Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 9 (3.3.1905)
- Date
- 1905-03-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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m ii> -i I iffvf ’3;?: :■;;; i f? »> : }•. '«* ■ i> Seite 186 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 9 gemeißelt werden. Ein Stein, der in Karthago gefunden wurde, ist der Astarte (Tanit) und dem Baal als Wohnung geweiht. Die Inschrift lautet: „Der Herrin Tanit und unserem Baal, dem Herrn dem Baal Hamon, der es geweiht, ist Abd-Melkar, der Richter (Suffet), der Sohn des Bowilkar, des Sohnes des Hanno." Auf einer Tafelinschrift im Amontempel in Medinet- Abu sagt der König zu Amon: „Ich gab Vorschrift auszuführen, was dir wohlgefiel, um dich zu vereinigen mit der Götter herrlichen Behausungen." (Brugsch , S. 408). Der Talmud bemerkt: „Wer sich vor einem Berge verbeugt, der verbeugt sich vor dem Geist des Berges. Wer die Sonne anbetet, der betet den sie führenden Genius an." Unter den Bildern war es die menschliche Gestalt, welche in späterer Zeit am meisten bevorzugt wurde. Die Bilder, obwohl bewegungslos, dachte man sich beseelt, weil von dem G e i st des Gottes erfüllt. Es gab ein ausführliches sehr kompliziertes Zeremoniell der Bildereinweihung. Nicht etwa die Schönheit und ästhetische Vollkommenheit verschaffte dem Gebilde die Verehrung, sondern die vorschriftsmäßige Weihe, von kundigen Priestern vorgenommen, machte das Ideal zum Gott. Das Verbot der Bilderverfertigung und Verehrung ist eine der Hauptforderungen des Monotheismus. Schon im Dekalog heißt es: „Du sollst keine andern Götter vor mir haben, du sollst dir kein Bild und keine Gestalt anfertigen von dem, was im Himmel oben, was auf der Erde unten und was im Wasser unter der Erde ist, du sollst dich vor ihnen nicht bücken und ihnen nicht dienen." (Exodus 20, 45.) Der Nichtbeachtung dieses Postulates traten schon die nichtliterarischen Propheten wie Eliah und Elisa mit Feuereifer entgegen. Aber den Höhepunkt der Polemik erreichen erst die Repräsentanten der Prophetie, von deren rednerischen Auseinandersetzungen uns schriftliche Denkmäler erhalten sind. Jesajas ruft: „Die Götzenbildner sind alle töricht und ihr Köstliches ist zu nichts nutze. Sie sind selbst Zeugen, daß sie nichts sehen und nichts wißen, darum müssen sie zu Schanden werden. Wer ist es denn, der einen Gott verfertigt und ein Bild gießt, das zu gar nichts nützt? Sie alle und ihre Genossen werden beschämt, denn die Meisten sind Erdensöhne." „Es schmiedet Einer das Eisen, mit der Zange arbeitet er in der Kohlenglut und bearbeitet es mit Hämmern mit der ganzen Kraft seines Armes, leidet auch Hunger, bis ihm die Kraft ausgeht, trinkt auch kein Wasser, bis er müde wird. Ein Anderer zimmert Holz, mißt es mit der Schnur, zeichnet es mit dem Rötel, behaut es und zirkelt es ab und macht es wie ein Mannsbild, wie einen schönen Menschen um, in einem Hause zu wohnen. Er nimmt eine Arou, die er selbst gepflanzt, die der Regen großgezogen und die dem Menschen sonst zur Feuerung dient, davon man nimmt, daß man sich wärme, die man anzündet und Brod dabei bäckt, daraus macht er einen Gott, betet ihn an, er macht daraus einen Götzen und kniet vor ihm nieder. Er überlegt nicht in seinem Herzen, er hat keinen Verstand und keine Vernunft, sich zu sagen, die Hälfte verbrannte ich im Feuer, auf der Kohle habe ich Brod gebacken, Fleisch gebraten und gegessen und sollte das Uebrige zu einem Knäuel machen. Vor einem Holzklotz soll ich knien? Bedenke dieses o Jakob. Bedenke es Israel. Du bist mein Diener. Ich habe dich geschaffen, mich anzubeten. Du o Israel solltest mich doch nicht vergessen!" (Jesajas K. 44, V. 9—16, 18—22.) Der Prophet zieht das ganze Zeremoniell der Bildverfertigung in den Kreis seiner Betrachtung. In der Arbeit müssen sich mehrere Priester teilen. Einer fabrizierte unter vorgeschriebenen Formeln die Axt. Ein zweiter behaute den Baum, unter Beobachtung von Fasten und Enthaltung von Speise und Trank. Die Arbeit mußte bis zur vollständigen Krasterschöpfung betrieben werden. Der Baum mußte eigens für den beabsichtigten Zweck gewählt werden. Auch eine Baumart (p*o, die man hiefür direkt gepflanzt hat, fand Verwendung. Ein Dritter meißelte das Bild. Ein Teil des Holzes mußte vorschriftsmäßig zum täglichen Gebrauch verwendet werden. Beißende Satyre, ätzenden Spott ergießt der Gottesmann über dieses Verfahren. Er wendet sich an den denkenden Verstand, an die überlegende Einsicht seiner Zuhörer. Mit Vernunftgründen will er sie von der Hohlheit und Nichtigkeit des Bilderwesens überzeugen. Er appelliert an ihr Herz, an ihr Gemüt, an ihr Gewissen, an ihre übernommene Sendung. Dieses ist auch die Weise der nachfolgenden Propheten. Jeremias ruft: „Sie hauen im Walde einen Baum, das Werk des Meisters, das er mit dem Beil vollbracht. Er schmückt es mit Silber und Gold, er befestigt es mit Nagel und Hämmern, daß es nicht wanke. Sie sind überzogene Säulen, sie können nicht reden, man muß sie tragen, denn sie können nicht gehen, darum sollt ihr euch vor ihnen nicht fürchten, denn sie können weder helfen noch schaden. Sie sind alle Narren und Toren, denn ein Holz muß ein nichtiger Gotttesdienst sein, geglättetes Silber bringt man aus Zarschisch und Gold aus Uphas. Gelbe Seide und Purpur zieht man ihnen an, ein Werk der Künstler. Er aber (der Ewige) ist ein Gott der Wahrheit, er ist ein lebendiger Gott, König der Welt. Vor seinem Zorn erbebt die Erde und sein Drohen können die Völker nicht ertragen. (Jeremias K. 12, V. 3—6, 8—11.) Chabakuk's Apostrophe lautet: „Was nützt das Götzenbild, das der Bildner gebildet und das Gußbild und der Lügenverkünder, daß der Bildner auf sein Gebilde vertraut, stumme Götzen zu verfertigen. Wehe dem, der zum Holze sagt „erwache", „ermuntere dich" zum stummen Stein. Soll dieser etwa Lehren erteilen? Siehe, er ist ja nur in Gold und Silber eingefaßt, aber in seinem Innern ist kein Geist. Der Ewige aber ist in seinem heiligen Tempel, vor ihm verstummt die ganze Erde." (Chabakuk K. , V. 18—20.) (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. Die russische Autokratie in ihren Todeszuckungen. Es ist notorisch und nach Informationen aus erster Quelle bekannt, daß der Judenkrawall, der in Feodoffia stattgefunden hat, von der Polizei hervorgerufen wurde. Feodoffia ist eine unbedeutende Stadt mit 30.000 Einwohnern. Die Hauptrolle spielen die Karaiter, wogegen die Juden (die sogenannten „Rabbiniten") einen winzigen Haufen darstellen. Lauter arme Kaufleute und Handwerker. Die Not der jüdischen Bevölkerung ist so groß, daß sie eine Art Besteuerung untereinander eingeführt hat, so daß die Bemittelteren die Last der Armen tragen müssen. Obwohl die Karaiter mit den Juden nichts gemein haben, werden letztere von der christlichen Bevölkerung gehaßt, und zwar aus dem Grunde, weil die Karaiter die Reichsten und Mächtigsten in der Gegend sind. Besonders schüren den Judenhaß der Stadthauptmann Romanowski und ein reicher christlicher Buchdrucker Koffenko. Trotz der humanen Verwaltung des Simferopoler Gouverneurs Trepow (eines Verwandten des Diktators von Petersburg) ist der Judenhaß immer latent. Diesen Zustand hat die Polizei auch benützt, als am 20. v. M. in Feodoffia der Streik der Arbeiter begann. Kaum versammelten sich die Streikenden auf dem Stadtplatz, auf der Hauptstraße, der Kaljemskaja. als jemand ein Signal gab und der Menge zurief: „Haut die Juden!" Im Nu war der Pöbel elektrisiert. Ein Judenmaffakre begann. 50 Menschen sind lebensgefährlich verletzt worden. Die Panik ist eine ungeheure. Zahlreiche Familien haben bereits die Stadt verlassen. Man befürchtet, daß die Polizei den alten Kunstgriff, den in den Achtziger-Jahren Jgnatiew und in den letzten zwei Jahren Plehwe anwendeten, nämlich die „Ablenkung" der Volksgärung auf die Juden, wieder einmal in Schwang bringen werde. Es paßt dies zur Politik Trepow's und der Kreatur Sergius', Bulygin. I k Großsürst Sergius war der Repräsentant des unaufgeklärten Despotismus, mit sehr geringer Intelligenz, allein von jener brutalen Energie, welcher man oft bei Verbrechern begegnet. -Z- ^A Vor seiner Ankunft wurden in Moskau Tausende und Tausende jüdischer Familien ausgewiesen. Als er in Moskau eintraf, fand er noch eine Anzahl jüdischer Handwerker ansässig. Der Großjf mm