Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 10 (10.3.1905)
- Date
- 1905-03-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021602-3021613--14340-3039043- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 156 Dr. BLoch's Wochenschrift. Nr. 10 wir noch hinzu, daß Dr. Lewin beim Jugendgottesdienst am Sabbath- Nachmittag zwei ^horten, eine für Mittelschüler, eine für Volksschüler, abhält, so ist damit die ersprießliche Tätigkeit eines echt jüdischen Rabbiners gekennzeichnet. Z. Gmünd. Sonntag den 5. März fand im „Hotel Bahnhof" die Trauung des Herrn M.-Dr.Hugo Frisch, Sohn des Direktors Bernhard F r i s ch s. A., aus Wien mit Fräulein Malvine S a m e tz, Tochter des Hermann S a m e tz aus Budweis statt. Herr Dr. I. Eise nberg, Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde Waidhofen a. R., der die Trauung vollzog, hob in einer schwungvollen, mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Rede die Vorzüge des Brautpaares hervor und ermahnte sie gemäß den talmudischen Worten: (Jebamoth 63) ihr neues Heim zur Stätte der Zufriedenheit zu gestalten u s. w. Die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor Weiß aus Budweis. Mißlich. Bei der stattgefundenen Konstituierung des Kultusausschusses wurden einstimmig Herr Josef P o l l e n z zum Kultusvorsteher, Herr Adolf Grünbaum zum Vorsteher-Stellvertreter, Herr Salomon König zum Beirat wiedergewählt. Neugewählt wurden Herr Josef Hauser zum -Stiftungsverwalter und Herr Karl Hauser zum Kultusgemeinde-Kassier. Unser Glaubensgenosse Herr Siegmund Schneider, Mttchef der Firma Brüder Schneider in Marienbad, wurde in der am 27. Februar 1805 abgehaltenen ordentlichen Generalversammlung des Gremiums der Kaufleute in Marienbad zum Obmanne desselben gewählt. Herr Siegmund Schneider, der sein zu den ersten Firmen am hiesigen Platze zählendes Geschäft seit vielen Jahren leitet, hat stets auch unter seinen Glaubensgenoffen eine humanitäre und gemeinnützige Tätigkeit entfallet. Kuüua (Kroatien). Am 8. d. M. ehrte die hiesige Kultusgemeinde ihren bisherigen Vorsteher Herrn S. B e t l h e i m, welcher nach Agram überfiedelt, mit einem Abschiedsbankett und wurde derselbe wegen seines langjährigen Wirkens zum Ehrenmitgliede ernannt. Beim Bankette überreichte Herr Dr. Pollitzer dem Gefeierten mit einer tiefempfundenen Ansprache eine schön ausgestattete Adresse und der Herr Rabbiner würdigte in einer schwungvollen Tischrede die hervorragenden Verdienste, die sich Herr Betlheim uni unsere Gemeinde erwarb. Bei der vorgenommenen Neuwahl wurden gewählt: Herr Dr. N. Pollitzer als Präses, Moritz Weber Vize-Präses, S. Goldschmied, Kassier. Als Beiräte die Herren: Vittor Ausch, Jg. Brill, I. N. Eistnger, M. Löwmger, M. Stärk. Koste!. <R a b b i n e r-J n sta l l a t i o n.) Zu der in letzter Nummer unseres Blattes verzeichneten kurzen Notiz über die Installation des Rabbiners Dr. Carl D u s ch i n s k h wird uns aus Koste! noch Folgendes berichtet: Am 14 v. M. langte unser neugewählter Herr Rabbiner Dr. Duschinsky hier an, begleitet von seinem ehrwürdigen Vater Herrn Oberrabbiner Beruh. Duschinsky aus Namesto, seinem Bruder, Herrn Rabbiner M. Duschinsky aus Rakos-Palota bei Budapest und mehreren Verwandten und wurde von einer Deputation der Gemeinde am Bahnhofe empfangen. Im feierlichen Zuge fuhren die Angekommenen zum Hause des in der Nähe der Synagoge wohnenden Herrn M. S p i tz, wo der Vorsteher den neuen Herrn Rabbiner mit herzlichen Worten begrüßte. Unter einem Baldachin, von den beiden ältesten Gemeindemitgliedern geleitet, begab sich der Ehrw. Rabbiner durch ein von der Schuljugend und der ganzen Gemeinde gebildetes Spalier zur Synagoge, an dessen Eingang Herr Kultusvorsteher B. Kohn in schönen, vom Herzen kommenden Worten Herrn Dr. Duschinsky als Rabbiner begrüßte und ihn dann zu seinem Sitze im Tempel geleitete. Herr Kantor Ouittner trug das Ma-Towuh musterhaft vor. worauf nach dem Minchagebete der jugendliche Redner die Kanzel bestieg und in beredten und begeisterten Worten seine Antrittsrede hielt, die der Gemeinde einen Beweis ihrer gut getroffenen Wahl lieferte. Hierauf richtete Herr Rabbiner Dr. Groß aus Lundenburg einige herzliche Worte an den jungen Kollegen und Nachbarn, worauf die schöne Feier zu Ende war. Beim Festessen, das von 4 Uhr Nachmittags bis nach Mitternacht dauerte, sprachen der Vater und Bruder des neuen Rabbiners, Herr Dr. Groß, Herr Vorsteher Kohn und Herr Weigl; Herr Dr. Duschinsky dantte ihnen in geistreichen Worten. Glückwunschtelegramme sandten die Gemeinden: Lundenburg, Namesto. Rakos-Polota, Nikolsburg, die Herren Oberrabbiner R e i ch-Budapest, Rabbiner R e i ch-Baden, Rabbiner Reich- Baan (Onkel des neuen Rabbiners) und viele Andere A. Ou. Hannover. Der verstorbene Konsul Simon hat etwa drei Millionen Mark für wohltätige und gemeinnützige Zwecke gestiftet. Insbesondere wird eine Stiftung errichtet mit der Bestimmung, Hand- und Fabriksarbeit, Handwerk und Landwirtschaft, Garten- und Obstbau unter den Israeliten in größerem Uuffcmge zu verbretten. Die von dem Verstorbenen vor 12 Jahren gestiftete israelitische Erziehungsanstalt Ahlem und der Hilssftrnds für ehemalige Lchrlinge dieser Anstall erhiellen je 100.000 Mark. Ein Denkmal jüdischer Soldaten in London. Aus London wird berichtet: Feldmarschall Lord Roberts wird am 19. d. in der Centralsynagoge in Great Portland Street in London das Denkmal der im Burenkrieg gefallenen jüdischen Soldaten enthüllen. zfemlleton. Zwei Kriider. (Fortsetzung.) Es gibt bevorzugte Seelen, denen in einem Momente das Verständnis von Dingen aufgeht, über denen die meisten anderen ein Menschenleben lang vergebens brüten. So David. Er begriff die Herrlichkeit Mozarts, dessen Namen er mühsam auf dem Programm zu entziffern vermochte, Dank sei es seiner Judenschule. „Solche Wunder schaffen, wie er!" dachte er immer und hörte nicht, wie der fremde Virtuose in kunstvollen Gängen auf- und niederwogte, stürmte, säuselte und flog, er hörte nicht den Beifallssturm der Menge, er kam erst wieder zu sich in den warmen Wellen des blumengeschmückten Stromes der Pastoralsymphonie Beethovens. Träumend ließ er sich am Schluffe des Konzertes vom Bruder fortziehen, träumend hörte er die Frage des fremden Künstlers: „Was wollt ihr denn werden, ihr armen Schelme?" Da überflutete ihn Plötzlich eine Helle Begeisterung und er hob die wunderschönen Augen auf zu dem Frager und sagte fest: „Ich will ein Mozart werden!" — „Und ich will spielen lernen und Geld verdienen, wie Ihr!" rief Jakob. Und der reiche berühmte Virtuose lachte und erbot sich, beide Knaben nach Berlin zu bringen, dort einem tüchtigen Lehrer zu übergeben uud auf seine Kosten sie zwei Jahre lang in der Musik unterrichten zu lassen. Man erstaunte nicht allzusehr, es war kein Edelmut, der den Künstler zu dieser allerdings auffallenden Handlung trieb, auch kein wahres tiefes Musikinteresse: es war eben nur eine Laune. Der große Herr wünschte auf eine recht pikante Weise ein stürmisches Interesse zu erregen und griff zu diesem ihm in den Weg tretenden Mittel. Sein Zweck wurde vollständig erreicht, was ihm sehr vergnügt machte; die romantische Geschichte machte die Runde durch alle Zeitungen, begleitet von den ganghaftesten Zusätzen und Randglossen, die alle seiner erstaunenswerten Großmut galten „In zwei Jahren komme ich selbst nach Berlin," hatte er zu den Knaben gesagt, „dann werde ich sehen, was ihr gelernt; für den, der fleißig war, werde ich weiter sorgen!" Nach der armen Sarah fragte natürlich niemand. „Das Judenweib wird froh sein, die Kinder los zu werden, dergleichen Gesindel verschachert ja alles!" hieß es. — Sie sträubte sich auch fteilich nicht, die treue Mutter, als man sie von dem Plane des großmütigen Künstlers in Kenntnis setzte. „Ihr werdet 's besser haben, als bei mir," sagte sie beim Abschied und weinte auch nicht. Gott aber sah ihre heißen Tränen, sah ihr Händeringen, als sie nun einsam war, er hörte den Schrei des schmerzzuckenden Mutterherzens. Nachher ging sie wie sonst und verkaufte alte Kleider, lief hin und her, nur alterte sie rasch, trug sich gebückter und ihre Augen waren immer rot. Es ftagte sie aber kein Mensch weshalb. „In zwei Jahren bin ich Mozart geworden und dann komme ich und hole dich!" hatte David beim Abschied gesagt; daran dachte Sarah immer und immer. Zwei Jahre waren vorbei, da brachte der Postbote der armen Jüdin in ihr enges, dunkles Kämmerchen einen Brief. Sie steckte, zitternd über dies wunderbare Ereignis ein Lämpchen an, öffnete und erkannte an der mühsam entzifferten Unterschrift, daß ihr Liebling David, den Brief geschrieben. Lange,