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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-02-17 · 7 (17.2.1905) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 Dr. Mocb's TWlocbenscbrtft, Seite 99 Ob und wie die Juden dort das Gedächtnis der Märtyrer feierten, wissen wir nicht. Jedenfalls ließ man sie, als das Christentum Staatsreligion geworden, nicht mehr im ruhigen Besitze ihrer Gebeine. Gegen Ende des vierten Jahrhunderts wurden sie ihnen nebst der Synagoge weggenommen und an deren Stelle eine Kirche erbaut. Wohl in Folge dessen hat Johann Chrysostomus dort seine erwähnten Predigten und Homilien abgehalteu, und in Anbetracht seines Charakters tun wir Juden ihm vielleicht nicht Unrecht, wenn wir annehmen, daß diese judenfeindlichen Maßregeln auf seinen Antrieb erfolgten. Kaiser Theodosius befahl zwar, den Juden in Antiochia ihre Synagoge zurückzugeben, aber dem widersetzte sich der Säulenheilige Simon, der über zwanzig Jahre auf einer hohen Säule stehend zugebracht hatte, und die Kirche blieb Kirche, die jüdischen Märtyrer wurden zu christlichen Heiligen gemacht. Der Fall, daß jüdische Synagogen den Juden weggenommen und in Kirchen verwandelt wurden, ist kein seltener. So wurde nach der Vertreibung der Juden aus Wien an Stelle der Synagoge im Jahre 1670 die jetzige Leopoldskirche erbaut. Dagegen ist seitdem kein ungetanster Jude von der Kirche heilig oder selig gesprochen worden. In der Tat hat auch die Christianisierung der Sieben Makkabäer Opposition gefunden, die aber von vielen Heiligen und Kirchenlehrern gründlich widerlegt und schließlich besiegt wurde. Uebrigens waren ja auch die angeblich auf Befehl des Herodes getöteten Kinder unter $wei Jahren ungetanste Judenkinder und werden doch zu den heiligen Märtyrern gezählt. Ihre Gebeine, von denen sich auch manche in der Stephanskirche im 18. Jahrhundert befanden und vielleicht noch jetzt befinden, werden als christliche Reliquien verehrt. Auch ein von Kardinal Rampolla zitiertes altes arabisches Manuskript der vatikanischen Bibliothek berichtet von der den Juden weggenommenen und in eine der „heiligen Aschmunit" gewidmeten Kirche verwandelten Synagoge. In einem unterirdischen Gewölbe dieser Kirche, sagt er, sind „der Priester Esra und Aschmunit mit ihren sieben Kindern beigesetzt, welche König Agapius wegen ihres Glaubens an den großen und mächtigen Gott töten ließ." Mit Agapius ist selbstverständlich Antiochus gemeint, Esra ist der fromme Eleasar, dessen Martyrium sowohl von Josephus als im Makkabäerbuche unmittelbar vor dem der sieben Brüder erzählt wird. Dagegen scheint mir Aschmunit nicht der Name der Mutter zu sein, sondern sie nur als achte Märtyrerin nach ihren sieben Kindern zu bezeichnen. Die erwähnten zwei jüdischen Quellen geben weder ihren, noch der Kinder Namen au und sagen ausdrücklich, daß der Gatte, beziehungsweise Vater zur Zeit der grausamen Tötung seiner Familie schon seit langem nicht mehr lebte. Das hat aber den h. Andreas von Kreta (im 8. Jahrhundert) nicht abgehalten, ihn Eleasar und seine Frau Salomona zu nennen. Und dieser Irrtum hat sich nach Rom fortgepflauzt, wohin später diese jüdischen Reliquien gelangten. Auf dem den Juden entrissenen Gotteshaus ruhte kein Segen. Um die Mitte des sechsten Jahrhunderts wurde Antiochia von einem großen Erdbeben heimgesucht und dabei wurde nebst anderen Kirchen auch die der jüdischen Märtyrer zerstört. Es scheint aber, daß diese Kirche nicht wiederhergestellt wurde, denn die Reliquien wurden nach Konstantinopel weggeführt und in einer Kirche im Stadtteil Syke (jetzt Galata) beigesttzt. Von da kamen sie nach einigen Jahren, wahrscheinlich als Geschenk des Kaisers Justinian an einen Papst, nach Rom und wurden von Papst Pelagius in der von Kaiserin Eudoxia erbauten, von ihm restaurierten Kirche aufbewahrt, wo sie sich noch jetzt befinden. Sie heißt jetzt Lau Pietro in vincoli nach den dort aufbewahrten Ketten des Apostel Petrus, der ja auch Jude gewesen ist. Dort befindet sich auch das Meisterwerk italienischer Plastik, der majestätische Moses des Michelangelo. Also eine stark verjudete Kirche. Im Jahre 1876 entdeckte man dort, gelegentlich einer Reparatur, unter dem Hochaltar einen Marmorsarkophag, der im Innern in sieben Fächer geteilt war und in jedem derselben fand man etwas Asche und Knocheurefte. Auf zwei daneben gefundenen Bleitafeln befindet sich folgende Inschrift: In dis septem loculis condita sunt ossa et cineres septem fratrum Machabeorum et amborum parentum eorum ac inumera* bilium aliorum scor. (Sanctorum.) Aus dem Umstande, daß die Inschriften in lateinischer Sprache abgefaßt sind, erhellt, daß sie erst in Rom, also wenigstens sieben Jahrhunderte nach dem Tode der Märtyrer verfaßt wurden. Verdächtig ist auch die Angabe, daß dort auch die Asche beider Eltern sowie „unzähliger anderer Märtyrer" ruht, da doch der Vater lauge vor dem Martyrium eines natürlichen Todes gestorben ist. Und wozu sieben Fächer, wenn die Asche „Unzähliger" dort ruht? Aber es scheint, daß der Irrtum, der in unseren Quellen genannte Eleasar sei der Vater der sieben Brüder gewesen, schon im vierten Jahrhundert entstanden ist. Wie dem auch sei — die ^uden, welche in die genannte Kirche kommen, um die Statue ihres gottbegnadeten großen Gesetzgebers zu bewundern, werden dort auch die Reste der jüdischen Märtyrer begrüßen können, welche die christliche Kirche in ihren Heiligenkalender ausgenommen hat. Interessant ist, wie Johannes Belethus im zwölften Jahrhundert in seinem Rationale divinorum officiorum und der Erzbischof von Genua, Jacobus de Vvragine, am Ende des dreizehnten Jahrhunderts in seiner großen Sammlung von Heiligenlegenden (Legenda aurea cap. 108 zum 1. August) die Aufnahme der Juden in den Heiligenkalender entschuldigen: Erstens, sagen sie, ist sieben eine heilige und symbolische Zahl, so daß diese Makkabäer alle Heiligen des Alten Testaments repräsentieren, zweitens dienen sie als Muster der Standhaftigkeit und Geduld und drittens haben sie als Märtyrer für ihren Glauben gelitten, wie die Christen für ihren evangelischen Glauben zu leiden bereit sein sollen. L. Eine Dekansrede an der enang.-theotog. Faknüal in Wir«. Ein für uns Juden immerhin interessantes Ereignis hat sich vor einigen Monaten unter Ausschluß der weiteren Oeffentlichkeit in der Wiener akademischen Welt begeben. Der Dekan der k. k. evangelisch-theologischen Fakultät zu Wien, Prof. Sellin, hat zum Gegenstand seiner Dekanatsrede am 31. Oktober 1904 ein nach seinem eigenen Urteil „srisch und fesselnd geschriebenes Buch eines jüdischen Gelehrten, Moritz Friedländer" gewählt. Hieran wäre nun an sich nichts Merkwürdiges zu finden. Wenn ein Forscher, wie unser Palästina-Schliemann Sellin, gewohnt, tiefer zu graben und verborgene Schätze ans Licht zu fördern, selbst nach einem entlegeneren Objekte — und die Leistungen der jüdischen Theologie pflegen ja Herren von der anderen Fakultät nicht allzu nahezuliegen — griffe, um seine kritische Sonde daran zu erproben, so würde uns das nicht weiter Wunder nehmen. In Wahrheit erheischte aber die Aufspürung gerade dieses Werkes keine besondere Findigkeit. Das Buch ist Otto Pfleiderer zugeeignet, im Pfleiderer-Wellhausen-Berlag Georg Reimer (Berlin) erschienen; es behandelt ein Thema von eminenter Wichtigkeit: „Griechische Philosophie im Alten Testament", — Grund genug für einen Ordinarius für alttestamentliche Wissenschaft, davon Kenntnis zu nehmen und sich gelegentlich damit öffentlich auseinandeiHusetzen. Daß aber das Werk eines Juden, dem die ehrliche Tendenz in majorem Judaismi gloriam an der Stirne ge-

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