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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-03-24 · 12 (24.3.1905) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
12 (24.3.1905)
Date
1905-03-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 12 Dr. JBiocb s MocbenscvrM. Sette 179 uns fehlen? Ich beute meine Güter nicht aus, folglich soll sie Niemand ausbeuten? Welch' bewundernswertes Raisonnement! Man behauptet, daß die Juden verachtet und verabscheut werden!? Haben Sie bei den Bauern das geringste Zeichen von Verachtung oder Haß konstatiert? Ich habe jüngst einen Juden gegen die Verwaltung beschützt, dessen Verteidigung zu übernehmen ich von meinen Bauern aufgefordert wurde. Unser Antisemitismus ist bloß eine Form der Furcht, die uns die Kapitalien und die Industrie der Fremden einflößen. Trotz alledem entziehen die Bulgaren, die Bukowinaer und die Ungarn alles in allem 10 Millionen jährlich unserem Lande, die von den Bewohnern des Landes verdient werden könnten. Ich habe auf meinem Gute 1500 Bauern; ich finde Schafhirten, soviel ich will, aber ich finde keine Kuhhirten und niemals einen Schweinehirten. Die Abkömmlinge Trajans sollten Schweinehüter werden? welche Erniedrigung! Sie halten dies nicht für notwendig. . . . Niemand stirbt in unseren Dörfern vor Hunger, und man fährt fort, den Boden wie zur Zeit des Bastle Lupus (einstiger Fürst) zu bearbeiten. Sie glauben vielleicht, daß wir kein Interesse für das Schicksal der Bauern haben? Wir find eine gewisse Anzahl von wohlmeinenden Gutsbesitzern, die wir auf unseren Gütern leben und versuchen, den Bauern aus seiner Apathie aufzurütteln. Wir versuchen es, aber es gelingt uns nicht. Meine Maisfelder find in den letzten Tagen des Herbstes beendigt. Die Feuchtigkeit durchdringt den Boden, der Frost tötet das Unkraut. Ich erziele auf diese Art eine um ein Viertel reichere Ernte, die die Augen meiner Bauern vor Bewunderung starr macht. Glauben Sie, daß sie meinem Beispiele folgen? Sie sagen sich, daß der Mais des Grundbesitzers stets schöner sein muß, und daß die Einrichtung der Natur das so will. Ich versuchte, ihnen eine andere Idee von der Ordnung in der Welt beizubringen, und in einem Jahre ließ ich sie ihr Stückchen Grund auf meine Rechnung bearbeiten. Das Resultat war eine ausgezeichnete Ernte. Sie trauten sich jetzt zwar selbst die bessere Leistung zu, begannen aber keineswegs in der gleichen Weise zu arbeiten. Mein Programm? Es ist einfach! Wir sollen unsere Juden absorbieren. Ich sage nicht, daß wir sie eu masse naturalisieren sollen. Wir sollen fremde Kapitalien heranziehen. Wir sollen aufhören, die Menschen, die jenseits der Grenze wohnen, als Feinde zu betrachten, die stets bereit sind, unserer Unabhängigkeit (?) Schlingen zu werfen. Es ist vielleicht melancholisch, wenn man in meinem Alter sagt, daß meine Partei die Zukunft repräsentiert. Diese Melancholie ist aber auch ein gewisser Stolz. Ich arbeite am Ende meines Herbstes für eine Ernte, die ich nicht einheimsen werde. Im Winter wird es auf die Ernte schneien, wie auf meinem Haupte. Ich, der alte Maisbauer, habe Vertrauen in den Winter. Man wird mir wenigstens die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß ich niemals nach Popularität geschielt, daß ich nie den Rücken vor der Majestät gebeugt habe." So schließt die Rede dieses unbestritten bedeutendsten Staatsmannes Rumäniens. Und was nun? Ist die Frage um einen Schritt weiter gekommen? Statt daß Herr Carp dies alles dem fremden Publizisten erzählte, erzähle er es lieber seinen Landsleuten, lerne er diese Gerechtigkeit auch in praxi üben. Auch Herr Carp war Ministerpräsident. Auch auf ihn hat man große Hoffnungen gesetzt, ja die Meisten hatten sogar gehofft, daß unter seinem Regime eine Lösung der Judenfrage vollzogen werden würde. Aber der Jude ist und bleibt kein Rumäne. Er muß wohl die Pflichten eines Bürgers wie jeder Andere erfüllen, darf aber dafür nichts an Rechten erwarten. Wir wissen, daß der Zeitpunkt noch nicht, ach, noch lange nicht da ist, wo die Judenfrage gelöst werden könnte, und so mancher Publizist wird, wenn nicht mehr Herrn Carp, so andere rumänische Staatsmänner interviewen — selbstverständlich immer mit demselben Erfolge. Adolf Kartell der judenfreffende Kirchermacher. Wir haben schon als Obergymnasiasten die meisten hervorragenden deutschen Literaturgeschichten gelesen; denn wir hatten einen vorzüglichen Lehrer im Deutschen, dessen ausgezeichnete, uns unvergeßliche Vorträge uns zum Studium der Literatur mächtig anspornten; es war dies Herr Professor Dr. Ludwig Chevalier, der gegenwärtig als Regierungsrat und Gymnafialdirektor, ausgezeichnet mit dem Eisernen Krvnenorden, seinen Ruhestand in Prag genießt. Unter den Literaturgeschichtsschreibern gab es damals auch manche ganz klerikaler Gesinnung; aber man muß es anerkennen, daß dieselben jüdische Dichter und Schriftsteller gerecht beurteilten und daß sie, wenn sie auch gegen Heine's Schwächen losdonnerten, des genannten Dichters seltenes Genie und dessen aristophanische Grazie rühmend hervorhoben. Erst das zwanzigste Jahrhundert, das den Antisemitismus in vielen Hohlköpfen erzeugt hat, hat natürlich auch einen antisemitischen Literaturgeschichtler geboren. Er heißt Adolf Bartels und gab sein Machwerk 1901 — 1902 in zwei starken Bänden heraus. Das Buch ist eigentlich ein „lueus a non lucendo“, es soll als Muster dienen, wie man Literaturgeschichte nicht schreiben soll. Ein perfideres, miserableres, charakterloseres Schundwerk ist mir noch nicht zu Gesichte gekommen. Diese Literaturgeschichte entbehrt jeder Objektivität und strotzt voller Einseitigkeiten, die Bartels subjektive Ansichten nennt. Jeder jüdische Schriftsteller und Dichter wird gleichsam als ein Kretin hingestellt; demselben kritischen Urteile verfallen alle jene, die einen dem jüdischen ähnlichen Namen haben oder mit Juden überhaupt verkehrten oder noch verkehren. Ich will die Bartels'schen Blödfinne nicht wiedergeben, obwohl eine stattliche Purimnummer Ihres werten Blattes daraus würde; aber ich bitte meine Glaubensgenoffen, sie mögen das angezeigte Werk nicht kaufen, damit sie keine Reue empfinden. Ueberhaupt werden antisemitische Bücher von Jftaeliten zuviel gekauft. . . . Nun wurde Herr Bartels „ob" seiner gelehrt seinsollenden Literaturgeschichte von der wissenschaftlichen Kritik, wie sich's gebührt, zugedeckt. Da schnob er Rache und edierte eine ziemlich dicke Broschüre, die den bombastischen Titel „Kritiker und Kritikaster. Pro domo et arte. Mit einem Anhang: Das Judentum in der Literatur." In diesem Buche stellt Bartels seine Ichheit in den Vordergrund und schmiert über Kritik und Kritiker einen Schwefel zusammen, dem gegenüber der von Sodom und Gomorrha das reinste Kinderspiel ist. Die Antisemiten, die natürlich seine Literaturgeschichre günstig beurteilen, sind seine Leute, während die Liberalen, die ihm haarklein grobe Fehler, Einseitigkeiten, Ignoranz, Verdrehung von Tatsachen Nachweisen, furchtbar von Bartels zerzaust werden, doch hoffe ich, daß sich alle dabei Wohlbefinden. Diese Broschüre enthält auch einen Anhang, in dem das Judentum in der deutschen Literatur von Bartels in schrecklicher Weise „behandelt" wird; dieser letzte Aufsatz strotzt voll Unwahrheiten, Entstellungen und Lügen. Um die Literatur hochverdiente Männer, die die deutsche Nation miterziehen halfen, wie Berthold Auerbach, werden als Krebsschaden am Leibe des deutschen Volkes hingestellt, die Schwarzwälder Dorfgeschichten, denen Ludwig Uhland, wohl ein berufenerer Kritiker als Bartels, ein begeistertes Gedicht gewidmet, werden als minderwertig bezeichnet; Katholiken wie Karl Herloßsohn werden in Juden verwandelt, wie es elen dem geleerten Verfasser in den Kram paßt u. s. w. Zum Schluffe meiner Ausführungen möge hier ein Teil der Kritik des Herrn Dr. M. G. Conrad über die Bartels'sche Literaturgeschichte Platz finden, weil sich Bartels über diesen „Schimpfbold" — so nennt er Herrn Dr: Conrad — am meisten ärgert. „Es gibt auch unter den Deutschen," so beginnt M. G. Conrad seinen Aufsatz, „so gut wie unter den Engländern und Franzosen Geschichtschreiber, die eine unendliche Kraft und Feinheit der Empfindung, Gründlichkeit gelehrten Wissens mit vollendeter künstlerischer Noblesse des Ausdrucks zu verschmelzen verstehen. Ihre Werke sind Muster

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