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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-02-17 · 7 (17.2.1905) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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i I li| Mi 11 III iMIII Mi II i Sette 106 Dr. Dlocb's Mwcbenscbrlkt. Nr. 7 repräsentanz und der Repräsentanz der Pester israelitischen Kultnsgemeinde an. beteiligte sich an der Leitung mehrerer Finanzinstitute und entfaltete bis vor wenigen Jahren eine rege jonrnalisiisckie Tätigkeit. Ein Mann von seltener Rührigkeit und überquellendem Temperament, war er der geborene Agitator; sein Interesse für alle öffentlichen Angelegenheiten, sein rastloser Eifer, seine nicht gewöhnliche Beredtsamkeit. die mit dem gebrechlichen Körper gepaarte Energie und Zähigkeit und seine unzähligemale betätigte Herzensgute schufen dem einstigen Lehrer eine Position, die wohl als einzig dastehend bezeichnet werden kann Nebst der kommunalen Wirksamkeit nahm ihn die konfessionelle am meisten in Anspruch; schon in den Sechziger-Jahren nahm er an der Emanzipationsbewegung hervorragenden Anteil; in den Beratungen der Gemeinderepräsentanz fehlte er niemals, die humanitären Institutionen seiner Glaubcnsaenoffen waren ihm ans Herz gewachsen, und um die Schaffung und Erhaltung der so ersprießlich wirkenden israelitischen ungarischen literarischen Gesellschaft hat er sich große Verdienste erworben. Anerkennung und Auszeichnungen suchte er nicht; anläßlich seines 6'0. Geburtstages verlieh ihm Se. Majestät das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens. Teurer wurde in Nagybajom (Komitat Somogy) am 11. April 1816 geboren. Er absolvierte das Unter-Gymnasium in Keßthely. die oberen Klaffen in Budapest. Als im Jahre 1861 das nationale Leben wiedererwachte, war Teurer einer der begeFlertsten Vorkämpfer der ungarischen Sache und propagierte besonders im Kreise der jüdischen Jugend den nationalen Gedanken. Auf dem jüdischen Kongresse im Jahre 1868/1869 vertrat Teurer den Keßthclyer Bezirk; er schloß sich von Anbeginn der Fortschrittspartei an. Während der Dauer des Kongresses gab er ein Album heraus, welches die Bilder und Biographien der Kongreßmitglieder enthielt. Die Pester israelitische Kultnsgemcinde wählte ihn in ihren Ausschuß und in dieser Körperschaft entfaltete er,.wie schon erwähnt, eine raülose Tätigkeit. In den Siebziger-Jahren übernahm er die Redaktion des von Sigmund Brody gegründeten „Politischen Volksblatt"; 1876 schuf er sich im „Neuen Politischen Volksblatt" ein eigenes Organ. Achtzehn Jahre lang redigierte er dieses Blatt, dann übergab er es jüngeren Kräften, um sich öffentlichen Angelegenheiten zu widmen. Als Mitglied des hauptstädtischen Verwaltnugsansschnsses übte er Einfluß auf den ordentlichen Gang der Verwaltung. Ehemals mußten arme Eltern, wenn sie ihre Kinder in der Volksschule unentgeltlich unterbringen wollten, sich Armutszeugnisse verschaffen. Teurer setzte es durch, daß der Volksschulunterricht heute nahezu unentgeltlich ist, denn von den60.000Kindern, welche die Kommnnal-Volksschulen besuchen, zahlen kaum zehn Perzent Schulgeld. Er war ein treuer Anhänger der Deak-Partei und später der liberalen Partei. Er beteiligte sich auch am volkswirtschaftlichen Leben Unter imposanter Teilnahme wurde Teurer rur ewigen Ruhe bestattet Zur Leichenfeier waren u. A. erschienen: Ob rbüraermeistcr Markus, Bürgermeister Halmos, die Vizebürgermeister Ma'tuska und Rozsavölgyi, der Präsident der israelitischen Knltusgemeinde, Magnatenhausmitglied Sigmund Kohner, die Hofräte Bertbold Weiß und Jose! Hüvös, die Reichstagsabgeoroneten Dr. Max ^alk, Dr. Wilhelni Vazsonyi. Josef Veßi, Wilhelm Sümcgi und Geza Gajari, der Präsident der Chewra-Kadischa Jakob Boschan, Privatdozent Dr. Adols Onodi, ferner das Beamtmkorps der Chewra-Kadischa, eine Deputation der orthodoxen israelitischen Knltusgemeinde, der Zionverein. Dir Trauerzeremonie vollzog Oberrabbincr Samuel Kohn, der in eine: tiefempfundenen Rede die großen Verdienste des Verstorbenen auf den Gebiete des öffentlichen Lebens hervorhob. Der Gesangschor trug untei Leitung des Oberkantors Prof. Lazarus Trauerchöre vor. Sodann widmete Stadtrepräsentant Johann Radocza dem Dahingeschiedenen einen warmen Nachruf, woraus der Sarg nach dem Kerepeser israelitischen Friedhof überführt und dort in einem von der Chewra-Kadischc verliehenen Ehrengrab beigesetzt wurde. Bischof und Rabbiner. Aus D i a k o v ä r schreibt man: Bischofs Dr. Strohmayer wurde gelegentlich seines 90. Geburtsfestes von seiner Diözese sowohl wie von der Bevölkerung und den Kulturinstituten Kroatiens gefeiert. Beim Empfang der Deputationen war auch die israelitische Gemeinde vertreten, die nach dem Klerus empfangen wurde. Rabbiner Dr. Roth beglücktvünschte den Kirchenfürsten im Namen einer Konfession, die die Ideale der Vaterlandsliebe hochhält. E' beglückwünschte ihn als den Mann, der an der Mehrung der Kulturgüter des Vaterlandes rastlos tätig war. Der Kirchenfürst dankte für die Glückwünsche der ältesten monotheistischen Glaubensgemeinde, die er stets hochschätzte wegen ihrer religiösen Ideale, die immer mehr Gemeingut der Menschheit tverden. In diesem Sinne erwiderte er dankend die hoffnungsvollen Glückwünsche des „lieben Rabbiners". Bei der Festtafel begrüßte der Bischof sreundlichst den Rabbiner, der zu seinen Tischgästen zählte. Das Verhältnis, das hier zwischen Bischof und Rabbiner besteht, trägt viel zum Frieden und Gedeihen der verschiedenen Konfessionen bei. Rosa Marie Lazarns. Ueber das Hinscheiden der Frau Rosa Marie Lazarus, der treuen Lebensgefährtin des Bankdirektors Herrn Moriz Lazarus wird uns geschrieben: Das Hinscheiden dieser edlen Frau, welcher man in allen Kreisen aufrichtige Verehrung entgegenbrachte, hat eine Lücke' gerissen, die immer tiefer empfunden wird. Die Verstorbene, eine vornehme Natur voll edelster Herzensregungen und innigster Gemütstiefe, verkörpertein erlesenster Gestalt jene jüdische Frau, welche den Stolz und den Ruhm Altisraels bildete. Sie gehörte zu jenen seltenen Frauen, deren Dasein zwischen aufopfernder Hingabe an die Pflichten der Familie und stiller, segenspendender Wirksamkeit zum Wohle ihrer Mitmenschen verfließt; zu jenen Frauen, von denen im Leben nicht gesprochen wird, deren Bild aber im Tode nur um so herrlicher hervortritt. Rosa Marie Lazarus war eine jener Lichtgestalten jüdischer Frauen, deren stiller, milder Glanz Alles übersonnet, was in ihren Kreis tritt, jener herrlichen Frauen, die immer seltener werden, die sterbend — — aussterben: Die „züchtige Hausfrau" des deutschen Dichters, das „Biederweib" König Salomos. Was es für einen Mann, der zeitlebens in den brandenden Wogen aufreibender Tätigkeit gestanden, bedeuten muß, wenn die Priesterin des Hauses, die Schöpferin des häuslichen Friedens von seiner Seite gerissen wird, ist kaum zu ermessen. Frau Rosa Marie Lazarns erfaßte und erfüllte die Pflichten der jüdischen Frau in wahrhaft antikem Sinne des Wortes. Sie hat Freud' und Leid erfahren, wie alle Sterblichen, aber sie scheuchte die Sorgen von der Stirne des geliebten Gatten, sie ebnete mit glättender Hand die Pfade ihrer Kinder. Wer das tiefste Wesen dieser Frau verstehen wollte,, mußte sich versenken in jenen altjüdischen Geist, der die hervorragenden Familien des galizischen Judentums auszcichnete und heute leider immer mehr im Schwinden begriffen ist. Mit Recht hat Rabbiner Dr. Caro in dem ergreifenden Nachrufe, den er der Dahingeschiedenen widmet, hervorgehoben, daß der jüdischen Frau die symbolische Pflicht obliegt, „die Lichter zu zünden", d. h. nicht nur in Wirklichkeit die Kerzen und Oellampen, sondern auch die Lichter des jüdischen Geistes, die Lichter der Gottesfurcht und Menschenliebe für alle Bewohner ihres Hauses, für alle Angehörigen der Familie. Und so hat auch tatsächlich Rosa Marie Lazarus das Licht jüdischen Geistes in ihren Kindern, das Licht jüdischer Milde und Mildtätigkeit in ihrem Gatten entzündet. Erbin des geistigen Wesens ihres Vaters Samuel Nathan I o l l e s, verpflanzte sie als gute Tochter, seinen Geist mit zarter Hand auf ihre Kinder und auf ihr ganzes Haus und wurde so die kluge uud maßvolle Lenkerin der gesamten Familie, welche die Stürmenden mäßigte, den Strebenden ein festes Ziel setzte. In dem engumhegten Frieden, den sie dem Gatten schuf, fand dieser Beruhigung nach den Aufregungen seines schweren Berufes und Kraft zu neuer schöpferischer Tätigkeit; die Leidenschaften -dämpfte sie und formte das glühende Verlangen nach Wissen und Mäßigung. Jawohl, sie war „Priesterin des Hauses" nach antiken Begriffen; in ihrer Nähe erstarb jedes unkeusche Wort. Das mag heute vielfach für unmodern gelten, aber es entspricht der Vorstellung hoher und edler Weiblichkeit. Es wäre zu wünschen, daß unser jüdisches Leben, geleitet von solchen Frauen, wieder zurückkehre zu seiner einstigen stillen und innerlich festen Art. Schlinim wäre es um das Judentum bestellt, wenn solche Apostel der Mäßigung, wie Rosa Marie Lazarus sie repräsentierte, aussterben würden. Das Jahr 1848 mit seinen leider nur zu rasch verflogenen Truggebilden, mit dem Wahne der Verbrüderung aller Nassen, Religionen und Stände hat eine tiefe, unheilvolle Bresche in das abgeschlossene jüdische Haus geschlagen. Die jüdische Hausfrau, die es verstand, mit dem Zauber ihrer züchtigen und sanften Persönlichkeit die Geister zu sammeln und die im Kampfe mit der Außenwelt verletzten Gemüter zu heilen, erschien in dieser trügerischen Zeit der allgemeinen Assimilation als überflüssig — die Decadence der jüdischen Familie begann. Wollte Gott, daß angesichts der traurigen Erfahrungen, die uns die Decadence-Geschichte zahlreicher, einst stolzer jüdischer

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