Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 7 (17.2.1905)
- Date
- 1905-02-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Str. 7 Dr. JBlocbs MocbenscbrM. Sette 105 stützungsfalles sofort bekanntgibt. Dltrch den Zentral-Armenkataster wird der Verband das Interesse und die werktätige Anteilnahme der Privatwohltäter erwecken und rege hatten, indem er ihnen über die Verhältnisse, über Dürftigkeit und Würdigkeit, sowie über bereits von anderen Seiten erteilte Unterstützungen der ihre Hilfe anrnfenden Armen detaillierte Auskünfte zu geben in der Lage ist. Gegebenen Falles werden diese Wohltäter dem Verbände Beträge zu Gunsten der von ihnen empfohlenen Armen zur Verfügung halten, bezw. überweisen. Es sei hervorgehoben, daß durch die Zentralisation, wie sie hier gedacht und projektiert ist, die Autonomie der einzelnen Institute nicht berührt wird. Die Beschränkung, welche jede verbandsangehörige Institution im allgemeinen Interesse sich auferlegt, bezieht sich im wesentlichen nur auf den Umfang die Art und Weise der Erhebungen. In ihrer finanziellen Gebahrung und in ihren Entschließungen bezüglich der Hilfeleistungen sind alle Institutionen vollkommen unabhängig. Es ist daher die vorgeschlagene Reform absolut keine Finanzfrage, sondern nur ein Mittel, die Armenpflege mit einem neuen Geiste zu erfüllen und sie auf eine zeitgemäße Grundlage zu stellen. Eine gemeinsame Verbandskasse für Unterstützungszwecke soll nicht gebildet werden. Die einzigen Ausgaben des Verbandes als solchen sind Regiekosten (Bureau, Drucksorten, Porto), welche von den verbandsangehörigen Institutionen auf Grund eines Aufteilungsschlüssel (Mitgliederzahl oder Jahres-Einnahmen) gedeckt werden. Außer dem inneren Werte der Reform sprechen auch die Erfahrungen, die anderwärts mit ähnlichen Einführungen gemacht worden sind, für dieselbe. Trotz größerer Leistungen und erhöhten Effektes sind die Ausgaben nicht gestiegen. Mag auch die Zentralisation nicht das Allheilmittel der Armenpflege sein, welches erst mit der Lösung der sozialen Frage gefunden werden wird, so ist sie doch ein Gebot des vorwärtsdrängenden Fortschrittes, eine Einrichtung, welche den Wohltätigkeits-Instituten, den Privatwohltätern und den wahrhaft Dürftigen gleichermaßen zum Besten gereicht. Der durch die Zentralisation ins Leben gerufene Verband wird den Brennpunkt bilden für alle aus die Förderung der jüdischen Armenpflege gerichteten Bestrebungen. Der Verband wird die berufene Instanz sein für den Austausch und die Verwertung der Erfahrungen, für neue Anregungen, für die Beratung von Verbesserungen und Neueinführungen. Alle, welche der Ueberzeugung sind, daß die Armenpflege, mag sie nun wie die konfessionelle als Ausfluß der Glaubenslehren werktätige Religionsübung, mag sie wie die freiwillige interkonfessionelle Betätigung altruistischer, sozialethischer Gefühle oder wie die öffentliche Armenpflege Anwendung gesetzlicher Normen sein, nicht nur mit Herz und Gemüt, sondern auch mit Verstand und Gerechtigkeitssinn geübt werden muß, alle, welche erkennen, daß die praktische Armenpflege lvie jede andere Verwaltung auf bestimmten, der ihr eigenen Oekonomie und Technik entsprechenden Regeln basieren muß, können nicht anders als für eine neue zeitgemäße Ordnung der jüdisch-konfessionellen Armenpflege im Sinne der Zentralisation sich aussprechen und entscheiden. Politisierende Studenten (Wegen Raummangel verspätet.) Das in Innsbruck erscheinende konservative Blatt, „Neue Tiroler Stimmen", brachte am Schluffe des verflossenen Monats eine Zuschrift, die auch für die Leser unseres Blattes von hohem Interesse ist. Es heißt dort u. a.: Wenn es den unreifen Jünglingen nicht bitterer Ernst wäre, mußte man die Versammlung der deutsch-freiheitlichen Studentenschaft, die nach dem Berichte der „Innsbrucker Nachrichten" einen „regen und interessanten Verlauf" nahm, als gelungenen Faschingsulk betrachten. Allerorten, zumeist an der Universität selbst,, klagt man, daß die Studenten zu viel kneipen und Allotria treiben, zu wenig Zeit aber für das Studium verwenden. Bei unseren freiheitlichen Studenten wird Letzteres bald ein ganz abgetaner Begriff sein, da ihr Hauptberuf die h o h e P o l i t i k ist. Kürzlich galt es der Vorbereitung zum nächsten alldeutschen H v ch s ch u l t a g in Wien, einer neuen Blüte der schönerianischen Jugendfürsorge. Beraten wurde über eine nur beschränkte Zulassung der Juden zum U n i v e r s i t ä t s st u d i u m und über die Beseitigung aller jüdischen Professoren, über die Notwendigkeit der Beseitigung der konfessionellen Verbindungen, über ein V e r b o t a l l e r nichtdeutschen Universitäten in Oesterreich, über die geforderte Feststellung der deutschen Sprache als Staatssprache, über die zu strenge Rigorosenordnuug, welche die akademische Freiheit unterbindet (Alle Prüfungen unterbinden diese!), sowie über eine Reform der Gymnasien. Die „Los von Rom"- Frage hat man als allgemein, bekannt und vielbesprochen gnädig von der Tagesordnung abgesetzt. Desgleichen die Forderung der Lostrennung der römisch-katholischen theologischen Fakultäten von den deutschen Hochschulen. Das war der reiche, hochpolitische Speisezettel des gewiß für die weitesten Kreise unseres Volkes interessanten Abends, dem die k. k. Universität als Ga st st ä t t e diente und Rektor und Dekan der juristischen Fakultät als Hausherrn anwohi'ten. Ob wohl sonst irgendwo in der Welt eine sich freiheitlich nennende Gesellschaft derart nach Knebelung jeder Freiheit rufen und die Mißachtung aller Rechte anderer fordern könnte, ohne sich unsterblich lächerlich zu machen? Ob wohl im hochgepriesenen Preußen, dessen Herrschaft diese Herrchen so gerne mit jener Habsburgs vertauschen möchten, eine derartige Versammlung unter der Patronanz der Universitätsbehörden möglich wäre? Es ist undenkbar. Hat doch der preußische Unterrichtsminister den sehr spärlichen, viel unschuldigeren Sympathiekundgebungen einzelner Hochschulen anläßlich der letzten Innsbrucker Vorgänge tüchtig heimgeleuchtet und auch die versuchte Agitation gegen die katholischen Verbindungen mit aller Schärfe im Keime erstickt. So geschah es in einem vorwiegend protestantischen Lande, wo man allerdings auf Zucht und Ordnung hält. Bei uns dagegen leisten Professoren der Verunglimpfung ihrer Kollegen, weil sie zufällig Juden sind, Assistenz und lassen es ruhig geschehen, daß der größte Teil der Studentenschaft, bloß weil er katholisch ist, als rechtlos erklärt wird. Die Angriffe auf eine ganze Fakultät weist der Rektor, wenn der Bericht richtig ist, nur deshalb zurück, weil es für die Angreifer nachteilige Folgen haben könnte! Die dumm-freche Ueberhebung der eingebildeten Alldeutschen und ihre Mißachtung jeder Freiheit, die nicht sie meinen, scheint keine Grenzen mehr zu kennen. Man wird wohl noch den Verlauf des Wiener Hochschultages abwarten müssen. Die Demolierung der Hochsynagoge «nd des israelitischen Rathauses in Prag. In der letzten Sitzung der Zentralkommission für Kunst- und historische Denkmale in Wien beschloß die Kommission auf Grund der Ausführungen des Referenten N e u w i r t h, sich nur dann mit der geplanten Demolierung des im Assanierungsrayon der Stadt Prag gelegenen Hauses Nr. 101, 5. Bezirk (H o ch s y n a g o g e), einverstanden zu erklären, wenn der angestrebte Zweck der Assanierung absolut durch kein anderes Mittel als durch Demolierung der Hochsynagoge oder der gegenüberliegenden, unter allen Umständen zu erhaltenden A l t- Neu-Synagoge zu erreichen wäre. Dagegen legt sie gegen den weiter beabsichtigten Abbruch des israelitischen Rathauses auf das Entschiedenste Verwahrung ein, da dasselbe für die Geschichte der Prager Judengemeinde ein hochwichtiger, architektonisch interessanter Bau von unbestreitbar malerischer Wirkung ist. Paul Teneer Eine der bekanntesten Gestalten der ungarischen Hauptstadt, ein eifriger Vorkämpfer der Freiheit und der Bolksaufklärung, ein unermüdlicher Förderer aller humanitären und kulturellen Bestrebungen, Paul T e n c e r, ist nach kurzem Krankenlager, 69 Jahre alt, an Herzlähmung gestorben. Es mag in Budapest kaum Jemand geben, der Pauli baesi nicht gekannt hätte. Er gehörte seit Jahrzehnten der Stadt-