Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 8 (24.2.1905)
- Date
- 1905-02-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 122 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 8 m isr i I ■* r k p’- :r‘> T t: 1stellt, durch Seelen licht- und Gedenkblätter-Stiftungen, so richten wir doch an alle Glaubens- und Gesinnungsgenossen die dringende Bitte, des „Frauenhvrt" zu gedenken bei allen Anlässen, bei Leid und Freud, ihm Mitglieder zu werben, ihn an den Feiertagen bei Tempelspenden nicht zu vergessen und so diesem eminent wohltätigen Verein die Möglichkeit zu bieten, auch ferner und vielleicht in noch reicherem Maße der notleidenden jüdischen Wiener Frau beizuspringen. Wir knüpfen hier den Wunsch an, mit diesen Zeilen dem Vereine, der so still und so fern von der lärmenden Oeffentlichkeit sein trostreiches Wirken ausübt, einen kleinen Nutzen zu bringen. Die Generalversammlung des israelitischen Tempel- und Schulvereines VI., Stumpergasse 4?, hat unter Vorsitz des Herrn Moritz Felsenburg am 29. Jänner d. I stattgefunden. Der als Vertreter der löblichen Kultusgemeinde delegierte Herr Dr. Alfred Berger hat sein Fernbleiben wegen Unwohlsein telegraphisch entschuldigt. Als Vertreter der Bezirkskommission für die Bezirke Mariahilf- Neubau erschien Herr Josef Sonnenschein und wurde vom Vorsitzenden begrüßt. Vor Uebergang zur Tagesordnung hielt der Vorsitzende der dahingeschiedenen Frau Regine Fleischer, gewesenen Gattin des Kultusvorstehers und k. k. Baorates Max Fleischer, der während einer Reihe von Jahren als Vertreter der löblichen Kultusgemeinde an unseren Generalversammlungen teilnahm, einen tiefempfundenen, von den Anwesenden stehend angehörten Nachruf. Die Generalversammlung beschloß, Herrn Fleischer das Beileid namens des Vereines zum Ausdruck zu bringen. Im Laufe der sehr anregenden Debatte anläßlich der Erledigung der Tagesordnung bat Herr Josef Sonnensä ein einigemale das Wort ergriffen, hiebei sein lebhaftes Interesse für die Entwicklung unserer Talmud-Thora-Schule bekundet und verlieh der Versicherung Ausdruck, daß er maßgebenden Ortes sein diesbezügliches Referat erstatten wird. Bei der vorgenoninienen Ergänzungswahl wurden Herr Leopold Für st, Herr Heinr. Münzer, Herr Em. M. Weiß wieder- und Herr Sam. Braun nengewählt. Die konstituierende Sitzung des Vorstandes hat am 15. d. M. stattgefunden und wurden Herr Moritz F e l s e n b u r g als Präsident, Herr Leop Für st als Vize-Präsident, Herr Heinr. Z e l l s ch a m als Schriftführer, Herr Em. M. Weiß als Kassier wieder- und Herr Sam. Braun als Kontrollor nengewählt. Allgemeiner Kranken- und Unterftützungsverein „Monlefiore". Witwen- und Waisenfondverein „Montefiore". Ersterer Verein hielt am 30. v. M. unter dem Vorsitze des Obmannes Herrn Josef P o l l a k seine 23. ordentliche Generalversammlung ab; dem Berichte des Vorsitzenden war zu entnehmen, daß dieser humane Verein im abgelaufenen Jahre eine ersprießliche Tätigkeit entfaltete und sich bedeutend vergrößerte. Mit Rücksicht auf die ausgezeichneten Finanzen des Vereines beschloß die Generalversammlung, für das Jahr l905 die Beitrittsgebühr herabzusetzeu und für beitretende Söhne von Mitgliedern auf K 4.— zu ermäßigen. Nach dem Berichte der Revisoren, welche die rationelle Verwaltung des Vorstandes besonders hervorhoben, wurde diesem einstimmig das Absolutorium erteilt. Bei den hierauf vorgenommenen Neuwahlen wurden die statutenmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder Herren Ignaz Beckmann, Edm. H a u p t, Jg. A Wasservogel, Leop. Weinwurm wlederund Herr Js. Werner neugewählt; als Ersatzmänner wurden die Herren Leop. Blaß und Ad. M a r m o r e k, als Revisoren die Herren S. L ö w i n g e r und Leop. Winter gewählt. Auf Grund dieser Wahlen konstituierte sich der Vorstand folgendermaßen: Die Herren Josef Pol l ak, Obmann; Leop. Weinwurm, Obmann-Stellvertreter; Edm. Hofmann, Schriftführer; Jakob Weiß, Kaffier; Elias Weiß, Kontrollor; Jg. Beckmann, M. Bondi, Edm. Haupt, W. Klepner, Em. Taub, Jg. A. Wasservogel und Js. Werner, Vorstandsmitglieder. Der Witwenfondverein „M o n t e f i o r e" hielt am 1. d. M. feine XI. ordentliche Generalversammlung ab; der vom Obmann Herrn Edm. Hofmann erstattete Bericht wurde von den Versammelten beifällig ausgenommen und dem Vorstande mit Rücksicht auf die vom Kontrollor gemachten Mitteilungen über die ausgezeichnete Geschäftsführung einstimmig das Absolutorium erteilt. Die statutenmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder Herren: Jos. Pollak, Ed. Weiß und Jak. Weiß wurden mit großer Majorität wiedergewählt; auf Grund der Neuwahlen und der statutarischen Delegierung konstituierte sich der Vorstand folgend: die Herren: Jos. Pollak, Obmann; Le p Weinwurm, Obmann-Stellvertreter; . Edm. Haupt, Schriftführer; Jakob Weiß, Kassier; Elias Weiß, Kontrollor; Wrlh. Klepner, Em. Taub, Jg. A. Wasservogel und Js. Werner, Vorstandsmitalieder. Ein Kohlenhändler ans dem „Christlichen Wegweiser". Der Verein „Christliche Familie" gibt einen „Christlichen Wegweiser" heraus, der eine Liste besonders empfehlenswerter Geschäftsleute enthält. In dieser Liste befindet sich auch der in Wien, Windmühlgasse Nr. 26 etablierte Kohlenhändler Robert Herzer. Dieser wackere Mann scheint nun eine recht sonderbar anmutende Auffassung vom Christentum zu haben. Unlängst war er wegen Betruges angeklagt, weil ihm in zwei Fällen nachgewiesen worden ist, daß er seine Kunden beim Gewicht betrügt. Mit Herzer zugleich war auch dessen Bediensteter Fabian der Mitschuld an dem Schwindel angeklagt. Auch auf einen zweiten Bediensteten namens Lorenz Hansal, der als Zeuge erschien, wurde im Verlaufe der Verhandlung die Anklage ausgedehnt. Herzer war schon vor einigen Jahren wegen betrügerischer Gewichtsverkürzung angeklagt gewesen. Damals dankte er es nur der auffällig günstigen Zeugenaussage des Angeklagten Hansal, der schon damals bei Herzer bedienstet war, daß er frcigesprochen wurde. — Diesmal war die Anklage gegen den Kohlenhändler Herzer auf Grund der Anzeige einer Frau erhoben worden. Als dann ein Marktamtsorgan in dem Geschäfte des Herzer eine Revision vornahm und das Gewicht einer Butte Kohle überprüfen wollte, schüttete sie der Angeklagte geschwind aus. Natürlich leugneten die Angeklagten alle. Herzer wurde zu einer Woche Arrest, zwei seiner Bediensteten, deren Mitschuld an den betrügerischen Handlungen des Herzer sich im Laufe der Verhandlung ergab, wurden zu sechs, resp. fünf Tagen Arrest verurteilt. — Kauft nicht bei Juden! schreien bei jeder Gelegenheit die christlich-sozialen Lebens- und Gebrauchsmittelgauner. Mehr begaunert kann wohl das „christliche Volk" kaum vom raffiniertesten Juden werden, als von so manchem „christlichen Krämer", das beweist zur Genüge der vorliegende Fall. Baden. (Rabbiner-Jubiläum.) Am 19. d. feierte Se. Ehrwürden Rabbiner W. R e i ch das 25jährige Jubiläumsfest als Seelsorger der israelitischen Kultusgemeinde Baden. Ueber die vom Kultusvorstand aus diesem Anlasse veranstaltete Feier wird uns gemeldet: Um 5 Uhr abends geleitete der Gesamtvorftand den Jubilar vom Kanzteigebäude in den hellerleuchteten und mit Pflanzen dekorierten Tempel, in dessen Vorhalle ein Baldachin aufgerichtet war. Hierselbst, von vielen hervorragenden Gästen erwartet, wurde er von einem Schulknaben mit einem Gedichte begrüßt, der ihm zum Schluffe ein Blumenbouquet überreichte. Nach einer kurzen Erwiderung betrat der Rabbiner den bis auf das letzte Plätzchen besetzten Tempel, worauf Herr Oberkantor M. Seifert das „Llu-towu" mit Chorbegleitung anstimmte. Kaum war der Gesang verhallt, betrat der ehrwürdige Jubilar die Kanzel und fesselte in einer halbstündigen Festrede die Zuhörer, unter welchen die Bezirkshauptmannschnft, das Bezirksgericht, das Platzkommando, die Stadtgemeinde, wie sämtliche Schulinstitutioncn vertreten waren. Nach Verrichtung des Kaisergebetes bei offener Bmldeslade erfolgte das Minchagebet. Den Schluß des Festes bildete die Absingung der Volkshymne durch den Tempelchor. Nach Beendigung der Tempelfeier ward der Jubilar in den Sitzungssaal geleitet, wo ihm der Kultusvorfteher Herr Moriz L e i t n e r nach einer an ihn gerichteten Ansprache eine höchst geschmackvoll ausgeführte Adresse überreichte. Herr Anton Schneider richtete im Namen der Chewra-Kadischa eine Ansprache an den Rabbiner und feierte ihn zugleich als Anreger des in der hiesigen Kultusgemeinde segensreich wirkenden Frauenvereines. Mit Absingung des 111. Psalms durch Oberkantor Seifert schloß die schöne und erhebende Feier. Telegraphisch, bezw. schriftlich gratulierten: Se. Exzellenz Statthalter Graf Kielmansegg, k. k. Statthaltereirat Freiherr von Lasser; k. k. Bezirkshauptmann Baron Egger, Baden; Baron Günzburg, Petersburg; Baronin Charlotte Königswarter, David Ritter von Gutmann, Hofrat R. Ritter von Hahn, Abgeordneter Hofrat Prof. Marchet, k. k. Gymnasium, Baden; Bürgermeister, Baden; Bürgermeister Vöslau, Israelitische Allianz, Oesterreichisch-