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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-02-17 · 7 (17.2.1905) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 7 Dr. Bloches Wochenschrift. Seite 107 Familien gebracht hat, die Renaissance des jüdischen Hauses wieder erfolge, daß unsere Jugend aus der Vergangenheit und Gegenwart lerne und daß aus ihr nach jenen lichtvollen Beispielen, deren eines R o s a M a r i e Lazarus war, die jüdische Hausmutter, das jüdische Biederweib, wieder erstehe! Das Wahlrecht der mährischen Judengemeinden. Am 31. Oktober 1902 wurde in Austerlitz die Wahl in den Straßenausschuß vollzogen. Die Bezirkshauptmannschaft Wischau reihte in die Wählerliste, und zwar in die Kurie der Städte, auch die Vertreter von Austerlitz-Judengemeinde ein. Die Statthalterei sowie das Ministerium des Innern verwarfen die gegen diese Zulassung erhobenen Rekurse. Gegen diese Erkenntnisse erhob Wilhelm Valnicek, Bürgermeister von Austerlitz, die Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshose, über welche kürzlich unter Vorsitz des Senatspräsidenten Doktor v. Haberer verhandelt wurde. Der Beschwerdeführer war durch Reichsratsabgeordneten Dr. Stransky (ein Convertit), das Ministerium des Innern durch Ministerialsekretär Dr. Baron Widmann, die Austerlitz-Judengemeinde durch ihren Bürgermeister Heinrich Flesch vertreten. Als Referent fungierte Hofrat Dr. Zenker. Der Verwaltungsgerichtshof gab der Beschwerde des Wilhelm Valnicek statt. In der Begründung heißt es, daß in dem zitierten 8 3 der Landtags-Wahlordnung von einer Judengemeinde Austerlitz keine Rede ist. In Konsequenz dieser Entscheidung dürften schon bei den nächsten Landtags- und Reichsratswahlen in Mähren die Judengemeinden, mit Ausnahme von Trebitsch, nicht selbständig wählen. Olrnütz. Im Laufe der vorigen Woche fanden die Ersatzwahlen für den Kultusausschuß statt. Eine regere Beteiligung machte sich nur im 111. Wahlkörper bemerkbar. Von einem Teile der Wähler desselben war eine demonstrative Agitation eingeleitet worden gegen die Wahl des bisherigen Kultuspräsidenten Herrn Dr. I. Eben, welcher sich in diesem Wahlkörper aufstellen ließ. Derselbe siegte mit einer Majorität von 4 Stimmen über den Gegenkandidaten Herrn Sigmund Zweig. Ferner wurden gewählt die Herren: Max Diamant, Karl Kaufmann, Josef Löw, Max Kaufmann (neu) Ed. Thaussig, Jgn. Zweig, Heinrich Jelliuek (neu) Dr. Rich. Steiner (neu und aus 2 Jahre); Richard Brieß (neu) Josef Groak, Friedrich Fischet, Julius Haas (neu), Leop. Brach und Sigm. Zweig (beide auf 2 Jahre). Möge ihre Wirksamkeit eine segensreiche für die Gemeinde und das Judentum werden! 0. Breslau. (Eine M i l l i o n e n - S t i f t u n g.) Gegenwärtig ist hier der Name des Vorstandsmitgliedes der jüdischen Gemeinde, Herrn Julius Schottländer, in dem Munde der ganzen Stadt. Anläßlich seines so Gott will am 22. März stattfindenden 70. Geburtstages hat nämlich Herr Schottländer eine Stiftung von 3 Millionen Mark gemacht, die dazu dienen soll, wohltätigen Anstalten, Gesellschaften und Vereinen des Stadt- und Landkreises Breslau und seines Heimatsvrtes Münsterberg — und zwar nicht nur jüdischen, sondern ohne Unterschied der Konfession — in ihrem weiteren Bestehen zu fördern. Es stehen dieser Stiftung jährlich Mark 120.000 zur Verfügung, von denen jedes Jahr Mark 12.000 zurückbehalten und 100 Jahre lang mit Zinsen und Zinseszinsen ausgesammelt und dann dem Kapital zur Vergrößerung desselben zugeführt werden. Die Verwaltung wird vorläufig von Herrn Schottländer und nach seinem Ableben von seiner Frau und von seinen Söhnen bezw. dem jedesmaligen Besitzer seines Rittergutes Hartlieb ausgeübt, sofern derselbe noch Jude ist. Die Ernennung von Kuratoren hat sich der Stifter Vorbehalten. Auch bei seiner Familienstistung hat Herr Schottländer es zur Bedingung gemacht, daß die Glieder seines Hauses sich nur dann des Zinsgenusses erfreuen, wenn sie noch dem Judentume angehören. Noch von einer weiteren Stiftung wurden wir dieser Tage überrascht. Frau Bertha Schottländer, frühere Inhaberin der bekannten Manufakturwaren-Großhandlung B. Werner, hat eine halbe Million Mark für humanitäre jüdische Zwecke gestiftet. Aphorismen über religiöse Toleranz. Im deutschen Reichstag hat am Samstag ein Redner folgende schöne Sätze über religiöse Freiheit gesprochen: Das Hoheitsrecht des Staates, in religiösen Dingen einzugreifen, ist rettungslos im Absterben, es gehört einer vergangenen Zeit an und es läßt sich in unserer modernen Zeit nicht ausrecht erhalten. . . . Früher, als noch der geschlossene Konfessionsstaat bestand, hieß es: Wessen Land, dessen Religion . . . Heute aber sind alle Staaten konfessionell mehr oder weniger gemischt, der heutige moderne Staat bekennt sich ausdrücklich als ^konfessionslos . . . Unter diesen Umständen darf er auch nicht das Recht für sich beanspruchen, zu Gunsten einer bestimmten konfessionellen Auffassung seine Machtmittel einzusetzen . . . Wir betrachten es als eine edle Pflicht einer jeden Religionspartei, sich für die Verbreitung ihrer Anschauungen lediglich aus ihre eigenen geistigen Kräfte, aus Ueberzeugung und Belehrung zu verlassen und alle materiellen Zwangsmittel dabei zu verschmähen .'. . Wir werden daher niemals verlangen, daß man im Interesse unserer eigenen religiösen Auffassung gegenüber Andersgläubigen mit staatlichen Zwangsmitteln vorgeht . . . Wir verlangen Achtung vor der religiösen Ueberzeugung Anderer. . . . Merkwürdig ist nur, daß, der diese Sätze sprach, der klerikale Abgeordnete Bachem ist. Man vergleiche damit, wie die Klerikalen in Oesterreich die Toleranz gegen Andersgläubige üben. Freilich, in Deutschland sind sie die Minderheit und verlangen die Toleranz für sich, in Oesterreich aber sind sie die herrschende Macht und haben es also nicht nötig, Toleranz zu heucheln. Bukarest. Laut Mitteilung des Ministeriums des Innern betrug die Zahl der aus Rumänien in den letzten 6 Jahren ausgewanderten Juden 41.704. Davon waren 13.154 Männer, 10.887 Frauen und 16.629. Kinder. Unter den 24.041 erwachsenen Personen waren 9288 erwerbstätig und von diesen wiederum 5489 Handwerker. Wir sind nicht in der Lage, die Eingaben der rumänischen Regierung über Geschlecht, Alter und Beruf der Auswanderer aus ihre Richtigkeit zu prüfen: zweifellos sind aber die Angaben über die Zahl der jüdischen Auswanderer ungenau, wahrscheinlich aber absichtlich geändert. Zufälligerweise veröffentlicht nämlich das amerikanische Finanzministerium seit 6 Jahren auch die genauen Angaben der Nationalität der Einwanderer. Aus diesen Angaben geht hervor, daß in dem erwähnten Zeitraum allein in die Bereinigten Staaten von Nordamerika nicht weniger als 35.892 rumänische Juden eingewandert sind. Dazu kommt noch die Auswanderung nach Kanada, Südafrika und England sowie nach dem europäischen Kontinent, die vermutlich ebensoviel betragen haben mußte. Es ist demnach sehr wahrscheinlich, daß nicht 41.754, sondern gegen 70.000 Juden in den letzten 6 Jahren Rumänien den Rücken gekehrt haben. Die in der Angabe der rumänischen Regierung fehlenden jüdischen Auswanderer haben Rumänien entweder ohne Pässe verlassen, oder die rumänischen Offiziösen haben zu schönfärberischen Zwecken wieder einmal die Statistik gefälscht. Odessa. Das „Warschauer Tageblatt" bringt unter dem Titel: „Die Heldentat eines Juden aus dem Kriegsschauplätze" folgende Episode: Der Soldat Hornstein wurde mit noch einigen Soldaten von den Japanern gefangen genommen; der Ort, wohin er gebracht wurde, war von strategischer Beziehung sehr wichtig; außerdem waren dort große Vorräte von Proviant und Munition vorhanden. Hornstein zeichnete im geheimen die Lage der Ortschaft wie auch alle befestigten Positionen des Feindes. Den elften Tag nach seiner Gefangenschaft gelang es ihm, in der Nacht zu entweichen. Die Japaner eilten ihm nach, schossen aus ihn, aber resnltatlos, Hornstein erreichte glücklich das russische Lager, und bat, daß man ihn sofort dem Oberkommandierenden vorstellen solle. General Kuropatkin. Nachdem er den Soldaten verhört und die ihm vorgelegte Zeichnung der Lage des Ortes durchsah, befahl er augenblicklich dem Sibirischen Regiment, einen Angriff zu machen; das Resultat desselben war, daß die

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