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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-02-17 · 7 (17.2.1905) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 98 L,r. Klocb's Wocbenscbrttt, Nr. 7 rivalisiert. Nur die Juden, behauptet er, sind die Gegner der Toleranz. Wie gut könnten sich Alldeutsche und Christich-Soziale vertragen, wenn nicht die Inden wären, die Zlvietracht zwischen ihnen säen. „Die Macht, mit der die Juden den Ariern ihre Ideen suggerieren, ist eine vorzügliche." Man kann nicht vorurteilsloser sein. Herr Dr. Scheicher hält nicht einmal mit seiner Bewunderung für die Juden zurück. Sie haben die Partei der Alldeutschen, die sonst vielleicht Großes geleistet hätte, mit Blindheit geschlagen, tznen Deus volt perdere! Die Alldeutschen, die so energisch auf den Plan traten, haben sich auf das unfruchtbare Feld der „Los von Rom!"-Bewegung locken lassen, und dieses Kuckucksei ist ihnen von den Juden eingelegt worden! Wieder ein enthülltes Geheimnis! Die Alldeutschen haben das wahrscheinlich selber noch nicht gewußt, nun aber, da es ihnen verraten worden ist, werden sie hoffentlich in sich gehen und sich schämen. Die Juden haben also wirklich keine andere Sorge, als die „Los von Rom!"-Bewegung der Alldeutschen zu schüren, deren brutaler Antisemitismus dem der Christlich-Sozialen nicht das Geringste nachgibt? Nein, Monsignore. Die Juden haben nicht mehr Interesse für den unduldsamen Protestantismus als für den unduldsamen Katholizismus, und für die leidenden Juden ist es vollkommen gleichgiltig, ob die Anführer der Verfolger Stöcker, Ahlwardt oder Scheicher heißen. Es ist weiters für sie vollkommen irrelevant, ob sich Alldeutsche und Christlich- Soziale schlagen oder vertragen. Denn gerade in dem einen Punkte, der die Juden angeht, sind sie ohnedies einig. Daß der Geist der Intoleranz und der Verfolgungssucht bei den Juden nicht stehen bleibt und auch andere Kreise in sein Wüthen einbezieht, ist eine alte Erfahrung. Wer das Semitentum beschimpft, der kann unmöglich vergessen, daß „das Heil kam von den Juden" eine christliche Lehre ist. Ob er will oder nicht, der Antisemit wird ein Feind des Christentums. Der Antichrist — das ist der Antisemit! Jüdische Marlyree irr I. D i e gefeierter! Märtyrer. Wie die Inden keine Heiligenverehrung kennen, so haben sie auch mit ihren Märtyrern nicht viel Staat gemacht. In geschichtlichen und erbaulichen Werken werden freilich auch die Leiden und Verfolgungen, welche die Inden durch zwei Jahrtausende von den Andersgläubigen zu erdulden hatten, geschildert; aber wie geringfügig erscheinen diese Schilderungen im Vergleich mit der riesigen Märtyrerliteratur der Christen, die doch kaum dritthalb Jahrhunderte lang verfolgt wurden. Und damit sich nicht begnügend, haben sie sich auch einige jüdische Märtyrer angeeignet. Es sind dies die sieben Brüder, welche von dem Wüterich Antiochus in furchtbarer Weise gequält und dann getötet wurden, weil sie kein Gebot ihrer Religion verletzen wollten. Ihre Geschichte wird in dem zu den Apokryphen gerechneten zweiten Buche der Makkabäer und ausführlicher von Josephus erzählt '). Ich erinnere mich aus meiner Kindheit, welchen tiefen Eindruck die Geschichte der sieben standhaften Brüder und ihrer heroischen frommen Mutter auf mich machte, als sie, da ich noch nicht recht lesen konnte, mir erzählt wurde. Ueber diese Märtyrer ist nun kürzlich eine sehr schön ausgestattete, in der vatikanischen Druckerei gedruckte Schrift „Ueber den Schauplatz des Martyriums und das Grabmal der Makkabäer" erschienen, deren Verfasser kein Geringerer als der unter Papst Leo XIII. so einflußreiche Staatssekretär Kardinal R a m p o l l a bet Tindaro ist. Ich habe mir die kleine, nicht in den Buchhandel gelaugte Schrift nicht verschaffen können und konnte nur den in treuer, französischer Uebersetzuvg vom Kanonftus Abbe ') In viel kürzerer Fassung findet sich die Märtyrergeschichte im Talmud (Gittin 57), wo aber der Peiniger nicht Antiochus sondern ein (römischer) Kaiser ist. Pillet in der von den Professoren der katholischen Fakultäten in Lille herausgegebenen Uevue äes seienees öcclesiastiques (November 1904) mitgeteilten zwanzig Seiten starken Auszug benutzen. Da dieser das kür uns Wichtigste enthält, konnte er mir vollständig genügen und ich folge ihm treu, nur das minder wichtige weglassend, die von unserem Standpunkte nötigen Bemerkungen und Ergänzungen sowie manches aus anderen Quellen geschöpfte einschaltend. Nach den Ausführungen des Kardinal Nampolla haben die sieben Brüder den Märtyrertod zwischen den Jahren 169 und 167 vor der jetzt üblichen Zeitrechnung 2) erlitten, aber nicht in Jerusalem sondern in Antiochia, wo es zu jener Zeit viele Juden gab. Josephus nennt zwar in seiner Schrift „Von den Makkabäern oder von der Herrschaft der Vernunft" Jerusalem als Ort des Martyriums, von wo Antiochus zum Kriege gegen Persien aufbrach; aber die Autorschaft des Josephus für diese Schrift wird bezweifelt und in der Archäologie (XII 7, 2.) sagt er selbst, daß Antiochus von Antiochia zum Kriege gegen Persien ausgebrochen sei. Ueberdies finde sich in Palästina keine Spur und keine Tradition von dem Grabe der sieben Brüder. Der heilige Hieronymus sage zwar in seiner Topographie des heiligen Landes (Os situ st rrominibus locoram hebraicorum) er habe in Modin das Grab dieser „Makkabäer" gesehen; aber mit aller Deferenz für einen heiligen Autor meint Kardinal Rampolla, Hieronymus habe sich geirrt, denn in Modia seien nur die wirklichen makkabäischen Hilden Matathias und seine Söhne begraben. Und da hat seine Eminenz vollkommen recht. Wiederholt wird im ersten Buch der Makkabäer (II 70, IX 19, XIII 25) berichtet, daß Matathias und seine Söhne in ihrer Famillengruft zu Modin beigesetzt wurden, und im 1V. Kapitel (27—29) sowie in des Josephus Archäologie (XIII, 6, 6) wird ihr -Grabmal genau beschrieben. Dort sind auch dessen Reste um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wieder aufgefunden worden 3). Ueberdies hat die christliche Tradition stets das Grab der sieben Judeukiuder in Antiochia verehrt, und der Autorität des heiligen Hieronymus setzt der Kardinal die eines anderen Heiligen, des redegewaltigen Johann Chrysostomus entgegen. Dieser sagt in seinen gegen Ende des vierten Jahrhunderts verfaßten Honiilieu In sauetos Naebabasos, Os Llsa^aro st ssptsm xusris und in der Predigt Os sauetis inartMbus, daß zu seiner Zeit ihr Fest in Antiochia am Vorabend des Jahrestages begonnen und an diesem fortgesetzt wurde. Zu dieser Feier seien auch viele Syrer aus der Umgegend gekommen. Ebenso sagt das Reisetagebuch des Antoninus aus dem Jahre 561, er habe in Antiochia die Grabmäler der sieben Makkabäer gesehen und auf jedem sei ihr Martyrium beschrieben gewesen. Auch eine der ältesten christlichen Martyrologien gibt an, daß die von Antiochus getöteten sieben Brüder und ihre Mutier stets am 1. August gefeiert wurden. Noch genauere Angaben macht der viel spätere Antiochener Johann Malalas (aus dem 9. Jahrhundert) in seiner Beschreibung Autiochias. (Obronossraxbia lib. VIII. 324). Nach dieser befand sich in dem Stadtteil Cerateum zu Antiochia der Jupitertempel, in dem die sieben Brüder gefoltert wurden, um sie zum Abfall von ihrer Religion zu bewegen. Auf Bitte der Juden habe einer der Nachfolger des Antiochus Epiphaues, Demetrius Soter oder Antiochus Eupator, ihnen die Gebeine der Märtyrer ausgefolgt, die sie bei der im selben Stadtteile befindlichen Synagoge begruben. Es ist sogar nicht unwahrscheinlich, meint der . Kardinal, daß die Auslieferung in Folge des zwischen Judas Makkabäus und dem Könige Antiochus Eupator geschlossenen Friedens erfolgte. (Vergl. II Makkabäer X. 1). 2) Nach der griechischen (sclencidischen) Aera a. 144—1 6. 3) F. de Saulcy, Histoire de l’art judaique, Paris 1864, S. 378.

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