Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 7 (17.2.1905)
- Date
- 1905-02-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 110 Dr Wtocbs Mocvenscbrttt. Rr. 7 Wie«. Sonntag den 12. Februar l. I. fand im Vereinslokale des Bethauses Marpe Lanefesch, II., Glockengasse 4, eine Generalversammlung des Humanitären Vereines _ „Tifcres Bachurim" statt. Herr I. R o s n e r, welcher wegen Abwesenheit des Obmannes den Vorsitz führte, begrüßte die Generalversammlung und gedachte des Heimganges des Herrn Wolf Weiß, welcher mit Aufopferung seiner Zeit und Kräfte für das Gedeihen des Vereines sorgte. Der Schriftführer Herr Philipp Friedman n berichtete über die Wirksamkeit im letzten Vereinsjahre und appellierte an die anwesenden Herren, jeder sein Möglichstes zu tun, um Mitglieder und Spenden für den Verein zu schaffen. Bei der Wahl wurden mit Akklamation gewählt: die Herren Rudolf Lunzer, Obmann; W. M o r g e n st e r n, Obmann-Stellvertreter; I. R o s n e r. Kassier; I. G e l b, Kassier- Stellvertreter; Philipp F r i e d m a n n, Schriftführer, und Gabor D u cke s, Schriftführer-Stellvertreter. Wien (Ottakring). In der am Montag den 6. Februar 1^05 stattgefundenen sechsten ordentlichen Generalversammlung des „Vereines zur Ausspeisung armer israel. Schulkinder des XVI. und XVII. Bezirkes wurden folgende Herren für das Jahr 190.ö in die Vereinsleitnng gewählt: Leopold Trebitsch zum Obmann, Bernard Mandelbaum zum Obmann-Stellvenreter, K a h a n e Benno zum Kassier, Schickte r Sigmund zum I. Schriftführer, K o h n Sigmund zum II Schriftführer, Fischer Adolf, Schoßberger Hermann zu Revisoren. A u s p i tz Moriz, Bader Adolf, B r a n d l Samuel, Fischer Samuel, Dr Julius Hauser, Dr. Hermann Modern, Mandel Wilhelm, Weiß Leopold als Ausschußmitglieder. In derselben Generalversammlung wurden Rabbiner Herr Dr. I. M. B a ch, Herr Moriz Edler von Kuffner und Frau Rosalie Modern in Anerkennung der besonderen Verdienste um den Verein zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der Verein, der täglich 91 Kinder ausspeist und seit 6 Jahren im Bezirke wahrhaft segensreich wirkt, verdient allenthalben unterstützt zu werden, da leider groß die Zahl der darbenden jüdischen Kinder in unserem Bezirke ist und zu gering die Mittel, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Baden« (Feier des Rabbinatsjubiläums.) Sonntag den 19. Februar, abends 5 Uhr, findet in der Synagoge, Grabengasse 14, die Feier der israelitischen Kultusgemeinde aus Anlaß des 25-jährigen Amtsjubiläums Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Wilhelm Reich statt. Nikolsburg. Herr Jakob Spitzer, Prokurist der Weingroß-^ Handlungs-Firma „Telischcr und Glaltauer", wurde vom k k. Bezirksgerichte in Nikoleburg zum S a ch v e r st ä n d i g e n im Rechnungsfache bestellt und beeidet. Kaiserlicher Rat Bernhard v. Schütz. Tiefe und aufrichtige Teilnahme erregt in der Tarnopoler Judenheit das Hinscheiden des Herrn kais. Rates Bernhard v. Schütz, Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde in Tarnopol, Gemeinderat und Assessor, Direktor der Sparkassa, Mitglied des Bezirksausschusses, Zensor der Filiale der Oesierreichischungarischen Bank, Abgeordneter der Handels- und Gewerbekammer in Brody rc. rc., welcher am 4. Februar nach schwerem Leiden im 69. Lebensjahre gestorben ist. Die jüdische Gemeinde verliert an dem Heimgegangenen einen seiner würdigsten Repräsentanten, dessen Fleiß und hingebungsvolle Pflichterfüllung im humanitären Wirken allgemein anerkannt wurde. Der Verblichene war ein Vorbild der Pflichttreue und hat sich ein unvergeßliches Andenken erworben. Das imposante Leichenbegängnis fand am 6. d. M. ünter zahlreicher Beteiligung aller Stände statt; sämtliche Kaufläden waren geschlossen und die alte Stadt- Synagoge, sowie auch zahlreiche Privathäuser waren mit schwarzen Fahnen behängen. Seine Ehrwürden Herr Oberrabbiner Simon Babad hielt dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf, in welchem er die Tugenden desselben würdigte. U. K. Klagenfnrt. Dienstag den 14. Februar l. I. um halb 1 Uhr nachmittags findet ini Restaurant U l l m a n n in Gloggnitz die Trauung des Fräulein Irene Stößl, Tochter des Herrn Max Stößl, mit Herrn David Fleischmann statt. Tirnau. Die jüngst hier verstorbene Frau Hermine Steiner testierte der inaelitischen Kultnsgemeinde in Tirnou ein Legat von 4000 Kronen.— Anläßlich der Konfirmation seines Sohnes Viktor, welche Samstag den I I. d. M hier stattfand, spendete Herr Alfred A b e l e s, Lckörfabrikant, der Knltuegemeinde einen namhaften Betrag für wohltätige Zwecke. Budapest. Der über die Grenzen Ungarns hinaus bekannte Professor der Musik Adolf G r ü n z w e i g ist im 76. Lebensjahr gestorben. Grünzweig war während eines halben Jahrhunderts Chordirigent der Arader israelitischen Kultusgemeinde. 1829 in Vag-Szereda geboren, zeigte er schon früh Neigung zur Musik. Als junger Mann kam er nach Wien, wo er an Seite Sulzer's und unter Leitung Naumburg's und Lewandowski's wirkte. Grünzweig's religiöse Lieder werden in den Synagogen der ganzen Welt gesungen. Als die Arader Kultusgemeinde 1896 das Millennium feierte, komponierte er zu diesem Zweck einen Psalm. Vor einigen Jahren feierte er sein fünfzigjähriges Jubiläum, bei welcher Gelegenheit ihm zahlreiche Ovationen bereitet wurden. Hakberftadt. Da weite Kreise sich für Verbesserungen in den Vorbereitungen zum Schächten interessieren, so dürfte es für die Rabbiner und Gemeindeverwaltungen, ebenso für die Schächter selbst von Wichtigkeit sein, zu erfahren, daß vor etwa zehn Tagen hier im städtischen Schlachthause der Lege- und Fesselapparat von S. Goldberg in Herford versuchsweise in Gegenwart des Erfinders angewendet wurde. Das Resultat war glänzend. Innerhalb zwei bis drei Minuten, nachdem ein Tier das Schlachthaus betreten hat, war der Apparat angelegt, das Tier sanft niedergelassen und der Schächtschnitt vollzogen. Schnelligkeit, Handhabung und Wirkung lassen nichts zu wünschen übrig. In Verbindung mit dem hier seit Jahren eingeführten Kopfhalter dürfte das Verfahren eine so wesentliche Verbesserung erfahren haben, daß böswillige Entstellungen unserer Gegner verstummen sollten. Rabbiner und Vorstand werden gerne bereit sein, jede Auskunft zu geben. Paris. Am Sabbathausgange, 21. Jänner, hat in der Synagoge rus äe la victoire die Versammlung des Vereines zur Kolonisation Palästinas stattgefunden, welche von dem Präsidenten Herrn Rabbiner Weißkopf eröffnet wurde. Der Sekretär Herr Prague teilt mit, daß die Zeit gekommen sei, die Arbeit mit verstärkter Kraft wieder aufzunehmen. Dann sprach der Grvßrabbiner von Frankreich Zadok Kahn. Auch er ermahnte zu eifriger Tätigkeit und teilte mit, daß die „Jewish Col. Ass." der Kolonie „Mozeh" in Palästina 20.000 Franks zugewendet habe. Möge die Versammlung eine neue Aera eifriger gesegneter Tätigkeit eröffnen. Leeds. Herr Dr. Samuel Daiches, der mehrjährigen Studien am Rabbiner-Seminar zu Berlin oblegen hat, ist einstimmig zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Sunderland gewählt worden. Rom. Herr Dr. Bernhard Dessau, Privatdozent an der Universität in Bologna, ist zum ordentlichen Professor der Physik an der Universität in Perugia ernannt worden. Herr Professor Dessau ist ein Sohn des verewigten Direktors der israelitischen Bürgerschule in Fürth und ein Bruder des Herrn Professor Dr. Hermann Dessau in Berlin. Johannesburg. Bei den kürzlich hier stattgefundenen Munizipalwahlen wurden unter 12 zu wählenden städtischen Vertretern unsere beiden Glaubensgenossen die Herren Harry Graumann und Rich. Goldmann neu gewählt und damit die Zahl der an der städtischen Verwaltung Johannesburgs teilnehmenden Juden auf drei erhöht. Bisher befand sich in der Munizipal-Verwaltung unter 30 Mitgliedern nur i Jude, Herr Max Langermann. — Auch in Krügersdorp wurde bei den Munizipalwahlen unser Glaubensgenosse Josef Seehof wieder gewählt. _ Feuilleton. Dev Kart des Kaddr. Unser New-Aorker Mitarbeiter schreibt uns vom 2. Februar: „Die heutigen Morgenblätter bringen eine Kabelmeldung, daß der russische Minister Swi atop o lk-Mi rski als Minister des Innern zurückgetreten ist. Diese Neuigkeit brachte mir eine tragikomische Episode in Erinnerung, die ich von einem russischen Anstreicher letzten Herbst erfahren. Der Anstreicher ist ein kinderloser Ehemann, verdient reichlich Geld und schickt Unterstützungen seinen und seines Weibes Verwandten in Rußland. Auf die letzte Rösch Uaschonoh-Unterstützung bekam er einen im Jargon geschriebenen Dankesbrief und anfügend die Geschichte: „Der Bart des Rabbi". Mich hat diese Begebenheit wehmütig gestimmt.