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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-03-03 · 9 (3.3.1905) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
9 (3.3.1905)
Date
1905-03-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 134 Dr. Dlocb's Mocbenscbrtft, Nr. 9; . t ■ f;• " l .-■y? I r 1 i! r (im heutigen Albanien) oder hart an der Grenze desselben gelegen, auftreten, und bald auch mit seinem Landsmanne Joseph Kara (ohne auch vorgreifen zu wollen, muß ich dennoch jetzt bemerken, daß die ganze Exegetenfamilie Kara, nämlich Menachem b. Chelbo sein Bruder Simon und dessen Sohn Joseph Kara vom fernen Osten herstammen),') in Frankreich, in Verbindung zu sehen. Aus diesen Daten, wie auch hauptsächlich aus dem Umstande, daß Simon Kara und Tobia, der Verfasser des Lekach Tob, die gegen 1050—1120 lebten, mündliche Mitteilungen von Saadia nicht direkt, sondern erst durch einen Aelteren tradiert bekommen hatten, läßt sich mit einiger Genauigkeit seine Lebenszeit ermitteln, daß er einer vorhergehenden Generation angehören mußte und ungefähr in der zweiten Hälfte des IX. und der ersten Hälfte des XI. Jahrhunderts lebte. Raschi und Aruch benützten ihn, und das Meiste, was in Italien, Deutschland und Frankreich im Namen Saadia's zitiert wurde und man in neuerer Zeit Saadia Gaon aufoktroyieren wollte, trotzdem sich solche Auslegungen bei ihm nicht vorfinden, in seinem Geiste nicht gehalten sind und teilweise auch seinem Gedankengange direft widersprechen, dürfte vielmehr unserem Autor angehören und mit Recht für ihn reklamiert und ihm vindiziert werden, da schon durch die Auslegungsmethode allein sich solches als sein Eigentum geriert und seinen wirklichen Erzeuger verrat. Aus den erwähnten Zitaten, wie auch aus den Worten Jbn - Esras, der zu Daniel 2, 3u seine Ansicht anführt und nift folgenden Worten einleitet 1722 *32 myD 2' pN3H ->28 2)ß"tSHD!3n sieht man, in was für hohen Ansehen er als erster hebräischer Kommentator der Bibel damals stand. Er hat gewiß, nach den angefübrten Fragmenten zu urteilen, die ganze Bibel oder deren meisten Bücher kommentiert. Bei den damals zu seiner Zeit herrschenden weit auseinandergehenden zwei Richtungen die Bibelexegese zu pflegen, nämlich auf der einen Seite die midraschsiche Auslegungsweise, die keine Schranken kannte, jeder Extravaganz Tür und Tor öffnete und der Phantasie freien Lauf gab, Themen, die mit dem Texte fast in keinem Zusammenhänge standen, zu verknüpfen, und anderseits wiederum die von Isaak Israeli und Saadia Gaon in ihren in arabischer Sprache abgefaßten Kommentaren neu eingeschlagenem Wege in den Text alles Mögliche und Unmögliche hineinzutragen, weitschweifige philosophische Betrachtungen anzustellen und in denselben hineinzuzwängen, wählte zwischen diesen beiden Extremen unser Autor einen Mittelweg, was ihm nicht hoch genug angerechnet werden kann. Von beiden erwähnten Methoden hat er nur weniges an sich haften lassen, und indem er sich nur selten kleine Exkursionen erlaubte, die übrigens mit dem eigentlichen Thema auch stets in engem Zusammenhänge stehen, steuert er meistens in conzis gehaltenem und knappgefaßtem Style dem Ziele der einfachsten und sinngemäßen Worterklärung zu, wobei er oft den rabbinischen Sprachschatz, wie auch das grammatische, soweit der Fortschritt auf diesem Gebiete reichte, und fremdsprachliche Element berücksichtigt. Trotzdem er seines Zeichens Rabbiner zu sein scheint und in seinem Lande auch zwei verschiedene Richtungen in dieser Beziehung existierten und mehr sich geltend machten, nänilich eine der Homiletiker (o^Vt) und eine der nüchternen Exegeten (n’Kip) (wo, rüber später ausführlicher) neigt erden letzteren zu und wirkte dieser Einfluß in Westeuropa sehr günstig ein und kommt schon dies bei Raschi teilweise zum Vorschein. Noch ein Moment verdient hervorgehoben zu werden. Während die Juden des Westens zu dieser Zeit in religionsphilosophischen Fragen noch ungeübt die anthropomorphisch klingenden Stellen in der Bibel wörtlich nahmen, erhebt er zu Daniel 7, t0 gegen diese und Juden jener Länder als übliche, so zu nennende Nationaltracht, wie R. Tobia hier dies auch bestätigt. Dasselbe bestätigt auch R. Saadia, (Daniel 3, Li) «pap '*732 DH pStS» pT>Dpö p"S2*lD nur scheint es, daß er früher mehr unter den Arabern lebte, daher fügte er bei das Wort p-.iapB (Burnus) und bezeichnet es als die übliche Tracht dort. Das Wort Mantel wurde als Bezeichnung hiefür möglicherweise von den deutschen Juden, die dieses Kleidungsstück im X. und XI. Jahrhundert dorthin exportierten, mit herübergenommen, oder ist es eines der unzähligen Worte, die die slavischen aus den romanischen Sprachen entlehnten und unverändert berbehielten, und ist dies Wort bis heute in den slavischen Sprachen erhalten. Das Wort 1TD2K/ welches er zu Echa zu ni223 T13P2 73">y als Erklärung gibt, muß auch verstümmelt sein und „fiebern" heißen und ist ja das slavische Wort „Febra" auch aus den romanischen Sprachen entnommen. In Castoria war wohl zu jener Zeit unter byzantinischer Herrschaft die Staatssprache griechisch, und kann auch R. Tobia aus einem Orte am Schwarzen Meere stammen, der zum byzantinischen Kaiserreiche, das sich auch dorthin erstreckte, gehörte, seit dem IX. Jahrhundert war die Volkssprache in der Gegend von Eastoria eine slavische. Vorläufig darüber genug. ') Ueber diese Familie Kara zu sprechen, komme ich nächstens zurück; da solche im XI. und XII. Jahrhundert lebte, gehört sie nicht mehr in den Rahmen unseres jetzigen Themas. 3) Das Wort pfcon scheint hier ein Fehler zu fein, oder sollte I bn-Esra, wie andere auch gemeint haben, dieser Daniel-Kommentar gehöre Saadia Gaon an? ähnliche Annahmen einen flammenden Protest und nennt jene Ketzer. Er knüpft daselbst an die Darstellung Daniels an, erklärt die von Daniel erwähnten Erscheinungen als Traumgesichte, wendet sich dann in scharfem Tone gegen die, die das buchstäblich nehmen und meint, wer Gott menschliche Eigenschaften zuschrcibe und Engel sich kö'perlich vorstelle, der sei als Apostat zu betrachten, weil alle ähnlichen, von den Propheten geschilderten Visionen nur als Träume oder intuitive Anschauungen anzusehen wären. Gott ist ein geistiges, unfaßbares und "allgegenwärtiges Wesen. Die Bibel bedient sich hiebei allerdings üblicher Redensarten der Menschen (auch ibiä. V 25) cntf "32 pp^2 2V)2n “>2"T die aber nicht wörtlich zu nehmen sind. Wie es scheint, ist er auch einer der ersten Juden im Westen, der sich dieses Ausdruckes in diesem Sinne bedient. Im Lekach Tob (Jethro 20, 2) ist der Inhalt dieser Stelle exzerpiert wiedergegeben. Zwar liegen gleiche Aenßerungen aus derselben Zeit von R. Hai (Resp. der Gaonim Lyck Nr. 98) und etwas später von R. Chananel (zitiert bei Elieser b. Nathan Nr. 124) vor, nur abgesehen davon, daß die Authentizität dieser letztangeführten Stellen aus verschiedenen Gründen in Zweifel gezogen werden kann, kommt diese Anschauung nirgends so voll und ganz mit kurzen und entschiedenen Worten zum Ausdruck, wie hier. Er erklärt auch die Prophetie als innere Schonung, bringt aber diese, wie sein Landsmann, der Verfasser des Josippon (Kap. 82), in Verbindung mit einem Engel (Das. 10, 10 u. 2, 11). Inwiefern die Juden des Ostens mit diesen Ideen die des Westens beeinflußten, da die letzteren sich mit der Zeit solche aneigneten und nach vielen Streitigkeiten mit finsteren Gegenströmungen, solche Gemeingut Aller wurden, auch in wieweit sie in erwähnten Einzelheiten u. A. auch Maimuni z. B. Jeffodei Hathora 2. 37 D"2K^Dn DP D"K"23n Dy influierten (oder sollten dies nur Jdeen-Assoziationen gewesen sein?) lasse ich jetzt dahingestellt sein. Jedenfalls zeigen diese Beispiele, daß die Juden des Ostens auch auf diesem Gebiete weit fortgeschritten und an einer subtilen Gedankenarbeit geschult waren. Interessant ist noch die Ansicht dieses Autors (Ibiä. 7, 12) zu hören, daß mit den Wolken des Himmels, falls dies nicht metaphorisch gesprochen, die Engel gemeint seien, was gewiß soviel sagen sollte, daß die Naturerscheinungen oder -Kräfte als Boten Gottes aufzufassen wären. Derselben Ansicht begegnet man auch in dem obenerwähnten Responsum R. Hais (ibiä), wo er mitteilt, daß dies nicht blos eine von jüdischen, sondern sogar schon von griechischen Weisen geteilte Ansicht wäre. Wenn dies Responsum kein Falsum bildet, was es in hohem Grade verdächtig zu sein scheint, da R. Hai in einer solchen Frage schwerlich die Ansicht der alt n Griechen heranziehen und die Mythologie respektieren würde, könnte es nur bestätigen, daß solche Ansichten unter Juden auch von früher her Vertreter fanden. Schließlich kann ich nicht umhin, noch darauf hinzuweisen, daß die vom Osten hergekommenen Schriftsteller erstaunliche Kenntnisse der Geschichte, Geographie, Astronomie, Philosophie und Naturwissenschaften. natürlich nach dem damaligen Stand derselben, aufweisen. Wir begegnen bei ihnen diesbezüglichen Ausdrücken, die uns wie als heute geschrieben anmuten. So erklärt unser Autor Daniel 4. 32, daß mit „Nichts" „Atome" gemeint wären, und gibt hiefür den originellen Ausdruck (kleinste Bruchteile). jt\TI “!Qy2 ppl p*7Vl’D t34Sri3 22T Dasselbe ist auch bei Josippon der Fall, wo man findet Kap. 77 (Globus) pnsn p'212 men* Kap. 75 *yrr bb»ö ‘bS ">'213 Man könnte diese Lese ins Unendliche fortsetzen. Auch medizinische Kenntnisse, Kap. 30, 64, 91 rc. Charakteristisch ist es, daß sich im Daniel-Kommentar 2, 10 auch der Ausdruck L" nS findet, wie bei Josippon und Sefer Jezira, welches letztere an sich < uch viele Merkmale trägt, die dorthin (nach Osten), als auf sein Ursprungsland Hinweisen und daß dort sein Geburtsort zu suchen wäre. S. Spinner. Propheten und Pfalnristerr. Von Dr. S. Gelbhans, Gemeinderabbiner in Wien. (Fortsetzung.) Dem Zauberwesen des alten Orientes tritt schon das Deuteronomium aufs schärfste und entschiedenste entgegen. Da wird eine ausführliche Nomenklatur der verschiedenen Zauberpriester aufgestellt. „Wenn du in das Land kommen wirst", so ruft Moses, „welches der Ewige dein Gott dir gibt, so sollst du nicht lernen auszuüben die Gräuel jener Völker, daß in deiner Mitte nicht gefunden werde, der seinen Sohn oder Tochter durch das Feuer führt, ein Zauberer, ein Zeitendeuter, ein Schlangenbeschwörer oder ein Weissager, ein Flüsterer, ein Ob und Jidonibefrager, ein Totenforscher, der ein Gräuel Gottes ist, wer dieses ausübt und um solcher Gräuel willen vertreibt sie der Ewige dein Gott von dir (Das. 18, 9—13). Im Talmud ist eine genaue Beschreibung dieser Zauberfunktionäre erhalten. Da heißt es: „Ob das ist der Zauberer

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