Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 6 (10.2.1905)
- Date
- 1905-02-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Sh. 6 Dr. Slocb s Mocbenscbrift. Sette 93 Wien. Die Familie des Tempelvorstandes Herrn Ad. S ch r e i b e r in der Brigittenau wurde von einem schweren Schicksalsschlage betroffen, indem die Schwiegertochter Else ihrem Gatten Herrn Med. Dr. Jacob Schreiber nach kaum neunmonatlicher so glücklicher Ehe durch den Tod entrissen wurde. Die große Beteiligung beim Leichenbegängnisse, das am Mittwoch stattfand, zeigte von der Beliebtheit, deren sich die Verstorbene in allen Kreisen erfreute und wie ihr tragisches Geschick, vom Leben, das so schön sich darbot, allzufrüh scheiden zn müssen, allgemein bedauert wird. Im Trauerhause und in der Zeremonienhalle trug Oberkantor B a s s e r die Gesänge rn erhebendster Weise vor. Die Grabred: hilt Rabbiner Dr. David. Den Leidtragenden möge der himmlische Vater Kraft verleihen und Trost gewähren. Die Frühverblichene ruhe in Frieden. Wien- (Markus W e i ß m a n n.) Am l 5. Februar l. I. begeht der rübmlichst bekannte Gelehrte und jüdische Dichter und Schriftsteller Herr Markus W e i ß m a n n in Wien seinen 7 5jährigen Geburtstag und das fünfzigjährige Jubiläum seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Wer Markus Weißmann ist, brauchen wir wohl unseren Lesern nicht erst zu sagen. Sein Name ist längst bekannt, ganz besonders in den jüdischen Gelehrtenkreisen durch geistreiche, prosaische, wie poetisch vorzüglich geschriebene Arbeiten und zählt er zu den gediegensten und am liebsten gelesenen Schriftstellern. Herr Weißmann verbindet mit der Tiefe und Reichhaltigkeit seines Wissens einen den wahren Weltweisen bezeichnenden Charakter der Anspruchslosigkeit und weltfremden, nur seiner Muse lebenden Zurückgezogenheit, welche um so mehr die öffentliche Würdigung und Anerkennung verdient, als der greise Jubilar in wirklich bedrängten Verhältniffen lebt, mit denen er zu kämpfen hat. Alle wahren Menschenfreunde und Schätzer der hebräischen Literatur werden sich um diesen würdigen Mann wirklich verdient machen durch die Anschaffung seiner ausgezeichneten Werke, welche vom Verfasser selbst, Wien, II., Zwerggasse Nr. 5, zu beziehen sind. - 88 — Graz. In dcr Nacht von Samstag auf Sonntag wurde im hiesigen Tempel ein Becher Embruchsdiebstahl verübt. Als dcr Oberkantor um dreiviertel 3 Uhr nachmittags den Tenipel betrat, um sich die Gewandung für ein Leichenbegängnis zu holen, bemerkte er, daß die silbernen Geräte auf den Stufen des Altars zerstreut herumlagen. Der Oberkantor verständigte sofort den Portier und hielt mit ihm Nachschau. Da stellte sich heraus, daß der Dieb durch ein südlich gelegenes Fenster, welches er eingedrückt hatte, in das Tempelgebäude eingestiegen war und so in den Vorraum kam, wo er zwei Opferbüchs?n erbrach und ihres Inhalts beraubte. Von dort aus gelangte er in den offenen Tempel, wo er ebenfalls zwei Opferstöcke ausraubte, so daß ihm beiläufig 40 bis 60 Kronen in die Hände gefallen sein dürften. Die Klammer, mit welcher er die eisernen Bänder der Opferstöcke öffnete, lag noch im Stiegenraum. Die silbernen Altargeräte warf der Einbrecher achtlos zur Seite, da er sie offenbar nicht verwenden konnte und befürchtete, durch deren Besitz entdeckt zu werden. Der Einbrecher verließ dann auf demselben Wege, den er beim Einsteigen genommen hatte, den Temvel, da alle Türen ordnungsgemäß ver'perrt gefunden wurden. Der Einbruch dürfte nach 12 Uhr Mitternacht von Samstag auf Sonntag verübt worden sein. Eine gerichtliche Kommission begab sich wfort an Ort und Stelle, um den Tatbestand aufzunehmen Von: Täter fehlt bisher jede Spur. St. Pölten. (Jüdischer Literatur-Verein.) Am Dienstag den 31. Jänner l. I. hielt Herr Dr. R u d o l f e r, Rabbiner der Kultusgemeinde Amstetten, einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über „Maimonides". Im Anfchlusse an denselben fand die statutenmäßige Generalversammlung statt. Gewählt wurden: I. Präsident: Se. Ehrwürden Heer Rabbiner Dr. Schächter, II. Präsident: Herr Siegfried Schwarz, I. Schriftführer: Herr Rudolf Frank, II. Schriftführer: Fräulein Wurmfeld, als Kassier: Herr Reis, I. Revisor: Herr Mandl, II. Revisor Herr Bleier,!. Bibliothekar: Herr Hahn, II. Bibliothekar: Fräulein Reis. Trebitsch. (Todesfall.) Allgemeine Teilnahme erregt das Hinscheiden des Herrn Leopold O r n st e i n, Seniorchef der Firma Leopold O rnst e i n, Präses der israelitischen Knltusgemeinde, welcher im 62. Lebensjahre starb. Der Heimgegangene, der sich um die Leitung der hiesigen Gemeinde hohe Verdienste erworben hat, genoß in weitesten Kreisen wegen seines Charakters und seiner Wohltätigkeit ungeteilte Verehrung. An seiner Bahre trauern Söhne, Töchter, Schwiegersöhne und Enkelkinder, vereint mit der Gemeinde, welche in dem Verblichenen ihr Oberhaupt verliert. Die Leiche wurde in der schwarz draperierten Synagoge aufgebahrt. Zur Beerdigungsfeier erschienen der gesamte Kultusausschuß, der Bürgermeister und die Vertreter der politisch-jüdischen Gemeinde, der Bürgermeister der Stadtgemeinde, der k. k. Statthaltereirat Schoch, der Militärveteranenverein samt Kapelle, die Vertreter des Kaufmännischen Gremiums, des deutschen Männergesangsvereines, die beiden städtischen Feuerwehrvereine und zahlreiche Verehrer des Verblichenen. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner P o l l a k widmete dem Entschlafenen einen rührenden und ergreifenden Nachruf. Der Obmann des „Deutschen Männergesangsvereines" sprach einen kurzen, jedoch inhaltsvollen Nachruf, worauf der Verein in exakter Weise einen Trauerchor zum Vortrag brachte. I. K. Kittsno bei SSMclicft&i. (Verlobun g.) Dr. Heinr. Perlberger, Sohn des Großindustriellen kaiserl. Rates I. S. P e r l b e r g e r, Direktor der Spiritus-Raffinerie und Liqueurfabrik in Klasno bei Wieliczka, hat sich mit Frl. Rose F i l d e r m a n n, Tochter des Fabriksbesitzer Herrn S. F i l d e r m a n n aus Bacau, verlobt. Györ. An: 29. Jänner d. I. veranstaltete der R a a b e r israelitische Frauenvereln den ersten Konzert-Abend zn Gunsten der hiesigen Hilfsbedürftigen auf Anregung und unter Leitung unserer edelmütigen und allgemein hochgeacht-ten Vereins-Präsidentin Frau Johanna Herzl-Keppich gemeinsam mit dem Ausschuß. Der Erfolg und das Ergebnis dieses Konzertes waren überaus günstig; es ist d'eS aber nicht anders zn erwarten gewesen, wenn wir die Namen der Künstler nennen, die hiebei mitgewirkt. Vor Allem: Herr Beta 'Mittmann, Wiener Oberkantor, der als Liees de resistauce durch seinen Herz und Gemüt entzückenden Gesang das nach Hunderten zählende, den vornehmsten Kreisen angehörende Publikum zu frenetischem Beisalle hingerissen. Und was wir besonders he'- vorheben müssen, ist die liebenswü'.dige, selbstlose Bereitwilligkeit des Herrn Guttmann, mit der er unserer Einladung Folge gegeben und hiedurch die größte Dankbarkeit unseres Vereines und auch jene unserer Hilfsbedürftigen — infolge des glänzenden, materiell n Erfolges — sich erworben. Zum Gelingen des Kon ert-Abends haben auch beigetragen: Frl. Emma Maitinsky, Opernfängerin aus Budapest, Fräulein Irma Szendröi, die hochtalentierte Tochter unseres Handelskammer- Sekretärs, sowie auch Herr Dr. Emil Flesch. Belovar. Am 17. v. M. starb in Wien die Gattin des Redakteurs Herrn Dr. I. H. Tauber, Frau Jnlka Tauber geb. Rosenberg, im jugendlichen Alter von 22 Jahren. Die Verblichene wurde ihrem, wie auch dem Wunsche ihrer Eltern gemäß nach Belovar überführt und daselbst am 19. v. M. unter allgemeiner Beteiligung dcr Bürgerschaft, ohne Unterschied der Konfession, am hiesigen Zentralfriedhofe beigesetzt. In der Heimgegangenen betrauert unser allverehrter Herr Rabbiner S. D. Tauber seine Schwiegertochter, und das verdienstvolle Mitglied unserer Gemeinde und deren Vorstandsmitglied Herr Leopold Rosenberg samt Frau ihr einziges Kind. Die imposante Zahl der Trauergäste, welche die Heimgegangene auf ihrem letzten Gange begleiteten, zeigt die Achtung und Wertschätzung, deren sich hier sowohl die Eltern als auch die Schwiegereltern erfreuen. Ganz Belovar war gekommen, um der Toten die letzte Ehre zu erweisen und dadurch den betrübten Angehörigen Trost zu spenden. Die üblichen Trauerpsalmen wurden vom Herrn Oberkantor Faust in ergreif, »der Weise vorgetragen. In der Zeremonienhalle des Friedhofes trat unser gramgebeugter, hochverehrter Rabbiner an den Sarg heran und hielt der Verblichenen einen Nachruf. Waren wir auch schon früher gewöhnt, von unserem Seelenhirten warme Töne, zum Herzen gehende Worte des Trostes zu hören, so übertraf sich diesmal unser Rabbiner, als Leidtragender und dennoch Tröster selbst. Warmes Mitgefühl bekundet sich auch allerorts hier für den schwergeprüften Gatten Herrn Redakteur Dr. Tauber, der nach zweieinhalbjähriger glücklichster Ehe seine heißgeliebte Gattin in so jugendlichem Alter verlor und nun die von der Religion vorgeschriebenen sieben Trauertage hier in unserer Mitte zubringt. Wie wir hören, gedenkt die Familie der so früh Dahingeschiedenen namhafte fromme Stiftungen zum ewigen Angedenken der teueren Toten in unserer Gemeinde zu machen. Braunschweig. (Deutsch-nationaler A nst a n d.) Angeblich, um die „deutsche Industrie" zu schützen, haben die antisemitischen Studenten der Braunschweiger technischen Hochschule gegen die Zulassung russisch-jüdischer Studenten protestiert. Der Rektor der Universität hat den bierehrlicheu Jünglingen energisch heimgeleuchtet, indem er ihnen sagte, „wenn es ihnen hier nicht passe, könnten sie ja eine andere Hochschule aufsuchen". Bei diesem Erkenntnis werden sich die zweifellos berufenen Vertreter der deutschen Industrie wohl beruhigen müssen. Kopenhagen. In der am 30. Jänner stattgehabten Sitzung des Folkethings wurden bei der Wahl des Präsidenten 96 Stimmen abgegeben, von denen 61 auf den hisherigen Präsidenten Trier — Trier ist Jude — fielen, während 35 Zettel unbeschrieben waren. Trier erklärte, daß er, da die Lage sich nicht veränderte, seitdem er das Folkething gebeten habe, ihn des Postens eines Präsidenten zu entheben, es ablehne, die Wahl anzunehmen.