Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-02-10 · 6 (10.2.1905) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
6 (10.2.1905)
Date
1905-02-10
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021602-3021609--14275-3038974
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Nr. 6 Dr. Wlocb's MocbenscbrM. Seite 95 ihres Leides, daß ich mich ihr immer enger und herzlicher anschloß. Und eines Tages — es war ein sonniger Tag im neuen Frühling — da kam Mr. Bar zu mir. „David", sagte er, „ich fühle mehr und mehr, daß ich alt werde — die Jahre, der Kummer haben meinen Rücken gebeugt und meine Haare grau gemacht. Wenn es dem Heiligen — gelobt sei er! — nun gefällt, mich abzuberufen, wer sorgt dann für die Beiden, die ich hinter mir zurücklasse, — wer sorgt dann für dieses Geschäft?.Einen Sohn habe ich nicht mehr. David, der ich Dich liebe wie ein Vater.David, willst Du mein Sohn sein?." Schluchzend sank ich dem alten Mann an die Brust.und nach vier Wochen war Rachel mein.meine geliebte, angebetete Rachel.mein Weib .die Mutter meines, zum Andenken an seinen zu früh verstorbenen Oheim, nach ihm genannten Lewis,. die Mutter meiner Sophy. Mein Weib und meinen Lewis hat meine Mutter noch gesehen und gesegnet; meine Sophy hat sie nicht mehr gesehen, sie starb in dem Jahre, in welchem Sophy alt genug war, um eine so weite Reise mit ihr machen zu können. Aber ihr Gedächtnis lebt in meinem Herzen; ich sehe mein Weib, ich sehe meine Kinder, ich sehe mein Geld und Gut niemals an, ohne ihrer zu gedenken und mir im Stillen zu wiederholen, daß es ihr Goldstück, daß es der Segen der Mutter war, der mir mein Haus gebaut und es bis auf den heutigen Tag unter Gottes Schutz bewahrt und erhalten hat!". Mr. Bar schwieg und ich drückte ihm seine beiden Hände. Da fuhr er auf: „Aber bei Gott! — es ist ganz finster über meinem Erzählen geworden. Mrs. Barney wird mit dem Essen auf uns warten.lassen sie uns nach Hause eilen, lieber, junger Freund!.Mirjam, hier eine halbe Krone. acht Pence für das Bier, das Uebrige für dich!" Wir gingen und das erste Gig, das uns begegnete, brachte uns nach dem Hause des Mr. Barney auf Finsbury Square. Mrs. Barnay hatte mit dem Essen auf uns warten müssen; es war schon eine halbe Stunde nach fünf. Sie machte uns in der gutmütigsten Weise von der Welt Vorwürfe; darauf begaben wir uns in das Dining-Room, setzten uns zu Tische, und ich saß zwischen Mr. Barney und Sophy. Die hellen Gaslichter funkelten in Krystallglocken, wir saßen in Sammetstühlen, das Beef ward auf silbernen Schüsseln mit silbernen Deckeln serviert. Wir tranken zuerst Sherry und Port und wir machten den Beschluß mit Champagner in Eis. Als wir mit den geschliffenen Kelchen anstießen, rannte mir Mr. Barney ins Ohr: „Der alte Jtzig!" — und ich entgegnete ihm ebenso: „Der alte Schimmen!" und Mutter und Tochter wechselten bedeutungsvolle Blicke; aber sie schwiegen. Denn von heiligen Erinnerungen soll man nicht zu oft sprechen. Ende. Literatur. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Die erste Nummer der vom BÜrean für Statistik der Juden, Berlin- Halensee, Westfälische Straße 46, herausgegebenen „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" ist soeben erschienen. Die Zeitschrift bringt im Hauptteil größere Originalabhandlungen, im „Statistischen Archiv" zuverlässige, quellenmäßig belegte statistische und demographische Nachrichten über die Inden aus aller Herren Länder. Der einleitende Artikel „Zur physischen Anthropologie der Juden" stammt aus der Feder des Berliner Anthropologen Professor v. Lnschan, bekanntlich einer ersten Autorität auf dem Gebiete des jüdischen Rassenproblems. Der Kopenhagener Statistiker Julius Salomon ist mit einer Abhandlung über die Mischehen in Kopenhagen, Dr. Arthur Ruppin mit einer solchen über die Kriminalität von Inden und Christen in Deutschland vertreten. Sehr reichhaltig ist das „Statistische Archiv", das Mitteilungen über die Bevölkerungsziffer, die Bildungs- und Berufsverhältnisse, die Bevölkerungsbewegung, die Einwanderung der Juden aus Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Italien, Dänemark, den Vereinigten Staaten. Indien u. s. w enthält. Die Zeitschrift bezeugt durch ihren Inhalt am besten, daß tatsächlich ein Bedürfnis für ein solches statlstisches Organ vorlag. Das wird auch dadurch anerkannt, daß zahlreiche hervorragende Fachmänner, z. B. Prof. Werner Sombart in Breslau, Prof. Dr. Silbergleit in Schöneberg, Hofrat Prof. Bela Földes in Budapest, Dr. Wilhelm Löwy, ehemal. Leiter des komiiiuilnlstatistischen Amtes iu Wien, Privatdozent Dr. R. Weinberg in Dorpat, Dr. Sonnenfeld, Direktor der „Jca", Paris, Dr. Max Nordau in Paris, Dr. Alfred Nossig in Berlin. Tr. Fr. Hertz in Wien u. A. als Mitarbeiter der Zeitschrift genannt werden. Der Abonnementspreis beträgt 6 Mk. für das ganze Jghr, 3.50 Mk. für das halbe Jahr. Bestellungen sind direkt an das „Bureau für Statistik der Juden", Berlin-Halensee, Westfälische Straße 46, zu richten. NM -p£- Unter diesem Titel ist jüngst ein Thora-Kommentar erschienen, welchen Herr Simon Buchwald aus dem literarischen Nachlasse seines Vaters, des seligen Herrn Bezalel Buchwald, ediert hat. Das Reinerträgnis des Erlöses ist dem „Verein zur Unterst ü tz u n g a r m e r k r a n k e r I s r a e l i t e n in de n Kranke nhäusern Wiens" gewidmet. Dieser edle Zweck allein würde genügen, den Ankauf des Buches allen Förderern einer guten, menschenfreundlichen und frommen Sache wärmstens zu empfehlen. Der Verein, dem der pietätvolle Herausgeber der nachgelassenen Schrift seine ganze und anerkannte Kraft seit vielen Jahren widmet, verdient die höchste Beachtung und reichlichste Unterstützung. Das Werk „Ekeb Anawah", von den Herren Rabb. Salom. Kutna und Jes. Fürst approbiert, empfiehlt sich jedoch auch durch seinen eigenen Wert. Es ist eine in elegantem, leichtfließendem Hebräisch geschriebene, sehr sachliche und einfache Erklärung des Gotteswortes. Der Verfasser ist ein feiner, logisch denkender Kopf. Sein Kommentar ist bündig, gründlich und oft originell. Nur die alten, klassischen Erklärer werden zitiert. Sittliche Betrachtung, Vertiefung und Belehrung sind offenbar die Hauptzwecke des Werkes. Daher die ungemein häufige Heranziehung der unübertroffenen „Herzenspflichten", die wohl das Lieblingsbuch des- Autors gewesen sein mögen. Allen Menschenfreunden und Bibellesern sei „Der Lohn der Bescheidenheit" bestens empfohlen. Rabb. Dr. D. Fenchtwang. Nene Bücher. I. Lanz-Liebenfels: Theozoologie oder d i e K u n d e von den Sodoms -Aefflin gen und dem G ö t t e r e l e k t r o n, eine Einführung in die neueste und älteste Weltanschauung und eine Rechtfertigung des Fürstentums und Adels. (45 Abbildungen.) Wien, Leipzig, Budapest, Moderner Verlag, 171 Seiten 8", Preis Mark. 2.50 oder Kronen 3.—. Oskar Frankl. Der Jude in den deutschen Dichtungen des 15., IE. und 17. Jahrhundertes. Oktavformat, 9 Druckbogen, modern broschiert, Preis M. 2.— (Kronen 2.40). Im eleganten Geschenksbande M. 3.— (Kronen 3.60). Verlag von R. Papauschek, Buchhandlung in Mährisch- Ostrau. Dr. I. HKünzig, Rabbiner in L o s ch i tz. H a e s ch k o l. Hebräisches Sammelbuch für Wissenschaft utld Literatur. Band V. Preis Kronen 2.60. Krakau 1905. Verlag des Herausgebers. Rivista Israeiltica. Periodico bimestrale per la scienza e la vita del Giudaismo. Anno I. No. 6. Novembre-Dieembre 1904 Direzione e Amministrazione (i a 11 e t i & Gassato, Via dei Pilastri No. 51, Firenze. Kriefkasterr. St. Die Entdeckung, daß der Priester Gapon, welcher eine führende Rolle in der Petersburger Revolutionsbewegnng spielt, angeblich jüdischer Abstammung sei, stammt von Pariser Antisemiten und ist natürlich vollständig erlöge». Tatsache t|\ daß der Heilige Synod, an dessen Spitze bekanntlich Pobjedonoszef steht, in seinem Sendschreiben zwar von Gapon sagt, daß er „frech sein heiliges Gelübde verachtet und sich nicht entblödet habe", den betrogenen Arbeitern ein aus der Kapelle gewaltsam genommenes Kreuz, Heiligenbilder und Kirchensahnen in die Hände zu geben, aber nicht ein Sterbenswörtchen von der jüdischen Abstammung Gapon's zu sagen weiß. Und wie gern hätte Pobjedonoszef die jüdische Abstammung erwähnt, wenn bteie mit dem entferntesten Schimmer von Wahrscheinlichkeit, ohne Furcht vor Widerlegung hätte erwähnt werden können. Sehr penibel ist ia der Heilige Synod nicht. Er spricht in dem Sendschreiben davon, dag me Unruhen hervorgerufen worden seien und erkauft durch die Feinde Rußlands, die bedeutende Geldmittel geschickt hätten, um den Bürgerkrieg hervorzurufen. Wie gern hätte der Heilige Synod Gapon zum Juden gemacht, viel lieber als sonst zehntausend Juden zu Christen. Aber es ging nun einmal nicht; man überließ es Drnmont, wen Unsinn zu erfinden, Iwanow, ihn breit zu treten und dem deutschen Reichstagsabgeordneten Bruhn, in seinem Blatte auf den Unsinn zu schwören und sich daran zu berauschen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.