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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-03-10 · 10 (10.3.1905) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
10 (10.3.1905)
Date
1905-03-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 150 Dr. Blocb’s MocbenscbrM. Sir. 10 schaute und es erzitterten die Völker. Die ewigen Berge zerstoben, es stürzten ein die Höhen der Welt, den er schritt durch das Weltall einher". (Chabakuk K. 3, V. 1—7.) Dasselbe Ereignis behandelt der Psalm 68 folgendermaßen: „Singet dem Ewigen, preiset seinen Namen, machet Bahn dem, der in den Wolken einherfährt. Ewiger ist sein Name, frohlocket vor ihm. Ein Vater der Waisen und ein Richter der Witwen ist der Ewige in seiner heiligen Wohnung. Ewiger, als du vor deinem Volke einherzogst, als du einherschrittest in der Wüste Selah, da bebte die Erde und der Himmel, troffen war Gott. Dort der Sinai vor dem Ewigen, dem Gott Israels. Einen milden Regen ließest du träufeln, o Gott. Dein Erbe, das Ermüdete hast du aufgerichtet. (V. 5—11.) Der Prophet schlägt gewaltige Ahente an, wirkt erschreckend, erschütternd. Der Psalmist wählt milde Töne, neigt zur Sanftmut, zur Lobeserhebung hin. Der Prophet Micha richtet an das Volk eine Strafrede wegen der Nichtbeachtung der göttlichen Vorschriften und hält ihm seine Undankbarkeit gegen die göttliche Gnade, die ihm in der Vergangenheit zuteil wurde, vor, da es doch der Huld nur deshalb teilhaftig wurde, damit es die Gottesgebote befolge. Er ruft im Namen Gottes". Höret was der Ewige spricht, stehe auf, streite mit den Bergen und die Hügel sollen deine Stimme vernehmen: Mein Volk, was habe ich dir getan, womit habe ich dich belästigt, zeuge gegen mich. Etwa damit, daß ich dich aus dem Egypterlande geführt habe und aus dem Hause der Dienstbarkeit dich erlöst habe und vor dir hergesendet Moses Ahron und Mirjam? Mein Volk, denke doch daran, was wider dich geplant hat Balak, König von Moab, und was ihm Bileam, Sohn Beors von Schittim bis Gilgael, erwidert hat, damit du erkennest die Gerechtigkeit Gottes", (ibidem 1—6.) Dasselbe Thema behandelt der 78. Psalm wie folgt: „Höre, mein Volk, meine Lehre, neiget euer Ohr den Worten meines Mundes zu. Ich will meinen Mund mit einem Gleichnis öffnen, ich will die Rätsel der Vorzeit verkünden, die wir gehört haben und wissen, die unsere Väter uns mitgeteilt haben. Nicht wollen wir sie vorenthalten ihren Kindern, dem späten Geschlecht wollen wir erzählen die Ruhmestaten Gottes, seine Macht und seine Wunder, die er vollbracht. Er stellte Zeugnisse auf in Jakob, und gab ein Gesetz in Israel, das er unseren Vätern geboten, ihren Nachkommen mitzuteilen. Sie sollen ihr Vertrauen stets auf Gott richten, daß sie nicht vergessen sollen die Großtaten Gottes und seine Gebote beobachten. Und sie sollen nicht sein wie ihre Väter, ein abtrünniges und widerspänstiges Geschlecht, ein Geschlecht, dessen Herz nicht fest ist und dessen Geist es nicht treu hält zu Gott", (ibidem 1—9) Als Inhalt der Rätsel der Vorzeit folgt eine Schilderung von einem frühzeitigen und verunglückten Aufbruch der Söhne Ephraims aus Egypten, darauf die Erzählung des anbefohlenen Exodus des ganzen Volkes samt allen Vorfällen in der Wüste bis zur Eroberung Jerusalems durch David. Dieses schildert der Dichter in 61 Versen. Der Prophet ist in der Behandlung historischen Stoffes knapp, kurz, andeutend. Er stellt einen Komplex von Ideen auf, trägt eine Reihe von Gedanken vor und benützt ein historisches Faktum als Beispiel, er verwendet es als Mittel, um sein Ziel zu erreichen. Dem Psalmisten scheint die Schilderung der historischen Ereigniffe schon Zweck genug zu sein. Von dem Anhören desselben erwartet er eine große sittliche Wirkung bei seinen Zuhörern. Er führt die Geschehnisse der grauen Vergangenheit bis in die kleinsten Züge vor und leitet von ihnen einen Lehrsatz, eine These ab. Dieses ist in allen historischen Stücken des Psalters zu beobachten. Der abgeleitete Satz kommt zuweilen am Anfang wie in dem angeführten Liede und zuweilen am Ende, wie im 105. Psalm zu stehen. Außerordentliche Naturerscheinungen, wie Erdbeben, Wolkenbrüche, Ueberschwemmungen, angeschwellte Flüsse, der Anblick des Meeres, hoher Berge haben die Phantasie der Propheten und Psalmisten oft angeregt. Sie entnehmen denselben Gleichnisse für ihre Ideen. In der Darstellung und Schilderung der Naturphänomene halten sich beide ziemlich die Waage. Jesajas ruft: „Die Fenster des Himmels sind geöffnet und die Grundfesten der Erde erbeben. Es wanket, es zittert, es zerbröckelt der Boden. Es taumelt die Erde wie ein Trunkener und wird geschüttelt wie eine Feldhütte, schwer lastet auf ihr die Sünde, sie stürzt und kann sich nicht erheben". (Jesaias 24. 19—23.) Der Psalmist ruft: „Der Herr ist uns Schutz und Stärke, eine große Hilfe in der Not zu finden. Darum fürchten wir uns nicht, wenn die Erde erzittert, wenn Berge hineinstürzen in das Herz des Meeres, wenn seine Gewässer brausen und sieden, wenn die Berge erbeben vor seinem Ungetüm Selah. (Psalm 46, 1—4.) Der Prophet ruft: „Der Herr wird über sie ergehen lassen die großen und starken Gewässer des Stromes den König Assurs und alle seine Massen, er wird überschreiten die Ufer, er wird übertreteten alle Gestade, er wird einreißen in Juda und überschwemmen und übergehen, bis an den Hals wird er reichen". (Jesajas 8—7—9.) - Der Psalmist ruft: „Die Wasserströme erheben sich, Gott, die Wasserströme erheben ihre Stimme, die Wasserströme erheben ihr Brausen. Mächtig ist der Fluten Brausen, gewaltig des Elementes Wogen. Mächtiger aber ist Gott in der Höhe." (Psalm 9.3, 3—5.) Anders ist das Verhältnis der Propheten und anders der Psalmisten zur Fauna Palästinas. Besonders tritt dieser Unterschied zu Tage, wenn sie die Tiere des Waldes in den Kreis ihrer Betrachtung ziehen. Ein Prophet ruft: „Wie der Löwe und der Leopard bei iner Beute brüllet, wenn der Hirten Menge ihn umringt, vor ihrem Geschrei erschrickt er nicht und vor ihrer Menge beugt er sich nicht, also wird der Herr Zebaot herniederfahren." (Jesajas 31, 4.) Ein anderer Seher ruft: „Der Löwe ist hervorgebrochen aus seinem Dickicht, der Völkerzerstörer ist hinausgezogen aus seinem Orte, dein Land zu verwüsten." „Darum wird sie der Löwe aus dem Walde zerreißen, der Wolf aus der Wüste wird sie verderben, der Tiger lauert an ihren Städten, wer dieselben verläßt, der wird zerrissen." (Jeremias 4, 7, 5, 6.) , , .. . Ein Dritter äußert sich folgendermaßen:' „Brüll!‘f’ ein Löwe im Walde, wenn er keine Beute hat? Schreit ein Tiger aus seiner Höhle, wenn er nichts gefangen hat? Wenn der Löwe brüllt, wer wird da nicht von Furcht ergriffen, wenn der Herr befohlen, wer soll nicht prophezeien?" (Amos 3, V. 4 und 8.) Bei den Propheten glaubt man sich in den Wald versetzt. Der dunkle Forst erscheint vor dem geistigen Auge, man sieht das freie Waldleben sich abspielen, das geistige Ohr vernimmt das Gebrüll der Animalien, das Schreien der zusammengerotteten Hirten, welche die in ihre Heerde einbrechenden reißenden Bestien umstellen. Man glaubt Waldesluft zu atmen, Horstgerüche und Hainesdüfte zu verspüren. Die Psalmisten hingegen entnehmen selten ihre Gleichnisse dem Leben der Waldtiere. Und wenn sie dieses tun, so geschieht es nur flüchtig, nur ungefähr, nur vorübergehend. Sie gebrauchen dafür höchstens ein Wort, einen kurzen Ausdruck im Zusammenhang mit einem anderen. Und wenn sie Beispiele den animalischen Kreisen entnehmen, so sind es die zahnscharfen Haustiere, die sie wählen. Der Psalmist ruft: „Hunde haben mich umringt, eine Rotte des Bösen hat mich umgeben, wie ein Löwe meine Hände und Füße". „Rette vor dem Schwerte mein Dasein, vor dem Hunde meine Einsame". Hilf mir vor dem Munde des Löwen und schütze mich vor den Hörnern des Büffel. „Daß er nicht wie' ein Löwe mich zerreiße, zergliedere ohne Rettung." (Ps. 7. 3. 22. V. 17, 21, 22). Dieser Unterschied scheint daher zu rühren, daß die Propheten größtenteils auf dem Lande, in der freien Natur sich bewegten und zum kleinsten Teile in den Städten oder in der Hauptstadt ihr Leben zubrachten, während die Psalmisten umgekehrt hauptsächlich in Städten oder in der Metropole weilten und nur vorübergehend das Land und das Dorfleben aufsuchten. Schon die alten Propheten haben vorzugsweise ihren Aufenthalt auf dem Lande oder in der Steppe gehabt. Der Prophet Achijah der Silonite trifft den Jerobeam auf dem Felde des Propheten, kündigt ihm an, daß er zum König über

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