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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-03-10 · 10 (10.3.1905) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
10 (10.3.1905)
Date
1905-03-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 Dr. Dlocd's MocbenscbrM. Seite 151 zehn Stämme bestimmt wurde. (I. Könige 11, 22.) Der Prophet Eliah hielt sich auf Befehl Gottes am Bache Kerith lange auf. (ibidem 17, 2.) Eine feiner Haupthandlungen vollzieht er am Berge Karmel (ibidem 18, 19). Später weilt er in der WMe (ibidem 19, 4). Der Prophet Elisa wird beim Pflug von Elijah angetroffen; während er den Acker bestellt, wirft der Letztere seinen Mantel auf ihn, wodurch er zum Propheten bestimmt wird (ibidem 19). Der Prophet Amos sagt von sich ausdrücklich: „Ich war kein Prophet und nicht der Sohn eines Propheten, sondern ich war ein Hirte und Pflanzer von Maulbeerbäumen, da nahm mich Gott von der Schafheerde weg und sprach zu mir: gehe hin und prophezeie meinem Volke Israel". (Amos 7, 14.) Die Psalmisten hingegen scheinen Städter gewesen zu fein. Denn sie waren nicht'nur Dichter, sondern auch ausübende Sänger, Musikanten und Künstler. Die Kunst des Gesanges und der Instrumentalmusik erfordert einen Aufenthalt in Orten, wo dieselben gelehrt werden. Solche Kunstzentren befanden sich aber nur in Städten oder hauptsächlich in der Hauptstadt. Nach dem Berichte der Chronik I, K. 25 b, waren die Psalmisten ausdrücklich vom König David für den Dienst des Gotteshauses bestimmt. Dieses deutet darauf hin, daß auch zur Zeit des Chronisten die Psalmisten in Jerusalem wohnten. Der beständige Aufenthalt in Städten schwächt den Sinn für die Erscheinungen von Feld und Flur ab, schränkt die Beobachtung der Vorgänge in der freien Natur ein und lenkt die Betrachtung auf andere näher liegende Gegenstände. Daher betonen die Psalmisten überhaupt mehr die Vorkommnisse des kleinbürgerlichen Lebens. Haus und Hof, Markt und Versammlungsort, Gaffe und öffentlicher Platz sind die Lieblingsobjekte ihrer Vergleichungen. Die nächtlichen Erscheinungen, die Visionen der Schlafenden, das Reich der Träume ist jene geheimnisumhüllte Region, in welcher sich die Propheten mit Vorliebe bewegen. Die Sinne sind gebunden, alle Eindrücke der Außenwelt sind unwirksam geworden, die Augen sind geschlossen. Aber das Herz ist wach, es wacht der Geist, es wacht die Seele. Und aus der Tiefe des Seelenlebens steigen höhere Manifestationen des Geistes in Bildern hervor. Göttliche Kundgebungen werden den Gottesmännern im schlummernden Zustande zuteil. Aber auch gewöhnliche Nachtgesichte haben für dieselben eine Bedeutung, sie ziehen sie in den Kreis ihrer Betrachtung und entnehmen ihnen Gleichnisse und Beispiele. Schon den Stammvätern des israelitischen Volkes wurden in Träumen himmlische Kundgebungen mitgeteilt. An Ahron und Mirjam ergeht das göttliche Wort: „Ist Jemand unter euch ein Prophet des Ewigen, dem will ich mich in einem Gesichte kund tun oder ich will mit ihm im Traume reden." (4. B. Moses 12, 6.) Joel spricht von einer Zukunft, in welcher Söhne und Töchter prophezeien, die Alten Träume, die Jünglinge Erscheinungen sehen werden. (Joel 3, 1.) Jesajas schildert die Enttäuschung der Zionsbedränger auf folgende Art: „Gleich einem Traume, einem Nachtgesichte wird das geräuschvolle Treiben aller Völker sein, die über Ariel herrschen. Wie der Hungernde träumt, daß er esse, wenn er erwacht, so ist seine Seele noch leer, wie der Durstende träumt, daß er trinke, wenn er aber erwacht, so ist er matt und durstig, also wird es sein mit allen Völkern, die gegen Zion streiten". (Jesajas 29, 7. 8.) (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. Galiläische Synagogerrbanten. Die bekanntlich unter dem Protektorate des deutschen Kaisers stehende, nicht unerheblich mit jüdischem Kapital gespeiste, vor allem von Herrn James Simon, Berlin, geförderte „Deutsche O r i e n t g e s e l l s ch a f t" hat soeben eine Expedition nach Obergaliläa gesandt, u. a. um die dortigen Synagogenreste wissenschaftlich aufzunehmen, welche, wie wir privatim erfahren, Professor Gunlitt, Dresden, zu rekonstruieren unternommen hat. Die Herren, unter ihnen der bekannte Erforscher der Balbek- Ruinen R. Kohl und der Architekt E. Hill er, Berlin, haben den Landweg über Konstantinopel gewählt. Der Letztere nahm den Umweg über Wien, um in mehrstündigem Aufenthalte noch mündliche Ergänzungen zu den Informationen entgegenzunehmen, welche er bereits schriftlich von Herrn Dr. M. Grunwald, Wien, eingeholt hatte, der ihn des weiteren noch an die Herren Baurat M. Fleischer und Professor Sellin verwies. Alle Mitteilungen, welche für die Aufgabe der Expedition von Belang find, werden vom 7. April d. I. an erbeten an die Adreffe: Deutsches Konsulat, Beirut, für Herrn Ingenieur Ernst Hiller. „Oesterreichisch-Jsraelitische Union." Montag den 6. d. M. fand eine überaus zahlreich besuchte Plenarversammlung der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" statt, in welcher Herr Dr. Hugo Ganz, der ausgezeichnete Kenner des östlichen Judentums, einen glänzenden Vortrag unter dem Titel: „Bilder aus dem Osten" (Das oftjüdische Problem) hielt. Der Vorsitzende Herr kais. Rat Wilhelm A n n i n g e r begrüßte zunächst die anwesenden Mitglieder des Kultusvorstandes, kais. Rat Wilhelm P o l l a k und Hermann E ltb o gen, ferner die Rabbiner Dr. David, Dr. Feuchtwan g, Dr. G e l b h a u s und Dr. K a m i n k a, Gemeinderat Dr. Hei n, kais. Rat Dr. K o h n u. s. w., worauf der Vereinssekretär Herr Siegfried Fleischer zwei interessante Rechtsschutzfälle neuesten Datums unter lebhaftem Beifall zur Kenntnis der Versammlung brachte. Die Mitteilung, daß sich in jüngster Zeit auch in Wien ein erhöhtes Interesse für die Tätigkeit der „Union" bemerkbar mache, welches in einem Zuwachs von 270 Mitgliedern seit 1. Jänner d. I. seinen Ausdruck finde, wurde mit lebhafter Befriedigung ausgenommen. Der Vorsitzende erteilte sodann Herrn Dr. Hugo Ganz zu dessen Vortrag das Wort. Mit lebhaftem Applaus begrüßt, knüpfte Herr Dr. Ganz an die beiden vom Sekretär mitgeteilten Rechtsschutzfälle mit folgenden Worten an: „Ich habe geglaubt. Ihnen Gräßliches und Unerhörtes berichten zu müffen, aber die Worte, die wir soeben gehört haben, erinnern uns wieder daran, daß Rußland weit größer ist als seine geographischen Grenzen zeigen. Wenn derartige Dinge sich in Oesterreich ereignen, wie können wir uns über die Lage der Juden in Rußland und Rumänien verwundern, wo ja noch überdies die kulturellen Verschiedenheiten in Betracht zu ziehen sind. Dennoch besteht ein Unterschied zwischen dem, was in unseren Ländern geschehen kann, und dem, was in Rußland und Rumänien auf der Tagesordnung steht. Ich glaube mich nicht zu täuschen, wenn ich angesichts der gegenwärtigen Ereignisse in Rußland bei allen das Gefühl voraussetze, daß unser alter Gott noch lebe und daß das Strafgericht nicht ganz ohne Zusammenhang stünde mit den Schandtaten, die an den Juden vollzogen wurden. Ich brauche nur das Wort Kischenew zu nennen und Sie werden verstehen, was ich meine. Diese Voraussetzung zwischen Ursache und Wirkung ist allerdings Sache des Glaubens nnd wissenschaftlich nicht zu begründen. Die Geschichte des jüdischen Volkes beweist leider seit zweitausend Jahren, daß zwischen Schuld und Sühne nicht immer ein so enger Zusammenhang besteht, wie er sich jetzt vor unseren Augen zu zeigen scheint. Was in Rußland jetzt ^en Anstoß zur Katastrophe gegeben hat, das ist das ganze System, unter dem nicht nur die Juden zu leiden haben." Redner schildert nun auf Grund der persönlichen Erfahrungen, die er im Vorjahre auf einer Reise durch Rußland im Verkehre mit Staatsmännern, Gelehrten, Schriftstellern u. s. w. gesammelt hat, die ungeheuerliche Korruption, welche den ganzen russischen Staatskörper durchtränkt und bis an die Kabinetstüre des Zaren reicht. Er zeigt, wie der Wucher eine autochthone russische Institution ist und selbst von den Popen üppig betrieben wird und wie der Haß gegen die Juden eigentlich nur der Verzweiflungskampf des christlichen ruffischen Wuchers gegen seinen vermeintlichen jüdischen Konkurrenten sei. Die gleichen

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