Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 8 (24.2.1905)
- Date
- 1905-02-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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'M. 8 Dr. JSlocb s MocbenscdrM. Seite 125 Olmütz» (K o n st i t u i e r u n g der israelitischen Kultusgemeind e-V e r t r e t u n g.) Bei der am Samstag erfolgten Neukonstituierung der Vertretung der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde wurde Herr Dr. Jacob Eben neuerdings einhellig zum Präsidenten gewühlt. Ebenso einmütig erfolgte die Wiederwahl des Herrn Josef Loew zum Vice-Präsidenten. Zu Beiräten wurden fast durchwegs einhellig gewählt die Herren: Sigmund Zweig, Josef Groak, Bernhard Kaufmann und Eduard Thaussig; zu Tempelvorständen die Herren: Friedrich Fischet, Bernhard Kaufmann und Jacob Kirschner. Aussig. Am 3. Februar feierte der hiesige verdienstvolle Tempel- und Chewra-Kadischa-Vorsteher Herr Löwy Hammerschlag sein 70. Geburtsfest Die Repräsentanz ehrte den Jubilar, indem sie ein Studentenstipendium stiftete und ihm das Repräsentationsrecht übertrug. Die Chewra-Kadischa ernannte ihn zum Ehrenmitgliede unter gleichzeitiger Widmung eines namhaften Betrages mit der Bestimmung, die Zinsen desselben alljährlich am 3. Februar nach seinem eigenen Ermessen zu verteilen. Der israelitische Frauenverein spendete zur Erinnerung au diesen schönen Tag eine prachtvolle, kostbare Krone zur heiligen Thora mit einer sehr ehrenden Widmung. Als Gratulanten erschienen: Eine Deputation der Repräsentanz der Kultusgemeinde unter Führung des Präses Herrn Dr. Mahler, der Beerdigungsbrüderschaft mit ihrem Obmann-Stellvertreter Herrn Adolf Pachner, die Vorstandsdamen des Franenvereines unter Führung der Frau Rabbiner Bast. In herzlicher Weise gratulierten auch Honoratioren der Stadt und der Kultusgemeinde. Am darauffolgenden Samstag veranstaltete unser Rabbiner Herr S. Baß einen höchst weihevollen Gottesdienst, bei welchem derselbe an den verehrten Jubilar eine von den zahlreichen Anwesenden tiefempfundene Ansprache hielt. Rührend war es auch, als Herr Tempelvorsteher Hammerschlag die gespendete Krone auf die Thorarolle setzte und hiebei ganz vernehmlich den Segensspruch ,,8ebs1teoböjoim« sprach. Möge uns dieses Oberhaupt der Synagoge und Chewra-Kadischa noch ganz lange erhalten bleiben. J. 8. Pntnok, Ungarn. (Dekorierung des jüdischen, strenggläubigen Gemeindearztes, Dr. Armin Schwarz.) Im Rahmen eines glänzenden Festes und in Gegenwart des Staatssekretärs Grasen Bela Serönyi und eines großen Publikums überreichte der Obergespan des Gömörer Komitats Ladislaus Hamos in Pntnok dem Gemeindearzte Dr. Armin Schwarz anläßlich seines fünfzigjährigen Jubiläums als Arzt das ihm von Sr. Majestät verliehene goldene Verdienstkreuz mit der Krone. Der Jubilar (ein Bruder des Kommunal- und Religionslehrers Josef Schwarz in Wien) wurde im Namen der Komitatsärzte von Dr. Thomas Löcherer, Dr. Nikolaus Mesko und Julius Urßiny, im Namen der Stadt Putnok vom Notar Bela Jnczody herzlich begrüßt, Kattowitz o. S. Nach langem schweren Leiden verstarb hier im Alter von 68 Jahren Frau Charlotte A l t m a n n, die Gattin des hochverdienten Präsidenten der „Chewra-Kadischa" und Repräsentanten der Gemeinde Herrn Leopold A l t m a n n. Die Verewigte, die ein vorbildlich jüdisches Musterhaus führte, war durch mehrere Dezennien Vorstandsdame fast sämtlicher Wohltätigkeitsvereine, in denen sie eine unermüdliche, nie versagende Tätigkeit entwickelte; in schlichter, echt altjüdischer unauffälliger Weise spendete die Dahingegangene, nie einen Dank begehrend, nach allen erdenklichen Richtungen nur Gutes und kein Dürftiger, kein Leidender hat ihre Schwelle ohne Trost verlassen; kein Wunder, daß bei dieser großen Verehrung bei der Beerdigung eine Beteiligung zu beobachten war, die man in unserer Stadt wohl kaum gesehen hat. Das Andenken an diese so vornehme Philanthropin wird in unserer Gemeinde allezeit in Ehren erhalten bleiben. Oberkantor Singer. Bukarest. (Vermählung.) Fräulein Sulamith Beck, Tochter des Herrn Rabbiners Dr. M. Beck, hat sich mit Herrn David Spodheim vermählt. Feuilleton. Die gUtfe des Großfürstenpaares „Sergius" von Marschau «ach Nom. Im Jahre 1894 hatte ich in meiner Berufspflicht die Ehre, den Großfürsten Sergius mit Großfürstin Elisabeth und Gefolge von Warschau nach Rom zu begleiten. Und da ich auf den Großfürsten einen guten Eindruck gemacht zu haben schien, lud er mich öfter ein, in sein Coupe zu kommen, um mit ihm über Verschiedenes zu plauschen. In Szczakowa fand die Gepäcksrevision statt. Natürlich, der Großfürst war von diesem Uebel befreit, weil Hofgepäck die Grenze frei passieren darf. Als wir nach Trzebinia kamen, bemerkte er einige polnische Juden in Originaltracht. Haben Sie viel von dieser Phyllorera? frug mich der Großfürst, ohne zu ahnen, daß auch ich Jude bin. Was meinen damit kaiserliche Hoheit? war meine erstaunte Frage. Na diese Saujuden, die da hier ihre Geschäfte abwickeln, entgegnete der Großfürst in einein Tone, der scherzhaft klingen sollte, indem er mit dem Finger durchs Fenster auf sie zeigte. Wir haben in Oesterreich-Ungarn, glaube ich, Juden fünf Perzent der Gesamteinwohnerzahl, war meine Antwort. Das ist nicht viel, meinte der Großfürst, da haben wir in Rußland schon weit mehr. Gott sei dank, daß ich mir das größte Gesindel vom Hals geschafft habe. Ich habe sie in meinem Gouvernement stark dezimiert. Was war die Veranlassung dazu, kaiserliche Hoheit? Weil sie das Volk ausbeuteu und nicht arbeiten wollen. Das ist mir neu, daß die Juden in Rußland nichts arbeiten wollen. So viel ich weiß, sind die russischen Juden Handwerker aller Arten und arbeiten für den Schundlohn den sie bekommen, wie die Sklaven. Ja! weil sie den Anderen den Preis verderben. Gewiß auch deshalb, kaiserliche Hoheit! weil die Andersgläubigen nur dann bei Juden arbeiten lassen, wenn sie es sehr billig liefern, und von den Juden allein können sie nicht leben, mnsoweniger, als ihre reichen Glaubensgenossen mit Vorliebe christliche Handwerker unterstützen. Die Juden in Oesterreich scheinen intelligenter zu sein, wie bei uns, fuhr der Großfürst fort. Das kommt daher, weil den Juden in Oesterreich alle Schulen zugänglich sind. Wenn wir das bei uns tun wollten, wären alle Schulen von Juden überfüllt und sie würden die Christen verdrängen. Weil Sie vielleicht zu wenig Schulen haben. Wir haben noch zu viel Schulen. Wozu brauchen wir noch mehr? Damit uns das Volk über den Kops wachsen soll? Mittlerweile hatten wir die Station Oswiecim erreicht. Dort boten Kinder mit den Worten „zwisze Gazeti“ Zeitungen feil. Andere riefen wieder „zwisza vvoda“ und verkauften Wasser. Was ist das für eine Sprache, in der die Kinder ausrufen? frug der Großfürst neugierig. Das ist polnisch, kaiserliche Hoheit, sagte ich. Die verfluchten Polen, überall sind sie. In Dzieditz ärgerte er sich wieder über die vielen Juden, die er am Bahnhofe bemerkte. Jedes Land ist zu bedauern, das diese schäbige Rasse beherbergt, denn sie richten es zu Grunde. Ich kann nur nicht verstehen, wo kaiserliche Hoheit Gelegenheit gefunden haben, mit den Juden in so nahe Berührung zu kommen? Ich höre ja oft genug über sie klagen und habe auch oft genug über sie gelesen. Das ist leider das Mißgeschick der Juden, daß man ihnen schon im Vorhinein mit Vorurteil entgegenkommt. Viele Herrscher würden anders handeln, wenn sie die Juden durch direkten Verkehr kennen lernen würden. Wie meinen Sie das? Glauben Sie vielleicht, daß wir mit den Juden Geschäfte machen sollen? Das meine ich nicht, kaiserliche Hoheit, sondern es soll den Juden gestattet sein, wie bei uns in Oesterreich, vor den Kaiser treten zu dürfen, um ihre Bitten und Beschwerden persönlich vorzubringen. Somit hat der Monarch die beste Gelegenheit, sein Volk kennen zu lernen. Was? Dürfen bei euch in Oesterreich die Juden zur Audienz kommen? Gewiß, kaiserliche Hoheit. Nicht nur die Juden, sondern auch Bauern und Arbeiter. Alle haben Zutritt bei unseren geliebten Kaiser.