Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 8 (24.2.1905)
- Date
- 1905-02-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 124 Dr Blocb's Mocbenscbrttt. Sir. 8 sich als Prostituierte einschreiben zu lassen. Nur so konnte sie in Moskau wohnen. Als die Polizei dahinterkam, daß das Mädchen anständig lebe, woraus die Jüdin übrigens kein Hehl machte, wurde das Mädchen wegen Nichtausübung eines polizeilich gestatteten Berufes ausgepeitscht und aus Moskau ausgewiesen. Es wird hier in russischen Kreisen zugegeben, daß seit den Verfolgungen durch Sergius viele Juden sich der revolutionären Bewegung angeschlossen haben, während die Juden früher sich von derselben ganz fernehielten. So hätten der nihilistischen Bewegung der Achtziger-Jahre nur äußerst wenige Juden ihre Unterstützung gegeben. Die Judenschaft Rußlands verurteilte sogar diese Bewegung der Nihilisten und die Gewalttaten. Russische Justiz. In dem an Ereignissen und Ueberraschungen so reichen Krawallprozesse in H o m e l ist nach monatelanger Verhandlung am 8. d. M. das Urteil gefällt worden. Die Räuber und Mörder vom 14. September 1903 sind sehr glimpflich davongekommen, während die Juden, weil sie am 13. September 1903 den ihnen schon an diesem Tage zugedachten Krawall abzuwenden versucht haben, ihre „Frechheit" mit vielen Monaten Gefängnis büßen mußten. Von den 36 angeklagten Juden wurden 13, von den 44 Christen 16 freigesprochen. Gegen 4 Juden und 12 Christen wird in einem zweiten Prozesse verhandelt werden. 6 Juden und 4 Christen wurden zu je 20 Tage, eine Jüdin (Fräulein Chane Katz) wurde zu 2 Monaten und 20 Tagen, 12 Juden und 12 Christen wurden zu je 5 Monaten und 10 Tagen Gefängnis verurteilt, letztere verlieren auch alle besonderen Vorrechte. Der Gerichtshof beschloß ferner, für sämtliche 35 Verurteilte durch den Justizminister beim Zaren ein Gnadengesuch einzureichen und für sie eine Strafmilderung zu empfehlen, und zwar soll die Strafe für die 24 Großjährigen auf 2 Monate Gefängnis und Belastung aller Rechte, für die 11 Minderjährigen auf 2 Wochen Haft ermäßigt werden. Von den 24 Zivilklägern sind 2 mit ihren Forderungen auf Schadenersatz abgewiesen. Die Ansprüche der übrigen 22 werden nach den zwei Prozessen betrachtet werden. Die Kosten des gesamten Verfahrens werden den Verurteilten auferlegt. — Infolge dieses Urteils entstanden natürlich blutige Straßenunruhen, die ein antisemitisches Gepräge trugen. Im Hofe der jüdischen Synagoge wurden zirka 300 Juden von betrunkenen Bauern überfallen und blutig geschlagen. Ein junges Mädchen wurde dabei ermordet, viele Personen gefährlich verwundet. Die Synagoge wurde von Unruhestiftern demoliert. Die Polizei verhielt sich vollständig passiv. Vermischtes. Bortrag aus jüdischer Geschichte. Donnerstag den 2. März d. I., präzise halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Dr. Max Grunw a l d statt. Thema: Aus dem inneren Leben der Juden in Deutschland und Oesterreich". (Vorführung von Lichtbildern.) Eintritt frei ohne Karten. Wie». (KaiserFranzJosePh-Ferienheim. Die Anmeldungen von Petenten für die Aufnahme in die Kolonien des „Ferienheim" beginnen mit 1. März d. I. Das Ansuchen ist persönlich von den Eltern oder Pflegeeltern des betreffenden Kindes — möglichst unter Vorlage eines Armutszeugnisses — im Vereinsbureau IX., Türkenstraße 17, an den Tagen: Mittwoch, Donnerstag und Freitag zwischen 4 und 7 Uhr nachmittags vorzubringen. Wien. (Spende.) Anläßlich des Gedenktages seiner verewigten Mutter Frau Rosa Hildesheimer ließ Herr Dr. Arnold Hildesheimer 4000 Arme ohne Unterschied der Konfession in den beiden israel. Volksküchen mit Festmahlzeiten ausspeisen. Wien. (Verein zur Abwehr des Antisemit i s m u s.) Dienstag den 7. März a. c. findet eine Wiederholung des mit so großer Begeisterung aufgenommenen Vortrags: „Jüdische Poesien", durch Herrn Adolph Weisse, Direktor des Deutschen Volkstheaters, statt. Eintritt nur Vereinsmitgliedern oder von solchen eingeführten Gästen gestattet. Wien. Frau Wilhelmine Steiner, Gemahlin des Herrn S. Steiner, Thonwaren-Fabrikanten in Wien, hat die Stellen als Vize-Präsidentin sowohl beim „Israelitischen Frauenwohltätigkeits-Vereine im VIII. Bezirke", als auch beim „Israelitischen Rekonvaleszentenheim" mit heutigem Tage zurückgelegt. Wien. (T a n z a k a d e m i e.) Sonntag den 5. März findet im Ballsaale Ronacher das Schülerkränzchen des Tanzinstituts Hei mann- Singer statt, welches heuer in Form einer Tanzakademie abgehalten wird, wobei Charakter- und Nationaltänze in Originalkostümen von den Zöglingen dieser Anstalt produziert werden. Kranzablösungsspende zu Gunsten der Chewra-Kadischa im XVIII. Bezirk. Anläßlich des Ablebens des sel. Franz Kämpf: Von: Vorsteher S. L a n d a u K. 20. Jüdische Toynbee-Halle. Vortragsordnung: Sonntag, 26. Februar. Professor Dr. Adolf Weiß: „Die alexandrinischen Juden und die Gegenwart." Montag, 27. Februar Lleä. Dr. I. Lederer: „Erkältung und Abhärtung." Dienstag, 28. Februar. Jur. Simonowicz: „Moralphilosophische Fragen." Mittwoch, 1. März: Diskussion. Donnerstag, 2. März: Dr. Siegmund Werner: „300 Jahre Don Quixote." Freitag,3.März: Bibelerklärung. Samstag, 4. März: Konzert. Sonntag, 5. März: Professor Dr W. Jerusalem: „Der Ursprung der Sprache". Baden. (Verlobung.) Fräulein Gisela Schäfer, Tochter des Herrn Kantor Jakob Schäfer, hat sich mit Herrn G 6 za Breiner, in Firma Weiser & Breiner in Wien, verlobt. Gablonz a. N. (V e r l o b u n g.) Fräulein Karoline R a u s n i tz, Tochter des Herrn Jakob R a u s n i tz, Kultusbeamter in Gablonz, hat sich mit Herrn Jakob Krainer, Kantor in Krems a. D., verlobt. Franzensbad. Am 19. Februar fand im Hotel Adler in Franzensbad die Trauung des Frl. Frida Kupfer, Tochter des Herrn Kommerzienrates Eduard K u p f e r aus Weiden, mit Herrn ui cd. Dr. Hugo Löwy aus Karlsbad statt. Die Trauung vollzog Se. Ehrwürden Herr Dr. Ziegler aus Karlsbad. Prag. Vor Wochenfrist feierte in Ober-Cerekwe der verdiente langjährige Vorsteher-Stellvertreter der Kultusgemeindc, Adolf Roubieek, fürstl. Hohenzollern'scher Domänenpächter in Oberdorf, sein 70. Geburtsfest. Aus diesem Anlasse veranstaltete der Vorstand einen Festgottesdienst, bei welchem der Rabbiner eine Ansprache an den Jubilar richtete. Koftel. Herr Rabbiner Dr. C. D u s ch i n s k y hat hier sein neues Amt am 14. d. angetreten, wurde in äußerst herzlicher Weise empfangen und feierlich in sein neues Amt eingeführt. Krakau. Die hiesige jüdische Gemeinde ist von einem schweren Verlust betroffen worden durch das Hinscheiden des Präsidenten Herrn Dr. Leo H o r o w i tz, Gemeinderates und Ritters des Franz Josef-Ordens. Der Heimgegangene stand Jahrzehnte hindurch im Dienste der Oeffentlichkeit und hat sich um die Sache des Judentums und des Fortschrittes in Krakau hohe Verdienste erworben. Ueber das Leichenbegängnis werden wir noch berichten. Sadska, 21. Februar. Hier starb allgemein betrauert Herr Heinrich Schwarzkopf, Direktor der hiesigen Zuckerfabrik und deren ausgedehnter Oekonvmien, Mitglied der Bezirksvertretung, mehrerer Gemeindevertretungen und vieler wohltätiger Vereine. Der Verewigte war eine in hiesiger Gegend bei Jud und Christ allgemein verehrte Persönlichkeit, denn wer Rat und Hilfe brauchte, wandte sich an ihn und in der Regel nicht vergebens. Seiner Wirksamkeit war es zu verdanken, daß der Antisemitismus in hiesiger Gegend nicht so schädlich auftreten konnte.