Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 12 (24.3.1905)
- Date
- 1905-03-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 12 Dr. JBlocb's MocbenscbrM. Seite 187 Trotz seiner Frömmigkeit haben seine Liebe und Verehrung für die Wissenschaft nicht gelitten. Es ist sein Verdienst, daß sein Sohn Dr. Michael H o l z m a n n im Kampfe nicht unterlegen ist und sich doch der Wissenschaft gewidmet hat. Wir Junge werden gleich müde und bald, nachdem wir unsere Erfahrungen auf dem Wege der Forschung als Juden machen, lassen wir das eine oder das andere, entweder das Judentum oder die Forschung, im Stiche. Dies widerstrebt aber den vernünftigen Ideen der alten Generation. Und gerade wenn sie für beide, für das Judentum und die Wissenschaft, recht viel zu kämpfen haben, gewannen sie beide recyt lieb und waren wegen der vielen Leiden, die sie dafür erdulden müssen, ihrem Ideale um so inniger ergeben. Und so hat Herr Moriz Holzmann trotz des harten Kampfes, den er so wie sein Sohn Dr. Michael, weil der letztere nicht den praktischen Weg im Leben wählte, zu bestehen hatte, sich nicht abschrecken lassen und mit großer Geduld und Ruhe alles ertragen und seinen ganzen Einfluß auf seinen Sohn angewendet, damit derselbe seine aufopfernde Arbeit den bibliographischen und literarischen Werken zuwende. Und das war seine größre Freude, die ihm Trost für seine Leiden bereitete. Moriz Holzi arm war Idealist und eine Anima Pia et candida im vollsten Sinne des Wortes. Möge es dem Sohne vergönnt sein, im Sinne seines Vaters noch weiter zu arbeiten, auf den Gebieten, auf denen er bis jetzt so erfolgreich gewirkt hat; denn nur so wird erden Geist feines Vaters befriedigen und seine warme Liebe, die er seinem Vater zu Lebzeiten in einer solchen in unserer Zeit seltenen Weise angedeihen ließ, auch fernerhin betätigen. Wien, am 14. März 1905. —r. Erster Wiener jüdischer Turnverein. Der erste Wiener jüdische Turnverein veranstaltet am 25 d. M. im Ballsaale Ronacher ein Kostiimkränzchen (ohne Kostiimzwang). Herren Ball- oder Soiree-Toilette. Saaleröffnung 9 Uhr. Einladungen und Karten (Preis K 2.—) sind int Vereinslokale, Wien, I, Mölkerbastei 5, ferner bei sämtlichen Vereinsmitgliedern, sowie im „Cafe de France" 'Schottenring) und „Cafe Donau" (Praterstraße IO) zu haben. Wien. (Spende.) Aus dem Nachlasse des kais. Rates Seligmann wurde laut testamentarischer Bestimmung der Chewra-Kadischa Fünfhaus und dem israelitischen Hilfsvereine „Llaslril ei Dol“ eine Spende von je hundert Kronen übermittelt. Floridsdorf (Chewra-Kadischa.) Wie alljährlich, fand auch dieses Jahr seitens der Chewra-Kadischa Dienstag den ' 14. MärZ (am 7 Adar), abends 5 Uhr, eine Gedächtnisfeier statt. Herr Bezirks-Rabbiner Dr. Rosenmann gedachte in seiner Rede der dahingeschiedenen Mitglieder und schilderte dieumfassende und segensreiche Tätigkeit des Vereines. Aspern rt. D. Allgemein betrauert wird der Heimgang des Herrn Fabian G a l l i a, der wegen seiner Herzensgüte und Frömmigkeit in allen Kreisen ungeteilte Verehrung genoß. Zeugnis dessen war die zahlreiche Beteiligung am Leichenbegängnis. Herr Rabbiner Dr. Rosenmann aus Floridsdorf widmete dem verehrten Heimgegangenen einen tief ergreifenden Nachruf. Pohrlitz. Schon seit längerer Zeit entfaltet der hiesige Frauenwohltätigkeitsverein eine regsame Tätigkeit, um seinem Zwecke, der Unterstützung armer, notleidender und kranker Franen, wie auch armer Bräute, gerecht zu werden. Zur Förderung der Interessen des Frauenwohltätigkeitsvereines hat sich daher ein Komitee gebildet, welches am 11. d. M. im Restaurant Spitz ein Ballfest zu Gunsten desselben veranstaltete. Dasselbe war zahlreich besucht und schon bei Beginn desselben befanden sich alle Anwesenden in animierter Stimmung, derart, daß der Zweck der Veranstaltung glänzend erreicht wurde, da dieselbe ein Reinerträgnis von mehr als 200 Kronen ergab. Besonders verdient um das Gelingen des Festes machten sich die Damen des Komitees. Frau Rosa Bader, Eugenie Ellinger, Berta Wollner, Frau Dr. Düse und Amalie Haas. Vielfacher Dank gebührt auch den Fräuleins Malschi Schweinburg, Aurelie und Kam>lla Seidl, Rosa Hüttner, Johanna Wollner und Elsa Bader, welche durch Verkauf von Blumen und Juxgegenständen dem Vereine ein namhaftes Erträgnts zuführten. Neu-Nauftnitz. Ueber Veranlassung des Vorstehers der Chewra-Kadischa Herrn Hermann Lampl wurde am vergangenen Sonntag wie in früheren Jahren die Erinnerung an den Todestag unseres großen Lehrers Moses in besonders solenner Weise begangen. Um 5 Uhr nachmittags versammelte sich die ganze Gemeinde zu einer Gedächtnisfeier in der Synagoge, woselbst Herr Rabbiner Dr. Max Steif eine die Bedeutung des Tages in trefflichen Worten würdigende Ansprache hielt. Darnach wurden auf dem Gottesacker die üblichen Gebete rezitiert. Abends vereinigte ein frohes Chewramahl sämtliche Mitglieder dieser heil. Bruderschaft, wobei namentlich der Toast unseres Vereinsobmannes hervorgehoben zu werden verdient, der in zu Herzen gehender Weise in dem Wunsche eines ferneren Gedeihens der Chewra ausklang. Herr Hermann Lampl, der auch durch lange Jahre als Tempelvorsteher überaus verdienstvoll gewirkt, vollendete gerade an diesem Tage sein 79. Lebensjahr, aus welchem Anlasse ihm allseitige Glückwünsche zugekommen find. Prag. (Gegen die Demolierung des Prager jüdischen Rathauses. In den tschechischen Blättern veröffentlicht eine ganze Reihe tschechischer Techniker-, Künstler- und Schriftsteller-Vereine Prags eine Kundgebung, in welcher darauf hingewiesen wird, in welch' rücksichtsloser Weise in den letzten Jahrzehnten bedeutsame historische und Kunstdenkmale in Prag vernichtet wurden. Zum Schluffe legten sie Verwahrung ein gegen die von den Leitern der Assanierungsaktion geplante Demolierung des israelitischen Rathauses, das, ein reizendes Stück Barockstil, eine notwendige Ergänzung zu der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Altneusynagoge bilde. Temesvar. Unsere Stadt wird demnächst durch zwei prachtvolle Neubauten bereichert werden. Die israelitische Kultusgemeinde hat nämlich in der Serbengaffe das Klein'sche und das Tauber'sche Haus angekauft und wird an deren Stelle, sowie an Stelle des anstoßenden sogenannten „Judenhofes" neue Monumentalbauten aufführen lassen. Beide Bauten werden zweistöckige Kuppelbauten sein, deren Faeaden ungarische Motive aufweisen. Die Pläne wurden durch den Budapester Architekten Leopold B a u m h v r n angefertigt. Die mit 328.000 K. präliminierten Gebäude werden eine Baufläche von 1730 Quadratmetern einnehmen. Das Gebäude in der Serbengaffe, ein Zinshaus mit der modernsten Einrichtung, wird eine Gaffenfront von 42 Meter Länge haben, während das Gebäude in der Elisabethgasse eine solche von 44 Meter aufweisen wird. Im letzteren Gebäude lverden sich „ int mittleren Hoftrakte die Bureaulokalitäten der Kultusgemeinde befinden. Die Bureaulokalitäten bestehen aus mehreren Sitzungssälen mit anstoßendem Wintertempel und einem Geflügelschlachtplatze. Im ersten Stockwerke oberhalb dieser Räumlichkeiten werden sich die Naturalwohnungen für die Rabbiner und Funktionäre der Gemeinde befinden. Die Gemeinde hat wegen Vergebung der Bauarbeiten bereits den Konkurs ausgeschrieben. Es sind 117 Offerte eingelaufen. Mit dem Bau wird Anfangs April begonnen werden. München. Der „Münchener Allg. Ztg." wird aus Rom geschrieben: „Der Profeffor für christliche Archäologie an der Berliner Universität, Dr. Nikolaus Müller, ist mit der Untersuchung und der Publikation der jüdischen Katakomben betraut worden, die man vor einigen Wochen an den Hügeln von Monteverde, nahe bei der Eisenbahnstation Trastevere wiedergesunden hat, nachdem sie Antonio Bosio Ende 1692 zuerst entdeckt hatte und im 18. und 19. Jahrhundert mehrfach Untersuchungen daselbst angestellt waren. Diese Katakomben liegen unter einem Colle Rosaro genanten Weinberg und hier wurde jetzt ein Eingang entdeckt. Der siebenarmige Leuchter, der vielfach angebracht ist, und die Formel „Schlafe in Frieden" sprechen dafür, daß Mitglieder der jüdischen Trasteveregemeinde hier ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten." London. Der bekannte elfjährige ruffisch-jüdische Geigenspieler Mischa Elmann, der vor kurzem mit so großem Erfolg in Berlin und Kopenhagen aufgetreten ist, hält sich jetzt in London auf, wo er in Queens Hall einige Tschaikowsky-Konzerte geben wird. Großes Aufsehen erregt hier ein anderer jüdischer Junge aus Rußland, den man „den jüngsten Chasan der Welt" nennt. Moses Mirski, der nur 8 Jahre alt ist, verfügt über eine starke, gut ausgebildete Stimme und betet so hinreißend vor, wie man solches sonst nur bei großen russischen Chasonim hört. New-Aork. In einer der ältesten Mietskasernen New- Aorks, Allenstraße Nr. 105, brach ein grauenhafter Brand aus. Zwanzig Personen find tot, fünfzig verletzt, darunter zehn im