Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-02-10 · 6 (10.2.1905) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
6 (10.2.1905)
Date
1905-02-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3021602-3021609--14271-3038970
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

»Jtr. 6 Dr. Dlocb's MocbenscbrLtt. Seite 91 Studentenunruhen vom 18. und 19. Dezember. Wiewohl die Demonstration an diesen Tagen einen friedlichen Charakter trug, weil die Demonstranten bloß die Absicht hatten, eine Sympathiekundgebung für die Moskauer Duma zu veranstalten, die sich für eine Verfassung ausgesprochen hatte, ordnete Trepow an, die Demonstranten mit blanker Waffe auseinander zu treiben. Die Gendarmen uyd Kosaken richteten auch ein förmliches Blutbad an. Sie hieben sogar auf die friedlichen Passanten los, mißhandelten selbst Frauen und Kinder, trieben das friedliche Publikum in benachbarte Hofe, um es dort mit blanken Säbeln und Knütteln arg und blutig zuzurichten. In Moskau erhob sich ein Sturm der Entrüstung gegen Trepow und seine unmenschlichen Verordnungen. Sämtliche hervorragende Schriftsteller von Moskau und alle Professoren und Dozenten der Moskauer Universität richteten an den Minister des Innern, Fürsten Swiatopolk-Mirski, einen scharfen Protest gegen Trepows Maßnahmen und verlangten die Einleitung einer Untersuchung. Die Studenten stellten den Besuch der Vorlesungen ein und drohten, noch größere Unruhen zu veranstalten, wenn ihnen keine Genugtuung geboten werde. In Petersburg sah man sich genötigt, Trepow seines Amtes zu entheben, aber die von allen billig denkenden Elementen in Moskau verlangte Bestrafung der schuldigen Polizeichefs und ihres Oberhauptes, des Moskauer Oberpolizeimeisters, blieb aus. Die auf dem Nikolai-Bahnhofe zu Moskau auf General Trepow abgegebenen drei Schüsse dürften somit als der Beschluß der Moskauer Studentenschaft angesehen werden, den Urheber des Moskauer Blutbades vom 18. und 19. Dezember selbst zu bestrafen. Ein jüdisches Mädchen auf dem Kriegspfade. Vor einigen Wochen - so schreibt ein in Charbin erscheinendes Blatt — erregte auf dem Charbiner Bahnhof ein schmucker, rotbackiger Kosak die allgemeine Aufmerksamkeit. Bald stellte es sich heraus, daß unter der Kosakenuniform ein junges Mädchen steckte, die auf dem Kriegsschauplatz weit und breit bekannte Jelena (Helena) Michailowna Smolka. Wahrend der letzten chinesischen Wirren beschloß die siebzehnjährige Jelena, Tochter eines in Wladiwostok lebenden jüdischen Soldaten, in der Grenzwache Dienste zu nehmen. Da sie seit ihrer frühesten Kindheit mit Chinesen und Koreanern in Berührung gekommen war, beherrschte sie vollkommen die koreanische und chinesische Sprache. Das unternehmende junge Mädchen vertauschte seinen Namen gegen den männlichen Namen Michael, besorgte sich Männerkleidnng und bestand in Wladiwostok das Examen eines Militärdolmctschers. Ende 1900 diente die Smolka als Dolmetscher und Mitglied der Grenzwache aus der Station Ninguta, wobei sie zu Pferde alle Streifzüge und Scharmützel der Grenzwache mitmachte. Im Jahre 1901 wurde sie mit einer Szotnja der Feldwache zur Vornahme einer Rekognoszierung nach Kaiga abkommandiert. Nach einem beschwerlichen Tagesmarsch schlug die Szotnja ihr Nachtlager iu einer Fansa auf. Als sich die Soldaten zur Ruhe gelegt hatten, wurde die Fansa von Chunchuscn angegriffen. Die Smolka, die in dieser Nacht die Wache hatte, bemerkte jedoch rechtzeitig die drohende Gefahr, setzte ihre Kompagnie davon in Kenntnis, und als die Chunchusen nahten, wurden sie von einem mörderischen Feuer empfangen und zur Flucht gezwungen. Bei diesem Scharmützel erhielt Jelena Smolka ihre erste Verwundung an der linken Schulter. Für diese und andere hervorragende Taten bekam sie eine Geldbelohnung, einen Säbel mit silbernen Griff mit der Inschrift „Für Tapferkeit" und eine silberne Medaille. Als Japan die Feindseligkeiten gegen Rußland eröffnete, richtete Jelena an den Kommandierenden der Armee das Gesuch, sie in die Reihen der Freiwilligen aufzunehmen. Ohne die Antwort abzuwarten, eilte sie nach Charbin und trug ihre Bitte dem General Wolkow vor, der sie jedoch abschlägig besckied. Die Smolka legte nun wieder Männerkleider an, steckte ihre Tapferkeitsmedaille an die Brust und suchte nach einer Gelegenheit, um sich der Armee auf eigene Gefahr anzuschließen. Da man damals in Charbin an Privatpersonen keine Fahrkarten nach dem Süden verkaufte, versteckte sich die findige Smolka in einem Güterwagen und gelangte als blinder Passagier nach Liaojang, wo sich damals das Hauptquartier befand. Jelena traf dort ehemalige Kameraden von der Grenzwache, und durch die Vermittlung des Jessanls Wischnjakow vom 2. Nertschinsker Kosakenregiment gelang es ihr, ihre Aufnahme in die aktive Armee durchzusetzen. Bold darauf erhielt ihre Szotnja den Befehl, eine Rekognoszierung der Umgebung der Stadt Huanschensien vorzunehmen. Wie schon früher einmal bei einer ähnlichen Gelegenheit konnte die Smolka dank ihren Sprachkenntnissen ihrer Szotnja einen großen Dienst erweisen, indem sie auf das Nahen einer größeren feindlichen Abteilung aufmerksam machte, so daß sich die Szotnja rechtzeitig znrückziehen konnte. In der Folge wurde Jelena von General Rennenkampf unter dem Namen Michail Smolka als Freiwilliger kommandiert. Mit diesem Regiment hat die Smolka zahlreiche Rekognoszierungen mitgemacht, wobei sie einmal von einer feindlichen Kugel leicht am Fuße verwundet wurde. Während ihres Soldatenlebens ertrug sie ohne Murren alle Strapazen und Entbehrungen: sie schlief nuausgekleidet in der gemeinschaftlichen Fansa, war gleichzeitig mit den Kameraden im Sattel, sang, scherzte und speiste mit ihnen und verlangte nur, daß man sie als Mann behandle. Doch Jelena ist ein Weib, und dazu ein junges und hübsches, und so konnte es trotz ihrer Zurückhaltung nicht ansbleiben, daß sich indem „weiberlosen, dem schrecklichen Kriege" nicht nur viele itner Soldaten, sondern auch Vorgesetzte Offiziere in sie verliebten. Im übrigen legten aber die Offiziere und Soldaten in ihrem Benehmen Jelena gegenüber die größte Zurückhaltung an den Tag. Gegenwärtig hält sich die Smolka in Charbin ans, um für ihr Regiment verschiedene Einkäufe zu besorgen. Sie trägt dabei ihre schmucke Kosakennniform. und wenn die Charbiner Damen über den hübschen, weiblichen Soldaten spötteln wollen, weist Jelena alle Stiche mit einem liebenswürdigen Lächeln .zurück weiß sie doch, daß der Spott vielfach mit Neid gemischt ist. Solche Dienste leistete ein jüdisches Mädchen den Russen. Sollte von ihren Taten nichts zu den Ohren des Zaren gelangen? Sollte sich der Zar daraufhin nicht entschließen können, seinen jüdischen Untertanen mehr Gerechtigkeit zukommen zu lassen? Etwas wie Tank hätte der Heldenmut des jüdischen Mädchens doch wohl verdient. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa Wien, Leitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der fei. Leonore Back: Von Ludwig und Rosa Zweig Kronen 20.—, Samuel Hollitscher 10.—, Ignatz Bruckner 10.—, Max Bruckner 10. , Sigmund Bruckner 10.—, Ignatz Gewitsch 10.—, S. Chiger und G. Hollitscher 5.—, Familie Hatschek 20.—. Zusammen: Kronen 95.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Wilhelm Freyenfeld: Vvn Beruh, und Otto Brakowetz Kronen 10.—. Jo'ef Sliaßny, Brünn 5".—, Emil Karpeles 50.—, Dr. Armin Tofler und Frau 50.—. Znsammen: Kronen! 0». . Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Jakob Marmorosch: Ludwig Rosenzweig Kronen 1« —, Dr. Julius Monath 10 - , Ing. Viktor Monath 10. - , Gustav Bamberger 10. . Zusammen: Kronen 4u.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Jo'na P o l l a k: Von Friedrich Pollak Kronen 50. Ernst Pollak 20.—, Julius Pollak 20.—, Ignaz Wolf 20.—, Ignaz Pasckka 10.-, Wilhelm Mayer 5.—, August Fischel 10.-, Dr. Friedrich Silberstein ^0.—. Zusammen: Kronen l^ö.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Regine Fleischer: Von Vorstandsdamen des Israel. Frauen-Wohltätigkeitsvereines, VII. Kronen 42.—, Hermann Liebermann 10.—, Moritz Fleischer, Proßnitz 20.—, Dr. Leopold und Anna Berg 20.—. Friedrich Schiller 10.—, Albert Winterberg 10.-, Julius Wolf und Frau 20. , Ludwig und Jenny Altschnl, Tarnwald 10.—, Dr. Ludwig Weiß 10.—, Dr. Jakob Encel 10.—, Siegfried Strauß 10.—, kaiserl. Rat Josef Toffler 10.—, S.'Steiner 10.—, Joanes F-ischl 5.—. Gottlieb Bettelbeim 20.—, Vorstand des Tempelvereines Josefstadt 20 —, Dr. Alfred Stern 10. , Salo Cohn 20.—. Zusammen: Kronen 2i°,7.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Dr. Philipp G o l dschmidt: Von Friedrich Förster Kronen 20.—, Eugen Heilpern 10.—. Zusammen: Kronen 30.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Julius Breisach: Von Georg Weiß und Frau Kronen 50.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Arnold Reif: Von Fanny Kohn Kronen 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Dr. Alois P o l l a k: Von Dr. Oskar Neumann Kronen 20 - , Salomon Dittrrchstein 10.—, Simon Milch 10.—. Zusammen: Kronen 40.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Dr. Ludwig Buchsbaum: Von S. Bing Kronen 20.—, Karl Wiener 10.—. Doktor Schramek 10—, Moritz Willheim 10. . G. Koralek 10.—. Zusammen: Kronen HO.—. Anläßlich des Ablebens des sek. Herrn Franz Kämpf: Von Salo Landau Kronen 10.—, Josef Hofmann 4.-. Zusammen: Kronen 14.—. «? -V Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Julius Löwin ger: Von Eduard Doctor Kronen 50.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn k. k. Hauptmann Ignatz Weißberger Edler von Ecksteinhof: VonJ. C. Löwenberg Kronen 25.—. Richard Weißberger 10. , Severin Hofmann 20.—, Alois Fischl, Klosterneuburg 10.—. Zusammen: Kronen H5. . Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Moritz Weinberger: Von Jaques Wallis Kronen 5.—. L Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Ferdinand Quittner: Von Familie Rudolf Fuchs Kronen 10.-. §r ^Anläßlich des Ablebens der fei. Fanny Bauer: Samuel und Philippine Neurath Kronen 10.—. Siegmund Friedmann 10. -, Carl Jorg 20.—, Heinrich Friedländer und Frau 40.—, Heinrich B. 10.—,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.