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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-03-31 · 13 (31.3.1905) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 195 Am 21. d. M. wurde die Magd einerweiteren Lüge dadurch überführt, indem der angesehene Mühleneigentümer Schuba im benachbarten Dorfe Toki und zwei seiner Hausleute vor Gericht in Gegenwart der Magd ausfagten, daß sie (Katarzina Tabak) Sonntag den 19. d. M. um 4 Uhr n a ch m i t a g s bei ihnen (bei Schuba) in Toki war und um Dienstaufnahme bat und nachdem sie eine abschlägige Antwort erhalten, nach Mytarz heimkehrte. Trotz alldem und alldem hat der Zmigroder Richter die fünf unschuldigen Juden bis am 22. d. M. in Zmigroder Gefängnis gehalten und dann dem hiesigen Kreisgerichte über dessen telegraphische Aufforderung eingeliefert, jedoch ohne gleichzeitig die Untersuchungsakten beizulegen. Wichtig und interessant ist, daß der Gräber Peter N. am Zmigroder christlichen Friedhofe die Schuhe und das Tuch der Katarina Tabak am 20. d. M. aufgefnnden hat und nachdem er den Fund dem Richter überbrachte, wurde er (der Gräber) vom Richter angeschrieen, daß er die Wahrheit gestehen solle, von welchem Juden er zu solcher Aussage überredet wurde, und nachdem der Gräber behauptete, daß er nur die Wahrheit sage, denn er habe die Sachen am Friedhofe aufgefunden, wurde er Tags darauf auch eingesperrt. Daraufhin schrieb das Krakauer Blatt „Nowiny" Nr. 78 vom 24. März folgendes: „Von Jaslo unter den 22. d. M. wird uns "geschrieben: Heute um 4 Uhr nachmittags wurden fünf Juden aus Zmigrod durch die Gendarmerie zugeführt, die unter der Beschuldigung eines versuchten Mordes stehen. Die Juden ergriffen nämlich ein 14jähriges Mädchen und kerkerten es in einem Keller ein. Während einer der Juden in den Keller trat, flüchtete das Mädchen unbekleidet aus dem Keller, da die Juden ihr die Kleider abgerissen haben. Die diesbezügliche Untersuchung ist im Gange. In der Stadt sind von einem Ritualmorde Gerüchte in Umlauf u. s. w. Die christliche Bevölkerung in Jaslo und in Zmigrod ist in Aufregung." Erst am 24. d. M., nachdem die Untersuchungsakten in dem Kreisgerichte Jaslo anlangten, wurden die Verhafteten freigelassen. Vom Justizministerium wurde über die Affaire Katarzina Tabak ein Bericht abgefordert; der Kreisgerichtspräsident verfügte, daß der Zmigroder Untersuchungsrichter ihm die Akten persönlich überbringe. Für die unschuldig Eingekerkerten war der hiesige Advokat Dr. Steinhaus mit der Intervention in dieser Angelegenheit betraut, der auch sein Möglichstes getan, um die Untersuchung zu beschleunigen. Von der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" in Wien traf am 22. d. M. mittags Herr S. Fleischer, Sekretär der „Union", hier ein, welcher alles am Ort erhoben hat, denn jetzt gilt es durch eine gerichtliche Klage die geistigen Urheber dieser Verleumdung zu eruieren. 1? u. G. Walisischer Hilfsverein. Am 26. März, 10 Uhr vormittags, fand in den Räumlichkeiten des israelitischen Humanitätsvereines „Wien" B'nai Brith, I., Universitätsstraße 4 die diesjährige ordentliche Generalversammlung des H i l f s v e r e i n e s für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien, IX., Berggasse 4 statt. Den Vorsitz führte der Vizepräsident des Vereines Herr Gottlieb Lederer. Er begrüßte zunächst die Vertreter der israelitischen Kultusgemeinden: Wien, Brünn, Linz rc., der B'nai Brith-Vereinigungen „Austria" (Bielitz), „Bohemia" (Prag), „Philanthropia" (Reichenberg), „Silefia" (Troppau) und „Solidarität" (Krakau), ferner der Jewish Colonisation Association in Paris, der Israelitischen Allianz zu Wien, des zionistischen Aktionskomitees in Wien, der Baron Hirsch-Schulstiftung, dann der Ortsgruppen: Wien, Bielitz, Brünn, Friedek-Mistek, Jungbunzlau, Krakau, Linz, Mährisch-Ostrau und Reichenberg, endlich die sonst noch erschienenen geladenen Gäste auf das Herzlickste und teilte mit, daß Begrüßungsschreiben und Telegramme vom Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden in Frankfurt a. M., von der Jewish Colonisation Association in Paris, Rabbiner Dr. Rosenak in Bremen, Prof. Dr. Hosmann, Rabbiner in Reichenberg, Dr. Hermann Hirsch in Krakau und Adolf Löwenbach in Königl. Weinberge eingelangt find und daß die Herren Dr. Edmund Kohn, kais. Rat Paul Lemberger, Heinrich Pollak, Baurat Wilhelm Stiaßny, Karl von Auspitz, Philipp Thvrsch, Michel Benies, sämtlich in Wien, Dr. Hammerschlag in Prag, Max S. Steiner in Kolin rc. ihr Fernbleiben von der Sitzung entschuldigt haben. Bevor in die Tagesordnung eingegangen wird, hält der Vorsitzende den seit der letzten Generalversammlung verstorbenen Mitgliedern der Bereinsleitung: Dr. Leon Horowitz, Dr. Alois Pollak und Heinrich Teltscher, warm empfundene Nachrufe und gedenkt auch der in dieser Zeit mit Tod abgegangenen Vereinsmitglieder. Die Versammelten erheben sich während dieser Gedenkrede zum Zeichen ihres Mitgefühles von den Sitzen. Hierauf erstattet der Sekretär des Vereines Herr Doktor Wilhelm L ö w y folgenden Bericht über die Tätigkeit des Hilfsvereines während des Jahres 1904. Wie in dem Bericht über die Tätigten des Vereines von seiner Gründung bis zum November >903 bargelegt ist, waren bis Ende 1903 in Galizien die Haarnetzerei, die Holzspielwmen-Erzeugung, die Korbwarenerzeugnng und die Kleiderkonfektion eingeführt worden. Von diesen Industrien mußte, wie schon seinerzeit mitgerei-t wurde, die Holzspielwaren-Erzeugung nach einem Betriebe von ungefähr einem Jahre aufgegeben werden. Was die Haarnetzerei betrifft, so war sie in 93 Orten Galiziens eingeführt worden. Im Laufe des Jahres 1904 liefen nun über den Stand dieser Heimarbeit verschiedene Berichte ein, die teils günstig, teils ungünstig lauteten und den Ausschuß veranlaßten, mich mit der Aufgabe zu betrauen, an Ort und Stelle über die Sachlage Erhebungen zu pflegen. Während meines ungefähr drei Wochen dauernden Aufenthaltes in Galizien war es möglich, über 64 von 93 Ortschaften Nachrichten zu erhalten. Ich erfuhr, daß von diesen 64 Ortschaften 14 zu arbeiten aufgehört hatten, während in den 50 anderen die Haarnetzerei noch betrieben wurde; ich erfuhr aber auch von 28 Ortschaften, in denen Haarnetze erzeugt werden, ohne daß von unserer Seite dort der Unterricht in dieser Arbeit veranlaßt worden war, darunter von 5 Ortschaften jenseits der Grenze Galiziens in Rußland. Die Haarnetzerei hatte demnach in einer Anzahl von Orten nicht Wurzel gefaßt oder nach kurzem Bestände aufgehört, sie hatte sich jedoch nach anderen Orten verbreitet. Hinsichtlich der Zahl der Arbeiterinnen läßt sich ein Vergleich mit den Verhältnissen unmitlelbar nach Einführung der Haarnetzindustrie in Galizien nicht durchwegs machen, weil von manchen Ortschaften für jenen Zeitpunkt keine Daten vorhanden sind oder im Oktober 1904 nicht zu erlangen waren. Die 44 Ortschaften jedoch, über die derartige Daten für beide Zeitpunkte bekannt sind, zählten Ende 1909 2052, dagegen im Oktober 1904 nur 1644 Arbeiterinnen. Die Zahl der Arbeiterinnen war also in der Zwischenzeit um ungefähr 20"/„ gesunken. Allerdings verläßt immer und überall ein Teil der ausgelernten Mädchen aus verschiedenen Gründen die Arbeit; es hätte jedoch bei der Art und Weise, wie sich Heimindustrien ausbreiten, dieser in der Natur der Sache gelegene Rückgang durch das Zuströmen anderer Mädchen nicht nur wettgemacht, sondern in eine Zunahme umgewandelt werden müssen. Dies geschah jedoch nicht und die Ursache dieser Erscheinung liegt hauptsächlich darin, daß der Unternehmer, der die Haarnetzerei in Galizien auf unsere Kosten eingeführt hatte, die Löhne im Laufe des Jahres 1903 mehrmals und im ganzen so bedeut ud herabsetzte, daß ein großer Teil der Mädchen diese Arbeit aufgab. Ueberdies vereinigten sich die westösterreichischen Unternehmer im Jahre 1903 zu einem Lohnkaitell, in dem sie für alle österreichischen Länder gleiche Lohnsätze festsetzten; sogar eine elsässische Firma, die aus Galizien Waren bezog, wurde bewogen, diesem Kartell beizutreten. Die galizischen Unternehmer wurden in diesen Verband nicht ausgenommen; sie konnten ihm jedoch nicht schaden, weil nur die wenigsten unter ihnen aus Mangel an genügendem Kapital mit nichtkartellierten Firmen in Verbindung treten können. Gegenwärtig steht nun die Sache so, daß der erste Unternehmer, der die Haarnetzerei in Galizien eingeführt hatte, von dort fast vollständig verdrängt ist, da er nur mehr von wenigen Faktoren oder selbständigen galizischen Unternehmern Ware bekommt. Dafür gibt es dort eine große Zahl solcher Unternehmer, die mehr oder weniger Arbeiterinnen beschäftigen. Endlich wird auch noch an verschiedenen Orten für einzelne fremde Unternehmer gearbeitet. Die Krise, die über die Haarnetz-Industrie in Galizien nn Jahre 1903 hereinbrach, scheint nunmehr abgesch'ossen zu sein. Die Arbeiterinnen, die bei der Haarnetzerei blieben, haben sich mit den niedrigeren Löhnen abgefunden. Orte, in denen die Haarnetz-Industrie

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