ausfälle zitiert, die gegen einen Stand erhoben werden, der doch selber die meisten Religionslehrer entsendet. In Bezug auf die Frage, durch welche Mittel und auf welche Weise die jüdische Jugend für dieSache des Judentums gewonnen werden könnte, meint „Jvri", daß man den Einfluß aufs Haus haben müßte, denn da ist der Urquell des „Guten" und „Schlechten". Aber wie man Einfluß aufs Haus nehmen könnte, weiß uns „Jvri" nicht anzugeben. Und dies ist eben der schwierigste Punkt; ob nun die Religionslehrer recht handeln, wenn sie durch unbeugsame Strenge ihren Schülern Liebe zum Judentum einflößen wollen, darüber ließe sich sehr reden. Ich kenne eine Stadt, in der die Schüler kaum das fünfzehnte Lebensjahr erwarten können, um aus Aerger und Verdruß über den Religionslehrer sich konfessionslos zu erklären! Unreife Jungen tun es, um den Lehrer zu kränken. Welchen Schaden man dadurch dem Judentum zufügt, läßt sich nicht mit einigen Worten abtun und überblicken. Die Ursache ist die Demonstration gegen die „verhaßten Religionslehrer" und die Wirkung — Abfall vom Judentum,?, diesdieWirkungdesüberaus großen Eifers. In diesem Punkte würde ich mehr Einsicht und Nachsicht meinen Kollegen empfehlen. Nun höre ich den Vorwurf, ich hätte über alles andere gesprochen, nur nicht über die Tagung des Religionslehrerverbandes. Ganz recht. Die Gewandtheit und den Takt des Vorsitzenden muß ich besonders hervorheben, mit scharfem Blicke hat er vorausgesehen, welche Schwierigkeiten sich der Durchführung eines solchen Planes in den Weg stellen, sowohl die formellen, als die inhaltlichen. Es gibt Männer, die aus persönlicher Eitelkeit schon deshalb nicht gewillt sind, die geistigen Elaborate der anderen zu akzeptieren, weil sie eben nicht die anderen sind, zumal wenn der Plan, sagen wir, von einem Wiener Rabbiner ausgeht. Ist denn der Provinzrabbiner etwas weniger? Ich gebe ja auch recht gerne zu, daß manche Provinzrabbiner möglicherweise tüchtiger find als manche in großen Städten; bei der Anstellung spielen ja auch andere FaUoren mit, nicht nur Wissen, Tüchtigkeit und Gründlichkeit, aber deshalb braucht man doch nicht mit scheelen Augen die Kollegen in den großen Städten anzusehen; wenn es sich aber nun um einen Kollegen, der aus Deutschland kommt, handelt, spürt man gar die Gereiztheit! Wir Juden sollen doch nicht engherzig sein. Die geistige Konkurrenz muß und soll frei sein. Sollen wir den deutschen Juden mit gleicher Münze bezahlen, wie uns der deutsche Staat begegnet, was würden die ungarischen Kollegen sagen, die doch die besten Stellen in Mähren und Schlesien bekleiden, wenn man ihnen mit solchem Mißtrauen begegnen würde? Die meisten Stellen haben die Ungarn nur aus dem Grunde, weil sie eben tüchtig find. Diese nur hingeworfene Bemerkung werden Eingeweihte verstehen. Um nun einen einheitlichen Plan für die Mittelschulen auszuarbeiten, der auch dann von den sämtlichen Lehrern angenommen werden und durchführbar sein könnte, müßte man vorher an die meisten Lehrer folgende Fragen stellen: „Was haben Sie bis jetzt unterrichtet, welche Vorkennt"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.