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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-03-31 · 13 (31.3.1905) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 13 Dr. Dlocb s Mocbens. Drift. Seite 199 mente auch auf die Tuberkulose des Rindes ausgedehnt, wobei sich zeigte, daß eine rapide Besserung im Nährzustande des Tieres ein trat. Der anatomische Befund der Lungen nach der Schlachtung ergab die Vernarbung der Tuberkeln. Durch diese überraschenden Erfolge ermuntert, hat der Gelehrte vor zwei Jahren die ersten Versuche angestellt, um sein Verfahren auf die Behandlung der Tuberkulose des Menschen zu übertragen, und das Resultat war gleich günstig. Bisher haben sich zwanzig Individuen, worunter einige schon in ziemlich vorgeschrittenem Zustande der Lungentuberkulose, der Einspritzungskur unterzogen. Professor Levi hat die erste Mitteilung seiner Entdeckung in einem Briefe an König Viktor Emanuel gemacht, wird aber binnen kurzem nach Paris reisen, um der dortigen Akademie der medizinischen Wissenschaften in einem Vortrage seine Entdeckung auseinanderzusetzen. Gibt es jüdische Werkelmänner. Man schreibt uns: An einer geselligen Tafelrunde, zu der Aerzte, Advokaten, Schriftsteller u. a. gehörten, wurden in bunter Reihe mannigfache Fragen erörtert. Mit einem Male warf ein junges Mitglied der Korona die Frage auf: „Gibt es jüdische Werkelmänner?" Zunächst allgemeines Schweigen, eine gewisse Betroffenheit ob des gänzlich Unerwarteten, das in dieser Frage lag, sodann ein Für und Wider, — ob Ja ob Nein, apodiktisch konnte es niemand behaupten. Die Frage blieb kontrovers. Nun denn, Schreiber dieser Zeilen, der gleichfalls zu jenem Kreise gehörte, er vermag diese Frage nunmehr zu beantworten, er hat wahrhaftig und wirklich hier in Wien einen jüdischen Leiermann gesehen und die Leier gehört. Es war vor einigen Tagen, ich saß gerade mit meiner Familie beim Mittagstisch, als vom Hofe her ein gar seltsamer Gesang ertönte. „Hofsänger" sind in unserem Hause keine ungewohnte und zumal von den Kindern gern gesehene und gehörte Erscheinung. Was aber da in mein Zimmer heraufkam, klang ja ganz anders. Das war kein Wiener Werkelmann, war kein, böhmischer Musikant, war kein wälscher Leierkastenmann — das war ein jüdischer Werkelmann. Staunend, mitleidsvoll gewahrte ich die seltsame Gruppe. Ein armer polnischer Jude mit einem kläglich quitschenden Instrument, seinem Weibe und drei Kindern — die ganze Familie machte einen bemitleidendenswerten Eindruck und krampfhaft mußte sich das Herz zusammenziehen. Der Sitte drehte mechanisch die Kurbel und zwei der Kinder sangen — sit venia verbo — zum Spiel. Notdürftig gekleidet, mit blaßen, blutleeren Wangen sprangen die Kinder umher, Lieder singend, die wir jüngst auf einer polnisch-jüdischen Bühne gehört, und dabei nach echter Kindesart Allotria treibend, während ihr Mund den ihnen unverständlichen Text sagen mußte. Die Mutter mit Händen und Füßen leise Zeichen gebend — eine Art Souffleuse. Reichlicher, klingender Lohn ward der armen, fahrenden Mufikantenfamilie aus allen Fenstern, die da in den Hof münden, klingender Lohn, eingegeben von aufrichtigem Mitleid bei Jud und Christ. Mich aber durchzog die Frage, aus welcher Gegend des Ostens diese Leute zu uns verschlagen sein mochten und welchen Leidensweg sie wohl durchgemacht? „Gibt es also jüdische Werkelmänner?" Die Frage ist damit beantwortet. Alb. K.T Eine jüdische Gesellschaftsreise «ach Palästina. Von Rabbiner W. Reich, Baden b. W. Alexandrien, 17. März 1905. Die xieotz de resistance, die Wüste mit den Pyramiden, wir haben sie erschaut in ihrer unbeschreiblichen Erhabenheit, und tiefe Ergriffenheit bemächtigte sich aller Teilnehmer. Im Rücken Kairo, die Stadt des Lebens, mit allen ihren Genüssen, Reizen und Leidenschaften der Welt — und vor uns die Stätte, die die Furcht vor der Vergessenheit nach dem Tode sich erbaut, denn die großen Autokraten Egyptens haben sie sich erbaut, um unter ihren mächtigen Steinen ihre Mumienleiber für die scheinbare Ewigkeit zu erhalten. Das ist egyptischer Geist — Libelle metim — im Gegensätze zu dem jüdischen, der im Gedanken der Unsterblichkeit und der Wiederauferstehung den Tod nicht fürchtet. Da blicken sie auf uns herab im klaren Licht der afrikanischen Sonne, die Jahrtausende. Die Cheops-Pyramide, die höchste an dieser Stelle, war der Reihe nach die kleinere, rechts und links und inmitten derselben die Sphinx mit ihren rätselhaften Zügen, und zu ihren Füßen, in tiefen Saud gebettet, der ihr geheiligte Tempel, erbaut aus mächtigen Steinen von riesigen Dimensionen, aus Rosengranit und in den inneren finsteren Gemächern aus Alabaster. Noch lebt eine tiefe Zisterne mit unergründlichen tiefen Gewässern — sonst ist und predigt alles — den Tod! Aus dem fernen Assuan wurden die mächtigen Quadern herbeigeschleppt denn in der Wüste und weit und breit gibt es keine Steine — hunderttausend Sklaven wurden hi. zu geknechtet, haben da im Joche der Arbeit geseufzt, um der übermütigen Laune eines Tyrannen unnütze Denkmäler aufzurichten. — Da haben wir ein Bild, was unsere Vorväter während mehrerer Jahrhunderte gelitten haben müssen und wir begreifen es, wenn die Thora immer und immer wieder, sowohl bei der Behandlung des geschichtlichen Stoffes, als auch bei der Motivierung der wichtigsten Gebote auf die Befreiung aus Egypten zurückkommt. Wir begreifen es auch, was das heißt, in Egypten geknechtet gewesen zu sein und wieder erlöst, wenn man die eingeborenen Fellahs in ihrer ärmlichen Lebensweise und in ihren kümmerlichen Lebensverhältniffen sieht, die selbst jetzt unter europäischer Kultur und Zivilisation, unter dem erleuchteten englischen Regime, das Wunder leistet und Wunder hervorzaubert, ganz neues Leben in das Land bringt und diese Fellahs sich doch noch immer nicht erbeben können aus ihrem angeborenen und anerzogenen Sklavensinn. Fürwahr, da begreifen wir die Worte der Aggada, daß wir gegenwärtig, selbst wenn wir unter den günstigsten Verhältnissen leben würben, noch immer uns nicht genug dankbar erweisen können, daß uns die Erlösung vor Jahrtausenden geworden; wenn sie uns damals nicht geworden wäre, im Lande geblieben, würden wir noch heute den Fellahs gleich sein, tief gedrückt mn herabgekommen an Geist und Gemüt, selbst wenn uns heute alle Herrlichkeiten der Natur und der Kultur umgeben hätten. Schwer trennt man sich vom Anblick der Wüste, mit ihrer schweigsamen Herrlichkeit, mit ihrer unendlichen Weite, mit ihrer bezaubernden Fernsicht — vor uns der geloe Sand der Wüste, links, in weiter Ferne, nur mit dem Fernglas bewaffnet erkennbar, die Höhenzüge des Mokkatam - deren Gipfel bis zu 2-.00 M ter ansteigen — rechts Palmen, Tamarisken, Kameel — und Büffelberden und wir selbst von Kameel- und Maultiertreibern, von Beduine» auf Pferden einherstolzierend. von bettelnden und hausierenden Arabern umgeben, umheult, umschrieen, mit ihren gurgelnden Tönen, in gebrochenem Deutsch, Englisch. Französisch und Italienisch — von jeder Sprache einige Brocken —. die stramme Polizei, mit ihren Stöcken dreinschlagend, wenn die Araber zudringlich werden. Die Führer und Dragomane erklärend und erläuternd. — ein wahrhafte« Babel — und was da alles angeboten wird. Skarabäen, Glasketten. Ansichtskarten, Orangen, Pistazien, allerlei Erzeugnisse des Bodens und der heimischen Industrie, in schreiendem und singendem Tone, nicht zum Loswerden, bis man ihnen ein kräftiges „Eäß" mit gleichfalls schreiender Stimme zuruft — denn der Araber hat nur vor dem Anschreien Respekt — so geht es zur Rückkehr — um wieder am Fuße der Sandbügel die schöne luftige „Elektrische" zu besteigen, um wieder das beruhigende Heim im Hotel nach ermüdender Hitze von über 31 Graden aufzusuchen. Aber trotz aller Zudringlichkeit der Araber muß gesagt werden, höflich verstehen sie dennoch mit dem Freniden umzugeben, jeder Fremde ist für ihn ein „Err Graf" oder ein „Err Baron" und man blickt sich erstaunt an, wenn so ein Eseltreiber uns dringend einladet, seinen Esel zu besteigen, mit den Worten „Komm! da! Erl! —„Err Baron! Vielleicht sind doch wir die Esel — die wir in der Gluthitze die Pyramiden anfchauen gehen!" Jaffa, 20. März 1905. „Gelobt seist du Ewiger, unser Gott, der du uns diese Zeit hast erleben lassen!" Dieser Segensspruch schwebte auf unser Aller Lippen, da wir zuerst den heiligen Boden betreten haben. Je näher wir der Landungsstelle zukamen, umso aufgeregter wurden unsere Herzen. Unsere Sehnsucht sollte hier Befriedigung finden. Die Ferngläser kamen nicht von den Augen. Es war früh morgens nach dem gemeinschaftlichen Gebete, als wir zuerst der Küsten ansichtig wurden. Erst ein langer gelber Streifen Landes, der Himmel hatte sich verdunkelt, in einzelnen Windrichtungen erkannte man an den niederhängenden Wolken, daß es in einzelnen Gegenden des Landes regne, doch über jenen Punkt, dem wir zusteuerten, nämlich über Jaffa, brach sich die Morgensonne Bahn und wie ein Strahlenkranz beleuchtete sie die steil aufsteigende Hafenstadt. Bisher hatten wir auf der ganzen Reise von Alexandrien nur glühenden Sonnenschein, gemildert durch die leichte Brise, die über der Meeresfläche dahingezogen war. Immer näher kommend, konnten wir bereits die uns zusteuernden Barken bemerken und am Ufer die sich ansammelnde Menge, die sich zu unserer Begrüßung oder aus Neugierde angesammelt hatte. Kaum daß das Schiff Anker warf — und dies muß außerhalb des inneren Hafens geschehen, da derselbe für größere Schiffe unpraktikabel ist - erschien bereits die erste Barke mit dem Hafenarzt und der Polizei, um die Gesundheit der Ankommenden und die Ordnung ihrer Pässe zu untersuchen — aber schon drängten auch die anderen Barken nach und ein Hüte- und Tücherschwenken. ein vielstimmiges Schalom! Schalom! empfing uns, der allgemeinen Begeisterung stürmisch Ausdruck gebend.

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