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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-02-24 · 8 (24.2.1905) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
8 (24.2.1905)
Date
1905-02-24
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 8 Dr. Dtocb's Mocbenscbrttt. Seite 127 Bald darauf befand ich mich in ihrer Gesellschaft. An dem Tische, der im Hofwartesalon gedeckt war, saßen das Großfürstenpaar, die Hofdame und die beiden Adjutanten. Au den: zweiten Tische, der gleich daneben stand, saßen die Leiblakaien, die Kannnerzofen und ich. Wir bekamen aber ganz dieselben Speisen als die Herrschaft. Zuletzt reichte mir der Großfürst selbst ein Glas Champagner. Diese Art von Liebenswürdigkeit seinerseits hat mich förmlich in Staunen versetzt. Wäre es die Großfürstin gewesen, hätte es mich nicht gewundert. Aber es kann sein, daß er sich an ihr ein Beispiel genommen hat. In der Nacht kamen wir nach Florenz. Hier mußte ich mit den Großfürstenpaar 2 Tage verbleiben, während welcher Zeit ich mir die Sehenswürdigkeiten der toskanischen Hauptstadt ansehen konnte. Dann setzten wir die Reise fort bis Rom. Auf dem Wege dahin wurde wieder die Jndenfrage aufgeworfen. Der Großfürst wollte nicht glauben, daß Juden auch Offiziere sein können. Ich führte ihm Beispiele an, welchen Rang die jüdischen Offiziere in Oesterreich-Ungarn, Frankreich, England und Italien erreichen können. Ebenso Staatsämter aller Art. Dann war vom Zionismus die Rede. Ich sagte, die einzige Lösung der Judenfrage wäre, wenn der Zar den Juden ein Stück Land in seinem Riesenreiche zuweisen würde, wo sie Handel und Gewerbe nach Belieben treiben dürften. Das würde Rußland Nutzen und keinen Schaden bringen. Recht gerne, sagte der Großfürst, aber alle müßten sich taufen lassen, anders nicht. Beim Aussteigen in Rom reichte mir der Großfürst die Hand und sagte: Ich danke Ihnen für die Unterhaltung, die Sie mir boten. Wenigstens habe ich einmal mit einem Manne aus dem Volke meine Gedanken ausgetauscht, der die Juden sonderbarerweise verteidigt hat. Weil ich eben selbst Jude bin, fügte ich aufatmend hinzu. Diese Worte schien der Großfürst in der Eile überhört zu haben. H. H. Literatur. Prozessuale Rechtsgrnndsätze der Juden in biblischer und nachbiblischer Zeit. Bon llllvr. Markus Epstein, son. emer. Advokaten in Brünn. Verlag : I. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1805. Die Zeiten, wo der Rabbiner auch Dajan (Richter) sein und im biblisch-rabbinischen Zivil- und Strafrecht ebenso Bescheid wissen mußte, wie in dem Ritualgesetz, sind längst vorüber. Wird doch in den jüdischen Gemeinden, wenn es dort bei der Anstellung von Rabbinern so, wie es jetzt geschieht, fortgeht, der Joreh-deah bald ein ebenso überwundener Standpunkt sein, wie der Choschen-mischpat schon längst ist. Um einst an den beiden babylonischen Hochschulen als „Gaon" nominiert werden zu können, mußte der Betreffende alle „Sechs Ordnungen" (Schichu sedarim) vollkonimen beherrschen; jetzt fehlt nicht mehr viel dazu, daß ein Rabbiner in seiner Gemeinde schon als „Gaon" angestaunt und bewundert werden wird, so er sich nur im Siddur auskennen und in diesem keine Blöße geben wird, was übrigens auch schon vorgekommen sein soll. Umso erfreulicher tst es, wenn Männer, welche ihr Beruf nicht auf das Studium von Bibel und Talmud hinweist, mit diesen sich beschäftigen und die Resultate dieser ihrer Studien ohne Scheu und Zagen der Oeffentlichkeit übergeben. Das Judentum^ kann dadurch nur gewinnen, wenn auch mitunter ein Lapsus unterläuft oder eine Bibel- und Talmudstelle nicht ganz richtig aufgefaßt worden rst. Das gilt insbesondere von solchen Schriften, die den Zweck haben, das jüdische Religionsgesetz gegen unberechtigte und unbegründete Angriffe zu verteidigen, wie dies bei der zur Anzeige gebrachten der Fall ist. Dieselbe verdankt, wie viele andere, in der letzten Zeit erschienene verwandte Schriften, dem Babel und Bibel-Streit und der Veröffentlichung der Gesetze Hamurabi's ihre Entstehung. Ein juristisch gebildeter und mit den modernen Rechtsanschauungen vertrauter Fachmann zeigt uns, welch wesentliche Unterschiede zwischen den Gesetzen Moses und Hamurabis bestehen und wie die erstern weit mehr den Forderungen wahrer Gerechtigkeit und Menschlichkeit entsprechen als die letzter«, ja daß die Mosaischen Rechtsgesetze in ethischer Beziehung selbst gegen die Gesetze des modernen Rechtsstaates noch manches voraus haben. Einige Unrichtigkeiten kommen allerdings in der Schrift vor. So z. B. wird auf Seite 10 behauptet, daß Gotteslästerung in der Bibel allerdings verboten wird, „Gott sollst du nicht fluchen", aber eine Strafsanktion nirgends ausgesprochen wird. Abgesehen davon, daß an der bezeichneten Stelle „Elohim" Richter bedeutet, findet sich das Verbot der Gotteslästerung mit genauer Strafbestimmung und sogar ein Fall von Gotteslästerung und vollführter Strafe in Leviticus K. 34, V. 13—16. Einen argen Lapsus enthält das Zitat aus Raschi auf S. 15. Raschi will an der Stelle nicht erklären, warum der Dieb bei Lebewesen das Vier- und Fünffache und bei leblosen Dingen nur das Zweifache zu bezahlen hat, sondern, warum zwischen Ochs und Schaf ein Unterschied gemacht wird. Kebod habrijoth ist dort nicht aus das Schaf, sondern auf den Dieb zu beziehen. Die Erklärung Raschi's ist übrigens dem Talmud (B Kama 79b) entnommen. Das Verbot, die Verführte zeitlebens fortzufchickeu (S. 18), steht nicht Exod. 22—15, sondern, Deut. 22-20 und bezieht sich auf den Fall, daß der Vater der Verführten sie ihm ja zur Frau gegeben bat. Trotz dieser und anderer kleiner Verstöße, die aber dem Ganzen nicht Eintrag tun und durch Befragung eines talmudisch-gelehrten Mannes (woran es ja in Brünn noch nicht fehlt) zu vermeiden gewesen wären, wissen wir doch dem Verfasser Dank für seine interessante Arbeit. Stark. Neue Bücher. Dr. M. Margel. D e u t s ch - h e b r ä i s ch e s Wörterbuch. Vollständig in 40 Heften, Heft 15 und 16, 17 und 18. Preis eines Heftes 50 Heller. Subskriptionspreis 15 Kronen 15 Mark. Preis des vollständigen Werkes nach Erscheinen 20 Kronen 20 Mark. Kommissionsverlag von Leopold Klein, Pozega, 1904. Dr. Samuel Danzig. Drei Genealogien der Moral. Bernard de Mandeville, Paul R 6 e und Friedrich Nietzsche. Systematisch dargestellt und psychologisch kritisch beleuchtet. Preß bürg 1904. Dr. Adolf Brüll. Die Mischehe im Judent u m. Vortrag. Kommissions-Verlag von A. I. H o s m a n n, Frankfurt a. M. 1905. Briefkasten. St. Das ist richtig, in Rußland werden seit dem Jahre 1885 Juden als Militärärzte nicht mehr zugelassen. Aber in den Tagen der Rot werden sie in ausgedehntestem Maße herangezogen: nicht weniger wie 2000 jüdische Aerzte sind einberufen und nach dem ostasiatischen Kriegsschauplätze entsandt worden, und mehr als fünfzig waren in Port Arthur eingeschlossen. Wilhelm Kohn, Universitätshörer. Die Schüler des Wiener Rabbiner-Seminars erhalten ansreichende Stipendien. I. St. in W. Auch die jüdischen Handlungsgehilfen müssen sich mit hinreichender Bildung für den Lebenskampf rüsten. E. F. Der Reichsratsabgeordnete Dr. Licht war irrtümlich als Jude aufgeführt; er soll, wie uns mitgeteilt wird, längst nicht mehr dem Judentum angehören und nur gelegentlich einer Wählerversammlung in Brünn seiner jüdischen Abstammung sich erinnern. „Germanicus." Der Deutsche ist der Erste, der sein Deutschtum verläßt und seine Abstammung verleugnet. Das beweist der Rückgang der deutschen Sprache in Nordamerika. Das große Deutsche Theater in Milwaukee, das bisher mit einer guten Truppe die besten Neuerscheinungen der deutschen Literatur aufführte, wird in Zukunft nur noch englische Stück; bringen, da infolge des Rückganges der Kenntnis der deutschen Sprache in der dortigen Bevölkerung deutsche Theaterstücke kein Publikum mehr finden. Milwaukee verliert seinen deutschen Charakter, durch den es sich früher aus.zeichnete, immer mehr. Die gegenwärtige Generation will nicht mehr deutsch lernen und sprechen; und viele Leute von deutscher Abkunft wollen nur noch als „Angehörige eines englisch sprechenden Volkes", aber keines andern betrachtet werden. Auch in Südamerika ist es nicht anders. Nach dem Berichte des „Argentinischen Wochenblattes" geht in Kamp das Deutschtum „zusehend seinem Untergange entgegen." Daher das Sprichwort von der „deutschen Treue" und darum spielen sich die Deutschnationalen als die Sittenrichter der Juden auf. K. in Prag. Professor D e l i tz s ch's Vorträge zu besuchen sollten Juden aus Selbstachtung lieber vermeiden. Zur gefälligen Beachtung! Wh-ersuchen diejenigen unsererAbonnenten, welche noch mit der Abonnementsgebfihr im Rückstände sind, die zur Einhebung derselben von uns versendeten Postaufträge gefälligst honorieren zu wollen. Die Administration.

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