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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-03-31 · 13 (31.3.1905) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 13 f «Ipgirag XXII Dr. Bloch’s Centrslorgan für die gefsmmten Interessen des Iudenthums. m= -=.--- =& A. ft. Postsparrassen-Amt Clearing-Verkehr Nr. 810 976. Lrdsction und Ildministratton. Wir» IX/1, Verggaffe Nr. 39. Talephon Nr. 14.847. ■ -=* Wie«, Bl. Mär; 1905. -4- Lrsch eint jeden Freitag. -4 4» «S-- Brief-Adresse: Wien, IX/I, Berggaffe 39. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift» Wien. ft.. M »ejUBspnl* für Sryrrrrich: Halbjährig 8 Krone«. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» eftrslmü»: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. m Znbalt: Leitartikel: Eine jüdische Wohltätigkeitsmarke. — Verlassene Kinder. — Moderne Ritualmordfabrikation. — Galizischer Hilfsverein. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossm zur Tagesgeschichte Auslieferung eines entfübrten Kindes. Jüdische Soldaten. Ein neues Heilmittel gegen Tuberkulose. Gibt es jüdische Werkelmänner. — Eine jüdische Gesellschaftsreise nach Palästina — Korrespondenzen: Hofrath Siegmund Taussia. Vortrag über Josef Israels im Jüdischen Museum. Verein zur unentgeltlichen Verpflegung Brustleidender auf dem Lande. Die Lose des I. israelitischen Rekonvaleszentenheim in Wien. Wien, Brünn, Prag, Ezernowitz. Ein Extrazug mit — Mazzes. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zugunsten der Ehewra-Kadischa. Der Leopoldstädter Kranken-Unterstützungsverein „Nächstenliebe". Wien. Der „Brigittenauer israelitische Unterstützungsverein. Jüdische Toynbeehalle St. Pölten. Kranken-, Witwen- und Waisen-Unterstützungsverein „Chesed schel emes“. Leitomischl, Prag, Tachau, Mißlitz, Meran, Horodenka. David Popper. Palästina-Handelsgesellschaft m. b. H. in Hamburg. Polen, Juden und Russen. Russisches, Allzurussisches. — Feuilleton: Jerusaleni und Umgebung. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Eine jüdische Mohltaligkeitsrrrarlre. Die herrschende demagogische Partei, insbesondere deren Capo, Bürgermeister Dr. Lueger, läßt keine Gelegenheit unbenützt vorübergehen, Wien, die Reichshaupt- und Residenzstadt, als das blühendste, glücklichste Gemeinwesen unter den Sonnen anzupreisen. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, daß sich Wien in bedenklicher Stagnation, im sichtbaren Niedergang befindet. Die Symptome des wirtschaftlichen Stillstandes und Rückschrittes sind ja öffentlich, sie machen sich gleicherweise für die mittleren und breiten Bevölkerungskreise im Großen und im Speziellen fühlbar. Für die jüdischen, zehn Perzent der Bevölkerung betragenden Einwohner Wiens gestaltet sich die wirtschaftliche Stagnation umso fühlbarer aus Ursachen und Wirkungen, die allgemein bekannt sind und die nicht erst namentlich angeführt werden müssen. Eine Tatsache ist. daß die Verarmung unter den Juden Wiens erschreckende Dimensionen angenommen hat. Alle die vielen Mittel, dieser Verarmung wirkungsvoll entgegenzutreten, haben sich leider als vergeblich erwiesen. Hunger, Not und Elend nehmen immer mehr überhand und fordern zum Erbarmen und zur Abhilfe heraus. Wohl gibt es eine Anzahl spezifisch jüdischer Wohltätigkeitsvereine, die aber nur über verhältnismäßig beschränkte Mittel verfügen, deren Wirkungskreis sich auch, wie es in der Natur der Sache liegt, auf enge Kreise beschränkt. Auch die Wiener Kultusgemeinde wendet den größten Teil ihres Etats Unterstützungszwecken zu. Dies alles ist aber in seiner Wirkung wie der Tropfen Wasser auf den heißen Stein.Dabei muß hervorgehoben werden, daß die relativ wenigen bemittelten jüdischen Bevölkerungskreise recht ansehnlich in Anspruch genommen erscheinen, wie es auch anerkannt werden muß, daß deren Leistungen für Wohltätigkeitszwecke das Maß der Billigkeit weit übersteigen. Die drückende Not unserer Wiener Glaubensbrüder schreit nach Abhilfe, es müssen daher neue Hilfsquellen erschlossen werden. Als ein empfehlenswertes Mittel hiefür erweist sich die W o h l t ä t i g k e i t s m a r k e. Der Wiener Verein „I u g e n d s ch u tz" und das „Lehrerhilf s- K o m i t e e" in Ottakring haben diese Wohltätigkeitsmarke bereits eingeführt und erzielen mit derselben ziemliche Erfolge. Im Hinblick auf das bekannte gute Herz und den entwickelten, ausgeprägten Wohltätigkeitssinn der Wiener jüdischen Bevölkerung darf zweifelsohne mit Sicherheit angenommen werden, daß sich eine spezifisch jüdischeWohltätigkeitsmarke sehr rasch und intensiv einbürgern wird. Freilich ist es notwendig, daß bei der Einführung mit gebotener Vorsicht und rationell vorgegangen werde. In erster Linie wird es wünschenswert erscheinen, daß sich dieser Wohltätigkeitsmarke nicht die vielen Hunderte jüdischer Vereine Wiens zur speziellen Ausnützung bemächtigen. Dies würde den voraussichtlichen Erfolg nur zersplittern und anatomifieren. Es würde sich vielmehr empfehlen, daß ein Komitee unter Patronanz der Kultusgemeinde Wiens die Aktion in die Hand nehme. Diesem Komitee, in welchem der Kultusgemeinde der gebührende Einfluß und die nötige Kontrole durch Delegierte gesichert werden müßte, würde es obliegen, alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, insbesondere auf die Herstellung, den Vertrieb der Marke und die Kontrole, selbstverständlich aber auch über die Verwendung des Reinertrages. Man muß sich nicht der Befürchtung hingeben, daß es zu Eifersüchteleien führen wird, wenn einmal dieser oder jener humanitäre Verein nicht oder nicht ausreichend Berücksichtigung erfahren sollte. Es fehlt unserer großen Wiener Gemeinde nicht an erfahrenen Männern, deren Takt und Routine Gewähr bieten, daß dem erwähnten Komitee stets ein großmütiger Zug vor Augen schweben wird. Zum großen Leidwesen find nicht nur unsere rein humanitären, sondern auch die mehr philanthropischen Vereine notleidend. Da gibt es z. B. einen „Verein zur Verpflegung jüdischer Brustkranker aus dem Lande", der nur den kleinsten Teil der sich meldenden Patienten zu berücksichtigen vermag. Der „Verein zur Unterstützung armer jüdischer Wöchnerinnen" verfügt nicht über hinreichende Mittel, den zehnten Teil der Bedürftigen unter die Fittige zu greisen. Der „Verein zur Beförderung der Handwerke unter den Israeliten" muß alljährlich mehrere Karrenzmonate in der Aufnahme von Zöglingen eintreten lassen, weil ihm die Mittel fehlen, um allen Anforderungen gerecht werden zu können, u. s. w. Auch diesen wohltätig wirkenden, einem tiefgefühlten Bedürfnisse entspringenden Vereinen könnten dann entsprechende Aushilfen gewährt werden. Was das Erträgnis der jüdischen Wohltätigkeitsmarke betrifft, muß man nicht Sanguiniker sein, um mit einiger Zuversicht, ja sogar mit voller Bestimmtheit vorauszusagen, daß schon nach kurzer Zeit ein über alles Erwarten entsprechendes

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