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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-03-31 · 13 (31.3.1905) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 204 Dr. Bloch's Wochenschrift. Wr. 13 Prag. Im Stadtrate wurde konstatiert, daß an die Niederreißung der Altneusynagoge nie gedacht worden sei und daß wegen Erhaltung des alten jüdischen Rathauses Verhandlungen mit der israelitischen Kultusgemeinde-Repräsentanz eingeleitet wurden. Tachau (P u r i m v e r a n st a l t u n g e n.) Mittwoch den 22. Mürz d I. fanden hier anläßlich des Purimfestes Kinder-Theateraufführungen statt, wckche einen glänzenden Verlauf nahmen. Eingeleitet wurden dieselben mit einem von der Bürgcrschülerin Hedwig Schön sehr gut zum Vortrage gebrachten Festgedichte von Baume!: „Das Fest der Lose". Hierauf zwei einaktige Märchen, „Die Arbeit", „Das Wunderglöckchen" und die Kinder-Burleske, „Die Berliner Rangen", in denen so manche Kinder Rollen schufen, die einer großen Bühne Ehre machen würden. Namentlich waren es Elsa Adler als Gretchen, Klara Steiner als Martha, Rosa Kohn als Bettlerin und Karl Adler als enfant teirible, die sich in Auffassung und Durchführung ihrer Rollen besonders bemerkbar machten. Herr Religionslebrer Josef Schön erntete für die exakte Leitung und ge ungene Durchführung reichen Beifall und besondere Anerkennung von den anwesenden Honoratioren, wie z. B. Herrn Bürgermeister und ehemaligen Reichsratsabgcordneteu Heinrich Swoboda, Herren Schuldirektoren mit dem Lehrkörper u. s. w. Sämtlichen Gönnern und Freunden, die zum Gelingen dieses schönen Festes beigetragen, sei hier der Dank ausgedrückt, namentlich Herrn Bürgermeister Heinrich Swoboda für die mnuificente und unentgeltliche Verstellung des Theatersaales im Vereins- Hause. — Am Samstag den 25. d. M. fand in den Saallokalitäten des Gasthofes „zum Bären" ein sehr animiertes Purimkränzchen statt, welches von Einheimischen und Fremden sehr gut besucht war und ein ziemliches Erträgnis lieferte, welches der „Israelitischen Union" in Wien zugewiesen wurde. Erhitz. Bei der jüngst stattgefundenen Gemeindevorstandswahl der Jsraelitengemeinde Mißlitz wurden Herr Josef Haus er zum Bürgermeister, Herr Adolf König zum ersten Gemeinderat, Herr Salomon König zum zweiten Gemeiuderat einstimmig wiedergewählt. Meran. Sonntag den 2. April l. I. (26. Weadar 5665) mittags 12 Uhr wird aus Anlaß der 20. Wiederkehr des Todestages des Dichters Perez Smolensk y auf dem hiesigen israelitischen Friedhof eine Gedenkfeier abgehalten, wobei die neuerrichtete Grabeinfriedung ihrer Bestimmung übergeben und Herr Rabbiner Dr. T ä n z e r die Gedächtnisrede halten wird. ^»rodercka. Am 23. d. M. starb hier Herr Sigmund Engel, Vater des Bezirksrabbiuers Dr. Max Engel in Kroat.-Kreutz, im 73. Lebensjahre. Er gehörte dem Gemeindeamte 32 Jahre an und entwickelte in demselben eine rege Tätigkeit. Ferner war er 31 Jahre Vorsteher der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, Mitglied des Schulrates und Bezirksausschusses und bekleidete noch viele andere Ehrenswllen. Was ihm aber die Sympathien hauptsächlich erworben hat, war sein Wirken zum Wähle der Stadt und der israelitischen Gemeinde, in deren Mitte sein Heimgang eine Lücke zurückließ. Unter allgemeiner Teilnahme aller Konfessionen fand die Beerdigung statt. Der hiesige Rabbiner M. A s ch k e n a s i widmete ihm einen tief empfundenen Nachruf. David Popper, der berühmte Violoncell-Virtuose und Komponist, feierte im Laufe dieses Monats sein vierzigjähriges Künstler-Jubiläum. Aus diesem Anlaffe hatte sich aus dem engeren Kreise der Freunde und Verehrer des Künstlers in Budapest ein Komitee konstituiert, deffen Präsidium aus den Herren Grafen Albert Apponyi, Edmund von Mihalovich, Johann von VSgh und Alexius von Lippich bestand und welches sich die Lcttung und Durchführung der Jubiläumsfeicrlichkeiten zur Aufgabe gemacht hat. Das Programm lautete: Am 26. März, vormittag 11 Uhr, versammeln sich im Konzertsaale der königlich ungarischen Landes-Musikakademic zu Budapest die Verehrer des Meisters, um ihm ihre Huldigung darzubringen. Am 29. März, abends halb 8 Uhr, findet im großen Saale des „Hotel Royal" ein Konzert statt, welchem ein Fest-Bankett folgt. Außerdem hat das Komitee beschlossen, an der königlich ungarischen Landes-Musikakademie, deren Professorenkörper der Gefeiette angehört, eine seinen Namen tragende Stiftung zu errichten, deren Zinsen zur Unterstützung befähigter und mittelloser Zöglinge des Violoncellfaches bestimmt sind. Beiträge zu diesem Stipendien-Fouds bittet man an Herrn Josef Lukacs, Budapest, V., Badgaffe 6, zu richten. Palästina-Handelsgesellschaft m. b. H. in Hamburg. Die erste ordentliche Versammlung dieser Gesellschaft fand am 28. Februar d. I. unter dem Vorsitze des Herrn Sally M. Mainz statt. Vertreten waren 19 Gesellschafter mit 140 Stimmen. Der Vorsitzende erstattete Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr, welches nur die drei Monate der Organisation umfaßt, und legte die Jahresbilanz vor. aus welcher sich erwies, daß den Handlungs- und Organisations-Unkosten in Höhe von ca. I i.000 Mark, Gewinne auf Waren- und Zinsen-Kouto in Höhe von 8000 Mark gegenüberstehen, erstere also zum großen Teil bereits hereingebracht sind. Die Gesellschaft beschloß, den pedenten Saldo von zirka 2900 Mark auf ueue Rechnung vorzutragen und erteilt Vorstand und Beirat die erbetene Decharge. Die statutenmäßig durch das Los ausgeschiedenen Mitglieder des Beirates, Herren Sally M. Mainz und Emil Magnus, ebenso wie die beiden Rechnungsprüfer, Herren I. Kronheimer und A. Bleichröder, werden durch Zuruf wiedergewählt. Polen, Juden und Russen. Wie die „Vossische Zeitung" aus Petersburg meldet, ist die Vereinigung der polnischen, jüdischen und russischen Mittelparteien zur Tatsache geworden. Die Polen versprachen dabei, großpolnische Wünsche fernzuhalten. Das alleinige gemeinsame Ziel soll die Verfassung sein. Die Regierung scheint die Bedeutung dieses Ereignisses zu unterschätzen, doch kann mit Bestummtheit behauptet werden, daß einzig die Beendigung des Krieges den für April und Mai bevorstehenden Aufstand hintanzuhalten geeignet wäre. - Es ist ja klar, daß nur eine solche Vereinigung in Rußland sowohl auf friedlichem wie auf anderem Wege etwas erreichen kann. Aber die Juden werden gut tun, sehr auf der Hut zu sein, daß sie nicht wieder etwa die Kastanien für die anderen aus dem Feuer holen und dann zuletzt zum Dank dafür noch Schläge obendrein bekommen. So ohne Beispiel wäre ein solches Verfahren, besonders von Seiten der edlen Polen, nicht eben. Man wird auf die nächsten Schritte dieser Vereinigung gespannt sein dürfen. Russisches, Allzurussisches. Moskau ist der Centralpunkt für die aus dem Kriege zurückkehrenden kranken und verwundeten Soldaten. Der größte Teil von ihnen wird in den dortigen Militärs- und Privatkrankenhäusern ausgenommen. Nun gehört Moskau nicht zu den Städten, in denen den Juden das Wohnrecht gewährt ist. Die Aerzte behandeln die jüdischen Soldaten in den Krankenhäusern human. Dagegen halten die russischen Verwaltungsbehörden die Praxis der Ausnahmegesetzgebung gegen die Juden auch mit voller Strenge gegen die unglücklichen Opfer des Krieges, die Kranken, Verwundeten und Sterbenden aufrecht. Die jüdischen Frauen werden nicht zu den Krankenbetten ihrer Männer gelassen, da sie das heilige Moskau nicht betreten dürfen, und die Männer, mögen sie auch zu Krüppeln geschossen und arbeitsunfähig oder siech sein, werden in dem Augenblick, wo sie das Krankenhaus verlassen, aus Moskau ausgewiesen. .. Man sieht aus den angeführten Tatsachen, daß Rußland . nicht einmal Wert darauf legt, im jetzigen Augenblick wenigstens die Gefühle jener zu schonen, die ihre Gesundheit für das russische Reich geopfert haben. Wie kann eine solche Regierung eine Stütze in der Bevölkerung finden! Feuilleton. Jerusalem und Umgebung. Reiseeindrücke aus dem modernen Palästina, nach Adolf Kohn's Schilderungen, mitgeteilt von Moritz A n t s ch e r l in Wien. (Fortsetzung und Schluß.) Bemerken wollen wir noch, daß die Hitze an diesem Tage nicht so drückend war, wie in unseren Gegenden, die Luft war ungemein rein und das Gehen im Freien nicht beschwerlich. Innerhalb der Stadt Jerusalem gibt es wenig Staub, umsomehr aber in der heißen Jahreszeit außerhalb der Mauern, wo die zahlreichen Wagen und Reiter das ihrige zum Aufwirbeln desselben beitragen. Künstliches Eis wird jetzt auch in Jerusalem erzeugt und wird sehr erfrischende Limonade zu 2 und 4 Heller überall feilgeboten. Für den Sabbat hat jedes jüdische Haus einen „Scholen- Ofen, dem jederzeit heißer Thee und eben solche Suppe und Speisen zu Mittag entnommen werden können. Zum Kochen der Speisen werden überall Holzkohlen benützt. — Eisenmöbel u. zw. Eisenbetten sahenwir zumeist überall; der Erdboden in den Wohnungen ist gewöhnlich mit Steinplatten belegt oder man findet — wie in den bocharischen Häusern — auch Mosaikböden. Zwei Auslaufbrunnen sahen wir auch in Jerusalem, gespeist, wie man uns sagte, von den Salomons-Teichen bei Betlehem, sonst benützt man meist das ganz schmackhafte und reine Zisternenwasser. Von Obst fielen uns schon im Juli Weintrauben und Feigen besonders auf, die ersteren von vorzüglichem Geschmacke waren anfangs zu 25 Heller das Kilo, später bedeutend billiger. Auch das Spital „Bikur chaulim“ mußte einer von uns für einige Tage in -Anspruch nehmen. Besondere Reinlichkeit herrscht darin; die Kost ist sehr gut und kräftig und liebevolle

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