Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 11 (17.3.1905)
- Date
- 1905-03-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 11 Dr. Mocb's Mocbenscbritt, Seite 16 Kohn; 1. Obmann-Stellvertreter MUK. Rudolf Pollatschek; 2. Obmann-Stellvertreter JUK. Paul Klein; Kassier JUK. Ernst Sittig; Darlebensverwalter meä. Siegmund Kohn; 1. Schriftführer cand. phil. Emil Stransky; 2. Schriftführer jur. Emil Thorsch. In den Ersatz wurden folgende Herren gewählt: MUK. Heinrich Löwy, JUK. Paul Nettl, JUK. Alfred Gintz. Hierauf wurde ein Antrag des Ausschusses angenommen, dahin gehend, daß der Verein von nun an eine kostenlose Stellenvermittlung für Hauslehrer und Hofmeister unterhalte. Diesbezügliche Zuschriften sind zu richten an Herrn JUK. Paul Klein, Prag, Deutsches Studentenheim. Prag. (Kreuzerverein zur Unter stützung armer Israel. Waisenmädchen des Königreiches Böhme n ) Nach zweijähriger, durch die Statuten bedingter Pause fand im Waisenheime des Kreuzervereins in der Puchmayergasse die Generalversammlung statt. Den Vorsitz führte Herr kais. Rat Sigmund Haurowitz, der die Versammlung mit einem tief empfundenen Nachruf für den Heimgegangenen 1. Obmann-Stellvertreter Herrn kaii. Rat Seligman Elbogen eröffnete. Der im Drucke erschienene, 350 Quartseiten umfassende Bericht legt ein beredtes Zeugnis für das ersprießliche, eminent wohltätige Wirken des Vereins ab. Der Vereinsstand betrug im Jahre 1904 K 593.374 12, ausschließlich des Werts des schuldenfreien Hauses, in dem das Waifenheim sich befindet. Die Einnahmen betrugen im Jahre 1903 X 68. 468-71, im Jahre 1904 L 51.094 84, die Ausgaben im Jahre 1903 K 36.873 71, im Jahre 1904 30.602 24. Der Bericht dankt allen Wohltätern für die Unterstützung und Förderung des Vereins und den Aerzten, die sich der Waisenmädchen aufopferungsvoll und selbstlos annehmen, den Herren Prof. Dr. Alois Epstein, MUDr. Alois Pollak, MUDr. Emil Bunzl-Federn, MUDr. Sigmund Tänzer und MUDr. Kamill Hirsch. Herr kais. Rat S. Kann sprach dem Vorsitzenden für seine umsichtige, anstrengungsreiche Tätigkeit den innigsten Dank namens der Generalversammlung aus. Nach Genehmigung des Revisionsberichtes wurden die Wahlen vorgenominen. Als Direktionsmitglieder wurden die Herren kais. Rat Adolf Bloch, Otto Ederer, Prof. Alois Epstein, kais. Rat Moritz Hahn, Max Kahler, A. I. Pollak wieder- und die Herren Dr Hugo Grab, Karl Reimann, Kam -R. Richard Elbogen neugewählt. Die Herren Adolf Hahn, kais. Rat Philipp Falkowicz, Ludwig Deutsch und Alfred Bondy wurden in den Revisionsausschuß wieder berufen. Jglau. (C h e w r a-K a d i s ch a.) Sonutag den 5. März d. I. wurde die diesjährige ordentliche Generalversammlung der hiesigen Chewra-Kadischa abgehalten. Der Vereinsvorsteher Herr Wilhelm Oe st reicher konstatierte die Beschlußfähigkeit, eröffnete die Versammlung und begrüßte die zahlreich erschienenen Vereinsmitglieder, insbesondere die Herren Adolf Lieblich, Vorsteher der hiesigen Kultusgemeinde, Jonas Heim, Vorstandsmitglied, die Obmänner des Gesangvereines „Schir Zion" kaiserlicher Rat Gustav H e l l m a n n und Adalbert P o k o r n y. Die Verhandlungsschrift der letzten Hauptversammlung wurde vom Gemeinde- und Vereinssekretär Lehrer Salomon S p i e l m a n n zur Verlesung gebracht und von den Anwesenden vollinhaltlich zur genehmigenden Kenntnis genommen. Der Tätigkeits- und Rechenschaftsbericht, erstattet vom Vorsitzenden, fand beifälligste Aufnahme und wurde hierauf über Antrag der Herren Rechnungsprüfer David Such y und Otto Herrmann dem verdienten Kassier Herrn Ignaz Kohn und dem Vereinsvorstand für das abgelaufene Vereinsjahr das Absolutorium erteilt und denselben der Dank für die besondere Mühewaltung ausgedrückt. Eine besondere Ehrung ward dem Vorsitzenden zuteil. Ueber Antrag des hochgeehrten Vorstehers der Kultusgemeinde Herrn Adolf Lieblich wurde Herr Wilhelm O e st r e i ch e r, Vorsteher des Vereines, in vollster Anerkennung seiner erfolgreichen Tätigkeit und in Würdigung seiner unvergänglichen Verdienste um den Verein mit Stimmeneinhelligkeit zum Ehrenmitglieds oer Chewra-Kadischa ernannt. Herr Oe st reicher dankte tief bewegt für die ihn höchst ehrende und überraschende Auszeichnung und versprach» auch fürderhin die Zwecke der Chewra-Kadischa fördern zu wollen. Den beiden Vereinsärzteu Herren Dr. Julius Kraus und Dr. Edmund Thorsch wurde die vollste Anerkennung für ihre wahrhaft humane Behandlung der armen Kranken ausgesprochen. Den biederen Frauen Bertha O e st r e i ch e r, Babette Kohn, Käthe R o s n e r, Katti tzerschmann und Luise Horowitz, die sich bei der rituellen Waschung, ,-pnto, unserer verstorbenen Glaubensschwestern seit vielen Jahren in wahrhaft pietätvoller und nachahmenswerter Weise beteiligen, wurde über Antrag des Herrn Adalbert Pokorny von der Vollversammlung der innigste Dank votiert. Weiters wurde dem Bauk o m i t e e und allen F a k t o r e n, die sich um die Erbauung der neuen prachtvollen Zeremonienhalle auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe soviele unvergängliche Verdienste erworben haben, die vollste Anerkennung von der heutigen Vollversammlung ausgedrückt. Auf Grund der abgeänderten, von der Statthalterei bestätigten Vereinsstatuten wurde hierauf die Neuwahl des Ausschusses vorgenommen und wurden einstimmig oder nahezu einstimmig gewählt die Herren: Karl B o u d i. Moriz Bretfch neider, Josef G r ü n f e l d, Gabriel H e l l m a n n, Moriz H i t f ch m a n n, Ignaz Kohn, Samuel Kraus, Ignaz Lang, Wilhelm O e st r e i ch e r, Max Pollak, David Reiniger, Moriz Schwarzkopf, Max Wurmso hn, Heinrich Weißenst e i n und Ignaz Weiner. - Bei der am Sonntag den 12. d. M. vollzogenen Koustituierung des nengewählten Ausschusses wurde der bisherige Vereinsvorstand einstimmig wiedergewählt und zwar Herr Wilhelm Oestreicher zum Vorsteher, Herr Max Wurmsohn zum I. und Herr David Re in i ge r zum II. Vorsteher-Stellvertreter, Herr Ignaz Kohn zum Beirat und Kassier, Herr Josef Grüufeld zum Beirat und Kontrollor. Zum Friedhofs- Inspektor wurde Herr Heinrich W e i ß e n st e i n neugewählt. — in— Mareeü Neuschloß' Leichenbegängnis. Einen der edelsten Männer, die wir gehabt, trug man heute ru Grabe. Einen jener Ausnahmsmenschen, die, mit Geist und Gemüt gesegnet, ihre seltenen Gaben zum Altar der Nächstenliebe trugen. Einen jener Wenigen, die ihrer Menschenpsiicht nicht glauben Genüge geleistet zu haben, wenn sie mit vollen Händen gegeben, sondern Einen, in dem die merkwürdige Kraft wohnte, kalte Seelen zu begeistern, den Kultus des Guten zu verbreiten und zu povularisieren. den Verstand anzuregen, das Herz zu befeuern und alle Pfade der Humanität wegsam zu machen. Marzell Neuschloß, den man heute in die Gruft gesenkt bat, war unser herrlichster Vorkämpfer in der Kunst: praktische Wohltätigkeit zu üben. Nicht im bloßen Almosenspenden erschöpfte sich der edle Geist, der ihn beseelte und der hoffentlich nicht mit ihm eingesargt wurde; Marzell Neuschloß war ein schöpferisches Genie auf humanitärem und soziologischem Gebiete. Er half Bedürftigen auch über den Jammer des Tages hinweg, aber seine agitatorische Kraft stand im Dienste einer in ihrer Bedeutsamkeit unvergleichlichen, weit ausschauenden Konzeption. Was die jüngsten zwei Jahrzehnte in Budapest an großen und gemeinnützigen Institutionen hervorgebracht, das verdankte sein Entstehen der rastlosen Initiative des seltenen Mannes oder trug zumindest den Stempel seiner energischen Mitwirkung. Er war glücklich, je mehr Mitarbeiter anwerben zu können, allein, auch wenn er in irgend einer Sache allein stand, galt ihm für seine Person der Satz: Einer für Alle! Nie hat ihn ein Trostbedürftiger ungetrösiet, ein Hilfsbedürftiger mit leeren Händen verlassen; mit dem Spürsinne des echten Philanthropen wußte er allzeit die wirkliche Not zu entdecken und mit dem praktischen Sinne des Mannes der Arbeit verstand er sie zu lindern. Talent, GenM und Charakter machten Marzell Neuschloß zu einer Persönlichkeit, die den Respekt Fremder erzwang und Näherstehenden liebevolle Verehrung als Herzenspflicht erscheinen ließ. Und wer heute Zeuge der Leichenfeier auf dem Rosenhügel war, wer diese Wallfahrt von Tausenden mitansah, die Nachmittags den bergigen Weg zur Villa in der Aoostol-utcza hinanschreiten, um zu Marzell Neuschloß' Sarge zu gelangen; der mußte empfinden, daß ein Mann, dem solch spontane Kundgebung des Schmerzes von Tausenden gelte, nicht vergeblich gelebt habe. In der unübersehbaren Menge standen hart neben einander hohe militärische Würdenträger und schlichte Arbeiter, vornehme Staatsfunktionäre und Bürgersleute, die Spitzen der kommunalen, der kommerziellen und industriellen Welt, Künstler, Schriftsteller, Aerzte, Advokaten, Damen und Herren, Vertreter aller Gesellschaftsklassen, Personen, die dem nun Verewigten nahe gestanden und zahllose Andere, die von seinem umfassenden Wirken gewußt hatten und die gekommen waren, um einem wahrhaft edlen Manne die letzte Ehre zu erweisen Zum Erdrücken gefüllt waren alle Räume des Trauerhauses, in dessen Salon der Sarg Marzell Neuschloß' in einem Haine tropischer Pflanzen, bedeckt und umgeben von den Blumenspenden pietätvoller Freunde aufgebahrt war, und draußen auf der Straße drängten Tausende, oie im Hause keinen Platz mehr hatten finden können. Das tiefste Mitgefühl wandte sich der Familie zu: der Witwe Marzell Neuschloß', die dem Heimgegangenen eine so hochsinnige Lebensgefährtin gewesen, und den jugendlichen Kindern, die heute nur einen blassen Begriff haben können, was ihnen das grausame Schicksal geraubt . . . Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, auch nur eine annähernd richtige Liste der Trauergäste zu entwerfen. Genannt seien denn auch bloß die offiziellen Persönlichkeiten, die sich zur Leichenfeier einfanden. Man sah die Staatssekretäre Geheimrat Desider Gromon, Ignaz Szöll und Bola Maksalvay. Magnatenhausmitglied Konrad Burchard- Belavüry, die Reichstagsabgeordneten Dr. Max Falk, Paul Sandor, Josef Vößi, Moriz Szatmari, die FML. Viktor Lauer und Bela Pap, Oberintendant Franz Schmer, Intendant Retey, die Barone Leopold Edelsheim-Gyulai und Peter Herzog, die Ministerialräte Josef Szterönyi, Ludwig Tolnay, Wilhelm Balogh, Dr. Julius Vargha, Ignaz Lötay, Ferdinand Förster, die Sektionsräte Alödar Ehrenhöfer, Dr. Anton Vizaknai, Dr. Ludwig Mentsik, Dr. Dr. Ludwig Hegyeshalmy, Oberstaatsanwalt Dr. Geguß, Bürgermeister Hofrat Johann Halmos, die Hofräte Sigmund Thaly, Dr. Armin Neumann und Paul Elek, Prof. Karl Zipernovßky, Andreas Mechwart, die Oberdirektoren Karl Gegedüs und Kami! Fittler. Die Freimaurerei war in imposanter Weise vertreten, nicht nur durch die Repräsentanten sämtlicher Budapester Logen und Abordnungen aus der Provinz, sondern es hatten auch der Zentralausschnß der Grenzlogen, ferner die Logen „Goethe" und „Schiller", sowie die Mailänder Loge „La Ragione" Deputationen und Kränze geschickt. Korporativ waren vertreten: der Ungarische Landes-Judustrieverein unter Führung des Vizepräsidenten Andreas Thek und des Direktors Moriz Gellöri» die Budapester Handels- und Gewerbekammer, das Budapester Handelsgremium unter Führung des Präsidenten Theodor Hüttl, das leitende Komitee der Handelsakademie unter Führung des Präsidenten Martin Schweiger, die Pester israelitische Religicnsgemeinde mit dem Vorsteher Sigmund L. Breitner, der Ungarische Ingenieur- und Archi-