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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-03-10 · 10 (10.3.1905) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
10 (10.3.1905)
Date
1905-03-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 Dr. JSlocb’s MocvenscdrM. Sette 149 All Heil b’rum Ihrem geehrten Gast — den wir Alle mit— Freuden Freund nennen — und Glückauf seiner Regierung. ■ Mit brüderlichen Grüßen an die Mitglieder des „HungarianR Republican Club" verbleibe ich Ihr getreuester » Jacob H. Schiff." f. Nach dem Verlesen der Briefe sprach Kongreßmitglied William Sulzer, welcher in seiner Rede darauf hinwies, daß dies das erstemal sei, daß ein Präsident der Vereinigten Staaten die Bewohner der Ostseite New-Aork's besuche und sich mit ihnen zu Tische setze. Er sagte dann, es gereiche ihm zum Vergnügen, bei dieser Gelegenheit dem Präsidenten seine Bewunderung aussprechen zu können. Er sei ein Freund des Volkes und werde in der Geschichte als einer der größten Präsidenten dasteben, welchen dieses Land je hatte. Er sei nicht der Präsident einer Partei, sondern der Präsident des Volkes. In allen seinen Reformbestrebungen habe der Redner, wenn auch ein Demokrat, immer treu zu ihm gestanden. So betreffs des Panama-Kanales, der Marine und jetzt in seinem Kampfe mit dem Bundessenate. Er glaube fest an Roosevelts Amerikanismus. Dann zog der Redner gegen den Bundessenat los, den er als eine aristokratische, autokratische und plutokratische Körperschaft bezeichnete. 45 Senatoren hätten es in ihrer Macht, die Wünsche der 80,000.000 Einwohner des Landes zu vereiteln und der Exekutive Widerstand zu leisten. Alle Versuche, das plutokratische System zu stürzen, müßten scheitern, solange der Senat bestehe, wie er jetzt sei. Redner wies dann auf die von ihm eingebrachte Bill zur Erwählung der Bundessenatoren durch das Volk hin. welche Maßregel er als unbedingt notwendig bezeichnete, um bestehenden Uebelständen ein Ende zu machen. Unter den Teilnehmern waren: Jakob A. Cantor, William Sulzer, Henry M. Goldfogle, Frank Maß, Sol Koldenkranr, Alfred E. Ommen, Chas- S. Whitman. Ferdinand Eidmann, Abraham Gruber, L. Josephthal, I. Van Vechten Olcott, Nathan Bijnr, Edward Lauterbach, Rath. A. Eisberg, Charles E. Hänselt, Jos. Murray, Major Chas. Semsey, Dr. Arpad G- Geister, Otto Winternitz, Dr. Andrew von Grimm, Ludwig Engländer, Morris Cukor, Paul R. Freisinger, Dr. Maurice Baumfeld, Hermann Alexander, Isaak Goldman. Emanuel Kleinmaun, Dr. Michael Singer, Adolph Kmetz, Rev. Laszlo Perenzi, Rev. Zoltan Kuthy, Dr. Morris Kleinman, Dr. Alexander Rixa, H. L. Lederer. Die Arrangements lagen in den Händen der folgenden Herren: Markus Braun, Vorsitzer; Leopold Lebel, Sekretär; William Blau, Dr Andrew von Grimm, Thomas Rothman, Theodore G. Stein, Sigmund Fodor, Samuel S. Koenig, Max Rechnitzer, Dr. Fred. L. Marshal, Otto Winternitz, Leopold Lebel, Max Hahn, Josef Burger, E T: Kohanyi, Aaron Ligety, Markus Helfand, John Heim, Max Schwartz, Samuel S. Sancier, John Blau, Julius Stierheim, Geza D. Berkovits, Alex. I. Engländer, Emil Kiß, Dr. Julius Weiß. Während der Tafel betrat Frau Markus Braun den Saal, und als der Präsident sie im Rahmen der Tür erblickte, nickte er ihr zu und wollte sich erheben, um sie zu begrüßen. Sie eilte auf ihn zu, und mit den Worten: „Ich bin glücklich, Sie hier zu sehen", überreichte er ihr einen Strauß Maiglöckchen, die sich in einem Bouquet befanden. „Möge Gott Sie uns noch recht lange erhalten", antwortete Frau Braun, und Distriktsanwalt Jerome, der in der Nähe saß, erhob sich und offerierte ihr galant seinen Stuhl. Auch die kleine Tochter Brauns, welche außer ihrem Mädchennamen Klara noch des Präsidenten Vornamen Theodore trägt, wurde in den Saal geführt. „Da ist mein Mascot". rief der Präsident aus, und das Kind, welches ihm schon bei früheren Gelegenheiten gezeigt worden war, trat an seinen Tisch und überreichte ihm ein Bouquet Rosen. „Die Blumen will ich meiner Frau zum Andenken von Dir mitnehmen", sagte der Präsident und drückte der Kleinen die Hand und streichelte ihre Wangen. Er plauderte sodann mit dem Mädchen in deutscher Sprache und verabschiedete es mit einem herzlichen Händedruck. Von Vize-Präsident Fairbanks, Senator Thomas C. Platt, Julius Fleischmann, Major von Cincinnati, Dwyer Chester, General- Konsul in Budapest Jakob H. Schiff und anderen waren Depeschen und Briefe eingelaufen, in welchen sie bedauerten, der Festlichkeit nicht beiwohnen zu können. Es war gegen 11.15 Uhr, als der Präsident die Tafel verließ. Er wurde in seiner Kutsche nach der Ferry an Desbrosses Str. gebracht und langte zur Zeit im Depot auf der Jerseyer Seite an, um den ’ „Washington Special"-Zug zur Rückkehr nach der Bundeshauptstadt benützen zu können. _ Propheten und Psalmisten. Von Dr. S. Gelbhaus, Gemeinderabbiner in Wien. (Fortsetzung.*) Auch die Psalmendichtung nimmt Stellung gegen das Bilderwesen. Im 115. Kapitel ruft ein anonymer Dichter: „Nicht uns o Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre wegen deiner Gnade und deiner Wahrheit. Warum sollen *) Anmerkung. In Nr. 9, S. 135, Spalte I, Zeile 13, von oben, soll es statt „am Vorabend des Offenbarungsfestes" „im Vorjahre des Erlaßjahres" heißen. ibte Völker sprechen, wo ist ihr Gott. Aber unser Gott ist im Himmel, er kann machen, was ihm gefällt. Ihre Götzen find Silber und Gold, das Werk von Menschenhänden. Sie haben einen Mund und reden nicht, sie haben Augen und sehen nicht, sie haben Ohren und hören nicht, sie haben Nasen und riechen nicht. Sie haben Hände und greifen nicht, Füße und gehen nicht und reden nicht durch ihre Kehle. Die solche verfertigen, sind ihnen gleich, alle, die auf sie vertrauen. Israel vertraut auf Gott, er ist sein Schutz und Hilfe. Das Haus Ahraos hofft auf Gott, er ist sein Schutz und Hilfe. Die Gott fürchten, vertrauen auf ihn, er ist ihr Schutz und Hilfe". Nicht an die Menschen, sondern an die Gottheit richtet der Psalmist sein Wort. Von der Einwirkung der göttlichen Gnade erwartet er den Umschwung in den Gesinnungen seiner Zeitgenossen. Die Beschreibung der Götzenbilder geht ins Einzelne. Mit großer Ausführlichkeit bezeichnet er jeden Teil des Bildes. Ja, er wiederholt sogar das Nichtvermögen, zu reden. Aber es fehlt der Appell an die Vernunft, es fehlt die überlegene Ironie, der beißende Spott, die zornwütige Aufwallung, die Hinweisung auf die Ahndung, die unausbleiblich die Folge des Wahnes und der Selbstverblendung sein muß. Der Psalmift ist intuitiv, beschaulich, didaktisch vertrauend. Auch in Betreff der Betrachtung der historischen Vergangenheit herrscht zwischen Prophetie und Psalmdichtung eine wesentliche Verschiedenheit. Die geschichtlichen Begebenheiten Israels vor der Einwanderung in Palästina und die während der Besitzergreifung des Landes bilden wichtige Faktoren der jüdischen Gesetzgebung und in Folge dessen hervorragende Momente der Ausgestaltung und Entwicklung des Judentums selber, während das Fragment der Gesetzgebung des Hamurabi nirgends an die Okkupation der assyrischen Lande anklingt. Während die 10 Gesetzbücher (Siehe Strom VI., 260 ed. Sylburg) der Egypter ebensowenig an die Besitzergreifung der Nilg-genden erinnern, setzt die Gesetzgebung des Pentateuch die Besitznahme der Jordanländer als ein unumgängliches Postulat voraus. „Wenn dich Gott bringen wird in das Land, das er gelobt hat deinen Vätern", ist die stehende Einleitung zu vielen mosaischen Verordnungen. Bei vielen Gesetzen wird die Erinnerung an den Aufenthalt in Egypten ins Gedächtnis gerufen. Das Deuteronomium leitet seine Gesetzesverkündung mit einem Rückblick auf die historische Vergangenheit ein. Josua schließt im Namen der Religion mit dem Volke einen Bund, dem Gott der Väter treu zu bleiben, und gibt ihm Gesetz und Verordnung (Josua 24, K. 23), läßt aber vorher die Vergangenheit des Volkes seit seinen nationalen Anfängen bis zu seiner Zeit an den versammelten Massen vorüberziehen. (ibidem K. 23—24.) Bei der Einsetzung des Königtums läßt Samuel das Volk nach Gilgal kommen, knüpft an die Einwanderung Jakobs nach Egypten an, führt die israelitische Geschichte bis zu seiner Zeit vor und schärst dem Volke ein, auch unter den neuen politischen Verhältnissen und Regierungsform dem Befehle Gottes zu gehorchen. (Samuel K. 12.) Es entwickelte sich daher im jüdischen Volke das Bedürfnis, bei jeder wichtigen religiösen oder politischen Begebenheit historische Momente zu benützen: diese waren die geeignetsten Mittel, um auf die Gemüter tiefen, bleibenden Eindruck zu machen. Das bezeichnete angeführte, geschichtliche Ereignis verlieh dem jeweiligen kundgegebenen Gedanken Gewicht und Nachdruck. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn die Propheten und Psalmisten sich dieses Mittels bedienten, um ihre Zwecke zu erreichen. Beide ziehen die israelitische historische Vergangenheit in ihren literarischen Manifestationen herbei, aber beide in differierender Weise. Die Offenbarung am Sinai findet durch Chabakuk folgenden Ausdruck: „Ewiger, ich hörte deinen Ruf und erschrack darüber, du machtest dein Merck lebendig in vergangenen Jahren, in jenen Jahren tatst du es kund. Wenn Trübsal da ist, so gedenkst du der Barmherzigkeit. Gott kam vom Mittag der Heilige vom Berge Paran Selah. Der Himmel war bedeckt mit seiner Majestät und die Erde war voll seines Ruhmes. Und ein Glanz erstrahlte wie Licht, Strahlen gingen von ihm aus und in geheimnisvoller Umhüllung ruhte seine Macht. Vor ihm schreitet einher Pestilenz und glühende Verwüstung zog ihm nach. Er stand, maß den Erdball, er

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