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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-03-03 · 9 (3.3.1905) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
9 (3.3.1905)
Date
1905-03-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Rr. 9 Dr. Mocbs Moebens drm. Seite 133 unumstößliche und uneinklagbare Recht zuerkennen, nach eigenem Gutdünken und Ermessen jeden Kolonisten, noch nach Bezahlung selbst der 19ten Jahresrate, wenn er ihr aus dem einen oder anderen Grund nicht mehr passen sollte, einfach und ohne Gewährung der geringsten Entschädigung von seinem Lande auszustoßen!!! Uni die Kolonisten zur Annahme derartiger Bedingungen zu zwingen, hat sich Herr Dajan, Agent der „Jca", sogar dazu Hinreißen lassen, 3.) rumänischen Familien den monatlichen Zuschuß ohnewetters vorzuenth alten, bis nach Zeichnung des Kontrakts! Auf diese Art konnte er dieselben in der Tat zur Unterschrift bewegen; aber bei den Litthauern wollte ihm solches nicht gelingen, lieber leisteten sie Verzicht auf jedweden Vorschuß, als daß sie sich mit Hab und Gut der Gesellschaft auf Gnade und Erbarmen ergaben. Die Folgen dieses willkürlichen Vorgehens sind noch abznwarten. Daß man von dieser Handlungsweise in Buenos-Aires nicht sehr erbaut war, scheint daraus hervorzugehen, daß Herr Direktor Maß nach Mosesville eilte, um eine beiderseitig zufriedenstellende Regelung der Kontrakts-Frage persönlich einzuleiten, und wir können ruhig sagen, er tat sein Möglichstes, um ein Einverständnis zwischen beiden Parteien herzustellen; ja, er ging so weit, einen Revers in Aussicht zu stellen, worin er sich bereit erklärt, die Kontrakte innerhalb drei Jahren dahin abzuändern, daß die Jahresrate der ersten 6 Jahre 2 Dollars, die der nächsten 6 Jahre 2.50 Dollars und die der restlichen Jahre 3 Dollars per ha betragen sollte. Doch auch hierauf wollten die Litthauer, und zwar mit Recht, nicht eingehen. Gegenwärtig nun weilen fünf Delegierte von Mosesville in Buenos-Aires, die von den Kolonisten autorisiert sind, die Kontraktfrage friedlich zu lösen. Rabbiner Dr. A. Hoffman n in Buenos-Aires. Die „Kenv Hadanr" in der jüdischen Literatur des IX. nnd X Jahrhunderts. in.*) galten wir in Italien weiter Umschau, begegnet man dort zu dieser Zeit noch so mancher Gestalt, die in den Rahmen dieses Themas gehört, nnd wenn man dieser einige Aufmerksamkeit zuwendet, solche aus der hier obwaltenden Dunkelheit ans Licht zu ziehen, dringen hiebei auch einige Lichtstrahlen in dieses noch in Dunkel gehüllte Gebiet, wobei sich in einer Fernsicht Konturen aus dem Dunkel abheben, die im Verlaufe dieser Arbeit mehr ans Licht hervortreten dürften. Auf den ersten Blick gewahrt man dort weiter den Kommentator Saadia, von dem vorläufig nur der Kommentar zum Buche Daniel bekannt und vorhanden ist. Daß er auch vom fernen Osten aus der Gegend zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meere herkam, darüber kann kein Zweifel obwalten, wenn man die darauf bezughabenden Details in seinem erwähnten Kommentar prüft. Nämlich erwähnt er zu Daniel 8. 9., daß der Islam von seinem Ausgangspunkte im Süden 'am Rothen Meere seinen Weg nach dem Norden nahm, und sich bis über Ehorosan ausbreitete. So auch zeigt er sich sehr vertraut mit der Geschichte jener Gegend, indem er die Stelle (ibid. 7. 8.) auf Persien deutet und erwähnt, wie die Herrschaft der Sassaniden dort unter Jesdagred III. im VII. Jahrhundert endete, die Araber mit Omar, dem Khalifen, an der Spitze siegten 'mv die Länder wie Babylon, Jspahan, Irak (Schinar) und das ganze Land Ehorasan ihrer Herrschaft annektierten, der Islam auch dort überall die Herrschaft angetreten hatte. Desgleichen erzählt er 7. 12 daß die Magier, trotzdem sie die Herrschaft des Landes verloren, bis zum heutigen Tage weiter existieren. Auch die Topographie kennt er genau und meint, die Stadt Susiana liege an keinem Flnße, wie allgemein behauptet wird. Noch evidenter läßt sich sein früherer Wohnort ermitteln aus seiner Mitteilung, wo er als Augenzeuge berichtet Zn 2, 4-',: Es gibt Orte und Städte (an der Grenze), die im Besitze der Griechen (des byzantinischen Reiches) und der Araber find, die gegenseitig Zölle einheben, unter einander sogar heiraten ohne daß gegenseitige Liebe platzgreifen sollte, so auch behält jeder der Ehegatten weiter seine eigene Religion bei. Das kann aber nur in der fraglichen Gegend um das Schwarze Meer gewesen sein. Erwähnenswert ist noch, was er 2, 41 hervorhebt: nbn '2 22*7 'MXi nun '22n 12 prra 'na rvoba sin nirin nira pro und weiter ibid. Vers 43, daß dort Juden zerstreut unter Persern rc. und anderen Völkern wohnen, ohne sich zu amalgamieren. rc. mia nrc pmja Dieser Autor ist dann gewiß, wie alle Anderen auf dem hier schon vielmals besprochenen Handelsweg über das Sklavenenland nach Italien gekommen und hat sich dort niedergelassen. Hievon legen in erster Reihe Zeugnis ab sein Vertrautsein mit der römischen Geschichte, wie 7, 6, daß Romulus Rom gründete, und seine zu 2, 45 geäußerte Ansicht, daß Rom nie so mächtig war, als unter der Herrschaft der Kaiser von Titus bis Marc Aurelius, wie auch, daß er das römisch-deutsche Kaiserreich keunt. x'^E’X <?3 hv 153VX pK2 *|^2 Bei 11,6: „Die Tochter des Königs vom Süden wird kommen zum Könige des Nordens, will er andenten, daß hier auf die Heirat Kaiser Ottos II. (973—83) mit einer byzantinischen Prinzessin, nämlich als Ereignis seiner Zeit, angespielt zu werden scheint, die zu dem Zwecke erfolgte, die Herrschaft des römisch-deutschen Reiches auch nach Süditalien/) das im Besitze des oströmischen Reiches war, auszubreiten rc. Diese auf sichere Voraussetzungen basierende Vermutung, daß er alsdann in Italien, nämlich in Rom, sich niederließ, wird noch durch Beweise von anderer Seite zur feststehenden Tatsache erhärtet, wenn man ein Zitat aus Joseph Karas (1050-1125) Kommentar zu Echa herbeizieht, wo erwähnt wird: >2172 NV2 "72 *7 >'22* 12 7"? .7*7J,’D "7 ,22*2 .7*72X2» Daß hier von unserem Saadia, nicht von dem Gaon in Sura, wie allgemein angenommen wird (oder werden auch meistens beide Personen identifiziert, die Rede sein kann, geht klar hervor aus einer Stelle in R. Tobias Lekach Tob zu Echa, wo es deutlich heißt 10'27 '22 72X2* >72*2 "7 '22 *71 >22* 131 Dieser R. Mose hörte es also aus dem Munde Saadias und mußte demnach Saadia gegen 1000—1050 noch leben, während aber Saadia Gaon, wie feststeht, im Jahre 942 starb. Zur besseren Erklärung füge ich noch hinzu, daß dieser in Frage kommende Moses gewiß kein anderer war als Moses b. Iowa, den Joseph Kara in seinem Kommentar zum Buche Hiob 88, 11 wieder als Verfasser eines Wörterbuches anführt, der zweifellos auch ein Ben Hadani und Schüler dieses Saadia in Rom war. Wenn man den damaligen lebhaften Handelsverkehr zwischen dem Sklavenenlande. wie ich solchen hier zu wiederholten Malen schilderte, und den jüdischslavischen K lonien in Italien, Südfrankreich und Spanien in Rücksicht zieht, wird man hiebei gar nichts Auffälliges und Befremdendes finden, diesen slavischen Schüler Saadias bald im Sklavenenlande, R. Tobia der Verfasser des Lekach Tob lebte nämlich im Eastoria*), ') Solche anachronistische Deutungen der Bibelverse für spätere Zeitereignisse begegnen wir auch bei anderen Schriftstellern aus jener Gegend und seiner Zeit, z. B. bei den arabisch-jüdischen Lexikographen Abu Saliman Daud b. Abraham und Ali b. Saliman (Lik. Kadm. I. p. 177). Bei den letzterwähnten Autoren sehen wir auch dieselben Auslegungsregeln anwenden wie ni'mxn -pn, Deutung der variierenden Lesarten der Bibel und der vorkommenden Eigennamen und noch so manche Eigentümlichkeiten, die allen gemein zu sein scheint, weil alle eine dort allgemein anerkannte Methode befolgten. 2) Was den Verfasser des Lekach Tob anbetrifft, der in Castoria lebte, scheint er auch vom Osten hergekommen zu sein. Er erwähnt zu Koheleth seinen Lehrer Simon, der kein anderer als Simon Kara ist. Er verrät sich schon durch seinen guten, rein-hebräischen Styl, daß er zu dieser Schule gehörte, und deshalb anerkennt er auch, trotz aller Homiletik im Prinzipe, die nüchterne Bibelexegese (z. B. Wajeze 29, 20 X7p2.-i rrmn1? 22277.7 isn 2"sj?“x 12122 *7*2 xsi* X7pön px u s. w.) Auch hat er viele Eigentümlichkeiten mit der Schule des Ostens gemein, auf die jetzt hinzuweisen ich absehen muß, um nicht den Gang der Untersuchung stören zu muffen. Er erklärt auch viele Worte nach der Methode von nrmx spb'rr, wie Saadia. (Vergl. Daniel 7. 3 Resch mit Zade mit Lek. T. Schemoth 8, 8. — Dau. 11, 43 Samech und Tadch mit Lek. T. Wazeze 40, 38 rc.) Seine Bezeichnung der Kreuzfahrer (zu Balak) mit 27P2.7 72, zeigt darauf hin, daß er ein Kind des Ostens war; ebenso berechtigt sein Nichterwähnen des jerusalemischen Talmuds und des jerusalemischen Targums zu dieser Annahme. Selbst den Gaonen in Babylon war der jerusalemische Talmud unbekannt, bis Saadia, der aus Egypten war, solchen hinbrachte und auch dann wurde er nur selten dort benützt, während die Juden in Afrika und Westeuropa solchen schon frühzeitig viel benützten. Noch mehr bestätigt dies seine Polemik gegen die Karäer und andere Sekten des Ostens. Es war wohl möglich, daß ein Jude des Westens die Karäer oberflächlich kennen sollte, seine Polemik aber legt eine solche gründliche Kenntnis derselben, wie auch der ihnen verwandten Sekten an den Tag, daß man zugeben muß, er habe unter ihnen oder in ihrer Nähe leben müssen. Zu Zaw wirft er ihnen vor, daß sie mit der Verwerfung der Tradition ihrerseits nur den Mohammedanern dies nachahmen wollen, und kann er damit nur auf die Schiiten angespielt haben, die die Sunna (Tradition) verwerfen und der eigentliche Sitz der Schiiten war nur Persien. Ebenso können seine Ausfälle zu Jithro 20, 2 nur gegen die Makarjiten gemünzt sein, die er als Philosophen a'721*S 0*7>'7 p21>'3 bezeichnet, daß sich die Offenbarung durch die Vermittlung eines hiezu geschaffenen Wesens, das seine Stimme bei Verkündung der zehn Gebote hören ließ, vorstellen, nach dem Zeugnisse Scharastanis über die Sekten p. 165 k). Seine schlichte und vernünftige Antwort dort, hätte auch Maimuni (More Nebuchim II, 33) und seinem Nachtreter in dielen, Punkte Spinoza (Tractatus theologico-politicus cap. 1), die auch eine ähnliche Annahme gerechtfertigt finden, zuteil werden können. So auch finden seine Angaben Ende Schlach ^>'2JX2 p;,*3 f?27cm und zu Schemoth 28, 31 S»y2.7 '22X 1.7IX 2*2*21*72» *725X2 123 .7217 .7*7 (Ties die richtige Lesart) uaipa ihre Erklärung, wenn er vom Osten herstammt. Ich habe hier (Oesterr. Wochenschrift Nr. 46) nachgewiesen, daß diese Oberkleider (c'^'372) von deutschen Juden aus Flandern nach Russin (Slavenlänbern) exportiert worden sind, und galten diese dort bei den *) Vergl. Nr. 4 und Nr. 7.

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