Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 8 (24.2.1905)
- Date
- 1905-02-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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■Jir. 8 Dr. Blocb’ö Mocvenscdntt. Seite 121 Das Ansuchen des Bethausvereines „Emunas Awes" um Beitragsleistung zur Bestellung eines Dajon wird abgelehnt; desgleichen das Ansuchen des Bethausvereines „Adaß Jeschurun" um Subvention. Nach Erledigung von Stiftungs-Angelegenheiten und Personalien wird die Sitzung geschlossen. An Spenden sind eingelaufen: Von Frau Marguerite von Leon anläßlich des Ablebens ihres Gatten, des Herrn Paul Ritter von Leon, zur Verteilung an jüdische Arme ..K 1000.— Von Herrn Josef Singer anläßlich des Hinscheidens seines Kindes Fritz zur Verteilung an Arme israel. Konfession.K 500.—- Als Ergebnis der vom Wohltütigkeitsamte der Kultusgemeinde veranstalteten Kollekte für ein schwachsinniges und gelähmtes Kind in der Stefanie-Stiftung in Biedermannsdorf.K 350.— Von Frau Fanny Kann für das israelitische Blindeninstitut .K 100.— für die Versorgungsanstalt . . . „ 50.— K 150.— Von Herrn Rabbiner Dr. Adolf S ch m i e d l für die Talmud-Thoraschule, II. Malzgasse . K 10.— für die Brigittenauer Schulküche . „ 10.— K 20.— Von Herrn Dr. Arnold Rapaport Edlen von Porada eine goldgestickte Kanzeldecke aus blauem Samt und eine gleichartig ausgestattete Kappe für den Gebrauch im Stadttempel zum Andenken an seine verstorbene Gattin, Frau Laura Rapaport Edle von Porada. Die Wiener Schächthetze. In der letzten Sitzung des Stadtrates berichtete Stadtrat Dr. Krenn über die Abschaffung des Schächtens der Schlachttiere. Nach einem Referate, in welchem unter anderem eine Schlachtung ohne vorausgehende Betäubung des Schlachttieres vom Referenten als eine höchst tierquälerische Maßregel bezeichnet und darauf hingewiesen wurde, daß in anderen Ländern, zum Beispiel in der Schweiz, Sachsen u. s. w., ein Verbot dieser Schlachtart schon längere Zeit besteht, gelangte der Berichterstatter zu folgendem Anträge: Es seien sämtliche in den städtischen Schlachthäusern zur Tötung kommenden Schlachttiere, bevor ihnen das Blut entzogen wird, durch Stirnschlag vollständig zu betäuben. Der Antrag wurde einstimmig zum Beschlüsse erhoben. Es wird die Aufgabe des Wiener israelitifchea Kultusvorstandes sein, gegen diesen Beschluß, welcher die stnatsgrundgesetzlich gewährleistete Gewissensfreiheit bedroht, an maßgebender Stelle zu protestieren. Wien. (Vorlesungvom Herrn Direktor Adolf W e i s s e.) Donnerstag den 16. Februar fand im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, die vom Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde veranstaltete Vorlesung des Herrn Adolf W e i s s e, Direktor des Deutschen Volkstheaters, statt. Der Saal und die Galerien waren dicht gedrängt, Hunderte und Hunderte fanden keinen Einlaß mehr. Auch Vorstandsmitglieder und Gemeindefunktionäre waren unter denen, die unverrichteter Dinge abziehen mußten. Unter den Anwesenden bemerkte man den Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern, die Vorstandsmitglieder Baurat Fleischer, kaiserl. Rat Sachs und Fabrikanten Gottlieb T a u s s i g, Rabbiner Dr. G r u n w a l d u. s. w. Nach einer kurzen Einleitung brachte der Vortragende von dem berühmten Jargondichter Morris R o s e n f e l d einige Proben zur Verlesung. So die Gedichte „An der Nähmaschine", „Der jüdische Mai", in der Uebersetzung von Berthold F e i w e l. Das Gedicht „Mein Jüngele", im Jargon vorgelcsen, entfesselte nicht endenwollende Beifallsstürme. Von S. Frug kamen zwei Gedichte zur Verlesung. Das Poöm „Aber die Sterne?" und „Die Auswanderer". Von Prosastücken las der Vortragende das wehmütige „Fasten" von P e r e z und den humoristischen „Streik der Schnorrer" von M. Spector. Jede einzelne Piece entfesselte Stürme des Beifalles. Es war in der Tat eine dankenswerte Aufgabe, Proben der interessanten Jargonliteratur weiteren Kreisen des gebildeten Wiener Publikums zugänglich zu machen. Indessen brachte der Abend noch andere interessante Literaturgenüsse. So ein Gedicht „Kaddifch" von Josephine Gräfin zu Leiningen- Westerburg und eine Erzählung „Drei Rächte", welche die feinste Kunst einer Seelenmalerei geschaffen und die innerste Stimmung eines Abgefallenen in den Stunden einer Lebenskrise zeichnet. Der Vortrag übte eine mächtige Wirkung. Endlich kamen aus den „Gedichten" von M. Stengel (I. P i e rs o n's Verlag, Dresden 1905) „Das Blnmenmärchen" iS. 101), „Selichoth" (S. 126) und „Jerusalem" lS. 117) zum Vortrag und fanden zahlreichen Beifall. Verein „Frauenhort". Am 29. Jänner fand die Generalversammlung des Vereines „Frauenhort" im Zeremonienfaale des Tempels im IX. Bezirk unter ganz ungewöhnlich reger Beteiligung statt. Unter den Anwesenden bemerkte man fast sämtliche Präsidentinnen der übrigen Frauenvereine mit Frau Baronin Charlotte Königswarter an der Spitze. Ferner sah man Herrn David Ritter von Gutmann, die Kultusvorstände Salo Cohn und Baurat Ritter von Goldschmidt, die Gemeinderäte Dr. von Dorn und Zifferer, Bezirksrat Hiller, ferner Dr. Glogau und Herrn Julius Kopstein als Vertreter des Tempelvereines des IX. Bezirkes, ferner Herrn Rabbiner Dr. Gelbhaus und viele Andere mehr. Frau Rosa Zifferer begrüßte als Präsidentin die Versammlung, entwarf ein kurzes Bild der Tätigkeit des Vereines und machte das Geständnis eines entstandenen, beträchtlichen Defiziten, was bei der größten geübten Sparsamkeit nicht wundernehmcn kann bei der steigenden Verarmung unter den Glaubensgenossen und bei dem stets wachsenden Ruf, dessen sich der Verein unter den Hilfsbedürftigen erfreut, so daß sich die Gesuche stets mehren und an die Recherchetätigkeit der Vereinsdamen die größten Anforderungen gestellt werden. Nachdem die Versammlung per Akklamation die Wahl des Herrn David Ritter von Gutmann zum Ehrenmitgliede und eine Statutenänderung genehmigt hatte, wurden die vier nach den Vereinssatzungen aus dem Vorstand scheidenden Vorstandsdamen (darunter die hochverdiente 1. Vizepräsidentin Frau Regine Kopstein) einstimmig wiedergewählt. Als schönsten Erfolg der Versammlung überbrachten die Herren Salo Cohn und Baurat von Goldschmidt den Dank der Kultusgemeinde für die alle Erwartungen übertreffenden Leistungen des Vereines unter der glänzenden Leitung der Präsidentin Frau Zifferer, durch welche die Kultusgemeinde eine wesentliche Entlastung ihrer Armenpflegepflichten zu verzeichnen habe. Gleichzeitig übergab Herr Salo Cohn die Spende von 2000 K eines ungenannt sein wollenden Wohltäters zur Deckung des Defizites. Nachdem nun noch Herr Julius Kvpstein im Namen des Tempelvereines im IX. Bezirk und Herr Gemeinderat Zifferer namens der Bezirksleitung des IX. Bezirkes dem „Frauenhort" für sein Wirken gedankt hatten, legte Herr Zifferer dem Vereine nahe, sich besonders auch der armen verlassenen jüdischen Kinder anzunehmen und bei seiner Recherchetätigkeit entsprechende Pflegehäuser für dieselben ausfindig zu machen. Dem von Herrn Dr. Glogau als Delegierten des Tempelvereines verlesenen Jahresberichte entnehmen wir, daß der Verein heuer K 46.115 ausgeben mußte, gegen K 39.639 im Vorjahre: ist doch die Zahl der Unterstützten von 1197 auf 1254 gestiegen und nimmt die Zahl der Pensionäre, die heuer mit K 2832 gegen K 1470 im Vorjahre unterstützt wurden, sowie die Zahl der Osterunterstützungen der zu bekleidenden Schulkinder und der mit Kohlen zu Bereitenden immer mehr zu. Besonders aber mehrte sich die Anzahl der Arbeiterinnen, die in dem „Frauenhort" und seinen Arbeiterinnen-Erholungskolonien die letzte Rettung vor physischem und moralischem Untergang suchen. Es gereicht dem wohltätigen Sinn unserer Glaubensgenossen nicht völlig zur Ehre, daß von den Hunderten von Anmeldungen nur 41 kranke jüdische Frauen und Mädchen in die Erholungsstätten versendet werden konnten! Weist auch der Jahresbericht eine sehr, sehr stattliche Anzahl von Spenden an Geld und Material auf, hat auch die Pietät sich in zahlreichen Fällen in den Dienst der guten Sache ge-