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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-02-17 · 7 (17.2.1905) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
– (sequence 15)
Language
German
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’Jir. 7 Dr. Dlocd's MocvenscbrM. Seite 111 Die Geschichte hat sich wirklich zugetragen und sie ist der Veröffentlichung und dauernden Erinnerung wert. Gouverneur Fürst Swiatopolk-Mirski bereiste kurz vor seiner Ernennung zum Minister eine Stadt seines Gouvernements. Er wurde festlich von den Bewohnern empfangen. Auch den Juden gönnte man eine Stelle unter den Ortsbürgern. An deren Spitze stand der Rabbi, eine imponierende hohe Gestalt, in seinem Ornate. Sein Haupt zierte ein sorgsam schön gepflegter langer Vollbart. Der Rabbi sollte dem Gouverneur nach Landessitte Brod und Salz reichen. Neben dem Rabbi stand der Vorstand der Judengemeinde, echt patriarchalische Gestalten, mit den geschmückten Thorarollen. Die Gruppe erregte die Aufmerksamkeit des Gouverneurs. Er ließ seinen Wagen halten, nahm Brod und Salz und würdigte die Juden leutselig mit freundlichen Worten. Der Rabbi erfaßte den günstigen Moment, schilderte das Elend seiner Glaubensgenossen und bat herzinnig dringlich um Erleichterung. — Die Tränen rollten dem alten Mann vom Barte herunter und die trauernden Augen seiner Genossen bahnten sich den Weg der Teilnahme ins Herz des Gewaltigen. Der Gouverneur versprach huldvoll seine Unterstützung zur Linderung der Lage der unglücklichen Gemeinde. Bald nachher wurde Fürst Mirski nach Petersburg als Minister berufen. Er wurde zur Hoftafel geladen. Der Zar saß an der Spitze derselben und es kam in der Unterhaltung die Rede auf das Thema Bart. Man pries in allen Tonarten die Zierde des Mannes. Der Zar tragt ja auch einen Bellbart. Ta sagte Fürst Mirski: „Majestät! Ich habe aus meiner Inspektionsreise in einerkleinen Stadt einen alten Mann gesehen, der trug einen Bart, so schön, so würdevoll, als ich noch nie gesehen." Darauf geruhte Se. Majestät zu sagen: „Könnte ich nicht auch den Mann sehen'?" Ein geäußerter Wunsch des Kaisers ist eine Ordre. Und Fürst Mirski telegraphierte dem Polizeinreister nach dem Städtchen den Befehl: Den Rabbi nach Petersburg zu schicken, wo er dem Hofmeister Seiner Majestät ausgeliefert werden soll. Nach russischer Gepflogenheit wird der Rabbiner von einem Picket Gendarmen ausgehoben, wie er gerade sich befand, man läßt ihm nicht Zeit, sich reisefertig zu machen, sich mit etwas Geld zu versehen, das im heiligen Rußland gar so nötig für einen Gefangenen ist. In aller Eile wird er in die Zitadelle eingeliefert und in eine Zelle des Gefängnisses gesteckt. Man kann sich den Seelenzustand des armen Mannes vorftellen. Ohne einer Schuld sich bewußt, ohne Kleider, ohne Mittel, gar keinen Komfort, in dem Schmutze eines russischen Gefängnisses zu sitzen und alles so plötzlich. — So verbrachte der Rabbi zwei verzweifluugsvolle Wochen, bis die Zahl der Gefangenen sich lohnte, einen ganzen Trupp nach der nächsten Etappe zu schicken. — Dort wird der Rabbi mit anderen Gefangenen wieder in eine Zelle gesteckt. Und so von Etappe zu Etappe. Nach sechs traurigen Wochen endlich ist er in St. Petersburg. Da er nur von Brod und Wasser lebte und nur in der unreinen Atmosphäre russischer Gefängnisse atmete, so war der Anblick des armen Menschen jämmerlich. Und in diesem Zustande wurde er dem Hofmeister Sr. Majestät eingeliefert. Der Hofmeister fand unter den Papieren eine Ordre vom Gouverneur Mirski, den Rabbiner Seiner Majestät vorzustellen. Wie durste er den verkümmerten, schmutzigen Juden in solchem elenden Zustande vorstellen? Er befahl kurz seinem Unterbeaniten, den Juden zu baden, zu rasieren, hofmäßig neu zu kleiden. Der Befehl wurde ausgeführt. Der Jude wurde zur Audienz kommandiert. Als die Reihe an den Rabbi kam, las der diensttuende Adjutant: Der Jude Moselski empfohlen zur Ansicht Seiner Majestät wegen des schönen Bartes. Seine Majestät: Der Jude hat ja gar keinen Bart. T a b l e a u x. Fürst Mirski wollte dem Rabbi Gelegenheit schaffen, dem Zaren selbst sein Bittgesuch vorzutragen. Das war feine Absicht. Und auf diese und ähnliche Weise werden wahrscheinlich alle Bemühungen, das Los der Unterdrückten zu bessern, vereitelt. Neue Bücher. Unsere Hoffnung. Monatsschrift für die reifere jüdische Jugend. Redaktion und Administration: Wien, 111/2, Untere Viaduktgasse 25. . I. Jahrgang. Heft Nr. 1—2, Jänner- Februar 1905. Inhalt: I. Lin: Perez Smolenskv (zu feinem 20. Todestage). I. L. Gordvn: Den Manen SmolenSkys. M. B e r k o w i e z : Smvlensky und sein „Hafchachar". P. Smolenskv: Jom-Kippur. A. Z. S.: Zur Erziehungsfrage, Rundschau, Korrespondenzen. Briefkasten. M. F. in T. Wir können ans derlei Wünsche nicht eingehen. Die Berichte müssen in möglichster Kürze abgefaßt werden. K. Es ist getuij? ein drolliger Streich des Geschickes, welcher den berüchtigten Antisemiten Max R^gis sich dermaßen in eine Jüdin verlieben lieft, daß er sie beiraten will. Tie junge Dame ist eine Tochter des ersten Sekretärs des Generalgonvernenrs von Algier. Es mag schon sein, daß Herrn Max Regis noch andere Motive leiten. Aber die junge Dame beliebt darauf, daß die Trauung iu der — Synagoge stattfinde. Auch daß der Vorname des Fräuleins Sarah ist, ist eine Tücke des Schicksals, Man siebt, der kleine Galt hat viel Sinn für Humor. Auch unseren Antisemiten hat Amor schon manchen argen Streich gespielt, wenn auch noch keinen so launigen. Ein Haupt Judenfresser, wie Max Ragis einer war, in der Synagoge mit einer Sarah getraut werden, das ist der Gipfel des Humors. E. St. in Linz. An der Bahre des verstorbenen Hofrates von G r ii n e b a u m hielt Herr Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n u dem Verblichenen den Nachruf. I. S Im österreichischen Abgeordnetenhause sitzen Dr. Emil B y k, Dr. K o l i s ch e r, Dr. Arnold R a p o p o r t von P o r a d o, Dr. S e i n f e l d, F. Singer, Dr. S t r a u ch e r, Dr. O f n e r» Dr. Licht. „Zionist". Der Roman: „Das neue Jerusalem" ist eine antisemitische Tendenzschrist. „Teilnehmer". Tie Verdienste des Herrn Emil Jelinek als Initiator der Snlzerfeier vom 22. März v I zu würdigen, wird sich noch Gelegenheit ergeben. Notiz. Kundmachung. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre der N i e d e rö st e r r e i ch i s ch e n E s k o m p t e-G e s e l l s ch a f t werden biemil zu der am Samstag den 4. März d. I. um 6 Uhr abends, im Gebäude der Gesellschaft, I. Freiung Nr. 8, slallfindenden 52. ordentlichen Generalversammlung eingeladen, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen werden: l. Vortrag des Rechenschafts- Berichtes des Verwaltungsrates und Vorlage des Bilanz-Ab'chluffes pro 1N-.4. 2. Berichterstattung des Revisions-Ausschusses über den Rechnungsabschluß des Jahres 1904. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reinerlrägnisses des Jahres 1904. 4. Antrag des Verwaltungsrates auf Abänderung der Statuten. (Insbesondere der 88 2 •—45.) 5. Wahl von Mitgliedern des Verwaltungsrates. *->. Wahl von vier Mitgliedern in den Revisions-Ausschuß zur Prüfung der Rechiiungsabichlüsse des Jahres 1905. (8 40 der Statuten.) Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche als solche drei Monate vor dem Zusammentritte der Versanimlung in den Akttenbiichern der Gesellschaft eingetragen waren und an der Generalversammlung teilzunehmen beabsichtigen, werden hicmit eingeladni, ihre Aktien vom 9. Februar l. I. angefangen bis längstens 18. Februar, 4 Uhr nachmittags, bei der Liquidalnr der Niederösterreichischen Eskompte-Gesellschaft zu erlegen. Die Aktien sind aritbinelisch geordnet, mittclsc einer einfachen Konsignation einznreichen und wird dein Einreicher hierüber eine Empfangsbestätigung erfolgt, gegen wllche nach abgehattener General-Versammlung die . ktien rückgestelll werden. Je 10 Aktien geben das Recht ans eine Stimme. Wünscht ein Akttonär sein Stimmrecht durch einen anderen stimmberechtigten Aktionär auszuüben, so hat er die betreffende, auf den Namen des gewählten Vertreters lautende Vollmacht auf der Rückseite der Legitimationskarte auszustellen. Der Verwaltung^ at. Zur gefälligen Beachtung! Wir ersuchen diejenigen unsererAbonnenten, welche noch mit der Abonnementsgebiihr im Rückstände sind, die zur Einhebung derselben von uns versendeten Postauf träge gefälligst honorieren zu wollen. Die Administration.

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