Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 12 (24.3.1905)
- Date
- 1905-03-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Sir. 12 Dr. Mocb's MocbenscvrlN< Sette 183 Dies Buch ist, weil die Juden dort abgesondert lebten, wenig bekannt gewesen und zitieren es zuerst die Kirchenväter, in deren Hand es gewiß auf dem Handelsweg gelangte. Möglich wußten die dort lebenden Juden auch noch später nichts von der Zerstörung des zweiten Tempels durch die Römer, oder vielleicht errichteten sie sich dort einen eigenen Tempel, und soll unser Autor daselbst ein Priester vom Stamme Levy gewesen sein, da er zu wiederholten Malen hervorhebt, Cap 45, 22 rc., daß dieser Stamm im Besitze von Aufzeichnungen der Erzväter bis „heutigen Tages"ist? Berichtet doch der 6basarenfürst an Chasdai Jbn-Scbaprut, daß sein Urahn der Chagan Bulan anfangs des VIII. Jahrhunderts noch eine Stistshütte erbaute und Opfer dargebrachl habe! Das Buch ist, wenn ihm sein richtiger und gehöriger Platz zugewiesen wird, nach vielen Richtungen hin von größerer Bedeutung und kann über manch wichtige geschichtliche Probleme, die bis jetzt in Dunkel gehüllt waren, Aufschluß geben, zeigt aber auch, daß die Juden dieser Gegend dort bereits im Altertum eine wicktige Position innehatten, die eine alte Kulturstätte bildete. S. Spinner. Korrespondenzen. Berlin. ^.Ilianeslsraöllts Universelle. Am 6. März fand die Generalversammlung des Berliner Lokal- Komitees statt. Nachdem Rabbiner Dr. Weiße in einer Ansprache die Bedeutung der Alliance hervorgehoben hatte, erstattete der Schriftführer Justizrat Dr. H. M. Cohn den Bericht über die Tätigkeit der Alliance, insbesondere in den letzten Jahren. Die Alliance hat zur Zeit in 125 Elementarschulen 34.000 Schulkinder. Neu errichtet wurden im Jahre 1903: eine Knaben- und Mädchenschule in Basforah (Golf von Persien), die Mädchenschule in Monastir und 2 Schulen in Chiraz; 1904: eine Knaben- und Mädchenschule in Janina, eine Mädchenschule in Aidin, ein Kindergarten in Jerusalem. Mit Beginn des neuen Schuljahres werden eine Knaben- und eine Mädchenschule in Sfax (Tunis) und Rodosto eröffnet, sowie eine Schule in Kermanchah (Persien). Sobald die Verhältnisse in Marokko sich gebessert haben, sollen Schulen in Mequinez, Alcazar und Mazagan begründet werden. - In Tantah (Egypten) erfolgt die Eröffnung der Schule, sobald das von der Gemeinde errichtete Schulgebäude vollendet ist. Vorbereitungen werden ferner getroffen, um in Jemen Elementar- und Handwerkerschulen zu errichten. Die Alliance hat im letzten Jahre für die Schulen 900.000 Frcs. ausgegeben, wozu noch 600.000 Franken Beiträge der Gemeinden sich vornehmlich gegen die bei den griechisch redenden Juden platzgegriffene Vernachlässigung dieser Gebote infolge des Auftretens des Apostels Paulus. Paulus, selbst aus Cilicien, richtete sein Augenmerk in erster Reihe auf die griechisch sprechenden Einwohner Kleinasiens, wie Galatien rc., und bei seiner destruktiven Arbeit gegen das „Gesetz", entgegen den Willen der anderen Apostel, hatte er hauptsächlich seine Angriffe gegen den Sabbath und die Beschneidung gerichtet. Diese Minierarbeit scheint auch manchen Anklang bei den griechisch redeiiden Juden um das Schwarze Meer gefiiilden zu haben (Apostelg. 1, 3—10) und dagegen richten sich die Worte und Ermahnungen unseres Autors (Einleitung Kap. 1 bis Kap. 2, 28—54; ,5, 26-42 rc.) Diese Stellen gewinnen erst in diesem Lichte ihre richtige Bedeutung. Das erste Kapitel dient als Einleitung, und in einem Zwiegespräch zwischen Gott und Moses schildert er getreu das Umsichgreifen dieser schwankenden Haltung der Inden und hebt die Bedeutung dieser zwei Grundprinzipien des Judentums, neben der Zählung nach Jubeljahren seit der Schöpfung, hervor und läßt im Geiste der Paulinischen Epistel I, 33 rc. cnS ff nn sprechen. Der Ausdruck „Beliar" (15, 39), den die äthiopische Uebersetzung beibehalten hatte, mit dem b»r Uebersetzer nichts anzufangen weiß, der auch in der Paulinischen Epistel an die Cornither II, 6, 15 (dies das ursprüngliche richtige Wort anstatt des heutigen Belial) gebraucht wird, bestätigt, daß der Autor sich befleißigt, in demselben Tone und Geiste wie die Paulinischen Briefe zu den griechisch sprechenden Juden zu sprechen. Dasselbe sehen wir auch bei einem anderen hellenistisch-jüdischen Schriftsteller jener Zeit, nämlich beim Verfasser des dritten sibyllinischen Buches, der denselben Ton und auch diesen Ausdrück in Vers «4 beibehalten hatte. Kap. 1. 29 erhält erst dadurch seine Erklärung. Erwähnenswert halte ich noch eines. Paulus feierte trotz seines destruktiven Auftretens gegen das „Gesetz" das Pfingstfest mit den Pbarisäern zusammen (Apostelg. 20, 16; 18, 21), nur mit der geringen Modifizierung, daß die Pharisäer daran die Erinnerung an die Offenbarung am Sinai knüpften; dagegen er darin die Ergießung des heiligen Geistes erblickte. Die Juden- und Heidenchristen in Kleinasien und am Schwarzen Meer begingen auch dieses Fest werter mit den Juden zusammen, was unser Verfasser in Kapitel 6, 32 bestätigt: »niP*? (/WUtS# Hin jnm ♦ninatpo und Schulgelder kommen. Die Gemeinden bauen und unterhalten ferner die Schulgebäude, sofern diese nicht aus besonderer Schenkung errichtet werden. Als Beispiel der letzteren Art erwähnte der Vortragende die vom früheren Präsidenten, Herrn Goldschmidt, erbaute deutsche Schule in Konstantinopel, und die jetzt fertiggestellte neu erbaute Schule in Jerusalem, ein Geschenk der Baronin Hirsch. Die letzte derartige Schenkung ist ein Geschenk des Herrn Kadoorie in Hongkong, welcher zur Erbauung einer Bagdader Schule für etwa 900 Schulkinder das Geld gestiftet hat. Für das von der Alliance unterhaltene Rabbinerseminar in Konstantinopel hat die dortige Gemeinde jetzt ein Haus geschenkt. Die Alliance hat im vergangenen Jahre ein Gut von 1800 Hektar in Algier angekauft, auf welchem frühere Schüler der Ackerbauschule von Djedeida als Kolonisten angefiedelt werden. Besonders segensreich hat sich das erst wenige Jahre bestehende Schulwerk in Persien erwiesen, wo mit der Errichtung der Schulen die zu frühen Heiraten und die nicht seltenen Fälle von Polygamie verschwinden und die Ehescheidungen an Zahl abnehmen. Jnsgesammt beträgt das reguläre Jahresbudget der Alliance, d. h. die Beträge, die fie einschließlich der Zuschüffe der Gemeinden usw. verausgabt, weit über 2 Millionen Frcs. In das Jahr 1904 fällt die Eröffnung der neuen Bibliothek der Alliance in Auteuil, wohl der größten jüdischen Bibliothek, die zuletzt durch den Ankauf der großen Bibliothek von Bernhard Lazare vergrößert wurde. Die Tischlerarbeiten zu dieser Bibliothek find ausschließlich von den Seminaristen des Lehrerseminars der Alliance gefertigt, die Tischlerei war ein Geschenk des verstorbenen Konsul Simon, der ein eifriges Mitglied des Zentrals-Komitees der Alliance gewesen ist. Als einzelne größere Aktionen der beiden letzten Jahre erwähnte der Vortragende die Tätigkeit in Rumänien (Unterhaltung von Schulkantinen und Darlehenskassen), und die Sammlungen für Kischenew, aus deren Ergebnis noch im letzten Jahre 115.000 Frcs. zur Beihilfe an jüdische Gemeinden in Rußland, 100.000 Frcs. zur Beförderung von russischen Auswanderern aus Galizien gezahlt wurden. Zu dem gleichen Zweck wurden auch kleinere Beihilfen an einige jüdische Gemeinden in Deutschland, wie z. B. Gollub (Westpr.) geleistet, auch das Berliner Lokalkomitee hat in einer Anzahl von Fällen russische Auswanderer befördert. Die Unruhen in Stat (Marokko) erforderten einen Aufwand von 15.000 Frcs. ferner wurden 8000 Frcs. nach Fez, Rabat und Casablanca gezahlt. 7000 Frcs. erhielten die Abgebrannten von Kutti und Zloczow. Der Vortragende sprach sodann über die allgemeinen Prinzipien der Alliance. Er zeigte an dem Lehrplan der Schule von Tetuan (der ältesten, gegründet 1862) und der Schule in Jerusalem, welchen großen Raum das Hebräische im Unterricht einnimmt; durchschnittlich in jeder Klaffe wöchentlich mehr als 10 Stunden (in der untersten Klaffe in Jerusalem mit Hebräischschreiben zusammen 20 Stunden wöchentlich). Abgesehen von Hebräisch werden in den Alliance-Schulen Arabisch, Türkisch, Spanisch, Italienisch, Deutsch und Englisch unterrichtet; das Deutsche in Jerusalem, den 4 größten Schulen von Konstantinopel und Rustschuk. Zum Schluffe betonte der Redner den Wert, den gerade das universelle Prinzip der Alliance habe; Baron Hirsch habe nach dem Muster der Alliance die „Jca" international errichtet. Auf allen Gebieten, welche über die lokale Wohltätigkeit hinausgehen, sei die Alliance bahnbrechend gewesen; in der Errichtung von Schulen, von Handwerksschulen, in Errichtung der jüdischen Ackerbauschule bei Jaffa, der ersten jüdischen Ackerbaukolonie und der ersten jüdischen Kolonie in Palästina. Endlich nicht zum wenigsten in der Auswandererfrage. Die Hunderte, welche die Alliance nach der Hungersnot von 1869 aus Rußland nach Amerika beförderte, haben, da fie wirtschaftlich gut fortkamen, das Beispiel zur Maffenauswanderung nach Amerika gegeben. Obgleich die Jahresbeiträge bei dem großen Budget der Alliance eine verhältnismäßig geringe Rolle spielen, könne fie natürlich immerhin mehr leisten, je mehr Einkünfte fie habe, und die Propaganda für fie in Deutschland sei, abgesehen von ihrer ruhmvollen Vergangenheit und ihren bedeutenden Leistungen in der Gegenwart, auch deshalb erforderlich, um den universellen Charakter der Alliance