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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-03-31 · 13 (31.3.1905) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 194 Dr. Llocb's MloebenscbrM. Nr. 13 günstiges Resultat erhofft werden darf. Die jüdische Wohltätigkeitsmarke wird sich in absehbarer Zeit derart einleben, daß kein Jude es unterlassen wird, ein Schriftstück, Anzeigen von und zu Gratulationen, Geburten, Konfirmationen, Trauungen u. s. w. in die Welt zu setzen, welches er vorher nicht mit einem solchen Zeugnis seines guten Herzens, seiner Anhänglichkeit zum Judentum, seiner Liebe und Barmherzigkeit für die bedrängten, bedürftigen Glaubensbrüder versehen haben wird, insbesondere dann, wenn die Marke in der technischen Ausführung sich als Schmuck und Zier gestalten und durch die abgestufte Preislage für alle Klassen zugänglich und erschwinglich sein wird. Es liegt nicht in der Absicht dieser Ausführung, dem zu konstituierenden Komitee Wohlmeinungen und Belehrungen zu erteilen und durch Ratschläge in den Entschlüssen vorzugreifen. Der Zweck dieser Zeilen wird dann voll und ganz erreicht sein, wenn die Anregung so rasch als möglich in die Tat umgesetzt erscheint. Lis dat qui cito dat — bis agit qui cito agit. Und so sei der wohlgefälligen Sache im Vorhinein von der gütigen Vorsehung das beste Gelingen beschieden zum Wohle der notleidenden Juden Wiens. Eduard Beer. Verlassene Kinder. Unsere Leser wiffen, daß unter dieser Benennung die magistratischen Kinder jüdischer Konfession verstanden werden, welche unter Beitragsleistung der Kultusgemeinde bei jüdischen Pflegeparteien untergebracht sind. Der Kultusvorstand hat die Aufficht über diese Kinder den Bezirkskommissionen anvertraut, welche sich seit nunmehr 2 Monaten dieser neuen und schwierigen Aufgabe mit nicht genug anzuerkennendem Eifer unterziehen. Aus den Berichten, welche die einzelnen Mitglieder über ihre Tätigkeit erstatten, erhellt es, daß die nunmehr vollzogene Teilung der Arbeit als ein bedeutsamer Fortschritt im Pflegewesen anzusehen ist; erst jetzt wird es möglich sein, gehörig zu individualisieren und den Kindern die für pädagogische und hygienische Zwecke unentbehrliche Aufmerksamkeit zu widmen. Die einzelnen Kommissions-Mitglieder haben die Aufsicht derart unter sich verteilt, daß auf je ein Mitglied höchstens 2—3 Kinder entfallen, ein Pensum, dem wohl selbst vielbeschäftigte Mitglieder zu entsprechen vermögen. Manche der Mitglieder bedienen sich der Mitwirkung ihrer Gattinnen, welche naturgemäß die auf das Häusliche der Pflegcparteien, dann auf das Physische der Pflegekinder bezüglichen Fragen am besten wahrzunehmen wiffen. Aus den bereits vorliegenden Berichten, insoweit sie von den mitwirkenden Frauen erstattet sind, läßt sich der Ernst und die Tüchtigkeit erkennen, womit die weibliche Kinderbeauffichtigung ihre Arbeit verrichtet. Bei der genauen Durchsicht der über den ersten Monat des neuen Kurses erstatteten Berichte scheint nur ein einziger Punkt einer anders gearteten Behandlung zu bedürfen. Die beauffichtigenden Mitglieder begegnen nämlich — wie es anders gar nicht sein kann — mancherlei Uebelständen. Sic notieren dieselben aufs Gewissenhafteste und bringen sie am Monatsschluß zur Kenntnis des Kultusvorstandes und zwar mit mehr oder minder präzisen Anträgen, wie die Uebelstände behoben werden sollten. Insoweit dies sich auf bedeutsame Vorkehrungen bezieht, ist der eingeschlagene Weg allerdings der richtige. Ganz bestimmt wird der Kultusvorstand den bezüglichen Anträgen seine volle Aufmerksamkeit zuwenden. Insoweit es sich aber um Angelegenheiten von geringerer Tragweite handelt oder um solche, deren Behandlung ohne Säumen erforderlich wäre, schiene uns die eigene Initiative der Kommissions-Mitglieder besser am Platze. Findet das beaufsichtigende Mitglied z. B. die Zähne, die Augen, die körperliche Beschaffenheit des Kindes nicht in Ordnung, so wäre es ratsam, sich nicht mit der schriftlichen Berichterstattung zu begnügen, sondern das Kind zu einem der allerwärts zu sindenden menschenfteundlichen Aerzte zu bringen, der gewiß ohne Honorarsorderung zum Rechten schauen wird. Braucht ein Kind dringend eine Brille, ein orthopädisches Mieder, so würde die Chewa-Kadischa, wenn sie direkt benachrichtigt wird, alsbald das Erforderliche beschaffen. Fehlt es an Kleidern oder Schuhen, so wird sich in den meisten Bezirken ein Wohltätigkeitsverein finden, um mindestens das Allerdringendste zu gewähren. In solchen Fällen wäre die unaufgeschobene, unmittelbare Hilfeleistung dem bureaukratischen Wege der Berichterstattung vorzuziehen. Wir betonen dies als Mahnung, nicht als Tadel, wohl wissend, daß in dieser wie in jeder Hinsicht die erforderliche Routine erst mit der Zeit kommen kann und sicherlich kommen wird, da der liebevolle Eifer und das selbstlose Bemühen der neuartigen Aufsicht schon vom ersten Tage an nicht zu verkennen waren. Daran ist gar nicht zu zweifeln, daß die Bezirkskommissionen der ihnen gewordenen Aufgabe in jedem Sinne gewachsen sind. N. Moderne Mtuatmordfabrikation. Man schreibt uns aus Jaslo: Sonntag den 19. d. M. früh begab sich die 14jährige Magd Katarzyna Tabak, die seit zehn Tagen im Dienste des Bauern Jakob Bal im Dorfe Mytarz bei Zmigrod (Galizien) steht, vom Hause weg, angeblich zur Kirche der Stadt. Zum Befremden ihres Brotgebers blieb die Magd den ganzen Tag aus und kehrte erst in vorgerückter Abendstunde nach Hause barfuß, ohne Schuhe, ohne Kleider und in aufgeregter Gemütsbewegung heim. Sie schrie, daß die Juden ihr Gewalt angetan hätten. Auf Befragen des Bauern gab sie dann folgende sensationelle Erzählung zum Besten, nämlich: auf dem Kirchengange im Innern der Stadt(!) harrte ihrer eine Menge von Juden, welche sie aufsiugen und in ein geräumiges Zimmer mit Gewalt schleppten, wo ihrer noch 2 alte langbärtige und auch andere Juden warteten, ihr die Schuhe und Kleidungsstücke auszogen, sie wahrscheinlich zu einem rituellen Zwecke festhielten und ihrer persönlichen Freiheit beraubten. In diesem unglücklichen verhängnisvollen Schreckenszustande ist es ihr nur durch ein besonderes Glück gelungen, aus den Händen der Juden ins Freie zu gelangen, zur Zeit, als sie ihnen angab, daß sie Menschliches zu verrichten brauche, trotzdem es ihr auch damals an Begleitung nicht fehlte. Der Dienstgeber beeilte sich hievon der Gendarmerie und dem Gerichtsvorsteher H. F i l i p o w i c z Anzeige zu erstatten. Das Zmigrodcr Gericht schritt sofort ein und nachdem die Magd das Judenhaus angegeben hat, in dem sie angeblich eingekerkert war, wurden die Bewohner dieses Hauses, und zwar der 70jährige Josef Zimet, seine Frau, der 50jährige Sender Zimet, seine Frau und dessen Tochter sofort verhaftet und das Haus versiegelt. Diese Verhaftung erfolgte Montag den 20. d. M. vormittags während des daselbst stattgehabten Wochenmarktes und dürfte es als natürliche Folge erscheinen, wenn sich das Gerücht unter dem Pöbel und der angesammelten bäuerlichen Bevölkerung wie im Nu verbreitet hatte, daß die Juden ein Christenmädchen zu rituellen Zwecken in böswilliger Absicht hinschlachten wollten, welches jedoch durch ein himmlisches Wunder gerettet worden ist. In Zmigrod finden gerade Missionspredigtcn statt, während dieser Zeit strömt viel Landvolk zusammen und Vizepräsident der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" kais. Rat Anninger, telegraphisch von den Gefahren unterrichtet, begab sich ins Ministerium des Innern, damit Vorkehrungen zur Aufrechthaltung der Ordnung getroffen werden. Diesem Wunsche ist denn auch durch eine Verstärkung der Gendarmerie aus der Umgebung bereitwilligst entsprochen worden. Am 20. d. M. wurden die zwei verhafteten Juden mit der Magd konfrontiert, bei welcher Gelegenheit die letztere angab, daß nicht diese Juden es seien, die sie eingesperrt gehalten haben; sie änderte auch, nachdem es sich herausgestellt hat, daß sie bis Mittag in dem Dorfe Nienakow war, ihre Aussage darin, daß sie nicht Früh Morgens, sondern in der Mittagstunde von den Juden ergriffen und eingesperrt wurde.

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