Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 13 (31.3.1905)
- Date
- 1905-03-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 202 Dr Blocbs 'G&ocbenscbrift. Nr. 13 statt des kaiserl. Rates Mandl kaiserl. Rat Heinrich S u b a k neugewählt. Zu Revisoren wurden Ignaz Schulz und Gustav Tandler gewählt. Dr. S ch i m m e r l i n g beantragt, dem Vorsitzenden für seine umsichtige Leitung zu danken und wird nach beifälliger Annahme dieses Antrages die Versammlung geschloffen. Brünn. Hier ist der Professor der deutschen Landes- Oberrealschule Herr Moriz Brecher gestorben. Brecher, der einer angesehenen Proßnitzer Familie entstammte, erreichte ein Alter von 67 Jahren. Obwohl schon lange leidend, war er in seinem Lehramte dennoch bis in die letzte Zeit eifrig tätig. Die Landes-Oberrealschule, an der er französische und englische Sprache lehrte, verliert in Brecher eine ausgezeichnete Lehrkraft, der Lehrkörper einen aufrichtig geschätzten Kollegen und die Schüler einen jederzeit gütigen, väterlichen Freund. Auch in weiteren Kreisen war Professor Brecher infolge seines bescheidenen, freundlich entgegenkommenden Wesens außerordentlich beliebt, wozu seine vielumfaffende Bildung und seine reichen Erfahrungen nicht wenig beitrugen. Die „Oesterr. Wochenschrift" verliert ebenfalls in dem Heimgegangenen einen treuen Freund und Mitarbeiter. Das Leichenbegängnis des Verstorbenen, der auch einige Zeit dem israelitischen Kuttusvorstande angehörte, fand unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung statt. Die Trauerrede hielt Landesrabbiner Dr. P l a cz e k, der in warmen, beredten Worten die Verdienste des Verblichenen hervorhob. Im Namen des israelitischen Humanitätsvereines „Moravia, Bnai Brith" sprach Stadtrat Dr. F e it h, im Namen der „Schlaraffia Bruna" Direttor Martin Mayer. Unter den Trauergästen befanden sich auch die Oberrealschuldirettoren Z a a r und Strzemcha nebst zahlreichen Vertretern der Lehrkörper dieser Anstalten, ferner das Gemeindeausschußmitglied Architekt Neb eh osten y und viele Vertreter der Industrie. Auch eine große Anzahl von Schülern des Verstorbenen gab ihrem Lehrer das letzte Geleite. Prag. Als Gast des Zentralvereins zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag hielt im Prunksaale des „Hotel Central" am 25. d. M. Herr Dr. S. Frankfurter, Kustos an der k. k. Universitätsbibliothek in Wien, einen Vortrag „über altjüdisches Erziehungswesen im Lichte moderner Bestrebungen". Der bekannte Gelehrte entwarf in seiner Einleitung die Grundzüge der Pädagogik und bot sodann einen historischen Rückblick über den Bildungsgang bei den alten Juden, der sich auf der mächtigen Grundlage von Bibel und Talmud aufbaute. Mit fünf Jahren schon begann das Lesen der heiligen Schrift, mit 10 Jahren folgte die Lehre der Bibel und der Fünfzehnjährige oblag bereits eifrig dem Talmudstudium. An der Hand dieser Quellen wurden auch die ersten Begriffe aus der Naturgeschichte beigebracht und weiteres Wissen, insbesondere aber auch die Grundzüge der Ethik vermittelt, wobei jedoch die Beachtung der jeweiligen individuellen Veranlagung als Gebot galt und die Liebe zur Arbeit, insbesondere zur handwerksmäßigen gefördert wurde. An der Hand von interessanten Beispielen wies sodann der Redner das Vorbildliche der altjüdischen Lehr- und Erziehungsweise für die noch heute geltenden, zumal erst in jüngster Zeit sich bahnbrechenden Methoden, insbesondere der analytischen Unterrichtsmethode nach, berührte die Stellung der Frau im Bildungswesen und schloß mit einem Hinweis auf Goethe, dessen Aussprüche auf dem Gebiete der Pädagogik bereits in talmudischen Sätzen ihre Vorläufer finden und der in der Charakterisierung des jüdischen Stammes dessen Bedeutung nicht nur für die Vergangenheit, sondern auch für Gegenwart und Zukunft die gerechteste Würdigung angedeihen ließ, weshalb es Sache der Juden bleibt, sich auch in aller Folge dieses Urteiles wert zu zeigen. Der Vortrag, dessen überreiches Thema sich in einstündiger Behandlung auch nicht annähernd erschöpfen läßt, wußte das Spröde des Vorttagsstoffes mit kundiger Hand zu meistern, und der lebhafte Beifall der, trotz kollidirender Veranstaltungen, zahlreichen Zuhörerschaft brachte den spontanen Dank für die ungemein lehrreichen und feingeistigen Ausführungen zum beredten Ausdrucke. Bei dem anschließend an den Bortrag im „Hotel Bristol" veranstalteten Gesellschaftsabende begrüßte der Vereinsobmann Herr kaiserlicher Rat Falkowicz den Gast mit einer das Vortragsthema äußerst sinnreich paraphrasirenden Ansprache, auf die Herr Dr. Frankfurter in längerer, eine vollkommene Ergänzung zu feinem Vortrage bildenden Rede in launigster Weise erwiderte, während von den übrigen Tafelrednern, den Herren Prof. Kisch, Prof. Reiter, Dr. Brandeis und Dr. Weltsch, verschiedene aktuelle Themen berührt und die anwesenden Damen und Ehrengäste akklamiert wurden, so daß der Geselligkeitsabend, der erst um die Mitternachtsstunde schloß, nachhaltig wirkende Eindrücke hinterließ. Czernowitz. Die „Buck. Post" schreibt: „Dem Budgettitel „Kultus" wollen wir hier noch einige Bemerkungen widmen. Es sorgt der Staat für die Bedürfnisse der römisch-katholischen Kirche in der Bukowina mit einem Aufwande von 77.675 X; die griechisch katholische Kirche erfreut sich nicht minder der Fürsorge des Staates in der Bukowina und werden für dieselbe 44.666 X veranschlagt. Auch die armenisch-katholische Kirche geht nicht leer aus und wird mit 3852 X bedacht, all das von den außerordentlichen Ausgaben für kirchliche Zwecke abgesehen. Ja selbst für evangelische Kultuszwecke bringt der Staat Beiträge auf und zwar in einer Gesamthöhe von 232.600 X, wovon auf die Bukowina freilich bloß 1000 X entfallen. Auffallend ist hierbei nur, daß im ganzen Staatspräliminare für die israelitischen Kultuszwecke kein Betrag ausgewiesen erscheint. Die jüdische Religion ist ja genau so eine staatlich anerkannte, wie die anderen erwähnten Kulte. Es ist uns keinerlei Bestimmung bekannt, welche nur diesen einen Kultus von einer Förderung durch den Staat ausschließt. Gerade die jüdischen Kultusgemeinden sind cs, welche in hervorragendster Weise kulturelle und humane Bestrebungen fördern, ja für dieselben ganz bedeutende Opfer bringen. Die israelitische Kultusgemeinde in Czernowitz z. B. erhält aus ihren Mitteln eine Knaben- und Mädchenschule, ein Spital, ein Bad, ein Waisenhaus u. s. w. Sie bestteitet aber auch die Kosten für ihren Kultus. - Es ist darum schon eine moralische Pflicht des Staates, durch eine Subventionierung der israelitischen Kultusgemeinden in erster Reihe das Prinzip der Gleichberechtigung aller in Oesterreich staatlich anerkannten Konfessionen vor dem Gesetz, respektive dem Budget, zu wahren und andererseits auf diese Weise die Anerkennung für die auf die allgemeine Wohlfahrt gerichteten Bestrebungen der israelitischen Kultusgemeinden zum Ausdruck zu bringen. In der Kultusratssitzung vom 12. Februar d. I. hat Kultusrat Stekel auf die eben angeführten Momente hingewiesen und vom Vorsitzenden Kultuspräscs Dr. Straucher die Zusicherung erhalten, diese zweifellos wichtige Frage an kompetenter Stelle anzuregen und eventuell eine gemeinsame Aktion aller Kultusgemeinden in Oesterreich herbeizuführen." Es sei hinzugefügt, daß in der Bukowina 72.500 Katholiken und 90.000 Juden wohnen und diese bekommen nichts! Ei» Exirazug mit — Mazzes. Petersburg. Anläßlich der jüdischen Osterfeiertage hat das Kriegsministerium über Einschreiten der Petersburger Kultusgemeinde derselben einen aus 24 Waggons bestehenden Extrazug zur Verfügung gestellt, um die bei der mandschurischen Armee im Felde stehenden jüdischen Soldaten, Offiziere und Aerzte mit Osterbrot und dem anderen üblichen Osterbrot zu versorgen. Vermischtes. Kranzablöfungsspenden zugunsten der Chewra-Kadifcha Wien, l, Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der sel. Netti Schindler: Von Ludwig Rosenzweig K. 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Josef Deutsch: Von Caroline Lichtenstern 10.—, Dr. Hugo Lichtenstern 10.—, Adolf