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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-03-24 · 12 (24.3.1905) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
12 (24.3.1905)
Date
1905-03-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 188 Dr. Dlocb s Mlocbenscvrm. Sir. 12 Sterben. Das Haus ist fünfstöckig. Es ist von russischen Juden bewohnt. Die Ursache ist eine Lampen explosion, indessen wird von manchen Seiten Brandstiftung angegeben. Der schwere Menschenverlust ist zum Teil darauf zurückzuführen, daß die Feuernotleitern, welche permanent an den Gebäuden befestigt sind, tatsächlich versperrt waren durch Hausrat und Vorräte, ungeachtet des Polizeiverbots. Die Polizei und die Feuerwehr führten heldenhafte Rettungslaten aus. Mehrere der Beamten sind verletzt. Feuilleton. Jerusalem und Umgebung. Reiseeindröcke aus dem modernen Palästina*), nach Adolf Kohn's Schilderungen, mitgeteilt von Moritz A n t s ch e r l in Wien. „Erkundiget euch nach dem Wohle Jeruschalajims! Wohl geh' es deinen Freunden!" (Psalm 122, 6.) An einem heißen Julitage laugte ich mit meinem Freunde, nach glücklicher Fahrt von Wien, am Triester Südbahnhofe au. Wir ergänzten in dieser herrlichen österreichischen Hafenstadt unfern Reisebedarf — das Allernotwendigste hatten wir uns schon in Wien besorgt — und begaben uns an Bord der „Elektra", eines unserer schönen Lloyddampfer, der, nebst reichlicher Ladung, auch Passagiere in entsprechender Zahl nach dem Orient mitnahm. Aus dem Wiener israelitischen Blindeninstitute fuhr eine daselbst ausgebildete, aus Jerusalem gebürtige, blinde jüdische Blindeulehrerin mit. Von Wien bis Triest fuhr sie in Begleitung und hier nahm sich ein wackeres Vorstandsmitglied der Triester Kultusgemeinde ihrer an, führte sie bis auf den Dampfer, wo dieselbedem Kapitän besonders warm empfohlen wurde. Alles kam auch dieser unserer Glaubeusgenossin freundlich entgegen, besonders tat sich ein jüdischer Oberkellner auf dem Schiffe hervor und auch wir trachteten, ihr während der Fahrt nützlich zu sein. Sie wurde nicht müde von dem unter bewährter Leitung des rühmlichst bekannten und verdienstvollen Direktors Heller stehenden Jnstilute auf der Hohen Warte in Wien uns zu erzählen und gedachten wir auch des Gründers dieser eminent humanitären Anstalt, des berühmten Dichters Dr. Ludwig August v. F r a n k l, der vor bald einem halben Jahrhundert, auch wie wir jetzt, dem Heiligen Lande zusteuerte, um im Aufträge der edlen Frau Elise Herz die unter dem Kuratorium des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde noch jetzt bestehende und segensreich wirkende v. Samel'sche Schule in Jerusalem zu begründen. Wir verköstigten uns auf dem Schiffe selbst, und so oft wir heißes Wasser für Tee — Tee - Extrakt nahmen wir mit und derselbe leistete uns besonders gute Dienste — oder für Suppe brauchten, bekamen wir solches in hinreichender Menge. Brot wurde auf dem Schiffe täglich frisch gebacken. Ueber Gravosa, Brindisi und Patras fuhren wir direkt bis Jaffa. Sonntag zeitlich morgens landeten wir in Jaffa. Alexandrien wurde aus Quarantaine-Rücksichten nicht angelaufen. Eine Menge arabischer Bootsleute umringte unser« Dampfer. Wir übergaben unser Gepäck dem Hotelier Kamenietz, der für den minimalen Preis von 3 Franks per *) Für unsere geschätzten Leser dürfte dieser Bericht gerade jetzt, während eine israelitische Reisegesellschaft, in stattlicher Zahl, das Heilige Land bereist, von aktuellem Interesse sein. — Herr Adolf Kohn aus Wien II. besuchte vor eineinhalb Jahre«! in Begleitung seines Freundes, des Herrn Moses Kornitzer, Jerusalem, Hebron und zwei jüdische Kolonien. Schon vor seiner Abreise nach der Heiligen Stadt, die Herr Kohn jetzt zum zweitenmale zu besuchen im Begriffe war, ersuchte ich ihn, mir nach seiner Rückkehr von den gewonnenen Eindrücken dieser seiner zweiten Pilgerfahrt zu berichten. Er kam diesem meinem Wunsche nach und diese Schilderungen sind das Ergebnis unserer „Jerusalem-Abendstunden", die auch den Freunden unseres Heiligen Landes und der Heiligen Stadt willkommen sein dürsten. M. A. Person für Ausschiffung, Taxen im Zollamtsgebäude rc. uns jeder weiteren Sorge enthob und uns in sein Hotel brachte, das wir allen Jerusalem-Reisenden bestens empfehlen können. Wir kräftigten uns an einem guten Mahle und waren scheu um 2 Uhr am Bahnhofe. Unser Zug hatte 4 Waggons I. und II. Klasse; die letztere ist nicht so bequem wie unsere III. Klaffe. Tunnels gibt es hier keine, die Bahn schlängelt sich durch die Täler, die das Gebirge dnrchschneiden und war es durchwegs historischer Boden, den wir durchfuhren. Um 3/t6 Ufjr rief der Kondukteur: „Jerusalem!" „LI Kods“ arabisch, und in gehobener Stimmung verließen wir unser Coupe. Viele Wagen, arabische und jüdische Träger umgaben den Bahnhof. Ein zweispänniger Wagen brachte uns nach der außerhalb der Stadtmauern gelegenen stattlichen österreichischungarischen jüdischen Kolonie in unser Absteigequartier, wo wir mit einem herzlichen „Scholaum alechem“ von allen Seiten begrüßt wurden Unser erster Weg führte uns ins Gotteshaus, in welchem wir inbrünstig unsere erste gemeinsame Andacht im Lande unserer Väter auf heiligem Boden verrichteten. Beim Verlassen des Bethauses wurden wir von den Besuchern desselben und überall auf der Straße von unseren Glaubensbrüdern aufs herzlichste begrüßt und wir suchten nach dem frugalen Nachtmahle unsere Lagerstätten auf. Wir wollen nun einiges von der Lebensweise in der Heiligen Stadt berichten. Wir hatten Kaffee oder Tee täglich zum Frühstück, dazu frisches Gebäck, nach europäischer Weise von einem jüdischen Bäcker aus Odessa, schmackhaft und täglich frisch bereitet. Das Backwerk, das Stück zum Preise von ungefähr 5—6 Heller nach österreichischem Gelde, mundete uns besonders gut. Milch ist in Jerusalem teuer. Täglich, früh morgens kamen Araber mit etwa 20 schwarzen, langohrigen Ziegen in unsere Gasse, in der wir wohnten und riefen ihr lautes „Chalib", was „Milch" bedeutet, aus. Auf diesen Ruf kommen Frauen und Mädchen mit ihren Gefäßen auf die Straße und lassen sich ein bestimmtes Quantum i Hineinmelken. Der Liter kommt auf etwa 40 Heller, steigt noch höher im Winter. Am Sabbath kommen die Ziegenbesitzer nicht, da ihnen niemand Milch abnehmen würde. Putter ist eine Rarität und sehr teuer. Die Speisen werden mit sehr feinem Olivenöl oder dem allgemein gebrauchten Sesamöl („8ellum86Ü6miu") schmackhaft bereitet. Fleisch gibt es: Rindfleisch, und zwar mindere Qualität, das Kilo zu 2 Kronen, zumeist jedoch Schaffleisch, das Kilo davon kostet ungefähr eine Krone. Ein eigener Schlachtplatz wurde von der Regierung weit außerhalb der Stadt auf dem Wege nach Jericho angelegt. Von dort bringen Esel auf ihrem Rücken das frische Fleisch in die Stadt. Ein ungarischer Glaubensgenosse, der viele Jahre in Hamburg lebte, erzeugt in Jerusalem streng rituelle Selchwaren und Fleisch-Extrakt, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Das Leben in der Heiligen Stadt ist für Fremde ein recht komfortables und können wir unfern reiselustigen Glaubensgenossen eine Reise ins Heilige Land und einen längeren Aufenthalt in Jerusalem besonders empfehlen. Mittags hatten wir Suppe, Fleisch, orientalisches Gemüse, auch Mehlspeise. Wein ist besonders billig, 17- Liter gewöhnlichen Tischweines kosten etwa 50 Heller, bessere Sorten stehen höher im Preise und ist der Palästina-Wein überhaupt von vorzüglichem Geschmacke; eine halbe Liter- Flasche in Eis gekühltes Bier kostet dagegen 72 Heller. Eier bezahlt man meist mit 3 Heller das Stück. Alle Straßen Jerusalems sind innerhalb und außerhalb öer Stadt mit Petroleum-Lampen beleuchtet. Einmal begegneten wir um halb 10 Uhr nachts einem jüdischen Hochzeitszug unter Musikbegleitung. Auch finden sehr oft anr Freitag, und zwar am Tage, jüdische Hochzeiten in Jerusalem statt. Eines Tages wohnten wir einer B'ris-Mila bei den Sephardim in dem Bethause des R. Jochanan b. Sakkai bei. Zwei jüdische Cymbalschlägeriunen kamen mit den Frauen,

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