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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-02-17 · 7 (17.2.1905) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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>Jh. 7 Dr. JSlocbs MocbenscbrtN. Sette 101 Gewändern des Hohepriesters rc einen allegorischen Sinn unterzulegen, besonders aber die daselbst ganz fremd klingende Ausdrncks- und Anschauungsweise muß so befremdend anmuten, daß mau eher im ersten Moment Hinneigen würde, die ganze Stelle als Interpolation zu nehmen, wenn nicht verschiedene Stellen dieses Buches für die Authentizität dieser Stelle laut sprechen sollten, wo ähnliche Gedanken durchklingen und zum Ausdrucke kommen. Den Ausdruck wie ,trnpn rrn jvby ■osbö kann man hter nicht wie im Talmud und Midrasch für bloße Metapher nehmen, sondern für, im gewissen Sinne sozusagen, hypostasierte göttliche Attribute. Ebenso haben die Worte .c'r1:;' njuas »D*r-0 rc. hier in diesem Zusammenhänge eine ganz andere Färbung. Man kann sich also der Ansicht nicht verschließen, daß hier der jüdische Gedankenkreis mit gnostiichen und neuplatonischen Elementen durchsetzt oder geschwängert wurde, natürlich insoferne hiebei das Judentum intakt blieb, und deshalb Eingang fanden, um die Religion mit dem Wissen zeitgemäß auszusöhnen, welcher Prozeß sich im Laufe der Geschichte in verschiedenen Perioden wiederholte, jedesmal mußten aber die fremden eingeschmuggelten Ideen am gesunden Kern des Judentums abprallen und hatte es solche wie fremde Körperteile stets wieder ausgeschieden. Zur Illustrierung meiner Behauptung lasse ich hier zwei Beispiele aus dem Text des Josippon folgen und schiebe bei den betreffenden hebräischen Worten die termini teehuiei des Gnostizismus ein, und dürften diese kurzen Hinweisungen genügen, die geäußerten Behauptungen zu bestätigen: nax’ “jtsnpö cipa nbyö brnaa (Pneumatiker) nn ns nrnnbi .... impn rrn mxnn rc mm-iP ...» jrby panxa (Psychiker) D’xnsn Illinrn N2 NVX (Gnosis) nairsm niasn Es scheint, daß der Verfasser hier eigens das Wort c'xna für Psychiker wählte, wie er stets ein gleichlautend hebräisches für ein si emdes Wort setzt. Die Gegenbezeichnung für die Punkte Vorgesetzten und offen gelassenen Worte habe ich unterlassen, weil ich nicht soweit gehen will, zu behaupten, daß er hiemit die in diesem Systeme bekannten Aeonen meinte, vielmehr neige ich zu der Annahme, daß diese Ausdrücke auf Sefer Jezira (1, 9) basieren*) (Bergt, auch eine ähnliche Erklärung Kusari 4, 25), welches Buch damals als Inbegriff aller diesbezüglichen Weisheit galt, und zu seiner Zeit nicht blos von & aadja und Dunasch b. Tamim, sondern auch von seinem Landsmanne Schabbatai Dannolo kommentiert wurde. Daß unser Verfasser sich auch mit dem Sefer Jezira beschäftigen mußte, bezeugt der von ibm Kap. 56 gebrauchte Ausdruck V' xPa (aus Nichts, später wird hiefür gebraucht px), den er aus dem Buche Jezira hat, der dort (Kap. l) w ^*xa lautet. — Es ist aber auch die Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß er hiebei die philonische Logoslehre benutzte, und diese allegorischen Deutungen in philosophisch-esoterischem Sinne stützen sich auf die Philos in seinem Buche vo Llosks p. 150—155, wie er auch die Deutung der Gewänder des Hohepriesters daselbst Philo (it.1,1 p. 148—9) entnommen halle. Zwar hat Josephus (Jüd. Alterth. III, VII, 7) dies letztere auch aus Philo, aber dem Wortlaute nach zu urteilen, scheint unser Autor diese Stelle direkt aus Philo entlehnt zu haben. Allenfalls ist der Einfluß des Gnostizismus unabweisbar, wenn man sieht, wie er hier in dem folgenden Satz roa »ttnipn nna b'xxnb nna -pay* '2 ."22 ay (Gnosis) .-laiani naan anxi ,(Pistis) mmbn mbtrapa n’atprmaiaanm die Pistis und Gnosis ausdrücklich hervorhebt und betont. Daß dort im fernen Osten dieser Einfluß bei den Juden sich geltend machen konnte, kann daher rühren, weil die Anhänger des sogenannten persischen Gnostizismus, nämlich die Manichäer dort lebten. Als diese überall im VI. Jahrhundert verfolgt und dann endlich in Persien unterdrückt, wie auch als die letzten Ausläufer und Vertreter der neuplatonischen Schule zu dieser Zeit aus Athen ausgewiesen worden sind, wählten sie alle das heidnische Ostasien als Zufluchtsstätte und flüchteten in das Dunkel der Steppen um das Kaspische Meer, um sich der Verfolgung zu entziehen. Das Eindringen manch fremder Elemente konnte bei den Juden im Norden um so leichter vor sich gehen, weil das traditionelle Judentum von altersher dort nur schwachen Anklang fand, darum war der Widerstand gegen fremde Einflüsse auch schwächer als anderweitig. Das festgezimmerte rabbinische Judentum als altbewährtes festes Bollwerk gegen derartige exotische Jngerenzen fehlte dort, und bildete richtig diese Gegend dort in der folgenden Zeit konstant einenWetterwinkel und gab einen geeigneten Boden ab zur Bildung von jüdischen Sekten und Entstehung von Sektierern. Es konnte selbst bei strenggläubigen Juden dort der Eingang von fremden Gebräuchen, wie deren der Manichäer, des Genuffes von Fleisch, sowie aller tieiischen Nahrung sich zu enthalten, wahrgenommen werden, wie *) Es muß auch noch erwähnt werden, daß ähnliche Ideen dort förmlich in der Luft herumschwirrten. Das nahegelegene Persien war in dieser Beziehung das klassische Land der verschiedenartigsten Strömungen und machten sich diese Einflüsse bei den dort lebenden Juden geltend, die bald zu Sektenbildungen führten. Scharastani erzählt in seinem Buche über die Sekten x 164 fl. von den Judghaniten (nach dem Stifter Jehuda aus Hamadan), daß sie einen äußeren mid inneren, einen einfachen und allegorischen Sinn der Thora annahmen; ebenso von den Magharijitan, daß Gott mit den Propheten, so auch mit den Berufenen und Weisen durch die Vermittelung eines Engels verkehre usw. Es ist daher möglich, daß manche dieser Ideen auch bei den anderen Juden dort Eingang fanden. David Almakomez (gegen IX. Jahrh.) berichtet. (Zitiert von Juda Hadassi im Eschkol Hakofer Nr. 97.) Eldal der Danite erwähnt die Besolger dieser Lebensweise als „Fromme" und „Gottgefällige". Ich halte auch die oft im Josippon wiederkehrende Phrase (Kap. 71) ec, rvuraan -ptynon (Hyle) pmn nxm xbi bna.-i man Px rapp diesem Systeme entlehnt. Dieser Einfluß dort war allerdings kein tiefgehender, sonder» oberflächlicher und mag den Kern des Judentums nicht einmal tangiert haben, wirkte aber doch insoferne ungünstig, als infolge der allegorischen Spielereien der praktische Teil des Judentums sich verflüchtigte und die symbolischen Deutungen den Sinn für die gesetzlichen Hebungen abschwächten. Diese und ähnliche Versuche, das Judentum mit den verschiedenartigsten jeweiligen metaphysischen Spekulationen oder wissenschaftlichen Forschungsresultaten in Einklang zu bringen, haben sich zu allen Zeiten wiederholt und sind die Resultate auch stets dieselben geblieben: Wo die Träger dieser propagierenden Ideen ans dem Boden des praktischen Judentums fest standen, sind diese Geistesspielercicn eben als solche spurlos verschwunden, ohne welche ungünstige Folgen zurückzulassen; dagegen wo diese Vorbedingungen fehlten, stellten sich die natürlichen Folgen ein, wenngleich die Grundprinzipien des Judentums unversehrt blieben, daß dabei der gesunde Sinn nach praktischer Betätigung desselben abhanden gekommen und die für das Leben in Wirklichkeit bestnnmten Handlungen nebnlistisch verschwommen wurden. Dieser Einfluß, wie gering und oberflächlich solcher auch dort sein mochte, ging im Norden, wo der praktische Gehalt der Traditio» ohnehin stets nur auf schwachen Füßen stand, am Judentum oder richtiger an den jüdischen geistig hervorragenderen Individuen nicht spurlos vorbei und wild man nn Verlaufe der weiteren Untersuchungen gewahren können, daß diese charakteristischen Merkmale allen von dorther kommenden Auroren eigen waren und anhaften. S. Spinner. Propheten und Malrrristen. Von Dr. S. Gelbhans, Gemeinderabbiner in Wien. (Fortsetzung.) Dem Berichte über die Kosmogenie schließt sich in dem babylonischen Bericht eine Kosmographie mir der Beschreibung der Tier- und Pflanzenwelt an. Da heißt es: „Damit die Götter iti. Wohlbehagen darauf wohnen, schuf er Menschen." „Arurn schuf mit ihm das Menschengeschlecht. Tiere des Feldes und Lebewesen im Freien, der Tigris und Euphrat ihre Namen nannte er, Gras, Halme und Wiese, Roh- und Schlingpflanzen, das Grün des Feldes, die Länder, Wiesen und das Schilf, die Wildkuh ihr Junges das Kalb, das Schaf sein Junges das Lamm, der Hürde die Heine, der Wälder Ziegenbock und Gazellen." Merkwürdigerweise fehlt es in der ganzen prophetischen Literatur völlig an einer Beschreibung der Tiere und Pflanzen. Hingegen bieten die Psalmisten ein Bild der physischen Welt, wie es ausführlicher in keiner Literatur des Altertums zu finden ist. Schon die Psalmen 8 und 148 geben schöne Proben, aber erst der 104. bietet einen erschöpfenden Ueberbtick über die Dinge der Natur, welche die Seele zur höchsten Bewunderung und Verehrung auffordert. Hiezu schreibt Alexander von Humboldt: „Die Natur wird nicht geschildert als ein für sich Bestehendes, durch eigene Schönheit Verherrlichtes: dem hebräischen Sänger erscheint sie immer in Beziehung auf eine höher waltende geistige Macht. Die Natur ist ihm ein geschaffenes, angeordnetes, der lebendige Ausdruck für die Allgegenwart Gottes in den Werken der Sinnenwelt. Deshalb ist die lyrische Dichtung der Hebräer schon ihrem Inhalte nach großartig und von feierlichem Ernst." (Kosmos 2. Band, S. 45.) Das wichtigste Thema, welches die Aufmerksamkeit im alten Israel auf sich lenkte, war die altorientalische Weltanschauung. Diese ging von der Ansicht aus, daß die Gestirne und deren Umlauf das Geschick der Welt in körperlicher wie in geistiger Beziehung beherrschen. Dieses geschieht nach ewigen unveränderlichen Gesetzen. Die Gestirne find Götter, nach deren Willen alles geschieht. Die Schicksale der Staaten, der Völker, der Fürsten und der Einzelnen stehen in den Sternen geschrieben. Ein jeder Planet hat seinen eigenen Bereich und seine Machtsphäre und wer unter der Herrschaft eines Sternes geboren wird, der unterliegt den Verfügungen desselben. Es gibt glückbringende und unglückbringende Planeten, weshalb die

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