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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-03-31 · 13 (31.3.1905) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 196 Dr. Mocb's MocbenscbrM. Nr. 13 bestand, aber zurückging oder ganz aufhörte, wenden sich bereits mit der Bitte an uns, dort neuerdings eine Abrichtung von Arbeiterinnen vorzunehmen; Orte, in denen Haarnetze noch nicht verfertigt wurden, ersuchen uns um Einführung dieser Industrie; auch jüdische Unternehmer bestürmen uns, sie mit der Auffrischung oder Neueinführung der Haaruetzerei in einzelnen Ortschaften zu betrauen. Wir haben daher den Beschluß gefaßt, künftighin neuerdings in einer Reihe von Orten Galiziens den Unterricht neu oder wieder erteilen zu lassen, und mit der Ausführung dieses Beschlusses bereits begonnen. Die Versuche, die wir — wie im vorausgegangenen Berichte mitgeteilt wurde — mit der Einführung der Korbwaren-Erzeugung und der Kleiderkonfektion in je einem Orte Galiziens machten, sind aus verschiedenen Gründen nicht geglückt. Dies konnte uns aber nicht abhalten, im Berichtsjahre mit der Kleiderkonfektion einen neuen Versuch aus einer anderen Grundlage zu beginnen. Wir schloffen mit einem galizischen Unternehmer, der für seinen Bedarf bis dahin Waren in Proßnitz erzeugen ließ, einen Subventionsvertrag, durch den er die Verpflichtung übernimmt, eine Anzahl Arbeiter und einen Werkführer aus P.oßnitz nach Galizien zu bringen und durch diese Leute Arbeiter seines Wohnsitzes in der E^eugung von Proßnitzer Ware abzurichten. Wir glauben auf diese Weise die Schneiderei, die unter den galizischen Juden stark verbreitet ist, in bessere Bahnen zu lenken. Ist dies einmal gelungen, so kann wohl mit Zuversicht darauf gerechnet werden, daß über kurz oder lang andere Kleiderkonfektionäre, insbesondere Wiens, in Galizien arbeiten lassen, daß die Zahl der tüchtigen Arbeiter jeden Geschlechtes sich im Laufe der Zeit bedeutend vermehrt und aus der anfänglichen Werkstätten-Jndustrie in ähnlicher Weise, wie in Proßnitz, Boskowitz und Wien, eine große Heimind strie entsteht. Der Unternehmer begann mit der Arbeit im Jänner d I. und wies nach Ablauf von vier Wochen einen Stand von 46 männlichen und 18 weiblichen Arbeitern aus. Am 15. Februar 1904 trat in Krakau eine von uns errichtete Häkclschule ins Leben, worin die Schülerinnen in der Herstellung von Wollhäubchen für kleine Kinder unterrichtet wurden. Ein dortiger Kaufmann verpflichtete sich, den Mädchen die erforderliche Wolle zu liefern und von ihnen die fertigen Häubchen gegen einen bestimmten Arbeitslohn zu nehmen. Bis 15. Februar 1905, zu welcher Zeit der Vertrag ablief, waren in der Schule 146 Mädchen ausgebildet worden, von denen ungefähr die Hälfte die von ihnen verfertigten Waren an den Unternehmer abliefern. Einzelne andere betreiben das erlernte Gewerbe in der Weise, daß sie sich die Wolle selbst kaufen und ihre Erzeugnisse an verschiedene Händler absetzen. Der günstige Erfolg, den wir mit dieser Anstalt erzielten, veranlaßte uns, auch in anderen Städten Galiziens die Errichtung von Häkelschulen anzuregen; doch kam es bisher nirgends dazu, da entweder kein Bedarf an solchen Waren oder kein geeigneter Abnehmer vorhanden war. Um die Mitte Oktober 1904 wurde in^Kolomea mit dem Unterrichte in der Spitzenklöppelei (Jdria-Spitzen) begonnen, nachdem wir mit einem Berliner Unternehmer einen Vertrag zur Einführung dieser Industrie in der genannten Stadt abgeschlossen hatten. Nach einem Berichte vom 19. Februar d. I. waren bereits 109 Mädchen teils in der Lehre, teils schon selbständige Arbeiterrnnen und „drängt sich die Bevölkerung förmlich zum Unterrichte". Wir hoffen, diese Heimindustrie allmählich über eine Reihe von Orten auszubreiten und damit einer großen Anzahl jüdischer Mädchen Erwerb zu schaffen. Schwierigkeiten bietet uns noch die Erlangung von geeigneten Lehrkräften, aber auch sie werden sich überwinden lassen. Eine andere Hausindustrie, die wir ebenfalls im Oktober 1904, und zwar in Stanislau einführten, die Erzeugung von Metalltäschchen, hatte keinen langen Bestand; die Arbeit würbe von dem Unternehmer bereits im Jänner dieses Jahres eingestellt. Wir können nicht sagen, daß uns diese Tatsache unangenehm berührte, da wir schon von allem Anfang an mit dem Unternehmer nicht zuftieden waren. Am 15. November 1904 begann ein Wiener Unternehmer, der bisher in Sarajevo arbeiten ließ, in einem Orte im Norden Galiziens mit unserer Unterstützung die Erzeugung von Fezquasten. Er ist mit der gelieferten Ware sehr zufrieden und hofft, im Laufe der Zeit bis zu 100 Mädchen beschäftigen zu können. Nach dem uns zuletzt zugekommenen Berichte waren 34 Mädchen tätig. Im Monate März 1905 endlich schickten wir eine Lehrerin vorläusig nach Sambor und Drohobycz, um dort den Unterricht in der Spitzenhäkelei (Erzeugung irischer Spitzen) zu erteilen. Die verfertigten Waren werden vom k. k. Zentral-Spitzenkurse übernommen. Um eine größere Anzahl galizischer Knaben bei Handwerksmeistern außerhalb Galiziens zu tüchtigen Handwerkern ausbilden zu lassen, schlossen wir am 1. Mai 1904 mit der Baron Hirsch-Schulstiftung und mit dem Wiener Verein zur Verbreitung der Handwerke unter den inländischen Israeliten (Handwerkerverein) ein Uebereinkommen, wonach jährlich 60 Absolventen der Baron Hirsch-Schulen, davon 30 auf unsere Kosten, bei Wiener Meistern untergebracht werden sollen. Die Unterbringung und Ueberwachung der Knaben erfolgt durch den Handwerkerverein, der in dieser Hinsicht eine mehr als sechzigjährige Erfahrung besitzt. Außerdem erklärte sich ein Teil unserer Provinzial-Ortsgruppen in Westösterreich bereit, galizische Lehrlinge in den Städten, wo der Sitz dieser Ortsgruppen sich befwdet, dem Handwerke zuzuführen. Diese Aktion, deren Ausführung sich im Jahre 1904 infolge von Hindernissen, dessen Erörterung hier zu weit führen würde, verzögerte, ist bereits in Angriff genommen, so daß wir hoffen, es werde von uns im laufenden Jahre eine genügende Anzahl jüdischer Knaben in Westösterreich in die Handwerkslehre gegeben werden können. Durch unsere Vermittlung erhielt die jüdische Tischler-Genossenschaft in Tarnopol vom k. k. Handelsministerium (Gewerbeförderungsdienst) eine Subvention von 4000 Kronen; es wurde uns überdies die Zusicherung erteilt, daß das Ministerium im Dezember 1904 dort einen Wanderkurs über Tischlerei abhalten lassen werde, eine Zusicherung, die auch erfüllt wurde. Auch mit der Frage der Zuführung der galizischen Juden zur Landwirtschaft beschäftigten wir uns im Berichtsjahre. Es wurde von uns eine schriftliche Enquete hierüber abgehalten. Ein an unsere Ortsgruppe und an eine Anzahl Fachmänner versendeter Fragebogen brachte uns 18 Gutachten, die ein sehr wertvolles Material enthalten. Die darin gemachten Vorschläge gehen oft allerdings weit auseinander; jeder einzelne soll aber genau erwogen werden. Derzeit werden die Gutachten in unserem Bureau übersichtlich zusammengestellt, um sodann mit dieser Uebersicht drei Fachmännern zur Ueberprüfung anvertraut zu werden. Erst bann wird die Vereinsleitung über die Frage eine Entscheidung fällen. Auch an dem Ausbau unserer Organisation waren wir im Berichtsjahre tätig. Wir entwickelten eine umfassende Propaganda zur Gewinnung von Mitgliedern und Geldmitteln, die noch nicht abgeschlossen ist und auch in Zukunft regelmäßig fortgesetzt werden soll. Es wurden Aufrufe zur Unterstützung unserer Bestrebungen und zum Beitritt zu unserem Vereine in Tagesblättern und jüdischen Zeitungen veröffentlicht, Rundschreiben an die Ortsgruppen, an die Mitglieder der B'nai B'rith-Vereinigungen und an die Wiener Rabbiner mit der Bitte um Entwicklung einer regen propagandistischen Tätigkeit erlassen und der Aufruf, der in den jüdischen Zeitungen abgedruckt war, an die Kultussteuerzahler der Wiener israelitischen Kultusgemeinde versendet. Ich selbst besuchte auf meiner Reise durch Galizien im Oktober 1904 die Vorstände der dortigen fünf Ortsgruppen, hielt in einer Frauenversammlung in Krakau einen Vortrag über die Zwecke und die Tätigkeit des Vereines und wohnte in Lemberg und Tarnopol Sitzungen der Ortsgruppen-Vorstände bei, in denen ich verschiedene Aufklärungen gab und Anregungen entgegennahm. Im November machte ich eine Propagandareise durch Böhmen und sprach vor Versammlungen der Ortsgruppen Prag, Königliche Weinberge, Smichow, Leitmeritz, Teplitz und Marienbad, im. Jänner 1906-hielt ich in Troppau, Jägerndorf und Bielitz Propaganda-Vorträge. An einzelnen Mitgliedsbeiträgen und Spenden gingen infolge der Propaganda ungefähr 2000 Kronen ein, jene Beiträge nicht mitgerechnet, die infolge der Vorträge den Ortsgruppen zuflossen. Von den Ortsgruppen, von denen es im letzten Berichte hieß, daß ihre Konstituierung in Vorbereitung sei, konstituierten sich: Marienbad (noch im Jahre 1903), Pardubitz, Nachod und Tarnopol im Jahre 1904. Im Jahre 1905 kamen hinzu: In Troppau eine Frauen- und Mädchen- Ortsguuppe, in Jägerndorf und Sambor je eine gemischte Ortsgruppe; in Kolin steht die Konstituierung einer gemischten, in Karlsbad die einer Frauen- und Mädchen-Ortsgruppe nahe bevor Zu Ende des Jahres 1904 waren 41 Ortsgruppen konstituiert, um 4 mehr als zu Ende des Jahres 1903, um 5 mehr, als im letzten Jahresberichte verzeichnet waren. Der Stand der Ortsgruppen zu Ende März 1905 beträgt 44. Die Beziehungen, die uns mit den reichsdeutschen Körperschaften verbinden, die sich ebenfalls die Linderung der Notlage der galizischen Juden zur Aufgabe machen, hielten wir aufrecht. Wir sind in der angenehmen Lage, zu berichten, daß uns der Hilfsverein der deutschen Juden in Berlin in der Lehrlingsangelegenheit und das Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden in Frankfur a. M. bei der neuerlich eingeführten Kleiderkonfektion finanziell unter stützen werden. Im Anschlüsse an den Tätigkeitsbericht macht der Vorsitzende die Bemerkung, daß im Geschäftsberichte des Hilfsvereines der deutschen Juden in Berlin die Hilfsaktionen des Wiener Hilfsvereines rn der Art dargestellt sind, als ob die von letzterem eingeführten Industrien durch den Berliner Hilfsverein eingeführt worden wären und der Wiener Verein nur eine überwachende Tätigkeit entwickelte. Der Wiener Verein habe sich daher an den Präsidenten des Hilfsvereines der Deutschen Juden in Berlin gewendet und hoffe, daß dieser bei seiner bekannten Loyalität Veranlassung treffen werde, daß die erwähnte Darstellung die erforderliche Berichtigung erfahre. (Zustimmung.) Nachdem Herr Dr. Knöpfmacher als Obmann des Aufsichtsrates über die finanzielle Gebarung der Vereinsleitung einen eingehenden Bericht erstattet hatte, wurde dieser seitens der Generalversammlung das Absolutorium erteilt. Bei dem nächsten Punkte der Tagesordnung: „Anträge " der Vereinsleitung und der Ortsgruppen" entwickelte sich sodann eine lebhafte Debatte, woran sich die Herren Dr. Meisels

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