Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 8 (24.2.1905)
- Date
- 1905-02-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 8 Dr. Bloch's WochrnschriN. Seite 115 Juden finde ich nichts Näheres, * nicht einmal den Namen angegeben. Dagegen wird ausführlich berichtet, welche Mühe man sich gab, um den Salomon Siciliano, der am 13. März 1580 hingerichtet werden sollte, zur Taufe zu bewegen. Zuerst wurde einigen seiner Glaubensgenossen, welche ihn sprechen wollten, der Zutritt nicht gestattet. Als sie eine schriftliche Erlaubnis des Richters vorzeigten, eilten einige von der Bruderschaft zum Stadthanptmann und erwirkten den Befehl, die Juden fortzujagen, was auch geschah. Nun begann der Judenmissionär Meister Andreas, unterstützt von zwei anderen Geistlichen, den hartnäckigen Salomon zu bearbeiten, bis er endlich erklärte, er wolle sich taufen lassen, nur möge man ihm drei Tage Zeit lassen. Man eilte mit der frohen Botschaft zum Stadthauptmann (Governatore), damit er den Aufschub der Hinrichtung bewillige. Der aber wollte sich in keiner Weise dazu verstehen, selbst nicht, als ihn der Kardinal Sirleto darum bitten ließ. Der Jude, sagte er, wolle sie nur foppen, er habe schon zweimal unter diesem Vorwände Aufschub erlangt und dann im letzten Moment sich anders besonnen. Wolle er wirklich Christ werden, so könne er es heute so gut wie in drei Tagen tun. Mit dieser Antwort kamen die Boten zurück und begannen aufs Neue den Juden zu bearbeiten, er möge sich nur taufen lassen und das Weitere der hohen Obrigkeit überlassen. Salomon traute ihnen aber nicht und sagte, da man ihm nicht die drei Tage bewilligte, wolle er lieber als Jude sterben. So wurde er denn zur Richtstätte am Judenplatz geführt, während seine frommen Begleiter ihm vergebens zu überzeugen suchten, daß er als Jude sterbend unfehlbar in die Hölle fahren werde. Als er schon am Galgen stand, gelang es noch zwei Juden, sich an ihn heranzudrängeu, mit ihm zu reden und, wie das Protokoll sagt, „ihre Zeremonien zu verrichten, was uns eben so sehr verwunderte als kränkte." Dann waltete der Henker seines Amtes. Am 18. Februar 1583 sollten wieder vier Opfer der Inquisition zum Tode vorbereitet werden, drei christliche Ketzer und der Portugiese Gabriel Enriquez, der „ruchloser Weise wieder zum Judentum zurückgekehrt war und jüdische Zeremonien und abergläubische Gebräuche beobachtete." Trotz alles Ermahnens und Zuredens von Theologen und Mitgliedern der Bruderschaft „verblieb er hartnäckig in seinem Irrglauben", wurde zum Campo di fiore geführt und dort den, Feuer übergeben. Dagegen schienen die Bemühungen der Bekehrer bei dem zum Tode verurteilten Juden Servadio einigen Erfolg zu versprechen. „Er rezitierte das Credo, anerkannte die Dreifaltigkeit und küßte ein Heiligenbild, „aber man merkte, daß alles nur Täuschung war, um sein Leben zu verlängern." Er wurde am 25. Juni 1600 zum Judenplatz geführt und dort gehenkt. „Den Strick haben wir, so wie die andern, aufbewahrt." (?) Ein großer Apparat wurde am 22. Januar 1616 zur Bekehrung des Jacobo di Elia aus San Lorenzo in Bewegung gesetzt. Es kamen die Mitglieder der Bruderschaft mit ihrem Kaplan, dann, im Aufträge des Papstes, der Judenmissionär aus dem Dominikanerorden und zwei andere Geistliche im Aufträge des Stadthauptmanns kurz vor Mitternacht ins Gefängnis. Freundlich lud man den Verurteilten ein, in die Kapelle zu kommen, wo ein Feuerchen ihn erwärmen werde. Deß weigerte er sich entschieden. Hatte er instinktive Furcht vor dem Feuer oder wollte der Jude die christliche Kapelle nicht betreten? So wurde denn ein großer Feuertopf in die Halle gebracht, damit es ihn nicht friere. Dagegen wurde seine Bitte, man möge drei Juden zu ihm kommen lassen, damit er nach jüdischer Weise beichten könne, abgeschlagen. Nun knieten die Bekehrer nieder und riefen Gottes Hilfe an, während auch Jakob sein Gebet verrichtete. Dann begann die religiöse Disputation, wobei der Jude „in allen Punkten widerlegt und überzeugt wurde, aber trotzdem teuflisch hartnäckig" bei seinem Glauben blieb. Die ganze Nacht wechselten die Bekehrer ab, während die einen in der Kapelle beteten, disputierten die andern mit dem Juden. Aber ohne Erfolg. Am andern Morgen wurde er unter stillem Gebet zum Galgen geführt und ausgehenkt. Am ausführlichsten werden die letzten Augenblicke des am 10. März 1640 verbrannten Portugiesen Fernando, Sohn des Johann Alvarez, geschildert. Im Jahre l 564 von christlichen Ellern, das heißt wohl getauften Juden, geboren, scheint er erst im reiferen Alter zum Judentum zurückgekehrt zu sein. Das büßte er mit sechsjähriger Haft im Kerker der Jnqisition zu Coimbra. Von dort noch ziemlich glimpflich davongekommen, ging er nach Italien, wo er wieder in die Fänge der Inquisition geriet. Er verbrachte in deren Kerkern wieder vier Jahre in Pisa und zwei in Rom, wo endlich der Sechsundsiebzigjährige zum Tode verurteilt wurde. Nun begann man die Bekehrungsarbeit an ihm, zu welchem Behufe ein portugiesischer Geistlicher zu ihm gebracht wurde, da er sich nur dieser Sprache bediente. Der Geistliche ermahnte ihn vor allem, den Tod als Buße auf sich zu nehmen und durch eine umfassende Beichte — er hatte schon sechs Jahre nicht gebeichtet — sich wieder den Stand der kindlichen Unschuld zu erringen. Da Fernando einwilligte, wurde er mit dem Geistlichen in der Kapelle allein gelassen. Dort verbrachten die beiden mehrere Stunden, die Ungeduld der Mitglieder der Bruderschaft erregend. Jedesmal wenn sie nachfragten, erfuhren sie, daß der Verurteilte die Beichte unterbrochen habe, um auf- und abschreitend nachzudeuken. Als die Leute ungeduldig wurden und in ihn drangen, die Beichte doch zu beenden, gab er keine Antwort oder bat, man möge ihn in Ruhe lassen. Auch weigerte er sich, den Namen Jesus auszusprechen, ein Kreuz zu schlagen oder ein Heiligenbild anzusehen. Nun wurde ein zweiter Geistlicher geholt, der ihn spanisch anredete, aber gar keine Antwort erhielt. So trat denn nach Tagesanbruch als dritter Bekehrer der Henker in Tätigkeit Er legte dem Greise einen Strick um den Hals und zog so liebevoll an, daß der Patient beinahe erstickte. Vom Stricke befreit, mußte er mit Essig und Wein gelabt werden, bis er sich wieder erholte; aber reden wollte er noch immer nicht. Erst als ein Abgesandter des Stadthauptmannes erschien, sagte er diesem, man habe ihm versprochen, ihm das Leben zu schenken und nun sehe er, daß er getäuscht worden sei. Auf Weiteres wollte er sich, trotz dringenden Zuredens, nicht einlassen. Nun holte man wieder den Henker, der ihn entkleidete und mit einer brennenden Fackel in die Seite stieß, so daß der alte Manu laut schrie, während der portugiesische Beichtvater ihn freundlichst aufmerksam machte, daß das Feuer der Hölle ihn noch mehr brennen würde. Fernando wußte darauf nichts zu antworten. Da wurden wieder zwei portugiesische Franziskaner geholt, mit denen er wohl einiges sprach, aber sobald die Rede auf religiöse Dinge kam, war er wieder stumm. Endlich kam gegen elf Uhr vormittags im Aufträge des Kardinals Barberino ein Jesuit, und der zeigte einige Menschlichkeit, indem er vor allem dem seit fünfzehn Stunden Geplagten etwas Backwerk und ein Glas Wein reichen ließ. Dann schloß er sich mit ihm in der Kapelle ein und erhielt von ihm nach langer Unterredung die Erklärung, daß er als Jude sterben wolle. Die Verhandlungen nahmen aber damit noch kein Ende, da noch andere Geistliche und Beauftragte des Stadthauptmannes sich einmischten. Erst Nachmittag wurde dem Verurteilten bestimmt erklärt, daß er sterben müsse, worauf er ohne zu antworten mutvoll den Weg zur Richtstätte autrat. Dort erklärte er auf Verlangen eines Gerichtsbeamten laut vor dem Notar und zwei Zeugen, daß er als Jude sterben wolle. Er wurde darauf an einen auf einem Gerüst stehenden Pfahl gebunden, um lebend verbrannt zu werden. Nun tat der alte Jude den Zuschauern einen Possen an. Während der