Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 10 (10.3.1905)
- Date
- 1905-03-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 148' Dr aBlocb ö Mocvenscbrttt. Nr. 10 Grast, Richter Julius M. Mayer, der Sekretär des Präsidenten, Wm. Leon jr., Distriktsanwalt Jerome und Polizeikommissär McAdoo. Das Menu, welches serviert wurde, war mit Berücksichtigung der Wünsche des Präsidenten zusammengestellt, der als ungarische Gerichte C^iga Leves (Nudelsuppe), Broiled Shad, Paprika-Huhn und Apfelstrudel verlangt hatte. Das Menu lautete wie folgt: Buffet Busse, Oysters — Csiga Leves — Celery, Olives, Badishes, Salted Almouds — Broiled Shad — Pommes Parisiennes. Cucumbers — Paprika Chicken, Tarhonya — Pate Sweet Breads, Green Peas — Oyster Bay Asparagues. Sauce Holiandaise — Sorber Jl la Kossuth— Long Islaug Dackling, Salat Little Hungary, Dressing Compot — Käposztäs Betes. Apple Strudel — Ice Cream, Petit Fürs — Liptoi and Camembert — Caffee — Cigars and Cigarettes — Sherry Köbänyai — Moselblümcheu — Sashegyi — Moet & Chandon White Seal — Moet & Chandon Imperial Brut — Tokay — Cordials — Appolinaris Februaiy 14th 1905 Little Hungary Die Liköre und Weine wurden aus Hebern, den ungarischen Trinkgefaßen, serviert. In der Rede, mit welcher Herr Marcus Braun den Präsidenten begrüßte, erinnerte er daran, daß Roosevelt schon einmal vorher der Gast des Klubs gewesen. Damals war er Gouverneur und er versprach, als an ihn im Scherze die Frage gerichtet wurde, ob er auch den Klub mit seiner Anwesenheit beehren würde, falls er im Präsidentenstuhl sitzen werde, daß er „sicherlich, mit noch größerem Vergnügen" eine Einladung akzeptieren werde. Der Klub, sagte der Redner, fei gegründet worden, um die aus Ungarn eingewanderten Landsleute zu guten Bürgern dieses Landes zu erziehen. „Wir wollen nicht gute Bürger sein, sondern noch bessere Bürger, als die Einwanderer, die zuerst dieses Land betraten," sagte Herr Braun. Zum Schluß seiner Ansprache brachte er ein Hoch auf Roosevelt aus, in das die Zuhörer begeistert einstimmten. In die Hochrufe mischten sich die „EljenS" und „Hurrahs" der begeisterten Zuhörer. Des Präsidenten Rede. Die stürmischen Zurufe verstummten, als der Präsident sich erhob und zu reden begann. „Amerikanische Mitbürger", sagte er, „es ist mir ein besonderes Vergnügen, Sie an diesem Abend begrüßen zu können und ich spreche im Namen meiner Tischnachbarn, insbesondere des Kongreßmitgliedes Sulzer, wenn ich sage, daß unsere Meinungsverschiedenheiten vor der Wahl, welcher Art vieselben auch gewesen sein mögen, nach der Wahl verschwinden und daß wir dann nur amerikanische Bürger sind und nichts anderes. „Es war vor ungefähr zehn Jahren, daß ich zum ersten Male in dieser Nachbarschaft speiste. Jacob Riis und Reynolds hatten mich dazu veranlaßt. Sie sagten mir, ich würde gutes Essen erhalten und gute Musik hören, und beide Prophezeiungen trafen ein Damals lernte ich die Ostseite kennen und machte auch die Bekannschaft vieler Männer, deren Gast ich heute bin. Ich wurde in deren Klubhaus eingeführt und sprach dort öfters über Bürgerpflichten, Politik und sonstige Fragen, die das Gemeinwohl berührten. In jenen Jahren war es, daß ich das Verständnis für die Ostseite erlangte. Ich empfand Sympathie, Verehrung und Liebe für die Frauen und Männer, und es bedurfte keiner starken Ueberredungskünste, um mich zu veranlaffen, heute Abend hieherzukommen." „Bor zehn Jahren veranstaltete der Klub eine Affaire, zu welcher ich ebenfalls geladen wurde. Ich war damals gerade als Gouverneur gewählt worden und mir wurde an jenem Abend gesagt, daß Sie mich auch einladen würden, sobald ich erst einmal im Präfldentenstuhle sitzen werde. Ob ich die Einladung akzeptleren würde, ftagten Sie mich. Ich sagte sicherlich, und da der Klub seinen Teil des Kontraktes, mich zum Präsidenten zu erwählen, erfüllt hat, so bin ich heute Abend hier, um meinen Teil des Kontraktes zu erfüllen« Damals hätten die Mitglieder des Klubs nicht geglaubt, daß dies so schnell in Erfüllung gehen werde." „Herzlich begrüße ich alle Anwesenden, und ich zweifle, ob man irgend eine typischere amerikanische Versammlung finden könnte, als sie heute Abend an dieser Stelle wahrnehmbar ist, denn Amerikanismus ist nicht eine Sache des Geburtsortes, der Abstammung oder des Glaubens und der Raffe oder Hauptfarbe, sondern es ist der Geist, welcher den Menschen beseelt. Von dem Tage, an welchem die amerikanische Nation entstand, bis auf den heutigen Tag weist jede Generation hervorragende und nützliche Männer auf, die auf der anderen Seite des Ozeans geboren worden waren." „Nicht unerwähnt möchte ich lassen, daß die Bürger, welchen die Wohlfahrt der Nation am Herzen liegt, keinen Unterschied machen oder kennen zwischen Juden und Christen, Protestanten und Katholiken. Jedermann, der feine Pflicht dem Nebenmenschen und dem Lande gegenüber erfüllt, ist ein guter Bürger." Der Präsident sprach zum Schluß seiner Ansprache des Längeren über die Pflichten des Bürgers. Der Erfolg der Nation bedinge nicht Leute mit hervorragenden Eigenschaften, und es sei nicht notwendig, daß Jedermann ein Genie fei, sondern einfache Bürger, welche ehrenhaft und ehrlich sind in Allem, was sie treiben, die Stützen der Nation. Gute Gesetze und gute Auslegung der Gesetze wäre zwar eine Notwendigkeit, aber noch größer sei das Bedürfnis nach Menschen, die sich schämen würden, Unrecht zu tun oder Unrecht zu dulden. Den Schwächeren zu helfen und zu fördern, sei die erste Bürgerpflicht. „Ich habe so herrliche Stunden hier verlebt, daß ich nur ungern scheide", sagte der Präsident zum Schluß. „Ich gestehe aufrichtig, daß ich mich bei keiner anderen Affaire so gut unterhalten habe, seitdem ich Präsident bin." - Unter stürmischen Beifallsrufen verließ der Präsident den Saal, um direkt nach dem Bahnhof zu fahren. Ein Brief des Grafen Apponyi wurde verlesen, in welchem er bedauert, dem Bonkett nicht beiwohnen zu können und sagt: „Ich habe kein Recht, irgend etwas wie Parteiansichten über amerikanische Angelegenheiten auszusprechen, aber es gibt nichts, das mich hindern könnte, meinem Gefühle der höchsten persönlichen Achtung, welche ich wie alle Europäer, für Präsident Roosevelt hege, Ausdruck zu geben, von welchem jeder Amerikaner sagen kann, was ein englischer Tory von Lord Palmerston sagte: „Wir sind Alle stolz auf ihn." Franz Kossuth schickte das folgende Telegramm, welches unter donnerndem Applause verlesen wurde: „Drücken Sie bei dem Bankett die Glückwünsche unserer Partei dem Präsidenten Roosevelt aus." Von Herrn Jacob H. Schiff war folgendes Schreiben eingegangen : Jacob H. Schiff's Schreiben. „Herrn Marcus Braun, Präsident des „Hungarian Republican Club". 76 Second Ave, City. Geehrter Herr! Ich habe Ihnen bereits mitgeteilt, daß unvorhergesehene Umstände mich gezwungen haben, mir das große Vergnügen zu versagen, mit Ihnen und den Mitgliedern des „Hungarian Republican Club" an deren Diner teilzunehmen, das sie zu Ehren des Präsidenten Roosevelt, des hochgeachteten, hochverehrten Oberhauptes uyserer Nation, veranstalten. Ich wünschte, ich hätte eine so gute Gelegenheit benutzen können, persönlich zu meinen republikanischen Genossen von „Hungarian Club" und den Vielen von der großen Ostseite zu sprechen, welche mit Anderen 'm ganzen Lande die Wiedererwählung Theodore Rooicvelt's mit einer so überwältigenden und nie dagewesenen Stimmenzahl möglich gemacht haben. Wenn diese Wahl etwas bedeutet, so hat sie die Tatsache nachdrücklich dargetan, daß auch das gewöhnliche Volk die großen und wichtigen Fragen durchaus versteht, von deren richtiger Behandlung der Reichtum des. Landes- und seines Volkes in so hohem Maße abhängt, und daß mau sogar denjenigen, die erst in den letzten Jahren Bürger und damit ein Bestandteil des amerikanischen Volkes geworden sind, zutrauen kann, daß sie die rechte Entscheidung treffen können, wodurch auch die imnierwährend von Demagogen und engherzigen Leuten aufgestellte Behauptung widerlegt wird, daß eine uneingeschränkte Einwanderung eine Gefahr für die Wohlfahrt des Landes bilde. Wo alle Volksschichien in so nachdrücklicher nnd nicht mißzuverstehender Weise ihr Zutrauen zur republikanischen Partei ausgedrückt haben, die alle die vielen Jahre hindurch die Wächterin und Bewahrerin der höchsten und wesentlichsten Interessen des Landes gewesen ist, wird um so größer und schwerer die Pflicht derjenigen, die mit der Regierungsgewalt betraut sind, die Verpflichtung rechter Führung, die Pflicht, sorgfältig darauf zu achten, daß nicht eine unrichtige Beurteilung der zu ihren Gunsten ausgefallenen Volksstimme sie unversehens dazu bringt, gerade die Zustände herbeizuführen, für deren Schaffung unsere Gegner in den letzten drei Wahlkampagnen eingetreten sind, um dreimal so entschiedene Niederlagen zu erleben. Wir sollten nie vergessen, daß Maßregeln, die unter dem Drang eines leidenschaftlichen, wenn auch bis zu einem gewissen Grade berechtigten Verlangens entstanden und zu Gesetzen gemacht worden sind, auf die Dauer immer noch von böser Wirkung waren und in der Regel nicht mehr widerrufen oder geändert werden konnten, selbst wenn die üble Wirkung zu einer anerkannten Tatsache geworden war. Weil wir ein schneidiges Volk sind und weil wir zu unserem guten Glück einen schneidigen Führer haben, sollten wir uns in der Stunde des Triumphes bemühen, uns der Mäßigung zu befleißigen ' und konservative Prinzipien in jeder Hinsicht und Richtung und sogar die Kassandren willkommen heißen, welche bedeutungsvolle Perioden, wie wir sie im letzten Jahrzehnt durchgemacht haben, immer hervorbringen. Wir müssen immer noch lernen, besonders in Zeiten politischer Erregung, weniger heftig in den Anklagen gegen jene zu sein, die, wenn sie uns auch mit ihren Theorien im Irrtum zu sein scheinen, dennoch glühende Patrioten sein können und meist auch sind. Wir sollten lieber Kritik und Gegnerschaft von Männern vom Schlage des verstorbenen Senators Hoar, Karl Schurz und anderen ihresgleichen, deren Beweggründe zu Zeiten ungerechtfertigter Weise bemäkelt wurden, willkommen heißen, weil wir uns so die Gelegenheit sichern, die Tatsache zu beweisen, daß von einer praktischen Regierung dem Lande große Wohltaten erwachsen, statt des Schadens, welchen die Anwendung unpraktischer Theorien anrichten könnte, die, in Wirkung gesetzt, sicher die Erlangung der politischen und kommerziellen Suprematie, der das Land unter Präsilent Roosevelt's Administration so schnell entgegengeht, aufhalten würden.