Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 11 (17.3.1905)
- Date
- 1905-03-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 168 Dr Vlocb s Mocbenscbrm. Nr. 11 mehr zu behagen. Wir glauben, daß ein besonders gut trainierter antisemitischer Magen — und dieser spezifische Körperteil verträgt ja schließlich Vieles — dazu gehörte, um diesen Kohl unausgesetzt genießen zu können. Der Ton, dessen sich dieser „Getreue Eckart" befließ, war einfach unerhört. Und der sonstige Inhalt dieses Blattes war zum Sterben langweilig — und so kam es daun zum Sterben selbst. K. Mährisch-Ostrau. Am 20. Februar, dem diesjährigen Kleinpurim, veranstaltete der seit fünf Jahren hier bestehende und gegenwärtig 160 Mitglieder zählende 6 6 miIutb - Chassodioi= Verein im Restaurant Weißlitz eine Chewra-Sude mit zirka 130 Gedecken. Der Vorstand der Kultusgemeinde war durch die Herren Dr. Alois Hilf, Dr. Max Böhm, Herrn. F r i e d l ä n d e r, Gemeinderat Nathan L i ch t e n st e r n, Direktor K r a ß n y, W e i ß l i tz, I m m e r g l ü ck u. A. vertreten. Im Namen des Vereinsobmannes Herrn Karl E i ch e n b a u m begrüßte dessen Stellvertreter Herr Jur.-Dr. Max Beer die Festteilnchmcr. Unter Hinweis auf die edlen Ziele des Vereines, welcher außer der Gewährung von unverzinslichen Darlehen an kleine Pensionisten und Gewerbetreibende und neben Unterstützungen diverser Art ein konservatives Minjan erhält, forderte der ob seiner religiösen Gesinnung und feines jüdischen Wissens beliebte Redner in warmen Worten die Anwesenden zur tatkräftigen Beihilfe auf. Dieser Appell hatte den augenblicklichen Erfolg, daß der Vereinskasse nicht nur von Seite des Kultusvorstandes, sondern auch -seitens privater Spender namhafte Summen zuflossen. Das Fest, das von 8 Uhr abends bis lange nach Mitternacht dauerte und durchaus den Charakter eines echt jüdischen Beisammenseins trug, wurde durch interessante Reden und Toaste ausgezeichnet. In einer Witz- und gedankenreichen Ansprache beleuchtete der Kultuspräsident Herr Dr. Alois Hilf an der Hand geistreicher Belege aus der Bibel den Brauch jüdischer Wohltätigkeitsvereiue, Festessen zu arrangieren, als eine, uralte Sitte, entwickelte daun den Begriff und die mannigfache Bedeutung des Gemiluth-Chassodim, wie sie jedermann, ob reich oder arm, üben könne und schloß mit dem Wunsche, unsere ganze Gemeinde möge sich in diesem Sinne betätigen. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. S p i r a schilderte die eminente Wohltätigkeit des Vereines, wobei er auch die anderen religiösen Institutionen unserer Stadt streifte und namentlich des Kultusvorstandes selbst gedachte, der sie alle bereit- und opferwilligst stützt und auf die Weckung des jüdischen Geistes hinwirkt. Mit berechtigtem Stolz und Genugtuung erfüllte es die Herren, als der Rabbiner schließlich auch auf den Lehrplan des jüdischen Religionsunterrichtes in den hiesigen Schulen zu sprechen kam und überzeugend darlegte, wie hier, im Verhältnis zu vielen anderen auf die traurige Fürsorge für die Schonung der Schüler mit dem Hebräischen bedachten Gemeinden, für den Religionsunterricht wohl gesorgt sei. Herr Kultusvorsteher Friedländer toastierte auf die jüdische Solidarität. Der greise Herr Ignatz Schmelz sprach im Namen des unter seiner bewährten Leitung stehenden Liüüur-Otwlim-Vereines u. a. m. Gesangsvorträge hielten die Herren Oberkantor L ö w y, Kantor und Sekretär Kläger, sowie Tenorist M e i s e l. Um das Gelingen des Festes gaben sich alle Mühe Herr Kultusrat W e i ß l i tz und das Festkomitee, das von Herrn Ignatz K a r p e l geleitet war, so daß der Abend einen geradezu glänzenden Verlauf nahm. Prag. Eine imposante Trauerversammlung war es, die am 3. d. M., nachmittags um halb 3 Uhr, in und vor dein Hause Nr. 2 am Heuwagsplatz stattfaud. Der Großindustrielle kais. Rat Seligman Elbogen wurde zu Grabe geleitet, und eine schier unübersehbare Zahl von Trauergästen aus den allerersten Kreisen der Prager Gesellschaft hatte sich zur festgesetzten Stunde eingefunden, um dem Heimgegangenen, dessen segensreiches, der Förderung der heimischen Industrie und dem Wohle der Armen gewidmetes Wirken höchsten Ortes nach Verdienst gewürdigt worden, die letzte Ehre zu erweisen und der schwergeprüften Familie ihre aufrichtige Teilnahme zu bezeugen. Der Sarg war in dem schwarzdrapierten Sterbegemache aufgebahrt und von herrlichen Kranzspenden umgeben. Nach dem Vortrage eines rituellen Gesanges durch den Tempelchor unter Assistenz der Herren Kantoren Mohr und Mirsky wurde der Sarg in den bereitstehenden vierspännigen Galäleichenwagen gehoben, worauf sich der Zug in Bewegung setzte. Zu beiden Seiten des Leichenwagens bildeten Arbeiter der Elbogenschen Unternehmungen, Kränze tragend, ein ambulantes Spalier. Dem Sarge folgte ein Diener, der auf schwarzem Samtpolster das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens trug, dann folgten die Hinterbliebenen und nächsten Verwandten und sodann in fast endlosem Kondukte die übrigen Leidtragenden und Trauergäste. Unter diesen sah man den Oberrabbiner Dr. N. Ehrenfeld und den Prediger der israelitischen Tempelgemeinde Dr. Fischer mit sämtlichen Rabbinern Prags und der Vororte, den Statthalterei-Vizepräsidenten Georg Dörfl, den französischen Konsul Colomies, den amerikanischen Vizekonsul Weißberger, den Hoftat und Polizeidirektor Kkikava, Hofrat Professor Dr. Krasnopolski, Hoftat Professor Dr. Zucker und andere Hofräte, die Abgeordneten Dr. Maly, Dr. Urban u. a., Reg.-Rat Direktor Baudis, Professor Dr. Singer, Schloßhauptmann Zapletal, die Großindustriellen Kommerzialräte Baron Eugen Kubinzky, Em. Grab, Perutz u. a., den Präsidenten der Notariatskammer Dr. Janka, den Präsidenten der Arbeiter-Unfallverstcherungsanstalt Dr. O. Pribram, den Präsidenten der Produktenbörse Kallberg, den Direktionssekretär des Deutschen Theaters Herrn Karl Rosenheim in Vertretung der Direktion mit mehreren Mitgliedern dieses Institutes, die Verwaltungsräte und die Direktion der k. k. priv. Böhm Unionbank, die Direktion der Prager Filiale der Oester.-Ungar- Bank, Mitglieder des Prager Handelsgremiums mit dem Präsidenten Otto Forchheimer, eine Deputation des Bundes der Industriellen, Abordnungen der Beamtenschaft der Aurinoweser Zuckerfabrik mit dem Präsidenten G. Pistl und dem Direktor Filip, den Verwaltungsrat und die Direktion der Peeeker Zuckerraffinerie mit dem kais. Rate Fischer, den Verwaltungsrat der Koliner Spiritusfabrik mit dem Zentraldirektor kais. Rat Julius Kraus, eine Deputation der Kaolinwerke Aspang. den Obmann mit mehreren Mitgliedern der Bezirksvertretung Beraun, eine Abordnung der Beranner Stadtvertretung, die Prager israelitische Kultusgemeinde-Repräsentanz mit dem Präses Herrn Dr. Arnold Rosenbacher sowie den Berauner israelitischen Kultusvorstand unter Führung des Vorsteher'Stellvertreters Herrn Josef Hecht und des Rabbiners Herrn Moritz Zinner, diii Vorstand des Vereines für geregelten Gottesdienst, die Direktion des israelitischen Kreuzervereines mit Herrn kais. Rat Sigmund Haurowitz, die Direktion des israelitischen Nächstenliebevereines mit Herrn Dr. Ludwig Bendiener, Deputation des Marienbader und Karlsbader israelitischen Hospitals, des Prwat-Frauenvereines zur Erziehung armer israelitischen Waisenmädchen, sowie sämtlicher israelitischer humanitärer Vereine Prags und der Vororte, ferner die bedeutendsten Repräsentanten der Zucker- und Spiritusbranche, Vertreter sämtlicher Zuckerindustrie-Vereine, Verwaltungsräte und Direktoren von Zuckerfabriken und zahlreicher anderer industrieller Unternehmungen, die Direktoren der Prager Geld- und Versicherungsinstitute und zahlreiche Verwaltungsräte, und vieler anderer Vereine, ferner Abgeordnete, Hochschulprofessoren, Großindustrielle, Staatsbeamte, Künstler, Schriftsteller, Aerzte, Advokaten, Großkaufleute und viele, viele andere. Der Zug bewegte sich über den Heuwagsplatz durch die Heinrichsgasse über den Wenzelsplatz nach dem neuen israelitischen Friedhofe in Struschnitz, wo die Beisetzung erfolste. Prag. (Der Privat-Frauen verein zur Erziehung armer israelitischer Waisenmädcheu in Prag) hielt in der Vorwoche im Waisenheim, Jerusalemsgasse 5, seine diesjährige Generalversammlung ab. Den Vorsitz führte die erste Präsidentin Frau Ernestine Hahn. Nach Begrüßung der Erschienenen brachte die Vorsitzende den Rechenschaftsbericht, der dem verstorbenen stiftenden, beitragenden und Ehrenmitgliede Herrn JUDr. Nathan Robitschek einen warmen Nachruf widmet und der Heimgegangenen Mitglieder, sowie der Wohltäter Und Freunde dankbar'gedenkt, zur Verlesung. Nach dem von Frau Hermine Fuchs vorgetragenen Kassabericht bezifferte sich der Vermögensstand in Obligationen und Losen am 31. Dezember 1904 mit 319.090 Kronen, das Baarvermögen mit 95.078 Kronen. Außerdem gehören zum Gesamtvermöge" die beiden unbelasteten Häuser NC. 152—V und 692—11. Nachdem Herr kais. Rat Robert Fuchs den Nevisionsbericht zur Verlesung gebracht hatte, wurden alle Berichte genehmigt. Dem Vorstande wurde das Absolutorium erteilt. Die Wahlen hatten folgendes Ergebnis: Zu Vorstandsmitgliedern wurden die Damen: Simonette Bondy, Emilie Brandeis, Sofie Braun, Anna Fischl, Anna Frank, Hermine Fuchs, Ernestiue Hahn, Therese Haurowitz, Franziska Kalmus, Emma Kaufmann, Kamilla Petschek, Pauline Ruß und Berta Teller wieder-, Frau Ottilie Kahler und Frau Marie Bondy neugewählt. Zu Rechnungsrevisoreu wurden die Herren kaiserl. Räte Robert Fuchs, Moritz Hahn und Sigmund Haurowitz wiedergewählt. Zum Schluffe sprach Herr kais. Rat Sigmund Haurowitz dem Vorstande, zumal der Präsidentin die vollste Anerkennung für das erfolgreiche Wirken aus. Die Präsidentin dankte ihrerseits den Revisoren für ihre Mühewaltung. Prag. (DerUnterstützungsverein für mittellose israelitische Universitätshörer) hielt am 22. Februar seine diesjährige ordentliche Vollversammlung im Karolinum ab. Anwesend waren 51 Mitglieder. Der Obmann Herr MUDr. Josef Nowack eröffnet die Versammlung, schlägt zum Vorsitzenden Herrn JUDr. Gustav Scheider vor, der, per Akklamation gewählt, den Vorsitz übernimmt. Hierauf erstattet Herr Dr. Nowack den Rechenschaftsbericht des verflossenen Vereinsjahres, aus dem hervorgeht, daß die Einnahmen im Jahre 1904 17.266 Kronen betrugen, und die gewährten Darlehen die Höhe von 11.471 Kronen erreichten. Er gedachte sodann der während des Jahres verstorbenen Mitglieder, besonders des verstorbenen Ausschußmitgliedes Herrn JUK. Max Perutz, anläßlich dessen Ablebens dem Vereine von dessen Familie die Spende von 1000 Kronen zukam. Die Anwesenden gaben ihre Trauer durch Erheben von den Sitzen kund; endlich dankt er noch der „Bohemia", dem „Prager Tagblatt" und dem „Deutschen Abendblatt" für die unentgeltliche Aufnahme der Vereinsnachrichten. Auch die Berichte des Kassiers Herrn JUK. Ernst Sittig und des Darlehensverwalters Herrn JUK. Arthur Edgar Mohr wurden mit Befriedigung znr Kenntnis genommen. Die Wahlen in den Ausschuß hatten folgendes Ergebnis; Obmann JUK. Emanuel