Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-02-24 · 8 (24.2.1905) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
8 (24.2.1905)
Date
1905-02-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021602-3021611--14302-3039003
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 120 Dr. Dlocb s Mocvenscvrm. 3ir. 8 .13 pbtaa rrriSünö '8N3V3N ■P >PNL PN331 SS“! TBK D^SGSI .sbins 'S rasa “K sisis s SN3S s Aber auch an Protesten gegen diese Akkommodation der altorientalischen Weltanschauung fehlte es in den talmudischen Kreisen nicht. Rabbi Jochanan, so heißt es daselbst, spricht, Israel darf an keine Gestirnherrschaft glauben, denn Rabbi Jochanan lehrte, woher weiß man, daß Israel nicht unter der Macht des Schicksals steht? Es steht geschrieben: So spricht der Ewige, die Weise der Völker sollt Ihr nicht lernen und vor den Zeichen am Himmel sollt Ihr nicht zittern, mögen die Völker vor ihnen erbeben. ba-wb bis |*wp pa prTP-iiMr vrvs'b bis ps ioik pnv ‘3"i ibidem. .->3 lpsbn bs c'iin “p"l bs “ISS N3 *K3» Einen hervorragenden Faktor im alten Orient bildete die Zauberei. Sie beherrschte alle Schichten der Gesellschaft. Groß und Klein, Jung und Alt war von ihr beeinflußt. Man dachte sich die Erde von Dämonen erfüllt, welche über das Wohl und Wehe der Menschen eine Gewalt haben. Die Gestirne waren die Machthaber der Schicksale im Großen. Sie entschieden über das Geschick der Länder, der Städte, der Könige, der Fürsten, auch über das Leben der niedrigen Individuen im allgemeinen Umfange. Die Dämonen hingegen beeinflußten das Dasein der Menschen im Einzelnen bis in die minutiösesten Fälle. Sie waren mannigfacher Art; ebenso war der Grad ihrer Macht verschieden. Im Großen und Ganzen waren sie böser Natur. Sie brachten Unglück, Schaden und Verderben. Die Namen, die sie in den astyrisch-babylonischen Texten führen, sind: Otuku, Schedu, Alu, Gallu, Lilu, Lilitu. Ihr Hauptname ist Schedu. Sie lauern an verborgenen oder entlegenen Plätzen, in Friedhöfen, in Gräbern, Ruinen, auf Bergeshöhen und in der Wildnis, im Schatten großer Bäume, im Dickicht des Waldes, in Morästen und Pfützen. Ihre Hauptwirksamkeit entfalten sie in der Nacht, in der Finsternis und am Tage an Orten von undurchdringlichem Dunkel. Still und ohne Geräusch wandeln sie einher. Lautlos wie Schlangen schleichen sie durch Ritze, Löcher und Spalten. Größtenteils sind sie unsichtbar und wenn sie erscheinen, so nehmen sie die Gestalten von Ottern, Schakalen, Löwen und Leoparden an. Ihren bösen Einwirkungen schreibt man Krankheiten, verheerende Seuchen, Pest, Fieber der Sümpfe, Sturm und Wirbelwind zu. Sie stehen mit düsteren Menschen, mit wüsten ausgestoßenen Männern und Frauen in Verbindung, welche ihre Befehle nach genau vorgeschriebenen Normen vollführen. Diese sind Hexen und Hexenmeister, die dafür von ihnen belohnt werden. Gegen die böse Gewalt der Dämonen und ihren Adepten gibt es aber ein Mittel, sich zuschützen, das ist die Zauberei, assyrisch ascheptu, dem das biblische entspricht. Durch Beschwörung, die im Namen eines Gottes ausgeübt wird, kann das Unglück abgewehrt werden. Es gab ein sehr großes ausgebildetes Beschwörungsritual, welches in eigens hiefür errichteten Schulen erlernt wurde. Diejenigen, welche dieses Zeremoniell, assyrisch scheptu ausübten, waren Zauberpriester (biblisch s-srrs). Die folgenden babylonischen keilschriftlichen Texte geben von dem Zauberwesen ein anschauliches Bild. (Siehe Morris Jastrow jun. „Die Religion Babyloniens und Assyriens.") Assyrisch-babylonisches Zauber-Beschwörungsritua l.*) I. „Sieben sind sie, sie sind sieben, In der unterirdischen Tiefe, sieben sind sie, Sich niederlassend (?) im Himmel, sieben sind sie. In einem Abteil der unterirdischen Tiefe wurden sie aufgezogen, Sie sind weder männlich noch weiblich, Sie sind vernichtende Wirbelwinde, Sie haben kein Weib genommen und erzeugen kein Kind. Mitleid und Erbarmen kennen sie nicht. Auf Bergen ausgewachsene Rosse sind sie, *) Die Uebersetzung ist von Morris Jastrow jun. Feindlich dem Ea') sind sie. Machtvoll unter den Göttern sind sie. Unheil auf dem Wege zu erregen, stellen sie sich auf der Landstraße auf, Böse sind sie, sie sind böse, Sieben sind sie, sie sind sieben und nochmals sieben sind sie." II „ . . . sie bedecken die Erde wie Gras. Nach den vier Windrichtungen streuen sie Schrecken aus wie Feuer glühend. Sie bringen Krankheit über die Menschheit, in Bedrängnis ihre Leiber. Ueber Stadt und Land bringen sie Leid, Kroß und Klein verursachen sie Pein. Gatten und Gattin zermalmen sie, sie mit Weh erfüllend. Im Himmel und auf Erden entfalten sie Wut gleich einem Negenstnrme ein Netz ausspannend?) Mit lautem Geschrei zu dem Orte stürzend, wo der göttliche Zorn wohnt."-') III. „Sie haben allerlei Zauberkünste geübt, Mich wie mit Seilen zu fesseln, Mich wie in einen Käfig zu sperren, Mich wie mit Stricken zu binden, Wie in einem Netze mich zu überwältigen, Wie mit einer Schlinge mich zu umschlingen, Wie ein Machwerk mich zu zerreißen, Mich mit schmutzigen Wasser zu füllen, wie es von einer Blauer berabfließt (?) Mich wie eine Mauer niederznreißen." An dieser Stelle nimmt nun der Beschwörer den Faden auf und erklärt: „Ich aber auf Befehl Marduks, des Herrn der Zaubersprüche, Durch Marduk, den Herrn der Beschwörungskunst: Den Hexenmeister und die Hexe, Wie mit Seilen werde ich sie fesseln, Wie in einem Käfig werde ich sie sperren, Wie mit Stricken werde ich sie binden, Wie in einem Netze werde ich sie überwältigen, Wie mit einer Schlinge werde ich sie umschlingen, Wie ein Machwerk werde ich sie zerreißen, Mit schmutzigem Wasser wie von einer Mauer werde ich sie fülle», Wie eine Mauer werde ich sie niederreißen." Diese Zauberformel, so wird auf's Entschiedenste eingeschärft, muß leise und im Flüstertöne gesprochen werden. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. Israelitische Kultusgemeinde Wien. In der am 19. Februar 1905 unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern stattgehabten Plenarsitzung des Kultusvorstandes wurde nach eingehender Debatte die Anstellung einer Oberin für die Siechenabteilung der israelitischen Versorgungsanstalt beschlossen. Bei diesem Anlasse kam auch die seit mehreren Jahren geplante Errichtung einer Schule für jüdische Pflegerinnen zur Sprache, worüber sich eine längere Debatte entwickelte. An derselben beteiligten sich die Herren Doktor Rappaport, Salo Cohn, von Goldschmidt, Professor Dr. Ehr mann, Stiaßny, Auspitz, Kauders, Doktor Steiner, Dr. Stein und Dr. Schnabl. Ueber Antrag des Vorstehers Marmorek wird das Vertreter-Kollegium ersucht, in einer der nächsten Plenarsitzungen über den Stand der Angelegenheit Bericht zu erstatten, eventuell Anträge zu stellen. In derselben Sitzung wurde eine Ergänzung des Statutes des Spitals und der Versorgungsanstalt dahingehend beschlossen, daß im Falle einer später bekannt werdenden Zahlungsfähigkeit von in diesen Anstalten unentgeltlich verpflegten Personen der Kultusgemeinde das Recht zusteht, von denselben oder aus deren Nachlasse oder auf irgend eine andere Weise den Ersatz der Verpflegskosten zu beanspruchen. ') Der Gott der Menschheit. Die Worte sollen bedeuten, die Geister seien der Menschheit Feind. 2) Um die Menschen darin zu fangen wie Marduk der Tiamat gegenübertritt. ') Der sich gegen die richtet, welche die Götter beleidigt haben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.