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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-03-17 · 11 (17.3.1905) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
11 (17.3.1905)
Date
1905-03-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11 Br. Bloch's Wochentchrist. Seite 163 glaube nicht daran, daß Oesterreich vor dieser Gefahr stand oder steht, denn wenn ich mich genau erinnere, habe ich nicht lange her einen Erlaß gelesen, den sämtliche Bataillonskommandanten bekommen, nur solche Unteroffiziere! in der Kanzlei zu verwenden, die einen Taufschein vorlegen. Also vom Taufschein ist die Tüchtigkeit, Verwendbarkeit, Treue, Gewissenhaftigkeit abhängig? Armes Oesterreich! Dieser erbrachte Beweis von den nötigen Qualitäten zu einem tüchtigen Unteroffizier — sollte also der Taufschein sein! Nun, der Hauptmann Ercolessi, der Vaterlandsverräter mit seiner ganzen Sippschaft haben echte Taufscheine besessen — sie waren alle gute Katholiken — der Hauptmann selbst sogar ein fleißiger Kirchenbesucher und er war doch ein — Verräter! Er stammt weder von einem Juden ab, noch steht er in irgend welchen Verwandtschaftsbeziehungen zu Juden, nicht einmal seine Frau, die man zu einer Jüdin stempeln wollte, hat welche jüdische Verwandtschaft. Sie heißt auch nicht Ester, sondern G u g l i e lm i n a. Das „Deutsche Volksblatt" ist wieder einmal schmählich aufgesessen. Die Absicht, die es verfolgte, ist klar, und ich glaube es nicht einmal, daß es sich durch diesen Artikel eines besseren belehren lassen wird. Interessant war auch diesen Sommer eine Notiz, die ein Triestiner Zeitnngsberichterstatter und Gesinnungsgenosse des „Deutschen Volksblattes daselbst abgelagert hat. In der Bombenaffaire seien lauter Juden verwickelt. Der Prozeß ist ja in Wien gewiß mit aller Strenge nnd Gewissenhaftigkeit durchgesührt worden. Ist auch nur ein einziger Jude unter Anklage gestellt worden? Ich begreife es sehr wohl, daß unsere Glaubensgenossen die liberale Richtung unterstützen, sollen sie vielleicht mit eigener Hand den Ast absägcn, aus dem sie sitzen? Wenn Lueger — der des öfteren unsere ruhige Stadt heimgesucht und hier mit Dompieri und dem k. k. Polizei- Präsidenten Hosrat Bussich Zusammenkünfte hatte, und Triest trotzdem von der antisemitischen Krankheit verschont wurde, ist es nur das Verdienst der hiesigen liberalen Richtung. Solange Camber, der mehr Erpressungsanklagen durchzumachen gehabt, als Prüfungen während seines Studiums, vom Hofrat Bussich freundlichste empfangen und ihm ostentativ seine Freundschaft bezeugt wird, solange nun ein solch hoher Beamter m einer so verantwortungsvollen Stellung bleibt, darf ich cs mit ruhigem Gewissen — selbst wenn ich es könnte — meinen Glaubensgenossen nicht verargen und keine Vorwürfe machen, so sie Gegner des jetzigen Systems sind. Diese Ansicht habe ich offen gegenüber dem gewesenen Statt Halter Grafen Goss vertreten. Ich bin sicherlich kein Jrcedentist und bin sogar der festen Ueberzeugung, daß Triest seine Bedeutung als Hafenstadt nur so lange haben wird — so lange es unter Oesterreichs Herrschaft steht — sonst sinkt es zu Venedigs Größe herunter. Triest ist aber nahe an der italienischen Grenze und mit Genugtuung sehen unsere Glaubensgenossen — wie die Juden in Italien behandelt werden. Da steht es nicht bloß geschrieben: die Juden seien gleichberechtigt und genießen mit allen Bürgern gleiche Rechte, sondern sie sind gleichberechtigt und alle Aemter und hohe Stellen stehen ihnen offen. Auch im jetzigen Ministerium sind zwei jüdische Minister: Luigi Luzzatti S ch a tz m i n i st e r, Commcndatore Vittorio Rava Ackerbauminister. Wie es scheint, und die Finanzkreise werden meine Vermutung mit Sicherheit bestätigen, Italiens Papiere sind um mindestens 10'/.. gestiegen, seitdem der Jude Luzzatti Schatzminister ist. Ich glaube nicht einmal, daß wir in Oesterreich auch nur einen einzigen Hoftat haben (der müßte ja schon im dritten Geschlechte von einem getauften Vater abstammen). Und wessen Schaden ist es? Wenn Triest jetzt eines Ansehens sich erfreut — wem hat cs dies zu verdanken? Wer steht an der Spitze der Generali Riunione Adriatica, Banka Unione, Kreditbank, Austria-Anglo-Bank — Juden, und die Juden scheinen alle diese Institute gut zu leiten, und wie steht cs mit dem Lloyd? Darüber will ich schweigen. Was ich mit meinem Artikel bezwecke? Die hohe Regierung möge in ihrem eigenen Interesse in Triest andere Wege einschlagen und dann wird sie sich über Triests Einwohner nicht zu beklagen haben. Seitdem Prinz Hohenlohe hier Statthalter ist — der mir übrigens bei meinem Antrittsbesuche die aufrichtigste Versicherung gab — ganz unparteiisch zu sein, uns Juden, — so viel und so gut er es kann — als vollständig gleichberechtigt zu behandeln — haben sich ja die Verhältnisse bedeutend gebessert — aber Bussich-Camber treiben noch immer ihr Spiel und so lange der „Sole" sich noch immer des Schutzes der Regierungskreise erfreuen wird — können die Verhältnisse nicht gesunden. Dr. Brett holz. Vom Iabrrnurkt des Lebens. Glossen zur Tagesgeschichte. (M u k d e n u n d d e r A n t e i l der I u d c u a in j a panischrussischen Krieg — Wofür? — Der kleine Mann und die großen Warenhäuser.— Die besonnenen Elemente. — S u b a u s p i c i i s u n d warum es nicht ging.— M a s a i d e k d e r H u m o r i st.) Wenn eS wahr ist, daß es die Juden sind, die den Krieg in Ostasien gegen die Russen führen, — die antisemitischen Blätter wurden wenigstens nicht müde, es innner und immer wieder zu versichern — nun, dann hätten sie ihn im Ganzen ja nicht schlecht geführt. Die Riesenschlacht um Mukden ist zu einer welthistorischen Tatsache geworden, die den Siegern nicht zur Unehre gereicht. Jetzt freilich ist es mit einemmal stille geworden von dem Anteil der Juden an dem gigantischen Kriege wider Rußland, da so ziemlich alle Hoffnung auf einen etwa noch möglichen Erfolg der russischen Waffen aufgegeben werden muß. Die Fortsetzung der bisherigen Lügen würde deren Urheber doch zu offensichtlich ins Gesicht schlagen. Die Albernheit war gut genug, solange sie dazu dienen konnte, Stimmung gegen die Juden zu machen. Jetzt könnte sie höchstens Stimmung f ü r sie machen, und das paßt natürlich nicht in den Kram. Die Wahrheit ist, daß in den japanischen Reihen wahrscheinlich nicht ein einziger Jude kämpft, während es ebenso, allerdings viel traurigere Wahrheit ist, daß aus russischer Seite vierzigtausend Juden im Felde stehen oder wohl richtiger — standen. Denn wieviele Tausende von ihnen in dieser furchtbaren ersten Märzdekade ihr Leben auf der blutigen Wahlstatt gelassen haben, das ist ja noch gar nicht festgestellt und wirb für die große Oeffentlichkeit wohl überhaupt niemals offiziell festgestellt werden. Sie haben gekämpft, sie haben geblutet; zu Tausenden erfroren die Verwundeten aus dem ungeheuren Schlachtfeld, da ihnen keine Hilfe gebracht werden konnte, von der fliehenden Armee schon gar nicht. Wie immer hat sich der russische Soldat gut geschlagen und wie gewöhnlich ist er das Opfer der geist- und talentlosen Führung geworden: und so schlugen sich auch die vierzigtausend Juden in den russischen Kadres. Nicht ein einziger, der nicht seine Pflicht getan hätte. Wie gierig wäre es ausgenommen und mit lvelcher Beflissenheit verbreitet worden, wenn auch nur in einem einzigen Falle die Pflichtverletzung eines jüdischen Soldaten festzustellen gewesen wäre! Auch sie lieferten ihr redlich Teil zu dem ungeheuren Massensterben und — wofür? Wenn schon der „rechtgläubige" russische Soldat schwerlich eine erschöpfende und Befriedigung bietende Antwort aus diese Frage finden dürfte, wie erst der jüdische?! Da nun vorläufig in der ostasiatischen Sache mit dem Antisemitismus nichts auszustecken ist, wendet sich dieser wieder notgedrungen mehr dem heimischen Detailgcschäft zu. Jetzt sind Protestversammlungen gegen einzelne jüdische Firmen an der Tagesordnung. Dem kleinen Mann muß geholfen werden, lautet die bewährte Parole. Redner: Prinz Alois Liechtenstein und Konsorten. In den Aufrufen heißt es: „Die gefährlichste Konkurrenz, welche durch die Gründung von Groß-Warenhäusern dem mittleren und kleinen Handels- und Gewerbestande entsteht, deren Tragweite sich heute kaum erkennen läßt, fordert alle Besonnenen zur energischen Abwehr auf". Unterschriften: Ernst Schneider und Konsorten. Der Mechaniker Schneider als Führer aller Besonnenen, das gibt do h einen wundervollen Festzug, der auch nach dem Faschingdienstag seinen Effekt be-

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