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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-02-17 · 7 (17.2.1905) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 7 Dr. Bloch’s |«to«M8XXU ♦ Centralorgsn für die gesammten Interessen des Wir», 17. Februar IVOS. Erscheint jeden Freitag. -—- Brief-Adresse: Wien, IL/1, Berggaffe 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wie». A. ft. poflfparcaJfVu-Buit Clearing -Verkehr Nr. 810.976. Lrdartion und Administration Wien IX/1, Verggaffe Nr. 39. Talephon Nr. 14.847. ■- ■ ' « Jndenthums. - » »-rugsPrei» für Sesterretch: Halbjährig 8 Krone«. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. I Ganzjährig 20 . Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. *-: Inhalt: Leitartikel: Die „suggerierten Ideen". — Jüdische Märtyrer in Rom. — Eine Dekansrede an der evangelisch-tbeologischen Fakultät in Wien. — Dre „Bene Hadani" in der jüdischen Literatnr des IX. und X. Jahrhunderts. — Propheten und Psalmisten. — Korrespondenzen: Trauergottesdienst für den verstorbenen Präsidenten kais. Rat Heinrich Klinger. Reform der Wiener jüdischen Armenpflege. Politisierende Studenten. Die Demolierung der Hochshnagoge und des israelitischen Rathauses in Prag. Paul Tencer. Bischof und Rabbiner. Rosa Marie Lazarus. Austerlitz. Olmütz, Breslau. Aphorismen über religiöse Toleranz. Bukarest, Odessa. Israelitische Farmer. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra Kadischa in Wien. Wien. Der Verein zur unentgeltlichen Verpflegung Brustleidender auf dem Lande. Israelitische Gesellschaftsreise nach dem Heiligen Lande im Jahre 1905. Jüdische Toynbee-Halle. Wien, Nikolsburg. Kaiserlicher Rat Bernhard v. Schütz. Klagenfurt, Tirnau, Budapest, Halberstadt, Paris, Leeds, Rom, Johannesburg. — Feuilleton: Der Bart des Rabbi. — Briefkasten. — Inserate. Die „suggerierten Ideen". Nun ist aber der letzte Grund enthüllt. Einer der Intellektuellen des Antisemitismus, der Reichsratsabgeordnete und Priester, Doktor gar und noch vieles Andere dazu, Monsignore Scheicher hat es herausgebracht: „Das infandum seclus des Judentums ist es, das die arische Welt gezwungen hat, nur von den Juden suggerierte Ideen zu haben." Das also ist es. Nun weiß es die Welt. Der lapidare Kernsatz wird in einer ausführlichen Rede begründet. Wir haben die Rede mit großer Aufmerksamkeit gelesen. Der sie gehalten, gehört zur arischen Welt, er wird sogar von jenen, die seine „Ideen" teilen, zu ihren Zierden gezählt. Wenn die Juden wirklich das unaussprechliche Verbrechen begangen haben, ihre Gedanken der arischen Welt aufzuzwingeu, so haben sie offenbar gerade bei Herrn Dr. Scheicher kein Glück gehabt. Zählt Herr Dr. Scheicher am Ende doch nicht zur arischen Welt und ist es ihm deshalb gelungen, sich des übermächtigen geistigen Einflusses der Inden zu erwehren? Oder ist seine Behauptung überhaupt nicht wahr? Oder ist gerade er ein Ausnahmsmensch? Wir können nicht umhin, gerade das Letztere für das Unwahrscheinlichste zu halten. Die Begründung für seinen denkwürdigen Satz ist der Redner nicht schuldig geblieben. Sie zeigt, daß ihm von der eigentlichen völkerpsychologischen Berechtigung seiner Behauptung, die ja nicht auf seinem Gedankenblumenbeet gewachsen ist, auch nicht der leiseste Schimmer einer Ahnung aufgegangen ist und daß völkerpsychologische Prozesse für ihn überhaupt weniger Interesse haben, als die oberflächlichste Exemplifizierung aus die Ereignisse des Tages, einerlei, ob sie stimmt oder nicht, wenn sie nur den Beifall der Korona sichert, und den sichert sie unbedingt und mit automatischer Verläßlichkeit, sowie nur eine Perfidie gegen die Juden mitunterläuft. Herr Scheicher ist ein Diener der Kirche, ein Priester des Christentums; Kirche und Christentum verdanken „von Juden suggeriertenJdeen" ihre Entstehung! Xotadeue das christliche Dogma lehnt sich an die Philosophie der arischen Griechen an: nur die Lehre der Ethik, bezw. Nächstenliebe ist jüdischen Ursprungs. Diesem Teile der vom Rabbi aus Nazareth gepredigten Lehre steht bekanntlich Herr Scheicher als Arier fremd gegenüber. Er verabscheut jüdische Ideen! Allein überall, wo die Menschheit für Freiheit und Recht in den Kampf eintritt, folgt sie jüdischen Ideen; daher der antisemitische Instinkt aller derer, welche für die Knechtung des Geistes und Knebelung der Völker eintreten. Herr Scheicher beweist seine kulturgeschichtliche These mit dem Fall Gorki und dem tiefen Mitleid, das das Geschick dieses großen Volksdichters in der ganzen Welt der Gebildeten hervorgerufen hat. Gorki ist unmittelbar aus dem russischen Proletariat hervorgegangen. Er ist kein Jude, und es besteht absolut kein persönlicher Grund, daß sich die vielberusene jüdische Solidarität für ihn einsetze. Wenn aber auch die gebildeten Juden die Meinung hegen, daß es barbarisch sei, mit einem Großen und Edlen im Reiche des Geistes solcherart umzuspringen, so sind doch eben Dr. Scheicher und jene, die sich in Ermangelung eines Besseren gerade aus ihr Ariertum so Vieles zugute tun, die lebendigen Beweise dafür, daß den Juden das unsagbare Verbrechen, dessen sie bezichtigt werden, doch noch nicht ganz gelungen ist. Es mag. vielleicht bedauerlich sein, aber es ist Tatsache, daß sie die arische Welt, zu deren Zierden Herr Dr. Scheicher gehört, nicht zu ihrem Gedankengang und zu ihrer Gefühlswelt herüber gezwungen haben. „Wie viele unserer germanischen Schriftsteller sind in Ungarn drüben jahrelang eingesperrt gesessen", ruft Herr Dr. Scheicher emphatisch aus, „zeigen Sie mir eine Zeitung der Juden, welche je dagegen protestiert hat." Es wäre vielleicht zweckmäßiger, wenn Herr Dr. Scheicher die deutschen Schriftsteller zeigen oder auch nur nennen wollte, die in Ungarn jahrelang eingesperrt gesessen sind. Es haben allerdings einige deutschnationale antisemitische Journalisten in Ungarn einige gerichtliche Unannehmlichkeiten gehabt, aber keiner von ihnen ist jahrelang gesessen. Es sind Verurteilungen erfolgt, aber die meisten haben sich bei Zeiten salviert und sind dann von den Alldeutschen im Auslande in guten Stellungen versorgt worden. Sich für notorische Antisemiten auch noch mit besonders warmer Begeisterung einzusetzen, dazu hatten die Juden keine Veranlassung, und dennoch — wir können den Spieß ruhig umkehren. Herr Dr. Scheicher zeige uns eine Zeitung der Juden, welche die Drangsalierung deutscher Journalisten, weil sie deutsche Journalisten waren, gebilligt hätte! Die Beweisführung geht weiter. „Heute haben wir eine gewisse Ruhe und Toleranz, jeder läßt den andern nach seiner Fatzvn selig werden." So sagt Monsignore Scheicher. Schön. Wir nehmen es zur Kenntnis, daß er jetzt sogar schon mit Friedrich dem Großen in der Betätigung der Vorurteilslosigkeit

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