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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-03-31 · 13 (31.3.1905) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 13 Dr. JBiocb s MocvenscvrM. Seite 197 (Krakau), Gottlieb Bettelheim (Wien), Rabbiner Dr. David (Wien), Professor Dr. Feuer st, ein (Bielitz), Dr. Wilhelm Pappenheim und Landesschulrat Dr. Gustav Ko h n (Wien), Direktor Schwarz (Mährisch-Ostrau), Doktor Arnold Ascher und Wilhelm Pappenheim (Wien), endlich der Vorsitzende und der Sekretär beteiligten. Hiebei wurden Anregungen zur Organisation des Schuhmachergewerbes und zur Errichtung von Dienstbotenschulen in Galizien gegeben und die Zukunft der vom Hilfsvereine in Westösterreich dem Handwerke zugeführten Lehrlinge erörtert. Der Vorsitzende erklärte, daß der Hilfsverein jede zweckmäßige Anregung mit Vergnügen der Verwirklichung zuführen wolle, vorausgesetzt, daß ihm die hiefür erforderlichen Mittel zufließen. Er fordere daher die Delegierten der Ortsgruppen auf, zur Gewinnung neuer Mitglieder eine rege Tätigkeit zu entfalten. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurden mit Stimmeneinhelligkeit gewählt, und zwar in die V e r e i n s l e i t un g die Herren: Adolf Baer, Max Frank, phil. Dr. Adolf Kapralik, Med. Dr. Edmund K o h n, jur. Dr. Edmund Kornfeld, Adolf P i ck, Siegmund P i e f e n, Wilhelm Stiaßny k. k. Baurat, Richard T e w e l e s und Hugo Tugenhat, sämmtliche in Wien, dann zur. Dr. Theodor Sonnenschein (Troppau), moä. Dr. Hermann Hirsch (Krakau), med. Dr. Ludwig Lustgarten (Krakau) und zur. Dr. Adolf Ringelheim (Tarnow); fernerinden Aufsichtsrat die Herren: Julius Granichstädten, zur. Dr. Wilhelm Knöpfmacher, zur. Dr. Leopold K o h n, Ferdinand Löwy, Wilhelm P aPpen h ei m, med. Dr. Isidor Sam u e li und Theoeor W a n t o ch, sämtliche aus Wien; endlich in das Schiedsgericht die Herren: Wilhelm Anninger, kaif. Rat, Michael Benies, zur. Dr. Julius B e r m a n n, k. k. Notar, phil. Dr. Moriz Güdemann, Oberrabbiner, zur. Dr. Alois Klemperer, Isidor Popper, Leopold Sachs, kaif. Rat, zur. Dr. Alfred Stern, Julius Wolf und Josef Zucker. Nachdem noch Herr Dr. Gustav Kohn namens des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde der Leitung des Hilfsvereines für ihre unermüdliche Tätigkeit zur Hebung des materiellen Niveaus der jüdischen Bevölkerung Galiziens den Dank ausgesprochen und indem er insbesondere auf den Zusammenhang zwischen der Armut in Galizien und der Zuwanderung der armen galizifchen Juden nach Wien und damit der Betastung des Budgets der Wiener Kultusgemeinde und der Wiener humanitären Vereine hinwies, die werktätige Sympathie der Kultusgemeinde für den Verein auch in Zukunft in Aussicht gestellt hatte, nachdem ferner Herr Dr. Gustav Langstein im Namen der Versammelten der Vereinsleitung und dem Sekretär für ihre Mühewaltung gedankt und der Vorsitzende auf diese Danksagung in heimlichen Worten erwidert hatte, wurde die Versammlung um 12 Uhr mittags geschlossen. An die Generalversammlung schloß sich sofort die konstituierende Sitzung der Vereinsleitung an, in welcher zu Mitgliedern des engeren Ausschusses folgende Herren gewählt wurden: Sigmund Mayer, Präsident; Gottlieb Lederer, erster Vize-Präsident; Adolf P i ck, zweiter Vizepräsident; Heinrich P o l l a k, Schriftführer; Dr. Wilhelm Pappenheim, Schriftführer-Stellvertreter; Max Frank, Dr. Edmund Kohn, Siegmund P i e s e n und Hugo Tugendhat. _ Vom Jahrmarkt des Lebens. Glossen zur Tagesgeschichte. (Die Forderungen der russischen Juden. — Die Pflicht der Ehre und Gerechtigkeit. — Rechte und Pflichten. - Die Juden und der Militärdienst. — Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus und die „Deutsche Zeitung-. - Heiteres von Herrn M a s a i d e k.) In einem „Eigenbericht" aus Petersburg beschäftigt sich das „Deutsche Volksblatt" mit der Denkschrift der russischen Juden an den Vorsitzenden des Ministerkomitees Witte. Mit Entrüstung wird da zunächst darauf hingewiesen, daß die von 32 Gemeinden unterschriebene und vertretene Denkschrift in der „Nowostji" anderthalb Spalten in Kleindruck einnimmt. Anderthalb Spalten — das ist so ungefähr das Format eines Leitartikels von Herrn Bergani, und wenn man, dadurch aufgeklärt, bedenkt, wie gering der Gedankeninhalt von anderthalb Spalten sein kann, und anderseits sich vorhält, wie viel, wie unmenschlich viel die Juden in Rußland auf dem Herzen haben, da wird man sich doch wohl eher darüber wundern müssen, daß es die Juden in chrer Zurückhaltung und Selbstbeschränkung dahin gebracht haben, ihre Schmerzen in solcher Kürze zu formulieren. Die Juden verlangen Bürgerrechte. Die Rechte eines ruffischen Bürgers — das ist noch nichts Phantastisches. Jene Rechte decken sich noch beiweitem nicht mit den einfachsten Menschenrechten, aber weil sie von den Juden verlangt werden, ist das an sich schon eine Dreistigkeit und Frechheit. Die Juden werden es doch wohl aufgeben müssen, es dem „D. V." recht machen zu wollen. Halten sie mit ihren Wünschen und Absichten zurück, dann ist es jüdische Hinterhältigkeit und Schlauheit, vor der man sich hüten muß. Sagen sie gerade heraus, was sie wollen, so ist es „freche Offenheit". Und was wollen die Juden? Sie verlangen Gleichberechtigung. Nicht im Hinblick auf die Vorteile, die Staat und Volk daran haben würden, nicht als Dank dafür, daß tausende von jüdischen Soldaten ihr Blut aus dem Schlachtfeld für das Vaterland vergossen haben, nicht auf Grund eines durch Jahrhunderte langen Aufenthalt ersessenen Rechtes. „Wir fordern vielmehr Gleichberechtigung und Gleichstellung vor dem Gesetze als Leute, in denen, trotz aller Unterdrückungen, das Gefühl der persönlichen Würde lebendig ist, als vollbewußte Bürger im jetzigen Staate. — — Nicht als ein Geschenk der Gnade und Großmut verlangen wir die Gleichberechtigung, auch nicht als Folge politischer Berechnung, sondern als eine Pflicht der Ehre und Gerechtigkeit." Das ist groß gedacht und männlich gesprochen, — was Wunder, wenn es dem Organ Herrn Vergani's mißfällt? Wunderbar ist die Logik, mit der die Denkschrift bekämpft wird: Die Juden reden nur immer von der Gleichberechtigung, den Rechten, die ihnen eingeräumt werden sollen, aber von ihren Pflichten, da reden sie nichts. Du lieber Gott, als ob das erst nötig wäre, zumal in Rußland! Man kann sich beruhigen. Ob die russische Regierung die Rechte bewilligen wird oder nicht, auf Erfüllung der Pflichten, aller Pflichten und in vollem Umfange besteht sie und wird sie bestehen. Das Vertrauen darf man ihr schenken. Wieder wird die Märe aufgetischt, daß unverhältnismäßig viele Juden sich der Militärpflicht entziehen. Das „Deutsche Volksblatt" bezieht sich auf einen klassischen Zeugen, den antisemitischen Abgeordneten des Deutschen Reichstages Liebermann v. Sonnenberg, der das statistische Datum anführt, daß 4006 Juden sich in einem Jahre der Dienstpflicht entzogen haben, während sich nach dem perzentuellen Verhältnis ihrer nur 2408 hätten entziehen dürfen. Zugegeben. Hat man aber ein Recht, sich darüber zu verwundern. Man bedrückt, man verfolgt, man martert und verhöhnt die Juden und dann verlangt man noch einen flammenden Patriotismus von ihnen; dann sollen sie sich noch in heller Begeisterung auf das Schlachtfeld stülpen, um das Vaterland, das sie so behandelt, mit ihrem Blute zu verteidigen! Es ist einfach unsinnig, das zu glauben. Erst gebe man ihnen ein anständiges Vaterland und man wird dann seh-n, wie sie es zu verteidigen wiffen, aber für das, was man ihnen in Rußland jetzt bietet, auch noch zu kämpfen, seine Gesundheit, seine Knochen, sein Leben preiszugeben, auch noch mit stürmischer Begeisterung preiszugeben, aus ein solches Verlangen kann nur die naiveste Einfalt verfallen. Die Zeit ist sehr ernst, und darum meinen wir, wird es auch unseren Lesern wohl tun, wieder einmal etwas von der „Deutschen Zeitung" zu vernehmen. Für dieselbe „Deutsche Zeitung" dichtet, wie unsere Leser wissen, Herr Masaidek jeden Sonntag seine Aphorismen. Sie könnte also wenigstens cüle heiligen Zeiten einmal witzig sein,

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