Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 7 (17.2.1905)
- Date
- 1905-02-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 102 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 7 Lose der Menschen in günstige und ungünstige zerfallen. Für den Lebenslaus eines Königs oder eines gewöhnlichen Menschen, für die Ereignisse eines Volkes oder eines Reiches können auch die Wirkung und Gegenwirkung eines oder mehrerer Gestirne maßgebend sein. Es bildete sich eine Wissenschaft aus, welche den Umlauf der Gestirne zu ihrem Gegenstände machte, das war die Astronomie. Aber noch eine andere Disziplin kam auf, welche die Gesetze der Sterne und ihre Verfügungen zu ihrem Thema wählte, das war die Astrologie. Die Astrologen waren im Stande, vermöge der Lehren ihrer Wissenschaft das Schicksal der Länder und der Menschen voraus zu sagen, da sie dieselben nach mathematischen Formeln berechnen zu können Vorgaben. Wie sie aber die Zukunst vorhersagten, so konnten sie durch dieselben Regeln die Geschichte eines Einzelnen und ganzer Länder in der Vergangenheit nach dem Lauf der Gestirne bestimmen. (Siehe Hugo Winkler, Geschichte Israels. Das „System" S.275.l „Wenn in den Sternen stand", sagt Hugo Winkler mit Recht, „was geschehen mußte, so konnte man aus ihnen auch berechnen, was geschehen war". (Das. 277.) Diese Weltbetrachtung war in alter Zeit nicht nur im ganzen Orient herrschend, sie verpflanzte sich sogar später nach Griechenland und Rom. In ihrem ganzen Umfange ist sie verloren gegangen. Aber in assyrisch-babylonischen Keilinschriften sind die Hauptzüge derselben erhalten geblieben. Assyrien und Babylonien waren Weltreiche von überaus entwickelten Kulturen, welche ihren Einfluß auf alle Völker ausübten, die mit ihnen in Berührung kamen. Auch Israel, welches zur Machtsphäre dieser staatlichen und geistigen Großmächte gehörte, hat in mancher Hinsicht die Einwirkung desselben erfahren, hat aber den Hauptmomenten ihrer Weltbetrachtung seine Weltanschauung aufs Entschiedenste entgegengestellt. Nach den Regeln des altorientalischen Kalenders wurde ein seder der zwölf Jahresmonate einer bestimmten Gottheit zur Herrschaft anheimgcgeben. Rawlinson hat eine Liste der babylonischen Monate veröffentlicht, denen die Namen der sie beherrschenden Götter beigesetzt sind, die sich in folgender Weise darstellt: Nisan sa Anu u Dagan. Airu (Ja bil tinsiti) Ea, Herr der Menschheit; 81 van (sa 8m mar risti sa Bil) Sin. der regierende Sohn Bels Mond; Tamuz (sa kuradu Ninib) der regierende Ninib Sonne; Ab (sa Nin-giszi-da bil misari) =■= Nebo-Mercur; Elul (sa Istar bilit) Istar ist die Herrin Venus; Tisrit (sa Lamas kuradu) Krieger Lamas Mars; Marhesvan (sa abkal ilaui Marduk) Bevollmächtigter der Götter Marduk — Jupiter; Kislev (sa ur-sag-gal Nirgal) der Held Nergal Saturn; Tebet (sa Papuskal sukal Ani u Istar) Papuskal der Bote von Anu und Istar; Sabat (sa Ramman gugal sami u irsiti) Ramman der Gebieter von Himmel und Erde; Adar (sa Sibi ilani rabuti) bie große Siebengottheit; Yeadar (sa Assur abi ilani) / *sut Vater der Götter. (S. I V, R. 33.) Die Astrologie hat die Phasen der Gestirne bis in die kleinsten Einzelheiten der Deutung und Prophezeiung unterzogen. Eine große Reihe von assyrisch-babylonischen Sternorakeln ist erhalten. Sie rühren von amtlich angestellten Sterndeutern her, welche in konkreten Fällen nach den Regeln der Wissenschaft die Zukunft verkündet haben. Bei manchen Verkündigungen sind sogar die Namen der S t e r n p r o p h e t e n angegeben. Wir lassen hier eine Anzahl dieser Sterndeutungen oder Prophezeiungen der keilinschriftlichen Texte in deutscher Uebersetzung folgen: Zukunftsverkündigungen assyrisch-babylonischer Propheten nach keilinschriftlichen Texten. 1. Wenn der Mond bei seinem Erscheinen dunkel ist, wird das Land Fülle sehen; das Land wird überreich essen. . . (?) Wenn der Mond bei seinem Erscheinen dunkel ist und sein linkes Horn gebogen ist, also sein rechtes Horn gerade ist, wirst du das Land des Feindes überwältigen (?) — Ramman wird überschwemmen. 2. Wenn der Mond übermäßig glänzend ist, wird der Monat Unglück bringen. In zwei aufeinanderfolgenden Monaten, Jjar und Siwan, ist der Tag zurückgegangen. Wenn eine Nebensonne rechts von der Sonne steht, wird der Ramman überschwemmen (oder) Regen und Ueberschwemmungen werden kommen. Mars hat sich gewendet und ist vorwärtsgerückt in den Scorpion. Es ist Unglück. Später sollen sie den ersten Teil der Aufgabe beendigen; ich will beendigen, was sich eben dem Könige zeigt; wir werden die Entscheidung sehen, welche kommen und bleiben wird. Von Nabu — alü — iriba. 3. Wenn der Mond am 13. Ab erscheint, wird eine Verwüstung von Akkad sein. 4. Wenn der Mond am 13. Ab erscheint, wird eine Verwüstung von Akkad sein. Lasse nicht den allermächtigsten König mich verlassen: ich bin es, der täglich den König wegen meines Hungers bittet; und nun hat er mich zu Mauern gestellt, sagend mache Ziegel. Lasse nicht, mein Herr, den König mich verlassen und ich werde nicht sterben. Von Tabia. 5. Wenn der Mond am 13. Tebet erscheint, wird Subartu Ahlamü verzehren; eine sonderbare Zunge wird die Gewalt in Aharrn erlangen. (Tebet-Elam.) Von Bullutu. Am 29. Tag hielten wir Wache, aber da waren viele Wolken und wir konnten den Mond nicht sehen; am 30. hielten wir Wache und wir sahen den Mond. 6. (Cbv. 3 ff.) Wenn der Mond am 30. Sebat erscheint, wird eine vollständige Verfinsterung geschehen. Von dem Haupt- Schriftgelehrten. 7. Wenn der Mond verschwindet, wird Unglück das Land heimsuchen. Wenn der Mond aus seiner Berechnung verschwindet, wird eine Finsternis Platz ergreifen. (Der Mond verschwand am 24. Tag.) Wenn am Tag des Verschwindens des Mondes, ein Schein die Sonne umgibt, wird eine Finsternis der linken Seite des Mondes stattfinden. Als im Kislew eine Finsternis beobachtet wurde, ist ein Schein, der die Sonne und das Verschwinden des Mondes (Was der Grund zur Finsternis im Kislew war) umgab, bemerkt worden. Möge der König mein Herr wissen, und möge er glücklich bleiben. Von Jrassi-ilu, dem Diener des Königs (der Größere). , 8. Wenn der Mond unsichtbar ist, wenn nur 2 Halbmonde gesehen werden, wird Feindseligkeit im Lande sein. (Der Mond ist mit der Sonne in Klarheit erschienen. Nur vor der Sonne war er glänzend.) Der Anblick der Stadt Assur, der König . . . (rev. 2—10.). Wenn Venus der Sibzianno vorgeht, wird das Land zum Land, der Bruder zum Bruder feindlich sein. Es wird ein Gemetzel von Menschen und Rindern sein. Wenn die Sterne von Sibzianno leuchtend sein werden, wird Last Niederdrücken und Unglück geschehen. Von Nirgal itir. 9. Wenn die Sonne den Mond betritt, werden alle Länder (?) die Wahrheit sprechen, Glück der ganzen Welt. Wenn ein Planet (?) die Farbe wechselt gegenüber dem Mond und in den Mond hineinkommt, werden Löwen sterben und der Verkehr des Landes (wird gestört werden) (oder) Rinder werden erschlagen werden. (Saturn ist in den Mond hineingekommen.) Von Assur-sarani. 10. Wenn die Sonne am Platz des Mondes steht, wird der König des Landes sorglos auf seinem Throne sein. Wenn die Sonne über oder unter dem Monde steht, wird die Gründung des Thrones richtig sein; der König wird in seinem Rechte stehen. Wenn Sonne und Mond unsichtbar sind, wird der König die Weisheit vergrößern. (Die letzte Nacht kam der Saturn dem Monde näher. Saturn ist der Stern der Sonne; das ist seine Deutung. Sie ist für den König glücklich. Die Sonne ist der Stern des Königs.) 11. Wenn die Sonne ober- oder unterhalb des Mondes steht, wird der Grund des Thrones richtig sein. Wenn die Sonne am Platz des Mondes steht, wird im Lande Gerechtigkeit sein. Von Nabü-ikbi. 11. Wenn die Sonne ihren Zenith erreicht und dunkel ist, wird die Ungerechtigkeit dieses Landes zu nichts kommen. Wenn die Sonne ihren Zenith erreicht und dunkel ist, wird Wohlstand des Volkes sein (oder) es wird Krieg im Lande sein (oder) Empörung (oder) der König aller Länder wird Unglück erfahren. Wenn die Sonne dunkel ist und mit einem dunkeln