Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 9 (3.3.1905)
- Date
- 1905-03-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 138 Dr. Llocb's MlocbenscbrM. Nr. 9 schon jetzt, ehe noch dieses Gymnasium polonisiert ist, bei dem Religionsunterrichte die polnische Vortragssprache einführte, da doch die Muttersprache der hiesigen jüdischen Kinder durchwegs die deutsche ist. Er als eifriger Zionist, sollte eher die hebräische Sprache als solche beim Religionsgegenstande einfuhren, was ihm weniger zu verargen wäre. Glaubt Herr Dr. Frost durch diesen Liebesdienst sich das polnische Herz seines Vorgesetzten und seiner polnischen Kollegen zu erwerben, so irrt er damit gewaltig! Ich könnte ihn als einstiger, jüdisch-polnischer Patriot aus trauriger Erfahrung eines Bessern belehren. Jude, bleib Jude und strebe das Wohl der jüdischen Kinder an, für welche das deutsche Gymnasium in Brody eine der höchsten Wohltaten ist. Von wem geht denn die Polonisierung dieses Gymnasiums aus, das, wahrlich einer Oase gleich, so vielen hiesigen jüdischen Kindern durch die deutsche Vortragssprache im Gymnasium auch außer den Grenzen Galiziens Fortkommen und Existenz bietet? Einige junge, unerfahrene Hitzköpfe, betört in ihrem Wahne, tanzen den Reigen der Polen mit, die Alles nur polonisieren und das Deutsche mit aller Gewalt ganz verdrängen wollen. Lebte jetzt Herr Leo Herzberg-Fränkel in unserer Mitte, so käme es nicht dazu, der fehlt uns jetzt leider! Sapienti sat. M. M. Israelitischer Freitisch-Verein Olmütz. Unter dem Vorsitze seines Präses Herrn Handelskammerrates Sigmund Zweig fand am 19. v. M. die ordentliche Generalversammlung dieses Vereines statt. Nach Begrüßung der Versammlung erstattete der Vorsitzende den Rechenschafts und Kaffabericht für das abgelaufene 5. Vereinsjahr, dem zu entnehmen ist, daß der Verein in dieser Periode in der Lage war, nicht nur allen an ihn gestellten Anforderungen vollauf entsprechen, sondern auch einen Vermögenszuwachs verzeichnen zu können. Diesem Berichte zufolge zählt der Verein 208 Mitglieder (+ 17), die Jahresbeiträge beliefen sich auf 2818 K (+ 55 K), die Spenden betrugen 1072 K €8 h (+ 169 K 56 h), an Zinsen eigener Kapitalien wurden vereinnahmt 474 K 98 h (-j- 163 K 5 b), der Gewinn an Effekten beziffert sich auf 28 K 10 h — (232 K 23 d). — An Verpflegskosten für 16 Schüler wurden verausgabt 2374 K 38 h (— 262 K 46 h), die Administrationsspesen erforderten 287 X 24 d ( + 78 K 50 h). Der Vermögenszuwachs beträgt 1722 K 14 h und das gegenwärtige Vereinsvermögen hat eine Höhe von 11.582 K 68 h erreicht. — Der Vorsitzende widmete den verstorbenen Mitgliedern Herren Lazar Fische! und Julius Winkler Worte ehrenden Gedenkens, dankte allen Freunden und Gönnern des humanitären Vereines für ihre Unterstützung, sowie den Mitgliedern des Komitees zur Förderung der Leistungsfähigkeit des Vereines, des Vereinsvorstandes, des Revisionskomitees und den Speiseinspektoren für ihre Pflichterfüllung. Beide Berichte wurden beifällig ausgenommen und einstimmig genehmigt. Ueber Antrag des Revisionskomttees (Referent Herr Max Kaufmann) wurde dem Vereins- Vorstände die Entlastung erteilt. Die turnusgemäß ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Herren Professor Dr. Eduard Frank, Julius Haas, Josef Löw und Max Zoitschek, sowie die bisherigen Mitglieder des Revisionskomttees, die Herren Max Diamant, Max Kaufmann und Eduard Thauffig wurden einhellig wiedergewählt. Nach Erledigung der Tagesordnung fand Herr Dr. I. Eben für den Vereinsvorstand und insbesondere seinen Präses Worte des Dankes und der Anerkennung für die zielbewußte und erfolgreiche Führung der Vereinsgeschäste. Hilfsverein der Deutschen Jude». Am Sonntag den 26. Februar fand in Berlin im „Hotel Prinz Albrecht" die dritte ordentliche Generalversammlung des Hilfsvereines der Deutschen Juden statt. Der Präsident des Hilfsvereins, Herr James Simon, eröffnete die gut besuchte Versammlung, zu der auch zahlreiche Mitglieder von außerhalb erschienen waren, und gedachte zunächst mtt warmen, tief empfundenen Worten der im abgelaufenen Fahre dahingeschiedenen Mitglieder des Zentralkomitees Salomon Forchheimer, Alphons Jacobsohn und des erst vor kurzem verstorbenen Konsuls A. M. Simon, des Mitgliedes des Zentralkomttees in Hannover. Einen Nachruf hielt der Präsident ferner dem verstorbenen Generalsekretär des Hilfsvereines der Deutschen Juden, Herrn Willy Bambus, dessen Verdienste um die Judenheit überhaupt und insbesondere um den Hilfsverein Herr Simon mit Worten höchster Anerkennung würdigte. Hierauf gab der Vorfitzende einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung des Hilfsvereines im Jahre 1904. Er konstatierte mtt Genugtuung die großen Sympathien, deren sich der Hilfsverein in Deutschland allgemein erfreut, und die Förderung, die er namentlich durch die Logen wie auch durch wohlmeinende Haltung der Presse erfahren hat. Die Zahl der Mitglieder des Hilfsvereines im Deutschen Reiche ist von 5500 auf 8500 gestiegen; die regulären Einnahmen des Hilfsvereines aus Mitgliederbeiträgen und Spenden find gleichfalls von 45.000 Mark auf rund 70.000 Mark gewachsen. Die große Hilfsaktion, welche zugunsten der russischen Juden vom Hilfsverein eingeleitet worden ist, hat es erforderlich gemacht, daß der Redner, Herr James Simon, eine Spezialsammlung für diesen Zweck veranstalten mußte. Die Sammlung beschränkte sich auf einen kleinen Kreis wohlhabender Glaubensgenossen in Berlin und ergab die Summe von 108.000 Mark. Die Gesamteinnahmen des Hilfsvereines im Jahre 1904 betrugen 209.931 Mark; die Ausgaben 194.503 Mark. Das Vermögen des Hilfsvereines betrug am 31. Dezember 1904 einschließlich der Baron von Cohn-Oppenheim-Stiftung für Schulwerke die Summe von 688.030,48 Mark. Herr Dr. Paul Nathan erstattete hierauf in längerer Rede den Geschäftsbericht für das Jahr 1904. Aus dieser Rede seien hier folgende Stellen wiedergegeben: Die Tätigkeit des Hilfsvereines galt im abgelaufenen Jahre in erster Reihe den Juden Rußlands, die sich durch die sattsam bekannten Verhältnisse in einer außerordentlich traurigen Lage befinden. Die Hilfsaktion war zweierlei Art. Zunächst mußte die Notlage unserer Glaubensgenossen, welche sich in Rußland befinden, vorzüglich in den westlichen Jndustriebezirken einigermaßen gelindert werden. Zu diesem Zweck hat der Hilfsverein eine Summe von 50.000 Mark bereit gestellt. Diese Summe ist wie folgt verteilt worden. Es haben erhalten: Warschau 10.000 Francs, Wilna 10.000 Francs, Odessa 10.000 Francs, Lodz 5000 Mark. Ferner wurden 10.000 Mark für den gleichen Zweck dem Petersburger Komitee überwiesen. Zu erwähnen wäre noch eine Spende von 2000 Mark für die durch Krawalle geschädigten Glaubensgenossen in Smjela, eine solche von 4100 Mark für die Abgebrannten in Wilskomiv rc. §§ l Andererseits war die Hilfsaktion darauf gerichtet, für die große Masse Derjenigen, die sich in der Heimat nicht mehr halten konnten und zum Wanderstab griffen, Erleichterungen auf ihrer mühevollen Reise eintreten zu lassen. Es ist bekannt, welchen Unzuträglichkeiten die jüdischen Auswanderer an der preußisch-russischen Grenze ausgesetzt waren. Diesem Uebel ist durch die Begründung einer großen Organisation von Schutzkomitees für durchreisende russische Juden an den wichtigsten Uebergangsplätzen von Memel bis Ratibor gesteuert worden. Nur der freiwilligen aufopfernden Mitarbeit zahlreicher Glaubensgenossen in den Grenzstädten, an den Eisenbahnknotenpunkten und in den Hafenplätzen ist es zu danken, daß diese Aufgaben den Auswanderern gegenüber gelöst werden konnten. Durch persönliche Verhandlungen mit den maßgebenden Faktoren der Regierung sowohl wie der Schifffahrtsgesellschaften ist es gelungen, eine Reihe von Erleichterungen für die auswandernden Glaubensgenossen zu erzielen. Um die ohnehin schon geplagten Auswanderer vor Ausbeutung durch Subagenten und Wirte zu schützen, sind in Plätzen, wo sich dies als besonders notwendig und zweckmäßig erwies, besondere Herbergen begründet worden, so in Tilsit und in Königsberg. Die Bestrebungen, die planlose jüdische Auswanderung zu regulieren, führten zu einer internationalen Konferenz in Frankfurt a. M., auf der alle großen jüdischen Organisationen Europas vertreten waren. Die Haupterfolge dieser Konferenz ist die Begründung eines Zentralbureaus für jüdische Auswanderungsangelegenheiten in Berlin durch den Hilfsverein der Deutschen Juden und die Großloge für Deutschland, und ferner muß die Ausdehnung der von uns ins Leben gerufenen Organisationen auf die Nachbarländer durchgeführt werden. Ans dem Gebiete des Schulwesens galt die Tätigkeit des Hilfsvereiues in erster Reihe der Türkei und den Balkanstaaten. Dabei ließ sich der Hilfsverein von dem Gesichtspunkte leiten, überall dort zugleich die Verbreitung der deutschen Sprache unter den Juden zu fördern, wo sich dies für unsere Glaubensgenossen nach deren eigener Ansicht aus Gründen des wirtschaftlichen Fortkommens als notwendig und zweckmäßig erwies. Es wurden Schulen gegründet, respektive unterstützt in Sofia, Philippopel, Konstantinopel, den anatolischen Kolonien und eine Reihe von Schulen in Rumänien.