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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-03-24 · 12 (24.3.1905) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
12 (24.3.1905)
Date
1905-03-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 182 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. IS Folgt man diesen Spuren, die nach dem Norden führen, und greift man auf das Buch selbst zurück, es zu prüfen, stellt es sich richtig als Produkt des Ostens, nämlich als das der alten Bene Hadani heraus. Man muß es einfach als unbegreiflich finden, daß Männer wie Dillmann, Frankel, Jellinek und Beer dieses Werk für ein alexandrinischjüdisches halten konnten, da es weder den alexandrinisch-jüdischen Geist verrät, noch Spuren dortiger Verhältnisse oder jener geistigen Atmosphäre an sich trägt; im Gegenteile noch, alles spricht in diesem Buche gegen eine solche Annahme, da ein Glaube an Dämonen und Geister unter den dortigen Juden in der Glanzperiode nicht anzutreffen war, während aber ein solcher im Osten eher gerechtfertigt wäre, weil da sich der Einfluß des Parsismus geltend machte?) Es steht auch fest, daß lange vor der üblichen christlichen Zeitrechnung Juden dort im Osten und um das Schwarze Meer wohnten, wie sich dies außer den früher erbrachten Beweisen klar aus Philo (Legatio ad Gaium c. 36), der Agrippa I. in einem Briefe an Kaiser Gajus die jüdischen Ansiedlungen des Auslandes auMhlen läßt und unter diesen auch die Kolonien jenseits des Euphrat, ebenso die „in Bitbinien und den abgelegensten Gegenden des Schwarzen Meeres" erwähnt, ergibt. Prof. Levy hat auch nach den in neuerer Zeit dort aufgefundenen Steinen mit griechischen Inschriften, von Juden herrührend, nachgewiesen (Epigraphische Beiträge zur Geschichte der Juden, im Jahrbuche für Geschichte der Juden II x 273 ff), daß die Juden um das Schwarze Meer unter griechischer Herrschaft und im pontisch-Bosporischen Reiche, noch vor l er christlichen Aera auch im Privatleben sich der griechischen Sprache bedienten. Wenn die Urschrift dieses Buches also tatsächlich griechisch gewesen sein sollte, wie es den Anschein hat, wäre ja hiefür auch dieses Postulat gegeben. Bei einem Buche, das die Hand so vieler Uebersetzer aus verschiedenen Sprachen p ssiert, sind einmal die einem jeden Werke eigenen charakteristischen Merkmale verwischt, daher wird jede kritische Untersuchung aus diesen Eigentümlichkeiten, etwaige Direktiven auf diesem. Wege ermitteln zu können, wo und wann der Verfasser lebte, erschwert und bleiben nunmehr Gemeinplätze Übrig, die zur Eruierung des Gesuchten dienen müffen. Aber schon nach oberflächlichem Durchgehen dieses Buches kann man sich dem Eindrücke nicht verschließen, daß da der Parsismus auf die Denkungsweise des Verfassers bei der Schilderung der Engel, Dämonen und des Kampfes der Geister entschieden einen wesentlichen Einfluß ausüben mußte. Selbst die Worte des Verfaffers, Kap. 15, 35—36, wo er den Einfluß der Engel in Bezug auf die Juden negieren will, indem er sagt: Viele und mächtige Völker sind ganz der Gewalt dieser Geister ausgeliefert, die sie von Gott abwendig machen, während die Juden einzig und allein der Herrschaft Gottes unterstehen, der ihnen gegen jede von Geistern und Engeln ausgehende Versuchung und Irreführung beisteht, bestätigt ja das Gesagte vollauf. Dies geht auch deutlich aus Kap. 5. V. 10 und 19, wo-Wgedroht wird 4- au«! ftmrrai msa 'psai q'ötw bz Sxr Sbik.i oipöai nan hervor. Ich will mich in weiteren diesbezüglichen Details nicht verlieren, kann aber nicht umhin, noch auf eine Stelle hinzuweisen, ans der dies noch evidenter zu ersehen ist. Kap. 4. 34, zählt er vier Orte auf, die Gott auf der Erde sich auserwählte, nämlich: Gan Eden, den Berg des Ostens (Kaukasus), Sinai und Moria. Er meint nämlich, wie auch manche andere, das Paradies, welchem Landstrich er den Namen „Land Eldad", Kap. 3, 46 beilegt, war am Fuße des Kaukasus gelegen, ebenso landete die Arche Noas auf dem höchsten Gipfel des Kaukasus mit Namen „Elbrus" (armen. Alberis) Kap 5. 38, fi-na nn nnrr by rum Diese «statten, den Gan Eden und den höchsten Berg des Kaukasus „Al Bordsch", auf dem Ormuzd' thront (Kleuker, Zend-Avesta II. p. 222) als ehrwürdig anzusehen, treffen wir nur bei den Persern, und ist es merkwürdig, daß der Verfasser des Josippon (Kap. 10) noch viel später diese Stellen als geweiht betrachtet. Deshalb, weil der Verfasser dort im Norden lebte, ist es erklärlich, daß er auf Schritt und Tritt gegen die Tradition verstößt. Diese dorthin so früh eingewanderten Juden lösten sich von ihren Brüdern im babylonischen ist, zu urteilen, ist er gewiß aus dem persischen (gebirgigen) Irak, das bei den hebräischen Schriftstellern auch '^>2^8 oder -pm heißt, und wanderte er alsdann, wie er angibt nach mtian vj? einer auf flachem Lande gelegenen Stadt im arabischen Irak." Er erzählt auch, er lernte von verschiedenen Nationen griechisch, persisch (adjami), chaldäisch und hebräisch, was nur dort möglich war. Desgleichen sagt er, er beabsichtige etwas Neues, nämlich hebräisch zu schreiben, was nur in arabischen Irak einen Sinn hätte, weil dort die Juden nur arabisch nur» chaldäisch schrieben. Dies bestätigt sich auch aus dem Umstande, daß er einschärst, die Vokalzeicheu der „^.nsede Ledinar (Irak) zu lernen. -) Zwar trifft man bei Philo Mittelwesen und Engel, die erinnern aber mehr an Platos „Ideen"; dagegen sind diese hier erwähnten Geister und Dämonc entschieden eranischen Ursprunges, die auch in der eranischen Relizionsanschauung die finstere Kehrseite derselben bilden. Die Rabbinen haben diesen Einfluß dort als eine zeitweise Geistesverirrung zugegeben. Jerus. Talmud Rosch Haschana: ♦•^aae pra iby mats» 3) Mir liegt nur die hebräische Uebersetzung Rubins vor. Exil los, um sich dort niederzulassen (IV. Buch Esra Kap. 13, angeführt bei Esaria Derossi, Mor Enaim Kap. 13) und blieb ihnen die Entwicklung der Tradition fremd. Sie kannten wohl noch von früher her manche ältere Ansätze der mündlichen Lehre, wie auch die damals in jüdischen Kreisen mündlich, zirkulierenden Sagen über ihre Vorfahren der Vorzeit, die der Verfasser auch in diesem Buche verwertete; sie standen aber dem Brennpunkte, der weiter sich ausbildenden Schriftdeutung, während des zweiten Tempels und der gesetzlichen Diskussion dieser Periode gänzlich fern, und in jener alten Zeit konnten der großen Entfernung wegen kaum welche Nachrichten über diese Umwälzungen zu ihnen dringen. Sie wurden dem lebendigen Wechselströme entrückt und dadurch teilweise verkümniert. Deshalb klagte R. Akiba über sie: (Sifra Kap. 26). o'Bäpn mt^J? I1?*? D*U3 DnUHI Fast auf jedem Blatte dieses Buches kommt der Widerspruch mit der Tradition zum Vorschein. Er kennt auch nicht das Neujahrsfest, das die heutige Bedeutung erst später erhalten hatte, und das Festhalten an dem Wortlaute der Bibel (Exodus 19.1) führte sie dort sogar dahin das Pfingstfest am sechzehnten Tage des dritten Monates zu begehen (Kap. 1.1). Die alten Härten des Gesetzes (wie z. B. 15., 27; 50, 10 rc.), die die mündliche Lehre milderte, wie auch eine Art levitische Reinheit, die nur mehr die alten vom Judentum abgezweigten Sekten beobachten, haben sie auch beibehalten, wie ein jedes Blatt dieses Buches hievon Zeugnis ablegt. Diese Art und Weise macht sich auch bei der ganzen Komposition dieses Buches bemerkbar, das nach Jubeljahren zählt. Da die Juden dort sich nach den Verkündigungen des Neumondes in Palästina, mit dem sie übrigens auch nur wenig in Berührung kamen, mit der Festsetzung ihrer Feiertage nicht richten konnten, mußten sie den alten Festkalender beibehalten. Die Iden waren seit alter Zeit im Besitze eines festen Kalenders, trotz Regelung der Neumonde und Festtage durch Zeugenaussagen bei Gewahrwerden des Neumondes, wie dies viele Stellen in den talmudischen Schriften und Josephus (Jüd. Altertümer I,;) beweisen. Es haben sich auch Spuren erhalten (Eruchin 12 k), daß die Juden in Palästina bis nach der Zerstörung des ersten Tempels nach Jubeljahren zählten und diese Rechnung wurde gewiß auch im Exil in Babylon fortgesetzt, da man sie auch, bei Daniel antrifft. Es ist ganz gleichgiltig, wo eigentlich Daniel gelebt haben mag, die von ihm geschilderten Begebenheiten spielen sich in Medien ab und hat er auch getreu die dort bei den Juden in Uebung gewesene Zeitrechnung nach Jahreswochen (a 7 Jahre) wiedergegeben; diese haben auch die Juden nach dem Norden mitgenommen. Der eigentliche Zweck dieses Buches ist auch (Kap. >, 39). die wichtigsten Begebenheiten in dem Buche Genesis.und Exodus, seit Adam, der Reihe nach, nach dieser .Zeitrechnung von Jahreswochen und Lubeljahren setzzustellen, und so auf diese Weise die aera munäi zu begründen und auch für weiterhin in Geltung zu halten, wie auch die Kalenderrechnung zum Gebrauche aller festzulegen; und nimmt hier der Verfasser das einzigemal offen und ostentativ Stellung gegen Palästina, wo man nicht die Rechnung als Basis für die Kalenderordnung nahm, sondern nach der Wahrnehmung des Neumondes bei Festsetzungen der Feiertage sich leiten ließ (Kap. 6, 55 ff) Jetzt löst sich auch das Rätsel, wieso es kam, daß die Juden des Ostens immer nach der Weltschöpfungs-Aera, dagegen alle Juden sonst, überall nach der seleuzidischen Aera zählten. Erst die Juden des Ostens haben solche nach dem Westen gebracht; man findet sie zuerst bei Eldad Hadani (in seinem Briefe nach Spanien) Josippon und Schabbatai Douolo, doch verschaffte sie sich hier anfangs nur langsam Eingang, bis solche später allgemeine Aufnahme fand. Sollte es noch eines weiteren Beweises bedürfen, daß der Verfasser am Tanais (Don) oder in der Nähe um das Schwarze Meer lebte, wird diesen Beweis zweifellos die Völkertafel Kap. 8—9 liefern, wo eine solche genaue Kenntnis der Gegend und der alten Völker dort an den Tag gelegt wird, daß jeder Zweifel daran schwinden muß. Die Einteilung der Erde geht bei ihm von einem Mittelpunkte, nämlich dem Tannis (Don) aus, und wird die Topographie der dortigen Gegend genau gegeben, so weit sich dies noch aus den verstümmelten Namen feststellen läßt. Der Versaffer scheint in dem von ihm bezeichneten Landstrich „Eldad" gelebt zu haben, da er (Kap. 9, 3) den Griechen ihre „Insel" wie auch den taurischen Chersones (Krim) zuteilt, der sich an der Seite von Eldad erstreckt. Die Ortsnamen sind verstümmelt und finde ich es daher gewagt, daraus welche Schlüffe auf die Lebenszeit dieses Autors zu ziehen. Soviel sich aber doch urteilen läßt, dürfte er anfangs der üblichen christlichen Zeitrechnnng (etwa im I. oder II. Jahrhundert) gelebt haben. Aus 50. 14 scheint hervorzngchen, daß der Tempel in Jerusalem nicht mehr bestand und die Stellen Cap. 37. 21—28 scheinen auf Rom gemünzt zu sein. Das Buck ist gewiß in der griechischen als der damaligen Umgangssprache dort geschrieben worden und verfolgt die Tendenz, nebst Feststellung des Kalenders und der Zeitrechnung nach Jubeljahren auch den Glaubensgenossen einzuschärfen, die Gebote der Beschneidung und der Sabbatruhe rc. zu befolgen?) *) Liest man die diesbezüglichen Stellen aufmerksam, bemerkt man sofort, daß den weitläufigen Ausführungen bezüglich der Einhaltung des Sabbaths und der Beschneidung und den wiederholten Aufforderungen und Einschärfungen, diese Gebote nicht zu vernachlässigen, eine apologetische Tendenz zu Grunde liegt. Dieses richtete

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