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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-03-03 · 9 (3.3.1905) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
9 (3.3.1905)
Date
1905-03-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 9 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 137 fürst Sergius soll, als er diese Entdeckung machte, gesagt haben: „Moskau ist das Herz des heiligen Rußland und muß von dieser Judenpest gereinigt werden/' Mit einem Federstrich trieb er die unglücklichen Leute mit ihren Frauen und Kindern als Bettler aus der Stadt. Er erhielt damals vom Volk einen neuen Ehrennamen, nämlich den Namen: „Der Juden verfolgende Prinz". Von Zeit zu Zeit ließ er nächtliche polizeiliche Straßenabsuchungen vornehmen, wobei die Juden wie wilde Tiere gehetzt wurden. Der Korrespondent des „Daily Telegraph" entsinnt sich einer Periode, während deren alle Leute, die Mische Körpereigenschaften zeigten, aufgegriffen und ins Gefängnis geworfen wurden. Dabei kcmi es zu merkwürdigen Mißverständnissen, und selbst hochgestellte Leute mußten es erleben, verhaftet zu werden. Auch echte Russen wurden in dieser Weise behandelt, wenn die Tatsache, daß sie Liberale waren, es erwünscht erscheinen ließ, sie als Juden zu betrachten." Ferner wird ein weiterer „Charakterzug" dieses Großfürsten in der „Jüdischen Rundschau" gemeldet: Sergius hatte einmal einen Moskauer jüdischen Börsenmakler beauftragt, für ihn einen großen Güterkomplex aufzukaufen. Er vereinbarte mit ihm eine Courtage von 10.000 Rubeln, die er erhalten sollte, wenn der Kauf zu Stande käme zu einem von Sergius angegebenen Höchstpreise. Dem Juden gelang es, für den Käufer die Güter sogar zu einem bedeutend geringeren Preise zu erwerben. Als er aber seine Provision erbat, ließ ihn der Gouverneur von Moskau, eben derselbe Sergius kurzerhand ausweisen und zwang ihn durch ein großes Polizeiaufgebot noch am selben Tage das Gouvernement zu verlassen. Es wurde ihm ferner nicht gestattet, zur Regelung seiner geschäftlichen Verhältnisse Moskau wieder zu betreten. Das ist nur eine der vielen, trotz der russisch-gesetzlichen Maulsperre bekannten Taten des Getöteten. Er hat ein unendlich großes Vermögen hinterlassen. Prag. (Prüfungskommission für jüdische Neligionslehrer. — E i n h e i t li ch e r L e h r p l a n.) Wie vor kurzem in Ihrem geschätzten Blatte berichtet wurde, hat der Landesschulrat für Böhmen über Antrag des Vertreters der mosaischen Konfession Herrn Dr. Ludwig B e n d i e n e r behufs Kreirung einer Prüfungskommission für die israelitischen Religionslehrer für die Volks-, Bürger- und Mittelschulen in Böhmen beschlossen, sich zunächst mit der Repräsentanz der Prager Kultusgemeinde ins Einvernehmen zu fetzen, ob dieselbe bereit wäre, an dem Jnslebenrufen einer solchen Prüfungskommission mitzuwirken, und die genannte Repräsentanz zu ersuchen, Vorschläge zu machen über die Prüsnngsgegenstände, über das Maß der betreffs der einzelnen Kategorien zu verlangenden Kenntnisse sowie über die Zusammensetzung der Prüfungskommission. Die Repräsentanz der Prager Kultusgemeinde hat sich nun mit diesem Gegenstände beschäftigt und dem Landesschulrate nach eingehender Beratung bereits detaillierte Anträge gestellt, so daß wohl Aussicht vorhanden ist, daß in nicht ferner Zeit diese Prüfungskommission aktiviert werden dürste. Ueber einen weitern Antrag des Herrn Dr. Bendiener hatte der Landesschulrat beschlossen, beim Ministerium zu befürworten, daß ein einheitlicher Lehrplan für den israelitischen Religionsunterricht an den Volks-, Bürger- und Mittelschulen den Gemeinden anempfohlen werde. Wie wir nun erfahren, hat das Ministerium für Kultus und Unterricht in jüngster Zeit entschieden, daß wohl auf einen solchen einheitlichen Lehrplan für alle im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder nicht eingegangen werden kann, daß es jedoch deni Landesschulrate für Böhmen überlassen wird, für die Schulen und Anstalten Böhmens im eigenen Wirkungskreise zu entscheiden und einen solchen einheitlichen Lehrplan den Gemeinden Böhmens anzuempfehlen. Budapest. In feierlicher Weise fand in der Synagoge der Landes-Rabbinenschule die Promotion der Kandidaten Dr. Martin K a tz, Dr. Ludwig K o h n und Dr. Heinrich Urban zu Rabbinen statt. Dem feierlichen Akte wohnte ein zahlreiches, distinguiertes Publikum an, darunter nebst dem Professoren kollegium der Landes-Rabbinenschule die Herren: Präsident Martin Schweiger, Hofrat Sigmund K o h n e r, kön. Rat Dr. Josef Simon, Direktor Dr. Bünöczi u. v. A. Die Feier begann mit einem Choralgefange, den der Schülerchor der Anstalt unter Leitung des Oberkantors Lazarus exekutierte: Hierauf hielt Rabbiner Dr. Samuel K o h n, als Präsident der Prüfungskommission, in deren Namen eine nach Form und Inhalt gleich vollendete Ansprache an die Kandidaten, denen er beherzigenswerte Lehren für ihren neuen Lebensweg erteilte. Im Namen der jungen Rabbinen richtete Dr. L. K o h n tiefbewegt Abschieds- und Dankesworte an die Professoren und an die leitende Kommission der Anstalt. Hierauf folgte der eigentliche Weiheakt durch den greisen Vorsitzenden des Professorenkollegiums, Professor Moses Bloch, der in einer kurzen, ergreifenden Rede seinen Schülern den Weg vvrzeichnete, den sie zu wandeln haben. Er erteilte ihnen sodann die Befugnis, als Rabbinen zu wirken, den Priestersegen und händigte ihnen die Diplome ein. Mit dem Absingen des Hymnus schloß die würdige Feier. Bon der Israelitischen Ungarischen Literalurgesellschaft. Dieser Tage erschien das Jahrbuch d^r Israel. Ungar Literatnrgesellschaft als zwanzigster Band der bisherigen Gesamtausgaben dieser im Jahre 1894 gegründeten Gesellschaft in gewohnter vornehmer Ausstattung mit folgendem Inhalte: „Raschi und Maimuni" von Prof. Dr. Wilhelm Bacher: „Aus alten Tagebüchern" von Schriftsteller Adolf Agai; „Leben und Wirken Maimunis" von Rabb. Dr. Moriz Klein; „Egyptische Kulturelemente in der Bibel" von Prof. Dr. Eduard Mahler; „Uebertritte in alten Zeiten" von Prof. Dr. Jgnacz Acsüdy; „Moriz Jökai" von Rabbiner Dr. Büla Bernstein; „Salamon Sulzer" von Oberkantor''Adolf Lazarus; „Jüdische Apostel" von Prof. Dr. Samuel Krausz; „Goethe und die Bibel" von Rabb. L. H. Feigl: „Die Juden und ihr Vaterland" von Rabb. Böla Vojda; „Volkswirtschaftliche Projekte ungarischer Juden im XVIII. Jahrhundert" von Bürgerschullehrer Bernhard Mandl; „Die Ragusaer Blutanklage 1622" von Rabb. Dr. Gabriel Schwarz; „Uneigennützige Pflege der Wissenschaften bei den Juden" von Pros. Dr. Josef Farkas; „Die Verbreitung der ungarischen Sprache unter den Juden" von Rabb. Dr. Alexander Bückler; „Ueber die Assimilation" von Prof. Dr. Max Schächter. Belletristische und dichterische Arbeiten weist das heurige Jahrbuch folgende auf: „Vogelfang im Gotteshaufe" von Dr. Alexander Feleki; „Geständnis" von Dr. Arnold Kiß; „Im Friedhofe" von Andor Gabor: „Saul und David" von Julius Varsänyi; „ Der Herr Rat" von Paul Aver; „Wer ist der Weisere?" von Andreas Nagy; „Die Füchse" (Juda Gordon) von Dr. Kornel Hbves; „Religiöse Gesänge" von Josef Patai; „Abisag" von Alexander Mezey: „Jephta" von Geza Szilügyi. Dem Rechenschaftsberichte entnehmen wir, daß der Direktionsrat beschlossen, den Nagy-Bittseer Rabbiner Dr. Julius Wellesz mit der Abfassung der Rafchi-Monographie zu betrauen. Aus der Kunewalder-Stiftung wurde als Preisfrage ausgeschrieben: „Eine geschichtliche oder soziale Erzählung für die israelitische Jugend beider Geschlechter." Preis 50 Dukaten. Im Wintersemester 1903/4 wurden in der Hauptstadt 8 Vortragsabende mit 20 Thematas, in der Provinz 2 Vortragssoireen mit 6 Thematas abgehalten. Budapest, 24. Feber 1905. B. Brody. Der Religionslehrerposten am hiesigen k. k. Gymnasium wurde beim Beginne des zweiten Semesters durch Herrn Dr. Frost besetzt, der früher als Neligionslehrer an einer Bürgerschule fungierte. Der in weiten Kreisen bekannte und allverehrte Religionsprofessor der achten Rangsklasse, Herr Dr. Leopold Herzel, wurde nach einem beinahe vierzigjährigen, segensreichen Wirken an dieser Anstalt in den wohlverdienten Ruhestand versetzt. Herr Dr. Frost ist somit sein Nachfolger und wir wollen hoffen, auch ein würdiger. Vorläufig fordert indeß das Vorgehen und Schaffen des neuen Religionslehrers bereits in dieser kurzen Zeit die öffentliche Kritik stark heraus. Ist es recht und taktvoll, seinen! Vorgänger, dazu gewesenen Lehrer, bei der ersten Exhorte schon Mängel und pädagogische Fehler vorzuwerfend Herr Dr. Frost tat dies sogar bei Anwesenheit des Gymnasialdirektors, ein Vorgehen, das die Mißbilligung seiner Schüler hervorrief. Dann was beabsichtigt der Herr Dr. Frost ferner, daß er

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